Waldkirchen

Wappen Deutschlandkarte
Waldkirchen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Waldkirchen hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 48° 44′ N, 13° 36′ OKoordinaten: 48° 44′ N, 13° 36′ O
Bundesland:Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Freyung-Grafenau
Höhe: 573 m ü. NHN
Fläche: 80,01 km²
Einwohner: 11.326 (31. Dez. 2025)
Bevölkerungsdichte: 142 Einwohner je km²
Postleitzahl: 94065
Vorwahlen: 08581, 08551, 08582
Kfz-Kennzeichen: FRG, GRA, WOS
Gemeindeschlüssel: 09 2 72 151
Stadtgliederung: 67 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 1
94065 Waldkirchen
Website: www.waldkirchen.de
Erster Bürgermeister: Heinz Pollak
Lage der Stadt Waldkirchen im Landkreis Freyung-Grafenau
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Karte
Waldkirchen von Westen

Waldkirchen liegt an einem Goldenen Steig und ist die einwohnerstärkste und jüngste Stadt im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau. Die Erhebung zur Stadt erfolgte 1972.

Geografie

Lage

Waldkirchen ist eine der östlichsten Städte Bayerns. Die Stadt liegt zwischen der Dreiflüssestadt Passau und dem Nationalpark Bayerischer Wald.

Gemeindegliederung

Es gibt 67 Gemeindeteile:

Geschichte

Marktplatz von Waldkirchen
Marktplatz und Stadtpfarrkirche

Bis zum 18. Jahrhundert

Einem Goldenen Steig in Richtung Böhmen verdankt der Markt Waldkirchen seine Entstehung, die wohl an die Jahrtausendwende zurückreicht. Das älteste erhaltene Dokument ist eine auf 1203 datierte Reiseabrechnung eines Pfarrers in oder von einer „Kirche im Wald“. Der Überlieferung nach erhielt Waldkirchen 1285 das Marktrecht.

Der Passauer Fürstbischof Bernhard von Prambach bestätigte im Jahr 1300 das Marktrecht, die alleinige Salzniederlage im Passauer Abteiland und den Straßenzwang. Es gelang den Waldkirchnern später aber nicht, die Rechte für den damals einträglichen Salzhandel zu verteidigen. Das Marktrecht galt bis 1806 (Auflösung des HRR). 1458 wurde Waldkirchen von einem böhmischen Heer unter Kaplirz de Sulewicz mit einer Brandschatzung bedroht. Der Passauer Bischof Ulrich von Nußdorf ließ daraufhin um 1460 eine Ringmauer mit zehn Türmen und zwei Torbauten errichten. Auf der ältesten Ansicht von Waldkirchen aus dem Jahr 1720 von Joseph Haas ist die Mauer noch vollständig vorhanden. Einige Reste der Befestigung sind bis heute erhalten; andere Teile wurden zum großen Teil zur Tourismusförderung rekonstruiert.

Der Ort wurde 1803 mit dem größten Teil des Hochstiftsgebietes zugunsten des Großherzogs Ferdinand von Toskana säkularisiert und fiel erst 1805 an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Brände

Es gab in Waldkirchen in den Jahren 1492 bis 1945 sechs teils verheerende Brände. Der Brand von 1862 vernichtete 140 Häuser.

Am 26. April 1945, in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, beschossen US-Truppen Waldkirchen. Acht Menschen starben, 48 Wohnhäuser und die Kirche wurden zerstört und 120 Familien wurden obdachlos.

Stadt

Am 16. September 1972 wurde der Markt Waldkirchen zur Stadt erhoben.

Eingemeindungen

Am 1. Januar 1968 wurde die Gemeinde Oberfrauenwald eingegliedert. Am 1. Juli 1970 kamen die Gemeinden Ratzing und Schiefweg hinzu, Unterhöhenstetten folgte am 1. April 1971. Am 1. Januar 1978 kamen noch Böhmzwiesel mit einem Teil der 1946 aufgelösten Gemeinde Stadl und die Gemeinde Karlsbach hinzu.

Einwohnerentwicklung

Waldkirchen in den damaligen Grenzen

Waldkirchen in der heutigen Ausdehnung

Religion

88 % der Einwohner sind römisch-katholisch, weitere 6 % evangelisch, 0,3 % altkatholisch, der Rest bekennt sich zu anderen Religionsgemeinschaften oder gehört keiner Glaubensgemeinschaft an. Im Umkreis der Stadt gibt es neben den Kirchen der verschiedenen Pfarreien auch noch zahlreiche Flurkapellen, Bildstöcke und Wegkreuze.

Politik

Rathaus Waldkirchen

Stadtrat

Wahlergebnis 2020
GruppierungStimmenSitze
UCW-FW38,52 %9
CSU27,98 %7
BP13,22 %3
SPD9,43 %2
Grüne6,22 %2
ÖDP4,63 %1
Wahlergebnis 2014
GruppierungStimmenSitze
CSU34,95 %8
UCW26,55 %6
BP15,15 %4
SPD10,55 %2
ÖDP5,17 %1
JWU7,63 %2

Anfang Mai 2021 trat ein Stadtrat aus der CSU aus und gehört jetzt als Fraktionsloser dem Stadtrat an.

Bürgermeister

Wappen

Blasonierung: „In Blau auf grünem Boden in Seitenansicht eine silberne Kirche mit grün gedecktem Zwiebelturm und rotem Dach; rechts davor stehend ein grüner Nadelbaum.“

Städtepartnerschaften

ILE Abteiland

Die Gemeinde ist Mitglied der im April 2011 von 11 Kommunen gegründeten Arbeitsgemeinschaft „Integrierte Ländliche Entwicklung Abteiland“ (ILE Abteiland), deren Motto es ist, den Natur-, Kultur- und Wirtschaftsraum Abteiland als lebenswerte Heimat zu erhalten und zu gestalten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen

Bauwerke

Parks

Freizeit und Tourismus

Sport

Der ESV Waldkirchen ist ein Eishockeyverein (die Karoli Crocodiles), der 1999 anstelle der aufgelösten Eishockeyabteilung des TSV Waldkirchen den Spielbetrieb aufnahm, und gehört unter den Sportvereinen zu den Aushängeschildern der Stadt. Er nimmt am Spielbetrieb des BEV teil, wobei er seine Heimspiele in der Eissporthalle Karoli austrägt. Ab der Saison 2018/19 spielen die Crocodiles in der Bayerischen Landesliga (5. Liga).

Den größten Erfolg der Vereinsgeschichte erreichte der ESV 2011 nach der Bayerischen Landesliga-Vizemeisterschaft, als er sich für die viertklassige Regionalliga (BYL) qualifizierte. Der ESVW konnte sein Aufstiegsrecht nicht wahrnehmen und spielte deshalb in der Folgesaison weiter in der BLL. Weitere Erfolge waren die viermalige Meisterschaft der Bayerischen-Bezirksliga Ost bzw. Nord und die zweimalige Meisterschaft der Bayerischen-Landesliga Ost 1995 und N/O 2011.

Der TSV Waldkirchen umfasst mehrere aktive Abteilungen, z. B. für Fußball oder Volleyball. Die Gewichtheber des TSV gewannen 2020 die Bayernliga und stiegen in die 2. Bundesliga auf.

Regelmäßige Veranstaltungen

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Waldkirchen ist über einen Autobahnzubringer (Staatsstraße 2131) (zwischen Aicha vorm Wald und Hutthurm) sowie ab Röhrnbach über die B 12 an die A 3 angeschlossen. Eine Staatsstraße – die alte WOS 1 – verbindet Waldkirchen mit Freyung. Außerdem ist Passau über die B 12 nach 30 Kilometern zu erreichen.

Bus der RBO am Busbahnhof kurz vor der Abfahrt nach Passau, Juni 2026

1892 nahmen die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen die Bahnstrecke Passau–Freyung, an der sich etwas außerhalb im Stadtteil Richardsreut der Bahnhof Waldkirchen (Niederbay) befindet. Ab 1910 zweigte am Bahnhof Waldkirchen die Bahnstrecke Waldkirchen–Haidmühle ab, die eine Direktverbindung von Passau nach Budweis in Böhmen herstellte. Bis 1995 wurde die Strecke nach Haidmühle stillgelegt und danach zum Adalbert-Stifter-Geh- und Radwanderweg umfunktioniert. Das im neohistoristischen Stil errichtete Empfangsgebäude des Bahnhofs Waldkirchen steht heute unter Denkmalschutz.

Busbahnhof Waldkirchen, Oktober 2025

Nachdem die Bahnstrecke Passau–Freyung vom August 2002 an nicht mehr befahrbar war, wurde sie am 1. April 2005 stillgelegt. Diese Stilllegung dauerte bis August 2009, als die Ilztalbahn GmbH, unterstützt durch den Förderverein Ilztalbahn e. V., mit der Reaktivierung der Strecke begann. Seit dem 12. September 2010 ist die Teilstrecke Waldkirchen–Freyung wieder in Betrieb, und seit dem 16. Juli 2011 ist auch der Abschnitt Waldkirchen–Passau für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Seitdem wird im Rahmen des Freizeitverkehrsprojektes Donau-Ilz-Moldau wieder an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen im Sommerhalbjahr und zu Sonderfahrten ganzjährig Zugverkehr durchgeführt.

Citybus in der Waldkirchner Innenstadt, Oktober 2025

Daneben hat Waldkirchen einen Busbahnhof unweit des Ortskerns. Waldkirchen wird durch Busse der RBO und einiger privater Unternehmer mit den umliegenden Gemeinden sowie den Städten Grafenau, Freyung und Passau verbunden. Durch die Fa. Kohl aus Waldkirchen wird auch ein Citybus betrieben, dieser verkehrt von Montag bis Samstag. Seit 2022 gibt es zusätzlich eine saisonale Freizeitbuslinie (Linie 606) welche in den Sommermonaten Waldkirchen mit dem Dreisesselberg verbindet. Es bestehen über die Linie 509 sowie über die RBO-Linien 6134, 6226 und 6324 auch Verbindungen in den Landkreis Passau nach Hauzenberg, Salzweg, Büchlberg, Hutthurm und in die Stadt Passau. In allen Bussen (ausgenommen Citybus) gilt seit September 2021 der einheitliche Wabentarif des Verbundtarifs Donau-Wald (VDW).

Wirtschaft

Unternehmen

Firmenstammsitz und Besucherzentrum der Alten Hausbrennerei Penninger in Waldkirchen (2021)

Zu den wichtigsten Arbeitgebern zählen das Modehaus Garhammer, der Werkzeughersteller Gedore, der in Waldkirchen ein Zweigwerk hat und der Spirituosenhersteller Alte Hausbrennerei Penninger.

Öffentliche Einrichtungen

Die Kliniken des Landkreises Freyung-Grafenau gGmbH betreibt neben Krankenhäusern in Freyung und Grafenau seit Ende 2018 nur noch ein Medizinisches Versorgungszentrum in Waldkirchen.

Bildung und Forschung

Kindergärten
Grundschulen
Weiterführende Schulen

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Personen mit Bezug zur Stadt

Commons: Waldkirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Waldkirchen – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. ↑ Einwohnerzahlen – Stand: 31. Dezember 2025. (PDF; 4,1 MB) Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke in Bayern. In: statistik.bayern.de. Bayerisches Landesamt für Statistik, Mai 2026, abgerufen am 21. Mai 2026 (Hilfe dazu).
  2. 1 2 Stadt Waldkirchen in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 25. August 2018.
  3. ↑ Waldkirchen – Domstadt, Badepark & Radabweiser aus Granit. Abgerufen am 24. Mai 2021.
  4. ↑ Gemeinde Waldkirchen, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 24. Dezember 2021.
  5. ↑ Paul Praxl: Der Goldene Steig. Ein Heimatbüchlein. Waldkirchen 1959 (online auf staatliche-bibliothek-passau.de).
  6. ↑ Paul Praxl: Der Goldene Steig. Grafenau 1976, S. 12.
  7. ↑ Zitat (S. 517, 26. April 1945): Continuing SE from Ohe R, CCB takes Waldkirchen and pushes E to Wollaberg; patrols to positions overlooking Austrian border near Gollnerberg. (SE = southeast)
  8. 1 2 Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 627 und 628 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
  9. ↑ Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 596.
  10. ↑ Waldkirchen überschreitet die 11.000 Einwohner Marke. In: INNSIDE. 22. April 2022, abgerufen am 25. Juni 2023 (deutsch).
  11. ↑ Kommunalwahlen 2020 in der Stadt Waldkirchen – Übersicht. Abgerufen am 17. März 2020.
  12. ↑ Manfred Dersch tritt aus der CSU aus in www.pnp.de
  13. 1 2 3 Stadtrat der Stadt Waldkirchen. Abgerufen am 8. Februar 2026.
  14. ↑ Wappen von Waldkirchen in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
  15. ↑ Ois Guade! Waldkirchen feiert 40 Jahre Stadterhebung - 120 Bilder zum Geburtstag | Da Hog’n - Onlinemagazin ausm Woid. 16. September 2012, abgerufen am 3. Juli 2022 (deutsch).
  16. ↑ Die Entstehung von ILE Abteiland, abgerufen am 14. November 2022.
  17. ↑ esv-waldkirchen.de, Info ESV Waldkirchen
  18. ↑ regiowiki.pnp.de, Eishockey in Niederbayern ESV Waldkirchen
  19. ↑ rodi-db.de, Ligenzugehörigkeit ESV Waldkirchen
  20. ↑ TSV Waldkirchen in Rekordlaune: 16 Einzelbestleistungen und so viele Zuschauer wie lange nicht. In: heimatsport.de. 1. März 2020, abgerufen am 22. November 2020.
  21. ↑ Personennahverkehr. In: Waldkirchen im Bayerischen Wald - einfach schön! Abgerufen am 26. Mai 2026.
  22. ↑ Meine Region Mein VDW | Verbundtarif DonauWald: Linienpläne - Meine Region. Mein VDW.Verbundtarif DonauWald. Abgerufen am 26. Mai 2026.
  23. ↑ Meine Region Mein VDW | Verbundtarif DonauWald: Interaktiver Wabenplan - Meine Region. Mein VDW.Verbundtarif DonauWald. Abgerufen am 26. Mai 2026.
  24. ↑ Kliniken Am Goldenen Steig gGmbH ::: Aktuelles / Presse. 17. Juli 2019, archiviert vom Original am 17. Juli 2019; abgerufen am 24. Mai 2021.