Ecuador-Bergviscacha

Ecuador-Bergviscacha
Systematik
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
Teilordnung: Hystricognathi
ohne Rang: Meerschweinchenverwandte (Caviomorpha)
Familie: Chinchillas (Chinchillidae)
Gattung: Hasenmäuse (Lagidium)
Art: Ecuador-Bergviscacha
Wissenschaftlicher Name
Lagidium ahuacaense
Ledesma et al., 2009

Das Ecuador-Bergviscacha (Lagidium ahuacaense) ist eine Nagetierart aus der Familie der Chinchillas (Chinchillidae). Sie kommt in einem eng begrenzten Gebiet am Cerro El Ahuaca, einem isolierten Granitberg im Süden von Ecuador vor. Sie wurde erstmals 2005 beobachtet und formal 2009 beschrieben. Die Population lebt mehr als 500 km nördlich der nächsten bekannten Population von Bergviscachas im zentralen Peru. Nur die einzige Population ist bekannt. Die Tiere leben in felsigen Habitaten und nur mehrere dutzend Individuen wurden gesichtet. Die Art ist bedroht durch Feuer und Beweidung; die Entdecker empfahlen den Schutzstatus „Vom Aussterben bedroht“.

Verbreitung in Ecuador

Taxonomie

Das Ecuador-Bergviscacha wurde im Juli 2005 erstmals beobachtet, als die einzige bekannte Population am Cerro El Ahuaca in Ecuador entdeckt wurde, mehr als 500 km nördlich der bis dahin bekannten nördlichsten Population von Bergviscachas (Lagidium) im zentralen Peru. Der Fund wurde 2006 in einer Notiz von Florian Werner, Karim Ledesma und Rodrigo Hidalgo veröffentlicht, welche die Population vorläufig als Vertreter der peruanischen Art Lagidium peruanum identifizierten, aber die Möglichkeit einer eigenständigen Art nicht ausschlossen. Drei Jahre später beschrieben Ledesma, Werner, Ángel Spotorno und Luis Albuja die Population aufgrund morphologischer und DNA-Sequenzunterschiede als neue Art, Lagidium ahuacaense. Der Artname ahuacaense bezieht sich auf den Cerro de Ahuaca.

Das Ecuador-Bergviscacha war die vierte Art der Gattung Lagidium nach L. peruanum, L. viscacia und L. wolffsohni in den zentralen und südlichen Anden, wobei eventuell weitere Arten in der Gruppe von L. peruanum, L. viscacia vorhanden sein könnten. L. wolffsohni unterscheidet sich nur geringfügig von L. viscacia. Zusammen mit den Viscachas (Lagostomus maximus) und den Chinchillas (Chinchilla) bildet Lagidium die Nagetier-Familie Chinchillidae. Innerhalb der Gattung Lagidium unterscheidet sich L. ahuacaense um 7,9 % der DNA-Sequenzen der mitochondrialen Cytochrom-b-Gene. Eine kladistische Analyse stellte die Ecuadorianische Art in eine Schwestergruppe zu allen anderen Lagidium-Arten, aber diese Einstufung ist umstritten. Morphometrische Analysen bestätigten aber, dass die Population sich von anderen Arten von Lagidium unterscheidet.

Merkmale

Eine kaninchenähnliches Nagetier mit grauem Fell und langem Schwanz sitzt auf einem Felsen.
Eine nördliche Viscacha (Lagidium peruanum), die Art, die am nächsten mit dem Ecuador-Bergviscacha verwandt ist.

Das Ecuador-Bergviscacha ist mittelgroß mit wolligem, graubraunem Fell und einem sehr lange Schwanz. Ein schwarzer Streifen verläuft mittig über den Rücken. Die dicken, langen Vibrissen (Schnurbarthaare über dem Maul) sind überwiegend dunkelbraun, ebenso die wenigen Überaugenhaare. Die Ohren sind mit dunkler Haut bedeckt. Die Unterseite ist cremeweiß. Die Vorderpfoten sind braun behaart und deutlich kürzer als die Hinterpfoten, die teils mit braun-cremefarbenen, teils mit dunkelbraunen Haaren bedeckt sind. Vorder- und Hinterpfoten haben jeweils vier Zehen mit kleinen, gebogenen Krallen und drei schwarze Ballen. Die Pfoten-Sohlen sind unbehaart. Der Schwanz ist behaart, wobei die Haare auf der Oberseite länger sind als auf der Unterseite. Die Oberseite ist an der Basis graubraun, in der Mitte hell- bis mittelbraun mit cremefarbenen Durchmischungen und an der Spitze rötlichbraun; die Unterseite ist dunkelbraun. Bei dem einzigen vermessenen Exemplar beträgt die Kopf-Rumpf-Länge 403 mm, die Schwanzlänge 400 mm, die Hinterfußlänge 85 mm, die Ohrlänge 60 mm und die Körpermasse 2,03 kg.

Der Schädel ist lang und kompakt. Die Zwischenkieferknochen ragen leicht über die oberen Schneidezähne hinaus, und die Jochbögen (Wangenknochen) sind breit. Die Naht zwischen Zwischenkiefer- und Stirnbein ist stärker gekrümmt als bei L. peruanum, und das Stirnbein (Rostrum, vorderer Teil des Schädels) ist breiter und die Interorbitalregion schmaler als bei L. viscacia und L. wolffsohni. Die Foramina incisiva (Öffnungen im vorderen Gaumenbereich) sind lang und schmal. Der Gaumen reicht bis nahe an den oberen dritten Molaren. Die Ränder der Fossa mesopterygoidea (der Öffnung hinter dem hinteren Gaumenrand) divergieren stärker als bei anderen Lagidium-Arten. Der Unterkiefer ist kräftig. Die Zahnformel lautet:1.0.1.31.0.1.3 × 2 = 20 (je ein Schneidezahn, ein Prämolar und drei Molaren auf jeder Seite des Ober- und Unterkiefers). Die Schneidezähne sind groß, weiß und deutlich gerillt. Die Molaren sind niedrigkronig und wurzellos (kontinuierlich wachsend).

Ökologie und Schutzstatus

Das Ecuador-Bergviscacha ist nur vom Cerro El Ahuaca bekannt, einem steilen Granitinselberg nahe Cariamanga in der Provinz Loja im Süden Ecuadors. Dort kommt die Art in einer Höhe von 1950 bis 2480 m vor, allerdings ausschließlich in der Nähe von Felsflächen. Die Vegetation wird vom Melassegras (Melinis minutiflora) dominiert. Die Tiere ernähren sich von Pflanzen, und Fraßspuren sind sichtbar. Ihr Lebensraum auf dem Cerro El Ahuaca umfasst eine Fläche von etwa 120 ha, und die Gesamtpopulation dort dürfte nicht mehr als einige Dutzend Individuen umfassen. Abgesehen von einigen kleinen Felsvorsprüngen in der Nähe des Cerro ist kein geeigneter Lebensraum in der Umgebung vorhanden, es könnten jedoch weitere Populationen an anderen Orten im Süden Ecuadors oder im benachbarten Nordperu existieren.

Die Art ist durch Brände bedroht, die zur Bewässerung der umliegenden Felder eingesetzt werden und häufig außer Kontrolle geraten, wodurch Teile des Lebensraums der Viscacha auf dem Cerro zerstört werden. Zudem stellt die Nahrungskonkurrenz mit weidenden Rindern eine Bedrohung dar. Die Art ist der lokalen Bevölkerung jedoch unbekannt und wird nicht bejagt. Aufgrund ihres kleinen Verbreitungsgebiets und ihrer geringen Populationsgröße empfahlen Ledesma und Kollegen, die Art gemäß den Kriterien der Roten Liste der IUCN als vom Aussterben bedroht einzustufen und umgehend Schutzmaßnahmen für die Population auf dem Cerro El Ahuaca sowie weitere Forschungen zu ihrer Biologie einzuleiten.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 F.A. Werner, K.J. Ledesma, B. Hidalgo: Mountain vizcacha (Lagidium cf. peruanum) in Ecuador – first record of Chinchillidae from the northern Andes. In: Mastozoología Neotropical. 13(2) 2006: S. 271–274.
    1. ↑ S. 271.
    2. ↑ S. 272.
    3. ↑ S. 273–274.
  2. 1 2 K.J. Ledesma, F.A. Werner, A.E. Spotorno, L.H. Albuja: A new species of Mountain Viscacha (Chinchillidae: Lagidium Meyen) from the Ecuadorean Andes (abstract only). In: Zootaxa. 2126; 2009: S. 41–57. (42).
    1. ↑ S. 41.
    2. 1 2 3 S. 47.
    3. ↑ S. 52.
    4. 1 2 S. 45.
    5. 1 2 3 4 5 S. 49.
    6. ↑ table 1.
    7. 1 2 S. 50.
    8. 1 2 S. 53.
    9. ↑ S. 54.

Literatur