Edmond Tulasne

Edmond Tulasne

Edmond Tulasne (eigentlich Louis-René Tulasne, * 12. September 1815 in Azay-le-Rideau, Frankreich; † 22. Dezember 1885 in Hyères) war ein französischer Botaniker und Mykologe, der sich mit Blütenpflanzen und mit Kryptogamen beschäftigte. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Tul.“

Leben und Wirken

Tulasne studierte Recht in Poitiers mit dem Ziel Solicitor zu werden. 1839 erbte er von seinem Vater ein beachtliches Vermögen. Tulasne ging nach Paris, wo sein Bruder Charles Tulasne (1816–1884) Medizin studierte. In Paris besuchte Tulasne Vorlesungen von Alexandre Brongniart, Adrien de Jussieu sowie Joseph Henri Léveillé und wurde ein Mitarbeiter von Auguste de Saint-Hilaire am Muséum national d’histoire naturelle. Seine erste Veröffentlichung von 1841 beschäftigte sich mit der Gattung Hirschtrüffel (Elaphomyces).

Seine ersten Arbeiten bezogen sich auf Systematik der Phanerogamen (Leguminosen, Podostemaceen, Monimiaceen). Dann veröffentlichte er mit seinem Bruder Charles Arbeiten zur Entwicklungsgeschichte der Pilze. Damit trug Tulasne wesentlich zur Kenntnis der kleineren parasitischen Pilze, vor allem der Rost- und Brandpilze und deren Entwicklungszyklen bei. Weitere Taxa, die von Tulasne bearbeitet wurden, waren Mutterkorn und andere Schlauchpilze, damals Pyrenomyceten (Formen mit Perithecium) und Diskomyceten (mit Apothecium) genannt.

Das gemeinsam mit seinem Bruder verfasste dreibändige Selecta fungorum carpologia (1861–1865) gilt als sein Hauptwerk.

Ehrungen

1854 wurde Tulasne Mitglied der Académie des sciences in Paris. Seit 1854 war er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1857 wurde er Mitglied der Leopoldina. 1869 wurde er als korrespondierendes Mitglied in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen.

Nach Edmond und Charles Tulasne sind die Pilzgattungen Tulasneinia Zobel ex Corda, Tulasnella J.Schröt. und Tulasnodea Fr. benannt. Edmond Tulasne allein wird geehrt durch die Pflanzengattungen Tulasnea Naudin aus der Familie der Schwarzmundgewächse (Melastomataceae) und Tulasneantha P.Royen aus der Familie der Podostemaceae.

Schriften (Auswahl)

Bücher

Zeitschriftenbeiträge

Der von der Royal Society herausgegebene Catalogue of scientific papers vermittelt einen Eindruck von seinen Zeitschriftenbeiträgen.

Literatur

Commons: Edmond Tulasne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. ↑ Carl von Voit: Louis René Tulasne (Nachruf). In: Sitzungsberichte der mathematisch-physikalischen Classe der k. b. Akademie der Wissenschaften zu München. Band 16, 1886, S. 62–64 (online [PDF; abgerufen am 3. Mai 2017]).
  2. ↑ Mitgliedseintrag von Louis-René Tulasne bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 18. Juni 2016.
  3. ↑ Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen – Erweiterte Edition. Teil I und II. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2018, ISBN 978-3-946292-26-5 doi:10.3372/epolist2018.
  4. ↑ Royal Society of London: Catalogue of Scientific Papers (1800–1863). Band 6, London 1872, S. 62–63 (online).
  5. ↑ Royal Society of London: Catalogue of Scientific Papers (1864–1873). Band 8, London 1879, S. 483 (online).