
Egon Ferdinand Günther (* 24. Januar 1921 in Mannheim; † 17. Juli 2004 in Johannesburg) war ein Galerist und Kunstsammler des 20. Jahrhunderts, der sowohl in Deutschland als auch in Südafrika tätig war. Sein Wirken trug wesentlich zur Förderung der Nachkriegskunst in Deutschland sowie der zeitgenössischen südafrikanischen Kunst bei.
Egon Günther wurde 1921 in Mannheim geboren. Seine Eltern waren Goldschmiede. Unter ihrer Anleitung absolvierte er eine Lehre in Pforzheim und studierte an der dortigen Vereinigten Goldschmiede Kunst- und Werkschule. Danach arbeitete er in der Werkstatt seines Vaters. Als Jugendlicher entwickelte er eine Leidenschaft für afrikanische Kunst und begann zu sammeln.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Egon Günther in Mannheim das „Haus für moderne Kunst und Raumgestaltung – Egon Günther GmbH“, später umbenannt in die „Galerie Egon Günther“, die er zusammen mit seinem Mitbegründer Rudi Baerwind – der bis 1949 künstlerischer Leiter der Galerie war – bis 1950 betrieb. Die Galerie spielte eine wichtige Rolle in der deutschen Kunstszene und zeigte, unter anderen, Künstler wie Willi Baumeister, Max Ackermann, Karl Otto Götz, Conrad Westpfahl, Bernard Schultze, Franz Radziwill, Rudolf Scharpf, Edgar Jené und Boris Kleint. In der Galerie fanden zahlreiche Ausstellungen moderner Kunst sowie traditioneller afrikanischer Skulpturen statt, die Günther ebenfalls sammelte und präsentierte. Besonders bekannt wurde eine Ausstellung surrealistischer Werke unter dem Titel „Vision und Magie“ im Jahr 1948.
1948 zeigt die Ausstellung Vision und Magie in Mannheim von Juni bis Ende August 1948 die Werke von Max Ernst mit seinen „Hunderttausend Tauben“ und Paul Klee. Große Künstler sind jedoch nicht vertreten: Rudi Baerwind, Karl Otto Götz, Heinz Trökes. Egon Günther beschließt, seine Ausstellungen durch ein reichhaltiges Kulturprogramm zu unterstützen: Er organisiert Themenabende rund um den Surrealismus und zeitgenössische Poesie. Die Presse bleibt skeptisch, […]. Die Ausstellung war nicht sehr erfolgreich, die Presse riet jungen Besuchern vom Besuch ab! (Martin Schieder, Universität Leipzig, 2015).
Egon Günther heiratete 1947 und wanderte 1951 zusammen mit seiner Frau Hannelore nach Südafrika aus. In Johannesburg arbeitete er für kurze Zeit als Silberschmied, bevor er zusammen mit Edy Caveng ein eigenes Atelier eröffnete (1955–1965). 1957 eröffnete er zusammen mit seinem Partner Edy Caveng eine Kunstgalerie in Linksfield Ridge (Johannesburg) mit dem Namen „Egon Guenther Gallery“, in der er afrikanische Kunst ausstellte (u. a. Holzskulpturen, Masken, Bronzeabgüsse) neben Ausstellungen abstrakter und surrealistischer Werke von deutschen und südafrikanischen Malern. Die Partnerschaft mit Edy Caveng endete 1965, als die Familie Caveng in die Schweiz zurückkehrte. Egon Günther konzentriert sich nun mehr auf die Galerie als auf seine Schmuckarbeiten und verkauft 1969 seine Schmuckwerkstatt an Kurt Donau, einen Schweizer Immigranten, der von 1958 bis 1961 in der Guenther-Werkstatt in Johannesburg gearbeitet hatte.
Egon Günthers Galerie in Südafrika wurde zu einem wichtigen Ort der Begegnung zwischen westlicher und afrikanischer Kunst. Er war einer der ersten, der traditionelle afrikanische Kunst in einem westlichen Kontext als gleichwertig mit moderner Kunst präsentierte und damit ein neues Bewusstsein für kulturelle Vielfalt schuf. Neben seiner Arbeit als Galerist war Egon Günther auch als Förderer und Mentor für zahlreiche Künstler in Südafrika tätig. Seine umfangreiche Sammlung sowie sein Engagement für die Kunst in zwei Kontinenten machen ihn zu einer einflussreichen Persönlichkeit der Nachkriegskunstszene.
Egon Günther starb am 30. Januar 2015 in Johannesburg.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Guenther, Egon |
| ALTERNATIVNAMEN | Günther, Egon Ferdinand |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Galerist und Kunstsammler |
| GEBURTSDATUM | 24. Januar 1921 |
| GEBURTSORT | Mannheim |
| STERBEDATUM | 17. Juli 2004 |
| STERBEORT | Johannesburg |