Ein Kriegsende ist eine Novelle des deutschen Autoren Siegfried Lenz. Sie erschien 1984 bei dem Verlag Hoffmann und Campe und behandelt das Schicksal der Besatzung eines Kriegsschiffes, das in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zu einer Rettungsmission geschickt wird und dessen Besatzung die Mission aufgrund der Kapitulation Deutschlands eigenmächtig abbricht.

Die Erzählung wird in der Ich-Form aus der Sicht des Rudergängers des Minensuchbootes MX 12 dargestellt. Das Boot liegt zu Beginn der Geschichte, im Mai 1945, in einem dänischen Hafen und startet von dort seine Operation in der Ostsee. Es wird wenige Tage vor Kriegsende zu einer Rettungsaktion nach Kurland befehligt, wo es im Hafen von Liebau Verwundete der Armee aufnehmen sollte, die dort noch gegen die russischen Streitkräfte kämpften. Der Kommandant befolgt den Befehl und sticht in See, obwohl die Chancen auf einen Erfolg gering und das Risiko für die Mannschaft und das Boot sehr hoch sind. Der Steuermann Bertram Heimsohn hält das Risiko für zu hoch, da die Russen östlich von Bornholm mit ihren Flugzeugen und U-Booten „alles abräumen“. Der Kommandant wählt eine Route entlang der neutralen schwedischen Gewässer an Gotland vorbei und hofft, so ungesehen nach Osten zu kommen. Sie nehmen zwei Verwundete von einem Rettungsboot auf und werden von einem Flugzeug angegriffen, wobei ein Besatzungsmitglied stirbt.
Während sich das Schiff auf See befindet, mehren sich Gerüchte, dass die deutsche Armee ihre Kapitulation unterschrieben habe, was von Funkmaat auch bestätigt wird. Teile der Besatzung und vor allem der Feuerwerker Jellinek drängen den Kommandanten darauf, die Mission abzubrechen, dieser besteht jedoch auf die Fortführung, da es keine entsprechenden Befehle zum Abbruch gibt. Im Gegenteil erreicht das Boot ein Funkspruch mit dem Befehl, weiter nach Osten zu fahren und sich dort mit dem Schwesterschiff MX 21 zu treffen; kurz darauf wird jedoch gemeldet, dass MX 21 angegriffen wurde und nicht mehr helfen kann. Die Besatzung besetzt die Brücke und der Steuermann drängt weiter auf den Kommandanten ein, dann enthebt er ihn seines Befehls, setzt in seiner Kabine unter Arrest und übernimmt selbst das Kommando mit dem Befehl, die Kapitulation zu akzeptieren, die Mission abzubrechen und umzukehren. Kurz vor Dänemark wird das Schiff von einem Schnellboot abgefangen und in den Hafen geleitet. Dort wird die Mannschaft festgenommen und vor Gericht gestellt. Obwohl der Krieg mit der Kapitulation zu Ende ist, wird die Mannschaft entsprechend den Kapitulationsvereinbarungen vor ein deutsches Militärgericht gestellt, das sie wegen Befehlsverweigerung und Meuterei anklagt und für schuldig befindet. Der Steuermann und ein Feuerwerker werden trotz Intervention des Kommandanten zum Tode verurteilt, der Rest der Mannschaft wird unter Arrest gestellt. Das Todesurteil wird kurz darauf an Bord des Schiffes ausgeführt.

Die Novelle ist in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges um die Kapitulation Deutschlands angesiedelt, sie lässt sich damit zeitlich und historisch sehr gut einordnen. Der letzte Staatsführer des Dritten Reichs Großadmiral Karl Dönitz, Nachfolger von Adolf Hitler, verfolgte zu dieser Zeit vor allem die Strategie, „deutsche Menschen vor der Vernichtung durch den vordrängenden bolschewistischen Feind zu retten,“ wie er in seiner Rundfunkansprache am 1. Mai 1945 darstellte. Er wollte entsprechend möglichst viele Deutsche vor Tod oder Gefangenschaft bewahren und er betonte dies trotz der klaren Niederlage mehrfach.
Am 4. Mai 1945 um 18.30 Uhr unterzeichnete der Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine, Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg, bei Lüneburg die Kapitulation der deutschen Streitkräfte an der gesamten britischen Front im Hauptquartier des britischen Feldmarschalls Montgomery, die Teilkapitulation trat am 5. Mai um 8.00 Uhr morgens in Kraft und seitdem galt unter anderem für Dänemark, wo die MX 12 stationiert war, Waffenruhe. Der Widerstand gegen die sowjetische Rote Armee wurde allerdings fortgesetzt, um möglichst viele Deutsche „vor dem bolschewistischen Terror zu bewahren.“
Laut einer Darstellung des Publizisten Claus Nordbruch versteht es Lenz „in der ohne Pathos geschriebenen Novelle“, „die Begriffsinhalte von Pflichterfüllung und Menschlichkeit miteinander zu verbinden, sie aber gleichzeitig durch zwei Hauptfiguren jeweils unterschiedlich zu rechtfertigen und wieder in Frage zu stellen.“ Er setze hier „zwei unterschiedlich humanitär intendierte Pflichtauffassungen konfliktreich zueinander ins Verhältnis“ und „gleichgültig, welche Entscheidung die Figuren auch wählen, sie kommen niemals zu einer alle Seiten befriedigenden Lösung.“ Im Gespräch mit Nordbruch habe Lenz dargelegt, dass „beide Standpunkte, beide Handlungen […] etwas für sich und sehr viel gegen sich [haben]. [Er] wollte dieses Dilemma deutlich machen, Pflicht und Gehorsam, [und] wollte zeigen, daß man in eine extreme Situation geraten kann, in der – gleichgültig, was man wählt – keine Lösung richtig oder falsch sein kann.“
Nordbruch stellt dar, dass sich der „Kommandant des Minensuchbootes MX 12 […] der schicksalhaften Stunde bewußt“ gewesen sei, als er in den frühen Morgenstunden des 5. Mai 1945 gen Osten ausläuft. „Die konsequente Auftragserfüllung des Kommandanten [sei] weder mit Fanatismus zu begründen noch als Untertanengeist zu interpretieren, sondern basier[e] auf dem Motiv der Menschenrettung.“ Die Pflichterfüllung sei, trotz Kapitulation, „Teil seiner selbst, aber nicht aus Liebe zu Reich oder Dönitz, sondern aus reiner Menschlichkeit“. Er sei „ein Mann, der unter Einsatz des eigenen Lebens deutsche Soldaten vor russischer Kriegsgefangenschaft und damit vor dem wahrscheinlichen Tod bewahren will.“ Der Steuermann hält dagegen den Auftrag, die Verwundeten aus Kurland herauszubringen, „von Anfang an für nicht durchführbar“ und er sieht keine Chance, Kurland zu erreichen. Für ihn sei es „vorrangig, das eigene Boot und dessen Besatzung zu retten.“ Seine Motivation, die eigene Mannschaft zu retten, ist entsprechend „ebenso wie die des Kommandanten als eine humanitäre anzusehen.“ Nach der Kapitulation sieht er sich auch rechtlich bestätigt, dass das Boot alle Unternehmungen abbrechen müsse. Durch die Kapitulation drängt er nun darauf, unverzüglich die Heimfahrt anzutreten, um das Leben der Besatzung nicht zu gefährden, und enthebt den Kommandanten seines Kommandos. Bestätigt wird er darin von der Besatzung und vor allem durch den Feuerwerker Jellinek, der jedoch im Gegensatz zu ihm nur sich selbst verpflichtet fühlt und ganz und gar auf seine eigene Person fixiert ist.
Rechtlich war die Situation allerdings nicht so einfach, wie sie der Steuermann und der Feuerwerker ohne konkrete Kenntnis der Teilkapitulationsvereinbahrungen annehmen konnte. „Nach der Gesetzeslage und den unterzeichneten Verträgen waren kriegerische Auseinandersetzungen im nun alliierten Autoritätsbereich, in dem sich auch die MX 12 befand, in der Tat abgeschlossen.“ Nicht davon betroffen „waren allerdings Minenräumkommandos und solche Aktionen, die der Rettung von Menschen dienten. Letzteres war aber der Auftrag der MX 12.“ Der Krieg war entsprechend für die Besatzung des Schiffes mit der Kapitulation noch nicht vorbei und sie waren rechtlich noch an ihren Befehl gebunden.
Die Erzählung Ein Kriegsende wurde von Siegfried Lenz 1984 auf Anregung des Norddeutschen Rundfunks (NDR) geschrieben und zeitgleich mit seiner Veröffentlichung Hoffmann und Campe auch in einer Umsetzung als gleichnamiger Fernsehfilm veröffentlicht. Laut der tageszeitung (taz) variiert der Autor in der Geschichte „die uralte Parabel von der Ausweglosigkeit des Konflikts zwischen rigoroser Moral und humaner Haltung.“
Bei der Verfilmung führte Volker Vogeler Regie. Siegfried Lenz übernimmt die Rolle des Erzählers, weitere Rollen sind mit Wigand Witting (Kommandant), Rüdiger Kirschstein (Steuermann) und Michael Weckler (Feuerwerker) besetzt.
Das Buch erschien zuerst beim Buchverlag Hoffmann und Campe 1984. Beim Bertelsmann Club erschien eine Ausgabe, bei der zusätzlich die Erzählung Schwierige Trauer von 1960 enthalten ist.