El Club (2015)

Film
Titel El Club
Produktionsland Chile
Originalsprache Spanisch
Erscheinungsjahr 2015
Länge 97 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Pablo Larraín
Drehbuch Daniel Villalobos,
Guillermo Calderón,
Pablo Larraín
Produktion Juan de Dios Larraín
Kamera Sergio Armstrong
Schnitt Sebastián Sepúlveda
Besetzung

El Club ist ein chilenischer Film von Pablo Larraín. Der Film hatte seine Premiere im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2015 und erhielt dort den Großen Preis der Jury. El Club wurde zudem als chilenischer Beitrag für einen Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ eingereicht. Der Kinostart in Deutschland war am 5. November 2015.

Handlung

In einem abgelegenen Haus in dem chilenischen Küstenort La Boca lebt eine isolierte Wohngemeinschaft: Vier ältere katholische Priester (Vidal, Ortega, Ramírez und Silva) teilen sich die Unterkunft mit der wachsamen Ordensschwester Mónica, die den Haushalt leitet. Die Männer befinden sich in einem von der Kirche verordneten Exil. Sie wurden wegen schwerer Verbrechen – darunter sexueller Missbrauch von Minderjährigen, Kindesraub zur illegalen Adoption und politische Denunziation – aus dem Dienst entfernt, jedoch nie strafrechtlich verfolgt. Ihr Alltag ist strikt reglementiert; um die Dorfgemeinschaft nicht aufzuschrecken, dürfen sie das Haus nur frühmorgens und spätabends verlassen. Ihre einzige Leidenschaft und Einnahmequelle ist das Trainieren eines Windhundes, mit dem sie erfolgreich an lokalen Rennen teilnehmen.

Die fragile Routine gerät aus den Fugen, als ein weiterer Priester namens Matías in das Haus einzieht. Kurz nach dessen Ankunft taucht ein psychisch labiler, obdachloser Mann namens Sandokán vor dem Anwesen auf. Lautstark und in drastischen Details schreit er seine traumatischen Erfahrungen als Opfer des jahrelangen sexuellen Missbrauchs durch Matías heraus. Die Bewohner des Hauses sind mit der Situation überfordert und fürchten um ihre Anonymität. Um den Lärm und die drohende öffentliche Schande zu beenden, drängen sie Matías zur Konfrontation. Schwester Mónica händigt ihm eine Pistole aus, mit der sich Matías kurz darauf im Garten vor den Augen Sandokáns selbst erschießt.

Aufgrund dieses Vorfalls entsendet die Kirchenleitung den jungen, modernen Jesuiten-Priester García. Er soll den Vorfall untersuchen, die Sünden der Vergangenheit aufdecken und das Haus dauerhaft schließen. García führt intensive, verhörartige Einzelgespräche mit den Bewohnern. Dabei offenbart sich die tiefe Bigotterie der Männer: Keiner von ihnen zeigt echte Reue für seine vergangenen Taten; stattdessen betrachten sie sich selbst als Opfer der Umstände und versuchen beharrlich, ihr komfortables Exil und ihren Lebensstil zu verteidigen.

Gleichzeitig weigert sich Sandokán, die Nähe des Hauses zu verlassen, und konfrontiert die Priester weiterhin mit seiner Präsenz. Um ihn loszuwerden, inszenieren die Priester eine Intrige und schwärzen ihn im Dorf fälschlicherweise als Hundemörder an. Die Situation eskaliert komplett, als die Priester Sandokán aufspüren und ihn brutal zusammenschlagen.

García findet den schwerverletzten Sandokán und pflegt ihn gesund. Angesichts der Gewaltspirale und der Unwilligkeit der Priester zur moralischen Umkehr kapituliert García schließlich vor seinen ursprünglichen Reformplänen. Statt das Haus zu schließen und die Wahrheit ans Licht zu bringen, wählt er einen zynischen Kompromiss: Er lässt das Exil fortbestehen, zwingt die Priester jedoch dazu, ihr Opfer Sandokán dauerhaft bei sich aufzunehmen und zu versorgen. Der Film endet damit, dass die Priester und Sandokán gemeinsam im Haus singen.

Kritiken

Antonia Zegers und Alfredo Castro spielen Schwester Mónica und Padre Vidal

Der Film erhielt überwiegend gute Kritiken. Das Branchenblatt Variety nannte den Film ein „originelles und brillant gespieltes Kammerspiel, in dem Larraíns politische Stimme so laut und klar wie nie zuvor zur Geltung“ komme.

Der Filmdienst urteilte, der „visuell eindringliche, in bedrückend düsteren Tönen gehaltene Film verknüpft Atmosphäre, Handlung und eine an der christlichen Ikonografie angelehnte Bildsprache zu einem vielschichtigen Drama über innerkirchliche Machtverhältnisse und das Ringen um mehr Transparenz“.

The Guardian kommentierte, während „unsere Ohren vom unermüdlichen Wind ausgepeitscht“ würden, erzeugten Sergio Armstrongs „Kameraeinstellungen gähnender, trostloser Landschaften einen klaustrophobischen Widescreen-Effekt“.

Auszeichnungen

Neben dem Großen Preis der Jury bei der Berlinale erhielt der Film zahlreiche weitere Würdigungen auf diversen Filmfestivals. Gewinnen konnte El Club etwa den Preis als bester Film beim Austin Fantastic Fest 2015 sowie den Silver Hugo für die beste Regie und die Silver Plaque für das beste Ensemble und das beste Drehbuch beim Chicago International Film Festival 2015. Das Ensemble gewann zudem den Schauspielerpreis beim Mar del Plata Film Festival 2015, wo ebenfalls das Drehbuch ausgezeichnet wurde. El Club gewann außerdem beim 37. Internationalen Festival des Neuen Lateinamerikanischen Films in Havanna die Große Koralle, den Hauptpreis. Bei den Golden Globes 2016 erhielt der Film eine Nominierung als bester fremdsprachiger Film.

Commons: El Club – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Freigabebescheinigung für El Club. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK-Nummer: 154407/K; abgerufen am 17. April 2026).
  2. ↑ Berlinale 2015: Wettbewerb komplett. Internationale Filmfestspiele Berlin, 19. Januar 2015, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 26. Januar 2015; abgerufen am 1. Dezember 2015.
  3. ↑ Preise der Internationalen Jury. Internationale Filmfestspiele Berlin, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 12. Juli 2015; abgerufen am 1. Dezember 2015.
  4. ↑ Agustin Mango: Oscars: Chile Selects 'The Club' for Foreign-Language Category. The Hollywood Reporter, 9. September 2015, abgerufen am 9. September 2015 (englisch).
  5. ↑ Release Info. Internet Movie Database, abgerufen am 1. Dezember 2015 (englisch).
  6. ↑ Scott Foundas: Film Review: 'The Club'. In: Variety. Variety, 9. Februar 2015, abgerufen am 1. Dezember 2015 (englisch): „[…] an original and brilliantly acted chamber drama in which Larrain’s fiercely political voice comes through as loud and clear as ever.“
  7. ↑ El Club. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 1. Dezember 2015. (= Filmdienst 22/2015)
  8. ↑ Ryan Gilbey: Berlin 2015 review: The Club – think Calvary, not Father Ted. In: theguardian.com. The Guardian, 10. Februar 2015, abgerufen am 1. Dezember 2015 (englisch): „While our ears are whipped by the unflagging wind, Sergio Armstrong’s cinematography scans yawning, featureless landscapes to create a widescreen agoraphobic effect; […]“
  9. ↑ Awards. Internet Movie Database, abgerufen am 1. Dezember 2015 (englisch).