Elke Weickelt

Elke Weickelt (* 1953 in Oldenburg (Oldb)) ist eine deutsche bildende Künstlerin. Sie lebt in Dielheim und arbeitet in der Rhein-Neckar-Region.

Leben und Ausbildung

Weickelt studierte zunächst Medizin in Kiel und promovierte berufsbegleitend. 1989 begann sie ein Studium der Bildenden Kunst an der Freien Kunstakademie Mannheim, das sie 1993 abschloss.

Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit war sie als Ärztin am Psychiatrischen Zentrum Nordbaden in Wiesloch tätig.

Künstlerisches Wirken

Seit den 1990er-Jahren ist Weickelt mit Ausstellungen in der Rhein-Neckar-Region sowie darüber hinaus vertreten. Zu den Ausstellungsorten zählen unter anderem die Alte Feuerwache Mannheim, die Kunsthalle Barmen in Wuppertal, der Kunstverein Schwetzingen und verschiedene internationale Galerien.

Für ihr Werk erhielt sie unter anderem 2004 den Willibald-Kramm-Preis. 2024 zeigte das Kurpfälzischen Museum Heidelberg eine Retrospektive unter dem Titel "SoSein und DaSein".

Seit 2025 betreut die Stiftung Künstlernachlässe Mannheim ihren Vorlass.

Werk

Weickelt arbeitet überwiegend in Mischtechnik auf Papier und Leinwand. Dabei verwendet sie unter anderem Acrylfarbe, Ölkreide und collageartige Elemente.

Ein charakteristisches Merkmal ihrer Arbeiten ist ein schichtweiser Bildaufbau, bei dem die Werke über einen längeren Zeitraum entwickelt werden.

Ihr Gesamtwerk ist durch Werkgruppen und serielle Arbeitsweisen geprägt. Wiederkehrende Motive sind geometrische Grundformen wie Dreieck, Kreis und Rechteck, die sie auch zu anderen Formen, z. B. Haus, zusammensetzt. Sie spielt mit Gegensatzpaaren wie: Linie und Fläche, Norm und Abweichung, geometrisch und organisch, Zivilisation und Natur. Reduktion und Einfachheit sind für ihre Werke zentral.

Inspirationsquellen der Künstlerin sind eigene Reisen, Ethnologie, Kunstgeschichte, Kinderzeichnungen und Outsider Art. Inhaltlich befassen sich die Arbeiten seit 2017 unter anderem mit dem Verhältnis von Mensch und Natur.

Werkphasen

Die frühe Werkphase (1991–1993) von Elke Weickelt wird vor allem durch die Serie „Urgeschöpfe“ geprägt.

Elke Weickelt, Werknr. 91-3, 1991, Acryl auf Leinwand, 100 × 150 cm

In diesen Arbeiten kombinierte sie reduzierte Figuration mit pastosem Farbauftrag und gestischem Duktus. Die Konturlinien sind noch klar abgesetzt, die Kompositionen flächig angelegt, und Tiefenwirkung entsteht durch Staffelung und Schichtung. Kunsthistorisch lassen sich Rückbezüge auf archaische Bildsysteme ziehen, teilweise vergleichbar mit Gott- oder Kultbildern früher Kulturen.

Ab Mitte der 1990er-Jahre wandelt sich ihr Werk hin zu einer stärker abstrahierten, zeichenhaften Bildsprache. Hieroglyphenartige Formen, geometrische Grundelemente wie Dreieck, Viereck und Kreis sowie rasterartige Strukturen treten zunehmend auf. In dieser Phase entwickelt Weickelt die Hausform als zentrales Motiv, das in späteren Werkzyklen immer wieder auftaucht.

Elke Weickelt, Werknr. 02-23, 2002, Mischtechnik auf Leinwand, 130 × 150 cm

In den 2000er-Jahren erweitert sich die Komposition zu offeneren, erzählerischen Bildstrukturen. Horizontlinien, Wege und gestaffelte Elemente schaffen Tiefenräume, die jedoch nicht zentralperspektivisch konstruiert sind. Die Werke dieser Phase zeichnen sich durch die Kombination von geometrischen Grundformen mit ornamentalen und leicht versetzten Anordnungen aus. Die charakteristische Farbpalette, bestehend aus Beige, Blau, Rot und Grün mit vereinzelten Akzenten von Gelb, Braun und Schwarz, etabliert sich in dieser Zeit.

Elke Weickelt, Werknr. 06-46, 2006, Mischtechnik auf Leinwand, 133 × 151 cm

Seit etwa 2010 intensiviert Weickelt erneut ihre Auseinandersetzung mit ursprünglicher Kunst und archaischen Zeichen. Diese Einflüsse fließen in komplexe, assoziative Bildwelten ein, in denen verschiedene Quellen wie ethnologische Studien, eigene Reisen und historische Vorlagen kombiniert werden.

Nach einer Reise nach Südamerika 2019 entwickelt sich ihr Werk inhaltlich und formal erneut weiter. Die Werkreihe „Erdlinge“ (2017–heute) untersucht die Beziehung von Mensch, Natur und Tieren. Themen wie Umweltzerstörung, Klimawandel und kulturelle Begegnungen werden in dialogischen Kompositionen verarbeitet.

Elke Weickelt, Werknr. 24-1, 2024, Mischtechnik auf Leinwand, 50 × 60 cm

Die Farbigkeit wird dabei oft heller und kontrastreicher, das Bildgeschehen kleinteiliger, mit zahlreichen Figuren und Elementen, die miteinander interagieren.

Parallel entstehen Werkkomplexe in Auseinandersetzung mit ethnologischer Literatur. Beispielsweise übermalt Weickelt im Zeitraum 2010/2011 Seiten aus Miloslav Stingls Bildband Kunst der Südsee (1985) und schafft daraus eigenständige Kompositionen. Die Originalseiten bleiben teilweise sichtbar und werden in den neuen Bildern integriert, wodurch historische Artefakte in die Gegenwart geholt und mit zeitgenössischer Malerei verknüpft werden.

Durch diese kontinuierliche Entwicklung lässt sich erkennen, dass Weickelts Werk von einem experimentellen, figurativen Beginn über abstrakte und geometrische Formen hin zu thematisch komplexen, kulturell und ökologisch reflektierten Arbeiten führt.

Titel und Rezeption

Ein charakteristisches Merkmal von Weickelts Werk ist die konsequente Nummerierung ihrer Arbeiten anstelle von Titeln. Die Werke werden nach ihrem Entstehungszeitpunkt im jeweiligen Kalenderjahr bezeichnet (z. B. „04-44“ für das 44. im Jahr 2004 entstandene Werk). Durch diese Praxis wird auf eine inhaltliche Festlegung durch Titel verzichtet. Die offene Benennung soll eine möglichst freie Rezeption der Arbeiten ermöglichen und unterschiedliche Assoziationen zulassen.

Die Bildsprache basiert häufig auf reduzierten, geometrischen Grundformen wie Dreieck, Kreis und Rechteck, die in variierenden Kombinationen auftreten. Diese Formen können gegenständliche Assoziationen hervorrufen, ohne eindeutig festgelegt zu sein. Die Wahrnehmung der Arbeiten ist daher stark von den individuellen Erfahrungen der Betrachter abhängig.

Ausstellungen (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Kurpfälzisches Museum zeigt Elke Weickelt Retrospektive. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 27. Juli 2024, abgerufen am 1. April 2026.
  2. 1 2 3 4 5 6 Elke Weickelt: Retrospektive. SoSein und DaSein. Ausstellungskatalog, Heidelberg 2024.
  3. 1 2 3 Elke Weickelt: Ungerade. Ausstellungskatalog, Leimen 2003.
  4. 1 2 Elke Weickelt: Wenn es ganz anders ist. Schwetzingen 2009.
  5. 1 2 3 Elke Weickelt: Einfachheit. Ausstellungskatalog, Heidelberg 2006.
  6. 1 2 3 Weickelt, Elke – Künstler:innen & Werke. In: Künstlernachlässe Mannheim. Künstlernachlässe Mannheim – Stiftung des Mannheimer Kunstverein, abgerufen am 1. April 2026.
  7. 1 2 3 Elke Weickelt: Wie immer – einfach anders. Langenhagen 2012.
  8. 1 2 In Elke Weickelts Bildern treffen sich Tier und Mensch auf Augenhöhe. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 5. März 2024, abgerufen am 1. April 2026.
  9. ↑ Elke Weickelt: Mein Haus – mein Boot. Heidelberg 2007.
  10. ↑ Elke Weickelt zeigt neue Bilder bei Vincke-Liepmann. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 3. September 2021, abgerufen am 1. April 2026.
  11. ↑ Eine ganz eigene Lebendigkeit. In: Schwetzinger Zeitung. 15. Juni 2018, abgerufen am 1. April 2026.
  12. ↑ Fotostrecke Schwetzingen – Der Erde nah: Ausstellung der Künstlerinitiative. In: Mannheimer Morgen. 4. September 2023, abgerufen am 1. April 2026.
  13. ↑ Elke Weickelt: Ausstellung in der Galerie Depelmann. In: Weltkunst. 4. September 2022, abgerufen am 1. April 2026.
Personendaten
NAME Weickelt, Elke
KURZBESCHREIBUNG deutsche bildende Künstlerin
GEBURTSDATUM 1953
GEBURTSORT Oldenburg (Oldb)