Nach Ansicht mancher Forscher (z.B. Warren Treadgold) stellt dieses zeitgenössische Mosaik aus Ravenna Belisar dar. Die Zuordnung ist aber unsicher.
Händel-Forscher wie Bernd Baselt und Reinhard Strohm nahmen ursprünglich an, L’Elpidia sei das erste von Händel zusammengestellte Pasticcio gewesen, und dass er selber, wie bei seinen späteren Pasticci, zusätzlich zur Musik anderer Autoren Rezitative und eventuell zwei Duette hinzu komponiert habe. Diese Ansicht wurde jedoch durch einige Briefe des ehemaligen Londoner Theatermanagers Owen Swiney in Frage gestellt, die 1989 durch Elizabeth Gibson veröffentlicht wurden. Swiney wirkte zu dieser Zeit in Italien als eine Art Agent und Berater für die Royal Academy und hatte das Pasticcio offensichtlich bei dem neapolitanischen Komponisten Leonardo Vinci, von dem der Löwenanteil der Musik stammt, in Auftrag gegeben und auch dafür bezahlt.
Elpidia war das erste Pasticcio der Royal Academy und erlebte seine Uraufführung – möglicherweise unter Händels Leitung – am 11. Mai 1725 im King’s Theatre, in der folgenden Besetzung:
Die Oper war ziemlich erfolgreich und lief bis zum Ende der Saison am 19. Juni an insgesamt 12 Abenden.
Das Werk wurde außerdem zu Beginn der folgenden Spielzeit zwischen dem 30. November und dem 14. Dezember 1725 für insgesamt fünf Aufführungen wiederaufgenommen, mit einer veränderten Besetzung: Die Rollen von Pacini, Borosini und Sorosina wurden nun von Antonio Baldi, Luigi Antinori und Anna Vicenza Dotti übernommen, wobei eine Reihe von Arien ersetzt wurden.
Die Libretti von Venedig 1697 und London 1725 wurden in einer modernen Ausgabe von Lorenzo Bianconi 1992 veröffentlicht.
Musik
Hauptquellen für die Musik zu Elpidia sind die Direktionspartitur („Handexemplar“) sowie ein zeitgenössischer Druck von John Walsh, der die Ouvertüre und neunzehn Gesänge veröffentlichte.
Als Komponisten nennt das Londoner Libretto vom Frühling 1725: “Signor Leonardo Vinci, except some few Songs by Signor Giuseppe Orlandini”. In der Tat fand Reinhard Strohm heraus, dass die meisten Arien des Pasticcios aus drei Opern stammen, die alle im Karneval 1724/25 am Teatro San Giovanni Grisostomo in Venedig aufgeführt wurden: Leonardo VincisIfigenia in Tauride (sechs Arien und der Schlusschor) und La Rosmira fedele (sieben Arien) sowie Giuseppe Maria Orlandinis erster Berenice-Oper (drei Arien). Die Sinfonia ist zumindest teilweise aus Vincis Eraclea (Neapel 1724) entnommen. Auch der Stil der Rezitative deutet laut John H. Roberts auf Vinci als Komponisten hin, der vermutlich auch zwei Duette und drei Accompagnato-Rezitative neu komponierte.
Die Partitur, die Swiney aus Venedig schickte, wurde jedoch für die Londoner Aufführungen noch verändert und ergänzt – ob Händel an diesen Bearbeitungen beteiligt war, lässt sich nicht klar nachweisen. Beispielsweise wurde eine der Arien aus Orlandinis Berenice für den Altkastraten Pacini durch ein Stück aus CapellisVenceslao ersetzt. Andere Arien werden in einem erhaltenen Exemplar des Librettos Domenico Sarro und Francesco Peli zugeschrieben.
Für den Bassisten Giuseppe Maria Boschi wurden nachträglich drei Arien eingeschoben, von denen zwei aus Antonio LottisTeofane (Dresden 1719) stammen.
Für die Wiederaufnahme der Elpidia im Herbst 1725 wurden einige Arien durch andere von Sarro, Orlandini, Geminiano Giacomelli u.a. ersetzt, aber da kein gedrucktes Libretto dieser Saison vorliegt, ist die Musik für diese Aufführungen nicht genau bekannt.
Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Instrumentalmusik, Pasticci und Fragmente. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 3. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1986, ISBN 3-7618-0716-3.
John H. Roberts: L’Elpidia, ovvero Li rivali generosi. In: Annette Landgraf, David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia. Cambridge University Press, 2009, ISBN 978-0-521-88192-0, S. 211f. (englisch).
Reinhard Strohm: Handel’s pasticci. In: Essays on Handel and Italian Opera. Cambridge University Press, 1985, Reprint 2008, ISBN 978-0-521-26428-0, S. 167ff. (englisch).
Reinhard Strohm: L’Elpidia (HWV A1), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 359–364
Apostolo Zeno: L’Elpidia, overo li rivali generosi. Drama per musica. Da rappresentarsi nel Regio Teatro di Hay-Market, per la Reale Accademia di Musica. Reprint des Librettos von 1725: Gale Ecco, Print Editions, Hampshire 2010, ISBN 978-1-170-97569-5.
Steffen Voss: Pasticci: Elpidia, ovvero li rivali generosi. In: Hans Joachim Marx (Hrsg.): Das Händel-Handbuch in 6 Bänden: Das Händel-Lexikon. Band 6. Laaber-Verlag, Laaber 2011, ISBN 978-3-89007-552-5, S.558.
↑John H. Roberts: Handel and Vinci’s ‘Didone abbandonata’: Revisions and Borrowings. In: Music & Letters, Vol.&n68, Nr.&n2, Oxford University Press (1987), S.141.
↑Reinhard Strohm: Handel’s pasticci. In: Essays on Handel and Italian Opera. Cambridge University Press, 1985, Reprint 2008: ISBN 978-0-521-26428-0, S. 167ff.
↑Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Instrumentalmusik, Pasticci und Fragmente. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 3. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1986, ISBN 3-7618-0716-3, S. 345.
↑Elizabeth Gibson: The Royal Academy of Music, 1719–1728: The Institution and Its Directors. Garland Publishing, New York/London 1989, ISBN 0-8240-2342-0.
1234567John H. Roberts: L’Elpidia, ovvero Li rivali generosi. In: Annette Landgraf, David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia. Cambridge University Press, 2009, ISBN 978-0-521-88192-0, S. 211f.
↑Reinhard Strohm: L’Elpidia (HWV A1), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 363.
↑Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Instrumentalmusik, Pasticci und Fragmente. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch. Band 3. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1986, ISBN 3-7618-0716-3, S. 346.
↑Lorenzo Bianconi: I: Da Vincer se stesso è la maggior vittoria (1707) a L’Elpidia, overo Li rivali generosi (1725). In: I libretti italiani di Georg Friedrich Händel e le loro fonti. Leo S. Olschki Verlag, Florenz 1992.
12John H. Roberts: L’Elpidia, ovvero Li rivali generosi. In: Annette Landgraf, David Vickers: The Cambridge Handel Encyclopedia. Cambridge University Press, 2009, ISBN 978-0-521-88192-0, S. 212
↑Siehe die Tabelle der Musiknummern in: Reinhard Strohm: L’Elpidia (HWV A1), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 359–360 (Tabelle) sowie 361 (die Zahlen der Arien im Text sind nicht ganz korrekt).
↑Siehe die Tabelle der Musiknummern in: Reinhard Strohm: L’Elpidia (HWV A1), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 359–360.
↑Reinhard Strohm: Handel’s pasticci. In: Essays on Handel and Italian Opera. Cambridge University Press, 1985, Reprint 2008: ISBN 978-0-521-26428-0, S. 168.
↑Es ist bekannt, dass in Händels (wie in italienischen) Opernaufführungen zwei Cembali und „Erzlaute“ verwendet wurden. Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 34–35.