Elsa Schiemann

Elsa (Azîza) Schiemann, geb. Specht (* 7. November 1878 in Reinbek bei Hamburg; † vermutlich zwischen dem 18. und 22. Juni 1927 in Mekka) war eine deutsche Malerin, Kunsthandwerkerin und Orientreisende.

Leben

Elsa Schiemann war die zweitjüngste Tochter des Ehepaares Wilhelm Specht (1841–1882) und Maria Mathilde Elsabea Specht (1849–1926), geb. Bruhn. Die Eltern besaßen das Schloss Reinbek, das sie 1874 aus dem Erlös des Jagdschlosses Friedrichsruh erworben hatten. Zu Schiemanns sechs Geschwistern gehörten der Psychiater und Kriminalpsychologe Wilhelm Specht (1874–1945), Mathilde Weise–Minck (1877–1952) und die Pädagogin und Sozialistin Minna Specht (1879–1961).

Schiemann besuchte – wie ihre Schwester Minna – die Bergedorfer Luisenschule, eine 9-klassige Höhere Mädchenschule. Von 1903 bis 1905 absolvierte sie die Damen-Akademie des Künstlerinnen-Vereins München e.V. Sie hatte ferner Kontakte zu prägenden Persönlichkeiten des Blauen Reiters, darunter Wassily Kandinsky, Franz Marc und Gabriele Münter. In Berlin gehörte sie 1916 wie Oskar Maria Graf, Otto Gross, Max Hermann-Neisse, Franz Jung, Richard Oehring, Claire Otto und Georg Schrimpf zum Kreis um die anarchistisch-dadaistische Zeitschrift „Die freie Straße“. Zusammen mit Georg Schrimpf gestaltete sie verschiedene Arbeiten, Lampenschirme in Papier und Seide, für das Hohenzollern-Kunstgewerbehaus Friedmann & Weber. In erster Ehe war sie mit Eduard Schiemann verheiratet, dem Vater ihres Sohnes Heinrich.

Von 1922 bis 1923 unternahm Schiemann mit ihrem Sohn und Leopold Weiss eine erste Orientreise, die Ägypten, Palästina, Transjordanien, Syrien und die Türkei umfasste. Auf einer zweiten Orientreise von 1924 bis 1926 besuchten sie, ihr Sohn und Weiss wieder Ägypten und Syrien sowie außerdem Irak, Persien und Afghanistan. 1926 heiratete sie Weiss und vollzog mit ihm die Konversion zum Islam, wobei sie den Vornamen Azîza annahm. 1927 brach sie zusammen mit ihrem Sohn und Weiss zur Pilgerfahrt nach Mekka auf. Auf dem Weg dorthin wurden Heirat und Konversion nach islamischem Recht in Kairo bestätigt. Auch der Sohn Heinrich wurde zum Islam bekehrt. Wenige Tage nach Abschluss der Pilgerfahrt starb Schiemann in Mekka an einer Malaria-Tropika-Infektion.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Elsa Schiemann starb neun Tage nach einer Pilgerfahrt, dem Hadsch, in Mekka (vgl. Muḥammad Asad: Der Weg nach Mekka. Reporter, Diplomat, islamischer Gelehrter. Das Abenteuer eines Lebens. Sammlung Luchterhand, Hamburg/Zürich 1992, S. 428 f.). Der Hadsch dauerte 1927 vom 9. bis 13. Juni.
  2. ↑ 100 Jahre Luisen-Gymnasium. 1888–1988. Festschrift. Hamburg 1988, S. 4–6.
  3. ↑ Deseyve, Yvette: Der Künstlerinnen-Verein München e.V. und seine Damen-Akademie : eine Studie zur Ausbildungssituation von Künstlerinnen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. München: Utz, 2005, S. 187.
  4. ↑ Die von Richard Oehring herausgegebene „Fünfte Folge der Vorarbeit“ mit dem Titel „Verantwortung - zu fremdem Zwang“ von 1916 enthält zwei Arbeiten von Elsa Schiemann, vgl. S. 7 u. 9.
  5. ↑ Utitz, Emil: Über dekorative Kunst. In: Innendekoration. Die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort. Verlagsanstalt Alexander Koch, Darmstadt. Jg. 30. 1919, S. 103–108, bes. S. 103 u. 105. https://doi.org/10.11588/diglit.10021#0121
  6. ↑ Windhager, Günther (Hg).: Arabische Reise. Wallstein, Göttingen 2026, S. 327 ff.
  7. ↑ Windhager, Günther: Leopold Weiss alias Muhammad Asad. Böhlau, Wien 2002, S. 178.
  8. ↑ Windhager, Günther: Leopold Weiss alias Muhammad Asad. Böhlau, Wien 2002, S. 181f. und Windhager, Günther (Hg).: Arabische Reise. Wallstein, Göttingen 2026, S. 342 f.
  9. ↑ Windhager, Günther (Hg).: Arabische Reise. Wallstein, Göttingen 2026, S. 380.
Personendaten
NAME Schiemann, Elsa
ALTERNATIVNAMEN Specht, Elsa (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG deutsche Malerin, Kunsthandwerkerin und Orientreisende
GEBURTSDATUM 7. November 1878
GEBURTSORT Schloss Reinbek, Schleswig-Holstein
STERBEDATUM 19. Juni 1927
STERBEORT Mekka