Emanuel Strubich

Emanuel Strubich (* 31. Januar 1887 in Teplitz; † 7. Februar 1922 an der Hinteren Karlesspitze in den Stubaier Alpen, Österreich) war ein deutscher Kletterer und Bergsteiger. Er gehörte zu den besten Kletterern seiner Zeit. Ihm gelang vermutlich als erstem Kletterer in Deutschland bzw. weltweit eine Route im Achten Sächsischen Grad (UIAA-Skala 7-).

Leben und Wirken

Strubich wurde als fünftes Kind der verwitweten Tagelöhnerin Maria Strubich geboren. Er verlebte eine Kindheit in einfachen Verhältnissen und lernte den Beruf des Schneiders. Seine Wanderjahre führten ihn bis in die Schweiz, wo der Anblick der Alpen seine Bergbegeisterung weckte. Er fand als Schneider wenig Anstellung, sodass er meist als Bergvagabund unterwegs war.

Strubich wohnte vermutlich schon mindestens ab 1912 in Dresden. Er folgte wohl seiner Halbschwester Bertha, die nach Dresden geheiratet hatte. Er unternahm als Mitglied im Touristenclub Kanzelsteiner 1911 erste Klettertouren in der Sächsischen Schweiz. Sein erster durch einen Eintrag ins Gipfelbuch nachweisbar bestiegener Klettergipfel war 1912 der Kanzelturm im Bielatal.

Strubich war polizeilich nie in Dresden gemeldet und ist daher vermutlich nicht zum Militärdienst eingezogen worden. Aufgrund der so gewonnenen Zeit konnte er seine Kletterfähigkeiten steigern. Unter den Mentoren Otto Jüngling und Karl Ullrich entwickelte sich Strubich ab 1915 zu einem der führenden Kletterer im Elbsandsteingebirge. Im Juli 1915 absolvierte er mit dem Winkelweg am Hohen Torstein (Schrammsteine) seinen ersten neuen Weg. Seine Erstbegehungen zeichneten sich meist durch kühne ausgesetzte Linienführung aus.

Seine schwerste Route, die Westkante am Wilden Kopf (Affensteine), beging er im Mai 1918 ohne festinstallierte Sicherungspunkte, sogenannte Ringe. Die Route stellt eine ausgesetzte Wand- und Reibungskletterei dar, welche heute mit zwei nachträglich angebrachten Sicherungsringen ausgestattet ist. Die Route wurde nach Strubichs Erstbegehung mit dem Schwierigkeitsgrad VII angegeben, erhielt nach der Erweiterung der Schwierigkeitsgrade im Jahr 1979 aber die Bewertung VIIIa.

Strubich gelangen in der Sächsischen Schweiz 75 Erstbegehungen, hinzu kamen 10 Erstbegehungen in der Böhmischen Schweiz.

Er war auch in den Alpen unterwegs, erstmals im Jahr 1916. Hier fand er in dem Bergsteiger Walther Flaig einen erfahrenen Mentor und Partner. In den Jahren 1920 und 1921 führte Emanuel Strubich mehr als zwanzig Erstbesteigungen und Erstbegehungen durch, meist im Alleingang. Seine bekannteste Erstbegehung in den Alpen ist die Südwand der Drusenfluh im Rätikon, welche er im Alleingang kletterte. Der genaue Routenverlauf ist nicht bekannt, aber vermutlich bewältigte Strubich im oberen Teil Schwierigkeiten im 6. Grad (UIAA). Die Route wurde erst 1928 wiederholt.

Emanuel Strubich starb im Alter von nur 35 Jahren bei einem Lawinenabgang an der Hinteren Karlesspitze (2636 m). Er war im Alleingang unterwegs und wurde einen Tag später geborgen. Am 11. Februar 1922 wurde Strubich am Friedhof von Wald in Ochsengarten im Nedertal westlich von Kühtai beigesetzt. Auf seiner Grabtafel waren die Worte aus Arthur Schnitzlers Schauspiel Der Schleier der Beatrice verewigt: „Das Leben ist die Fülle, nicht die Zeit“. Das Grab wurde im Zuge von Umbauarbeiten in den 1960er Jahren eingeebnet.

Bekannte Erstbegehungen

Sächsische Schweiz (alle Schwierigkeiten in der Sächsischen Skala)

Alpen

Literatur

Nachweise

  1. ↑ Tauf- und Geburtsbuch der Badestadt Teplitz, Tom. XI, Fol. 473.
  2. ↑ Guntram Jussel: Tod und Leben an der Drusenfluh In: Berg und Mensch im Montafon ISBN 978-3-902225-37-5.
  3. ↑ Hans-Rainer Arnold: 100 Jahre Sächsischer Bergsteigerbund. Rückschau und Ausblick. (Als Festschrift zur 100. Wiederkehr der Gründung des SBB). Im Auftrag des Sächsischen Bergsteigerbundes e. V. erarbeitet. Sächsischer Bergsteigerbund, Dresden 2011, S. 43–45.
Personendaten
NAME Strubich, Emanuel
KURZBESCHREIBUNG deutscher Kletterer und Bergsteiger
GEBURTSDATUM 31. Januar 1887
GEBURTSORT Teplitz
STERBEDATUM 7. Februar 1922
STERBEORT Hintere Karlsspitze, Ötztaler Alpen, Österreich