Die Emotionsgeschichte (oder auch: Geschichte der Gefühle) hat sich in den 2000er Jahren zu einem neuen Forschungsgebiet der Geschichtswissenschaft entwickelt. Auch wenn es Vorläufer der Emotionsgeschichte gibt – allen voran die histoire des sensibilités eines Lucien Febvre oder die Psychohistory von Peter Gay – knüpft die Emotionsgeschichte methodisch eher an neuere historiographische Ansätze wie die Begriffsgeschichte, den historischen Konstruktivismus sowie die Körpergeschichte an.
Ähnlich wie die Emotionssoziologie oder -ethnologie basiert die Emotionsgeschichte auf der Annahme, dass nicht allein der Gefühlsausdruck, sondern auch die Gefühle selbst erlernt werden. Kultur und Geschichte prägen und verändern demnach Gefühle ebenso wie ihren Ausdruck. Die gesellschaftliche Relevanz und Wirkmächtigkeit von Emotionen ist historisch und kulturell variabel. Aus Sicht vieler Emotionshistoriker ist „Emotion“ dementsprechend eine ebenso grundlegende Kategorie von Geschichte wie etwa Klasse, Rasse oder Geschlecht.
Eine Reihe unterschiedlicher methodischer Ansätze wurden in den letzten Jahren diskutiert. Einige Emotionshistoriker beschränken sich unter dem Stichwort emotionology auf die historische Analyse von Gefühlsnormen und -regeln. Insbesondere in jüngster Vergangenheit wurde das methodische Spektrum der Emotionsgeschichte jedoch um performative, konstruktivistische und praxistheoretische Ansätze erweitert. Zu den derzeit grundlegenden methodischen Konzepten gehören emotive, emotionaler Habitus sowie emotionale Praxis. Daneben gibt es eine Reihe von Begriffen, die die unterschiedliche Reichweite und Verbindlichkeit von Gefühlskulturen beschreiben wie etwa emotional community, emotional regime oder emotional style, und solche, die die kulturelle Übersetzung und Vermittlung von Gefühlen reflektieren wie emotional broker oder emotional go-between.