Peter Gay

Peter Jack Gay (geboren 20. Juni 1923 in Berlin, Deutsches Reich, als Peter Joachim Fröhlich; gestorben 12. Mai 2015 in Manhattan, New York City, Vereinigte Staaten) war ein US-amerikanisch-deutscher Historiker mit Schwerpunkten im Zeitalter der Aufklärung und des Bürgertums sowie in der Psychoanalyse.

Leben

Peter Fröhlich war der Sohn des Kaufmanns Moritz Fröhlich und der Helga Kohnke, die beide aus Schlesien stammten. Er besuchte ab 1933 das Goethe-Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf, wurde aber 1938 als Nichtarier der Schule verwiesen. Im April 1939 emigrierte die Familie aufgrund der Judenverfolgung nach Kuba und 1941 in die USA nach New York. Seit 1943 nannte die Familie sich Gay, 1946 erhielt Peter Gay die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten.

Gay studierte ab 1943 an der Universität Denver und ab 1946 an der Universität Columbia, wo er 1951 promoviert wurde und eine Stelle als Assistenzprofessor erhielt. Seit 1969 war Gay Professor für Geschichte an der Universität Yale (emeritiert seit 1993) und Direktor des Dorothy and Lewis B. Calman Centers für Wissenschaftler und Schriftsteller an der New York Public Library.

Von der plötzlichen philosemitischen Einstellung der Deutschen nach 1945 fühlte er sich unangenehm berührt. Er schrieb in seinen Memoiren My German Question (1998) rückblickend: „Nach 1945 gab es etwa fünfzehntausend Juden im Land, 1933 war es eine halbe Million gewesen, und die nichtjüdischen Deutschen behandelten sie mit einer Art honigsüßem Taktgefühl, einer offen zur Schau gestellten Bewunderung für alles, was Juden sagten, taten oder glaubten.“

Für seine Werke erhielt Gay unter anderem 1967 den National Book Award und 1969 den Ralph-Waldo-Emerson-Preis der Phi-Beta-Kappa-Gesellschaft. 1983/1984 war Peter Gay Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin. Er veröffentlichte unter anderem eine Biografie über Sigmund Freud, eine Monographie über Wolfgang Amadeus Mozart und eine fünfbändige Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts. 1990 erhielt er den A.H.-Heineken-Preis für Geschichte.

Im Jahr 1967 wurde Gay in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Gewähltes Mitglied der American Philosophical Society war er seit 1987. 1989 wurde er in die American Academy of Arts and Letters aufgenommen. 1996 wurde er auswärtiges Mitglied der Academia Europaea. Im Jahr 1999 erhielt Gay den Geschwister-Scholl-Preis vom Landesverband Bayerischer Verlage und Buchhandlungen und der Stadt München für seine Autobiografie Meine deutsche Frage.

Gay war ausgebildeter Psychoanalytiker. Seit 1959 war er mit der Kunsthistorikerin und Autorin Ruth Gay (geb. Slotkin, 1922–2006) verheiratet, deren drei Töchter er adoptierte. Er starb am 12. Mai 2015 im Alter von 91 Jahren in Manhattan.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Volker Breidecker: Kulturhistoriker Peter Gay gestorben. In: Süddeutsche Zeitung vom 15. Mai 2015, S. 12 (abgerufen am 15. Mai 2015).
  2. ↑ Pankaj Mishra: Le Monde après Gaza (= Collection Zulma Essais). Éditions Zulma, Paris / Veules-les-Roses 2025, ISBN 979-1-03870360-5, S. 137.
  3. ↑ American Academy of Arts and Sciences. Book of Members (PDF). Abgerufen am 2. April 2016
  4. ↑ Member History: Peter Gay. American Philosophical Society, abgerufen am 17. August 2018.
  5. ↑ Members: Peter Gay. American Academy of Arts and Letters, abgerufen am 30. März 2019.
  6. ↑ Eintrag auf der Internetseite der Academia Europaea.
  7. ↑ Lorenz Jäger: Ideengeschichte mit Freud. Zum Tod des Historikers Peter Gay. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Mai 2015, Nr. 111, S. 12.
  8. ↑ William Grimes: Peter Gay, Historian Who Explored Social History of Ideas, Dies at 91. In: The New York Times vom 12. Mai 2015 (englisch, abgerufen am 12. Mai 2015).