Schemazeichnung eines Provirus am Beispiel eines Prophagen: Das Virus (hier ein Phage, in der Grafik links oben dargestellt) injiziert sein Genom (blau dargestellt) in eine Wirtszelle. Das Genmaterial wird in deren Chromosom (hier: Bakterienchromosom) integriert. Der integrierte DNA-Abschnitt wird als Provirus bezeichnet – im Falle einer bakteriellen Wirtszelle auch als Prophage, abgeleitet von Provirus + Phage.
Als Provirus (oder Endogenes Virus) wird Virus-DNA bezeichnet, die in das Genom der Wirtszelle integriert ist. In diesem Zustand kann das Virus in einem latenten (d.h. passiven) Zustand im Organismus verbleiben und an die Tochterzellen weitervererbt werden. Die provirale Form ist Teil des normalen Replikationszyklus von Retroviren und anderen Viren, deren DNA in das Genom integriert wird. Etwa acht Prozent des menschlichen Genoms sind Provirus-Gene, und zwar ausschließlich Gene von endogenen Retroviren.
Wenn dagegen das Virusgenom selbst bereits aus DNA besteht (siehe DNA-Viren), dann ist keine reverse Transkriptase nötig, bei Einzelstrang-DNA muss lediglich der Komplementärstrang ergänzt werden. Eine Integrase reicht aus zum Einbau der DNA.
Beispiele gibt es
bei DNA-Bakteriophagen (z.B. der Ordnung Caudovirales) – in diesen Fällen wird synonym die Bezeichnung „Prophage“ verwendet
Die Stellen, an der sich das Virusgenom in das Genom des Wirts integriert, wird als englischattachment site‚Anheftungsstelle‘ bezeichnet.
Allgemein werden ins Genom integrierten Virus-Gensequenzen ‚endogene virale Elemente‘ (endogenous viral elements, EVEs) genannt; diese können beispielsweise „Fossilien“ (d.h. Überbleibsel) von endogenen Viren sein. Ins Genom integrierte Riesenvirus-Elemente heißen analog ‚endogene Riesenvirus-Elemente‘ (giant endogenous viral elements, GEVEs).
Literatur
G. M. Cooper: The DNA provirus. Howard Temin’s scientific legacy. ASM Press, Washington DC 1995, ISBN 1-55581-098-5.
↑E. FidelmaBoyd,Kathryn E.Moyer,LeiShi,Matthew K.Waldor:Infectious CTXΦ and the Vibrio Pathogenicity Island Prophage in Vibrio mimicus: Evidence for Recent Horizontal Transfer between V. mimicus and V. cholerae. In: Infection and Immunity. 68. Jahrgang, Nr.3, 2000, S.1507–1513, doi:10.1128/IAI.68.3.1507-1513.2000, PMID 10678967, PMC97308(freier Volltext) – (englisch).