Das English Dialect Dictionary (EDD) ist das umfassendste Wörterbuch englischer Dialekte, das je veröffentlicht wurde. Es wurde von dem Yorkshirer Dialektologen Joseph Wright (1855–1930) zusammengestellt, der dabei von einem Team sowie seiner Ehefrau Elizabeth Mary Wright (1863–1958) unterstützt wurde. Der dokumentierte Zeitraum umfasst im Wesentlichen die Periode 1700–1903, aufgrund von Wrights historischem Interesse enthalten jedoch viele Einträge auch Informationen aus früheren Jahrhunderten bis hin zum Altenglischen und Mittelenglischen. Wright verfügte über Hunderte von Gewährspersonen („Korrespondenten“) und nutzte Tausende von schriftlichen Quellen, hauptsächlich Glossare der English Dialect Society aus dem späten 19. Jahrhundert, aber auch zahlreiche literarische Texte im Dialekt. Im Gegensatz zu den meisten seiner Quellen verfolgte Wright eine wissenschaftlich-linguistische Methode, indem er seine Quellen vollständig belegte und Methoden der grammatikalischen Analyse des 20. Jahrhunderts vorwegnahm.
Der Inhalt der fast 80.000 Einträge des EDD (einschließlich des Ergänzungsbands) wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts weitgehend ignoriert, wurde jedoch durch die Benutzeroberfläche von EDD Online zugänglich gemacht – ein Forschungsprojekt der Universität Innsbruck, das 2012 erstmals veröffentlicht und seitdem mehrfach überarbeitet wurde (Version 4.0 im März 2023).
Die Schulpflicht wurde in Großbritannien erst 1870 eingeführt; für den 1855 in eine arme Familie geborenen Joseph Wright gab es daher bis zu seinem 14. oder 15. Lebensjahr keine Schule. In seiner Kindheit musste er als Eseljunge in einem Steinbruch und als Fabrikarbeiter in einer Weberei in Bradford arbeiten. Er brachte sich jedoch das Lesen und Schreiben selbst bei, begann ein umfassendes Selbststudium, besuchte Abendschulen und beherrschte bald Latein, Deutsch sowie weitere Sprachen und Sprachstufen, darunter Gotisch und Mittelenglisch. Nach einem mehr als sechsjährigen Aufenthalt an deutschen Universitäten (Heidelberg, Leipzig) arbeitete er sich über verschiedene Lehraufträge, eine Stellvertreterprofessur und die Tätigkeit als Sekretär der English Dialect Society bis zur Wahl auf eine volle Professur für Vergleichende Philologie an der University of Oxford hoch. Dies geschah im Jahr 1900, als er gerade die einzelnen Teile seines English Dialect Dictionary veröffentlichte.
Die Details von Wrights Jugend und der bemerkenswerte Verlauf seiner Karriere („vom Eseljungen zum Professor“) sowie die Schwierigkeiten bei der Veröffentlichung des English Dialect Dictionary wurden in einer Biografie dargestellt, die nach seinem Tod im Jahr 1930 von seiner Witwe Elizabeth Mary Wright verfasst wurde.
In den Jahren unmittelbar vor dem Erscheinen des ersten Teils des Wörterbuchs (1898) begegnete man Joseph Wright sowohl hinsichtlich des akademischen Werts des Projekts als auch bezüglich der finanziellen Deckung mit großer Skepsis. Obwohl von der English Dialect Society umfangreiches Dialektmaterial zur Verfügung gestellt wurde, wollte kein Verlag – auch nicht die Oxford University Press – die finanzielle Verantwortung für ein Wörterbuch des geplanten Umfangs übernehmen. Kein etablierter Professor wollte sich mit der absehbar immensen Kleinarbeit belasten, die ein solches Projekt mit sich brachte. Professor Walter William Skeat, Gründer und Präsident der English Dialect Society, hatte jedoch 1886 einen Fonds eingerichtet (der zu fast der Hälfte aus seinem eigenen Vermögen stammte), um das Material für das Wörterbuch zu sammeln und zu ordnen. Arthur Balfour, damals Erster Lord des Schatzamtes, bewilligte einen Zuschuss aus dem Royal Bounty Fund, der den Abschluss der Arbeiten ermöglichte.
Nach Jahren zermürbenden Zögerns und Beratens beschloss Wright als Herausgeber schließlich, das Wörterbuch im Subskriptionsverfahren auf eigenes Risiko zu veröffentlichen. Dies erforderte ein enormes Engagement zur Bewerbung des geplanten Wörterbuchs und zur Gewinnung angesehener Persönlichkeiten und Wissenschaftler als Abonnenten. Obwohl er weitere Förderer fand – wie die Clarendon Press, die ihm Räumlichkeiten für eine „Werkstatt“ zur Verfügung stellte –, war er gezwungen, das Projekt teilweise selbst zu finanzieren.
Henry Frowde, Verleger der Universität Oxford und zu dieser Zeit nicht mehr Angestellter der Oxford University Press, fungierte als Verleger. Die sechs Bände erschienen über einen Zeitraum von acht Jahren von 1898 bis 1905 einzeln. Sie wurden angekündigt als „vollständiger Wortschatz aller Dialektwörter, die noch in Gebrauch sind oder von denen bekannt ist, dass sie in den letzten zweihundert Jahren in Gebrauch waren, basierend auf den Veröffentlichungen der English Dialect Society und auf einer großen Menge bisher ungedruckten Materials“.
Der Inhalt wurde nach und nach in 28 Teilen herausgegeben, die zum Binden in die sechs Bände mit den Erscheinungsjahren 1898, 1900, 1902, 1903, 1904 und 1905 bestimmt waren. Band 6 enthält das nach Grafschaften geordnete Verzeichnis der gedruckten und ungedruckten Quellen.
Das EDD umfasst fast 80.000 Einträge von Dialektwörtern, von denen etwa 10.000 durch den Ergänzungsband hinzugefügt wurden. Die Einträge sind von unterschiedlicher Länge und reichen von Querverweisen bis hin zu Analysen dialektaler Formen und Bedeutungen, die sich über mehrere Seiten erstrecken. Der eigentliche Wert des Wörterbuchs liegt in der Fülle der in den Einträgen enthaltenen Informationen. Die bereitgestellten Daten beziehen sich auf Gebrauchsangaben der Stichwörter, Aussprache, Rechtschreibung und phonetische Varianten, Definitionen, Zitate aus Tausenden von Quellen, Arten der Wortbildung (wie Zusammensetzungen und Phraseologismen) sowie die Gebrauchsregionen innerhalb des Vereinigten Königreichs und weltweit. Darüber hinaus fügt das Wörterbuch sehr sorgfältig Informationen zu historischen Vorläufern von Dialektwörtern hinzu, einschließlich Etymologie und Morphologie.
Einen Eindruck von Form und Umfang des Wörterbuchs vermitteln die folgenden Online-Versionen der sechs Bände:
Aufgrund des Umfangs des Werks und des Zeitraums, in dem die Informationen gesammelt wurden, ist das Wörterbuch ein Standardwerk der historischen Dialektforschung. Wright trug Anmerkungen und Korrekturen in ein zerschnittenes und neu gebundenes Exemplar der Erstausgabe ein; dieses Exemplar befindet sich unter Wrights Nachlass in der Bodleian Library der Universität Oxford.
Der sechste Band enthält die English Dialect Grammar, die auch separat veröffentlicht wurde. Diese umfasst 16.000 Dialektformen in zwei Hauptabschnitten: „Phonology“ (Phonologie), die eine historische Beschreibung der Lautentwicklung im Dialekt bietet, und „Accidence“ (Formenlehre), die Details zur Grammatik und insbesondere zur Morphologie liefert.
Im Gegensatz zu Alexander John Ellis’ monumentalem Werk On Early English Pronunciation (Band V) ist Wrights Grammar sehr kompakt gehalten. Der beschreibende Teil umfasst lediglich 82 Seiten, gefolgt von einem mehr als hundertseitigen Index, der Wörter einzelnen Dialektgebieten zuordnet. Die sechs Kapitel der eigentlichen Grammatik lauten: I. Phonetic Alphabet; II. The Vowels of Accented Syllables; III. The French Element; IV. Vowels of Unaccented Syllables; V. The Consonants; und VI. Accidence.
In seiner Einleitung erwähnt Wright ausdrücklich, dass er bei der Klassifizierung der Dialekte „weitgehend der von Dr. Ellis gegebenen gefolgt ist“. Was phonetische Details betrifft, übernahm Wright ebenfalls Material von Ellis, wofür er von einigen Linguisten kritisiert wurde. Peter Anderson behauptete, Wright habe Ellis einen „Bärendienst“ erwiesen, indem er Ellis’ Methoden der Datenerhebung kritisierte, dann aber in der English Dialect Grammar fast identische Methoden verwendete und einen Großteil von Ellis’ Daten für sein eigenes Werk übernahm. Sowohl Peter Anderson als auch Graham Shorrocks haben argumentiert, dass Wright die Daten von Ellis verfälschte, indem er eine weniger präzise lautliche Notation und vage geografische Regionen anstelle der von Ellis angegebenen genauen Orte verwendete.
Insgesamt führte die Grammar im Zuge der Erstellung des EDD jedoch viel neues Material ein, obwohl sie vielen früheren Wissenschaftlern verpflichtet war. G. L. Brook bezeichnete die Grammar als „ein weniger zufriedenstellendes Werk als das English Dialect Dictionary“.
Das English Dialect Dictionary Online (EDD Online), eine von Manfred Markus an der Universität Innsbruck initiierte Datenbank und Software, bietet eine digitalisierte Version von Wrights English Dialect Dictionary. Die Arbeit an dem Projekt läuft seit 2006. Die vierte Version wurde im März 2023 veröffentlicht: EDD Online 4.0.
Während verschiedene gescannte Exemplare des Werks aus Bibliotheken über das Internet Archive zugänglich sind, erlauben diese keine Abfragen über die alphabetisch geordneten Stichwörter und Volltextsuchen hinaus; Wrights Corrigenda und das 170-seitige Supplement werden aufgrund ihrer nicht-integrierten Stellung im sechsbändigen Werk leicht übersehen. Mit Hilfe der Innsbrucker Benutzeroberfläche können Benutzer verschiedene linguistische Aspekte des Textes über die bloßen Stichwörter hinaus untersuchen, um auf der Grundlage des gesamten EDD formell oder semantisch spezifische Informationen abzurufen. Ähnlich wie die Online-Version des OED (OED 3) ermöglicht EDD Online eine große Anzahl von Parametern (z. B. Zusammensetzungen oder Varianten) und Filtern (z. B. nach Regionen und Zeit). Die Details des enormen Potenzials von EDD Online und die Auswirkungen auf ein neues Konzept der englischen Dialektologie werden in einer 2021 von Manfred Markus veröffentlichten Monografie beschrieben.