
Das Enneagramm (von altgriechisch ἐννέα, ennea, „neun“, und γράμμα, gramma, „das Geschriebene“) bezeichnet ein neunspitziges esoterisches Symbol, das als grafisches Strukturmodell neun als grundsätzlich angenommene Qualitäten unterscheiden, ordnen und miteinander in Beziehung setzen soll. Bekannt wurde es ab dem 20. Jahrhundert durch seine Anwendung als Typenlehre zur Beschreibung verschiedener Persönlichkeiten. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Dezember 2020 kam bezüglich der Wissenschaftlichkeit des Enneagramms als Typenlehre zu gemischten Ergebnissen.
Das Enneagramm-Symbol ist eine in einen Kreis eingeschriebene neuneckige Figur, welche sich aus einem gleichseitigen Dreieck und einer sechseckigen Figur zusammensetzt:
Dabei werden die neun Ecken im Uhrzeigersinn nummeriert, beginnend mit der rechten oberen Ecke der sechseckigen Figur.
Die sich aus den Linien der sechseckigen Figur ergebende Zahlenfolge entspricht der sich bei Teilung einer natürlichen Zahl (die selbst kein Vielfaches von 7 ist) durch 7 in den Nachkommastellen des Ergebnisses ergebenden periodischen Ziffernfolge 142857 (zyklische Zahl der Generatorzahl 7); beginnend mit über bzw. allgemein für jede natürliche, nicht durch 7 teilbare Zahl
Darüber hinaus können weitere Figuren als Sub-Symbole aus dem Enneagramm abgeleitet werden, mit ihren Entsprechungen.
Die genauen Wurzeln des Enneagramms sind unbekannt. Manche Vertreter von Lehren, die das Enneagramm verwenden, gehen so von einem antiken Ursprung aus, wobei es über den Kulturkreis verschiedene Spekulationen gibt.
Ähnliche Überlegungen, wie zu einem „Enneagramm der Persönlichkeit“, finden sich im Werk des Evagrius Ponticus, einem christlichen Mystiker, der im spätantiken 4. Jahrhundert in Alexandria in der römischen Provinz Aegyptus lebte. Evagrius identifizierte acht, altgriechisch λογίσμοι logismoi, deutsch ‚tödliche Gedanken‘ sowie einen übergreifenden Gedanken, den er altgriechisch φιλαυτία philautía, deutsch ‚Selbstliebe‘ nannte. Evagrius schrieb: „Der erste Gedanke von allen ist der der Selbstliebe, danach [kommen] die acht.“ Zusätzlich zur Identifizierung von acht tödlichen Gedanken identifizierte Evagrius auch acht „Heilmittel“ für diese Gedanken. Manche Vertreter sehen so in den „Hauptlastern“ (Todsünden) der Wüstenväter oder eben den Entwicklungsstufen bei Evagrius Ponticus, Parallelen zu den Ansätzen des Enneagramms.
Vermutungen zufolge wurde das Enneagramm vom Sufismus (islamischer Mystik) überliefert. Solche Parallelen können als Vorstufen des Enneagramms betrachtet werden; einen Nachweis, dass es als Typensystem verwendet wurde, gibt es nicht. Auch finden sich Parallelen oder Einflüsse aus der jüdischen Kabbala.
Die heutige Form des Enneagramms wurde von Georges I. Gurdjieff entwickelt, doch gibt es begründete Vermutungen, dass Gurdjieff hierfür von Ramon Llull und Athanasius Kircher beeinflusst wurde. Gurdjieff stellte es 1916 zunächst einigen Schülern, insbesondere P. D. Ouspensky, vor. Es ist auch das Jahr der ersten belegten Verwendung des Wortes „Enneagramm“. Gurdjieff behauptete, das unregelmäßige Sechseck im Kloster einer Sufi-Bruderschaft im Zusammenhang mit Tempeltänzen entdeckt zu haben. Anderen Quellen zufolge sei er von dem Träger der spirituellen Kette der Naqschbandīya-Sufi-Bruderschaft, dem Sheikh Abdullah ad-Daghistani (1891–1973), in die „Geheimnisse der neun Punkte“ eingewiesen worden. Gurdjieff habe das System auf seinen zahlreichen Reisen gefunden oder entwickelt; genauere Quellen können nicht rekonstruiert werden. Dieses System verknüpft, im Rahmen der von ihm vorgestellten Lehre des Vierten Weges, unter anderem das darin dargelegte Oktavgesetz (auch als Gesetz der Sieben bezeichnet) mit dem Gesetz der Drei, der Triade. Gurdjieff selbst betonte die universelle Bedeutung des Enneagramms in seiner Lehre.
Er erklärte:
„Allgemein gesprochen, muß man verstehen, daß das Enneagramm ein universales Symbol ist. Alles Wissen kann im Enneagramm zusammengefaßt und mit Hilfe des Enneagramms gedeutet werden. Und so kann man sagen, daß man nur das weiß, beziehungsweise versteht, was man in das Enneagramm einfügen kann. Was man nicht in das Enneagramm einfügen kann, versteht man nicht. Für den Menschen, der es benützen kann, macht das Enneagramm Bücher und Bibliotheken vollständig überflüssig. Alles kann im Enneagramm zusammengefaßt und in ihm gefunden werden. Ein Mensch, der allein in der Wüste ist, kann das Enneagramm in den Sand malen und die ewigen Gesetze des Weltalls daraus lesen, und jedesmal kann er etwas Neues lernen, etwas, was er vorher noch nicht wußte.“
Gurdjieffs Symbol wurde von verschiedenen Autoren aufgegriffen und zu dem heute bekannten Modell der psychologisch-spirituellen Persönlichkeitstypisierung entwickelt. Die Verwendung des Symbols als Persönlichkeitstypologie wurde erstmals in den 1960er Jahren von dem Bolivianer Óscar Ichazo eingeführt. Er bezeichnete das Enneagramm als „Enneagon“ (von altgriechisch γόνυ gony, deutsch ‚Knie, Winkel‘) und lehrte es an seiner Arica School. Dort lernte es unter anderem der chilenische Psychiater und Gestalttherapeut Claudio Naranjo kennen, der es mit wissenschaftlichen Erkenntnissen verband und für die Verbreitung des Enneagramm in der modernen westlichen Welt sorgte. Weitere bedeutende Vertreter dieser spirituellen und psychologischen Richtung waren z. B. Helen Palmer und Don Richard Riso, ebenso einige derzeitige spirituelle Lehrer des Neo-Advaita wie bspw. Gangaji, ihr Mann Eli Jaxon-Bear und im deutschsprachigen Raum OM C. Parkin oder Christian Meyer. Das Enneagramm wird von ihnen als ein Mittel zu mehr Selbsterkenntnis und persönlichem Wachstum gesehen. Parallel dazu existiert eine christliche Deutung (siehe unten).
Die bedeutendsten heutigen Enneagramm-Autoren unterscheiden ein „falsches Selbst“ bzw. „Ego“ und ein „wahres“ (göttliches) Selbst (Bezeichnung bei Richard Rohr: false self / ego und true self; Don Richard Riso spricht von der Persönlichkeit als dem „eingefahrenen“ Ego-Muster (ego fixation), welches die Person von dem wahren Wesen („Essenz“) trennt). Der Weg dorthin wird „Transformation“ genannt.
Das Persönlichkeitsenneagramm teilt die Menschen in neun Persönlichkeitstypen ein. Die moderne Enneagrammlehre besagt, dass jeder Mensch zu genau einer dieser neun Typenbeschreibungen passe und dass dieser Grundton der Persönlichkeit sich im Lauf eines Lebens nicht ändere. Die Lehre besagt jedoch auch, dass das Enneagramm niemals die biografische Einzigartigkeit eines Menschen erfassen könne, sondern lediglich die Enneagrammstruktur.
Die meisten Autoren ziehen es vor, die Typen entsprechend ihrer Nummer („Einsen“, „Zweien“ etc.) zu bezeichnen, da Zahlen wertneutral sind. Es gibt aber auch verschiedene und damit uneinheitliche Namen für die Typen. Die in der Tabelle verwendeten Namen gehen auf Helen Palmer zurück.
| Typ | Name | Selbstbild | unreif (unerlöst, krank) | normal | reif (erlöst, gesund) |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Perfektionist | Ich habe Recht | rechthaberisch, pharisäerhaft, zersetzend | perfektionistisch, zaudernd, skrupulös | kritisch wach, gelassen, ethisch hochstehend |
| 2 | Geber | Ich helfe | manipulativ, beherrschend, symbiotisch | mütterlich, gebend, aktiv | fürsorglich, freundlich, originell |
| 3 | Dynamiker | Ich habe Erfolg | opportunistisch, betrügerisch, karrieresüchtig | pragmatisch, statusbewusst, rollenorientiert | kompetent, wahrhaftig, zuverlässig |
| 4 | Tragischer Romantiker | Ich bin anders | wehleidig, dekadent, todesverliebt, depressiv |
ästhetisch, romantisch, stilvoll | kreativ, natürlich, diszipliniert |
| 5 | Beobachter | Ich blicke durch | isoliert, nihilistisch, exzentrisch | analytisch, distanziert, abstrakt | erfinderisch, weise, tatkräftig |
| 6 | Advokat des Teufels |
Ich tue meine Pflicht | abhängig, aggressiv, feige | pflichtbewusst, vorsichtig, (anti-)autoritär | treu, mutig, vertrauensvoll, witzig |
| 7 | Epikureer | Ich bin glücklich | exzessiv, dilettantisch, rechthaberisch | überaktiv, genießerisch, oberflächlich | fröhlich, vielseitig, nüchtern |
| 8 | Boss | Ich bin stark | tyrannisch, machtbesessen, gewalttätig | kontrollierend, konkurrierend, direkt | großzügig, führungsstark, beschützend |
| 9 | Vermittler | Ich bin zufrieden | fatalistisch, desorientiert, stur | angepasst, pflegeleicht, unentschlossen | annehmend, friedfertig, zielorientiert |
Grundsätzlich sollen alle Typen gleichwertig sein. Jeder Typ könne unterschiedliche Entwicklungsstufen aufweisen. An einem Ende befinde sich die unreife (unerlöste, kranke) Persönlichkeit. Am anderen Ende die gereifte (erlöste, gesunde) Persönlichkeit, dazwischen lägen die normalen Ausprägungen eines Typs. Im Laufe des Lebens könne eine Reifung hin zu einer erlösten (gesunden) Persönlichkeit erreicht werden (Integration). Häufig bleibe es bei einem Verharren im Normalzustand (Stagnation) oder es komme sogar zu einem Rückfall in ein unreiferes Stadium (Regression, Desintegration). Die Entwicklungsstufen eines Typs sollen durch unterschiedliche Eigenschaften gekennzeichnet sein (siehe Tabelle).
Riso und Hudson entwickelten seit den 1990er Jahren eine Reihe mehr oder weniger umfangreicher Tests, die den Enneagrammtyp ermitteln sollen; die volle Version ist der Riso–Hudson Enneagram Type Indicator (RHETI), dessen aktuelle Version aus 144 Entscheidungsfragen besteht. Der Online-Test ist kostenpflichtig. Anhänger des Testes behaupten, dass er wissenschaftlich verifiziert worden sei.

Nach der enneagrammatischen Persönlichkeitstypologie verfügt jeder Mensch über drei Intelligenzzentren: Kopf (Verstand/Ratio), Herz (Emotionen) und Bauch (Instinkt).
Bei jedem Menschen soll eines der drei Intelligenzzentren dominieren. Dies führt zu einer Einteilung in drei Bereiche, die jeweils drei im Enneagramm nebeneinanderliegende Typen umfasst:
Die mittleren Typen der Triaden sind durch das gleichseitige Dreieck verbunden.
Eine Übersicht über die Triaden und ihre vermeintlich dominierenden Körperbereiche sowie vermeintliche Lebensthemen:
| Triade | Fixierung | dominierende Körperregionen/-funktionen | Organe | zentrale Lebensthemen | Charakter |
|---|---|---|---|---|---|
| Typen 8, 9, 1 | instinktiv | Verdauungstrakt, Sonnengeflecht (kinästetisch/haptisch) | Nase, Ohr | Macht, Gerechtigkeit, Aggression | rigide bzw. anti-intrazeptiv (das ist das Gegenteil von Innerlichkeit oder Interesse an dem, was im Geist vorgeht) |
| Typen 2, 3, 4 | emotional | Herz/Kreislaufsystem | Tastsinn, Geschmack | Beziehungen, Schönheit, Prestige/Image | hysteroid (verführerische Art, großes Ausdrucksvermögen, theatralisches Auftreten) |
| Typen 5, 6, 7 | gedanklich | Gehirn, Zentralnervensystem | Augen | Kontrolle, Verstehen, Ordnung | schizoid (seelisch gespalten) |
Ein weiterer Aspekt der Theorie sind die so genannten „Flügel“, die beiden jeweiligen Nachbartypen eines Typs. Ein Typ weise meist auch Eigenschaften eines seiner beiden direkten Nachbarn auf, beispielsweise könne die 4 auch Eigenschaften der 3 oder der 5 haben. Meist überwiege der Einfluss einer der Nachbarn; dieser wird dann als Flügel (engl. wing) bezeichnet. Eine 4 ist dadurch entweder eine 4 mit 3er-Flügel oder eine 4 mit 5er-Flügel.
Jeder Typ wird zudem noch in drei Instinkt-Varianten (Sub-Typen), den sozialen (oder geselligen) Untertyp, den sexuellen Untertyp oder den selbsterhaltenden Untertyp differenziert.
Ein weiterer Aspekt der Theorie sind die Verbindungslinien. Im Enneagramm-Symbol hat jede Zahl zwei Verbindungslinien. Diese sind Pfeile, deren einer auf eine »schlechte« Entwicklung des Typs hinweist (bezeichnet als Desintegration, Devolution) und deren anderer die positive Entwicklungslinie des Typs darstellt (bezeichnet als Integration, Evolution).
Richtung der Desintegration: Wenn sich der jeweilige Typ in Stresssituationen mit dem Pfeil zum angegebenen Typ des Enneagramms bewegt, den man auch als seinen Stresspunkt bezeichnet, dann finde er dort nur „falschen Trost“, der auf Dauer sehr schädlich für ihn sei.
Richtung der Integration: Wenn sich der jeweilige Typ auf dem Weg geistlicher Reifung mit dem Pfeil zum angegebenen Typ des Enneagramms bewegt, den man auch als seinen Trostpunkt (Relaxpunkt) bezeichnet, dann finde er „echten Trost“ bei den positiven Qualitäten seines Trostpunktes.
Jeder Typ umfasst mehr oder weniger ausgereifte Bereiche (Entwicklungsstufen), die sich dreifach unterteilen lassen:
Als Parallele werden auch in der christlichen Mystik drei Stufen spirituellen Wachstums beschrieben, etwa bei Euagrios Pontikos. Don Richard Riso hat neun Entwicklungsstufen (Levels) gefunden, nämlich je drei für die drei Bereiche.

Nach der Psychoanalytikerin Karen Horney (1885–1952) gibt es drei Möglichkeiten, wie man spontan auf eine Situation reagieren kann: durch aggressives Tun (Hinwendung), durch gefügige Anpassung (Zuwendung) oder durch entziehenden Rückzug (Abwendung). Jeder Enneagrammtyp neige nun zu einer dieser drei Haltungen; wenn man gleiche verbindet, entstehen drei gleichschenklige Dreiecke:
Claudio Naranjo unterschied als Erster folgende Polaritäten innerhalb des Enneagramms:
Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Dezember 2020 kam bezüglich der Wissenschaftlichkeit des Enneagramms zu gemischten Ergebnissen. Es gibt demnach Übereinstimmungen mit anderen Faktoren-orientierten Theorien wie den Big 5 und viele Studien belegen die Nützlichkeit des Enneagramms für die Persönlichkeitsentwicklung. Die meisten Untersuchungen haben aber weniger als neun Typen ergeben, und noch keine Clusteranalyse hat die neun Typen ergeben. Zu den Details des Enneagramms, wie bspw. den Flügeln oder den Entwicklungslinien, gibt es noch wenig Forschung.
Weitere Autoren bezeichnen das Enneagramm insgesamt als ein Modell ohne wissenschaftliche Fundierung. Johannes Bartels verweist in seiner Dissertation darauf, dass die heutige Typologie erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts willkürlich zur Charakterlehre umgedeutet worden sei und das behauptete hohe Alter die mangelnde wissenschaftliche Basis kompensieren solle. Holger Lendt und Claudia Schwarzlmüller stellen beim Vergleich verschiedener Deutungen eine große Beliebigkeit fest, da jeweils nur wenige Eigenschaften übrigblieben, die den postulierten Typen nicht gerecht würden. Der Psychologe und Wissenschaftsjournalist Colin Goldner spricht dem Enneagramm keinerlei Erkenntniswert zu und bezeichnet es allenfalls als Form der Partyunterhaltung.
Der „interministerielle Ausschuss zur Überwachung und Bekämpfung von gefährlichen sektiererischen Entwicklungen“ (Miviludes) in Frankreich führt das Enneagramm auf und zählt es zu den „psychologisierenden“ Methoden.
In der Anwendung des Enneagramms können zwei wesentliche Richtungen unterschieden werden, eine Richtung steht für eine „spirituell-psychologische Richtung“, Vertreter sind Óscar Ichazo, Claudio Naranjo, A. H. Almaas, Helen Palmer und Don Richard Riso, sie sehen im Enneagramm ein Mittel zur Selbsterkenntnis, der persönlichen Individuation und des Wachstums. Hier flossen u. a. auch die Typenlehre von Carl Gustav Jung ein sowie das Typensystem nach Katharine Cook Briggs und Isabel Myers. Die andere Richtung, der Anwendung des Enneagramms, ging von einer christlich Position aus, für diese Richtung stehen Andreas Ebert (evangelisch), der Franziskaner Richard Rohr sowie der Jesuit Bob Ochs. In dieser Richtung wird u. a. die göttliche Herkunft Jesus damit versucht zu belegen, dass man ihm die Stärken aller neun Enneagramm-Typen zuschreibt, und jeder Typ habe einen bestimmten Weg zu Gott.
Die katholische Kirche sieht in der Charakteranalyse ein Beispiel für den Gnostizismus, der „in dezidiertem oder gar erklärtem Widerspruch zu allem [steht], was zum Wesen des Christlichen gehört“. Der Gebrauch der Charakteranalyse führt demnach zu „eine[r] Vieldeutigkeit in Lehre und Leben des christlichen Glaubens“, wie es in einem vatikanischen Dokument über „New Age“ heißt. Vor allem unter Ordensleuten, insbesondere in den USA, wird das Enneagramm kontrovers diskutiert. Die Bischofskonferenz der Vereinigten Staaten warnt vor der Lehre, ohne ein Verbot aktiv umzusetzen. Dennoch wird das Enneagramm auch von christlichen Amtsträgern, oft ökumenisch, benutzt oder gelehrt. Seit 1989 gibt es in Deutschland einen ökumenischen Arbeitskreis Enneagramm, der Tagungen und Ausbildungen zum Enneagrammtrainer durchführt und inzwischen über 500 Mitglieder hat.
Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen äußerte sich 2006 kritisch zum Enneagramm, während eine Stellungnahme von 2013 zwar Probleme und Fehlinterpretationen benennt, aber dem Enneagramm dennoch einen positiven Wert in der Seelsorge einräumt.
Von biblisch-fundamentalistischen und teilweise von evangelikalen Gruppen wird das Enneagramm als „okkulte“, „unbiblische“ Erlösungslehre verurteilt. Manche Evangelikale, wie Peter Scazzero, sehen es als hilfreiches Werkzeug an.
Der Theologe Thomas Körbel nennt das Enneagramm ein „Beispiel für parareligiöse Spiritualität“.
Laut Dietrich Koller ist das Enneagramm nicht als Religion zu verstehen und soll auch nicht als Ersatzreligion oder Glaubensersatz dienen. Es könne aber als Hilfsmittel verwendet werden, um sich etwa der eigenen Schwächen bewusst zu werden; so könne es (im christlichen Kontext) als „Beichtspiegel“ verwendet werden. Das Enneagramm gelte als ein Symbol der Umkehr (und habe nichts mit modernem Streben nach „Selbstfindung“ zu tun).