
Enrico Cerulli (* 15. Februar 1898 in Neapel, Italien; † 19. August 1988) war ein italienischer Gelehrter für somalische und äthiopische Studien, Gouverneur und Diplomat während und nach dem italienischen Faschismus.
Cerulli wurde am 15. Februar 1898 in Neapel geboren. Er schrieb seine Doktorarbeit an der Universität Neapel Federico II über das traditionelle Recht Xeer der Somali. Zu gleicher Zeit studierte er Äthiosemitische Sprachen unter Francesco Gallina und Arabisch und Islamwissenschaft unter Carlo Alfonso Nallino und Giorgio Levi Della Vida am Regio Istituto Orientale (später: „Istituto Universitario Orientale“, der heutigen Universität Neapel L’Orientale).
Cerulli ist auch für seine Studien zur lateinischen und altfranzösischen Übersetzung des arabischen Kitab al-Miraj (arabisch كتاب المعراج) bekannt, eines berühmten muslimischen Buches, welches Mohammeds Himmelfahrt (Mi’raj) nach seiner wundersamen Reise von Mekka nach Jerusalem (Isra) erzählt. Die islamischen Darstellungen der Hölle in diesem Buch gelten einigen Gelehrten, darunter auch Cerulli, als maßgeblicher Einfluss auf Dantes Meisterwerk aus dem 14. Jahrhundert, die Göttliche Komödie.
Zwischen Januar 1939 und Juni 1940 war Cerulli Gouverneur von Scioa (Governo dello Scioa – Shewa) und später von Harar, zwei Provinzen Italienisch-Ostafrikas. Er leitete außerdem das politische Büro für Ostafrika im Außenministerium.
Das wiederhergestellte Regime von Haile Selassie wandte sich 1947 an die UN-Kriegsverbrecherkommission, um ihn zusammen mit neun anderen Italienern wegen Kriegsverbrechen anzuklagen. 1948 urteilte die Kommission, dass er eines Kriegsverbrechens verdächtigt werde, und sein Name wurde in das internationale Register der Kriegsverbrecher aufgenommen. Die äthiopische Regierung stellte das Verfahren gegen ihn ein, da sie keine Auslieferung erwirken konnte, verhängte aber ein dauerhaftes Einreiseverbot gegen ihn.
Später, von 1950 bis 1954, war Cerulli italienischer Botschafter im Iran.
1951 wurde er socio nazionale der Accademia Nazionale dei Lincei in Rom, deren Vizepräsident er von 1968 bis 1971 und deren Präsident er von 1973 bis 1976 war.
Enrico Cerulli verstarb am 19. August 1988.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Cerulli, Enrico |
| ALTERNATIVNAMEN | چرولى، انريكو (arabisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Äthiopist und Gouverneur von Italienisch-Ostafrika |
| GEBURTSDATUM | 15. Februar 1898 |
| GEBURTSORT | Neapel, Italien |
| STERBEDATUM | 19. August 1988 |