
Der Begriff Enshittification (englisch, wörtlich etwa Verscheißifizierung), auch bekannt als Crapification oder Platform decay (deutsch Plattformverfall), beschreibt die These, dass digitale Angebote, d. h. Onlinedienste und ‑plattformen, mit der Zeit an Qualität verlieren.
Die Ursache, so das Argument, sind wachsende Interessensgegensätze zwischen Betreibern und Nutzern: Anbieter versuchen, ihre Dienste bzw. Angebote stärker zu monetarisieren bei gleichzeitigen Einsparungen und gegebenenfalls auch mittels Verzichts bei der Produktqualität bzw. Nutzerfreundlichkeit. Geraten diese teilweise gegensätzlichen Interessen zu sehr ins Ungleichgewicht zu Ungunsten der Nutzer bzw. der Kunden, dann tritt oft als eines der dann zu bemängelnden Ergebnisse die Enshittification als eine Flut belangloser, austauschbarer Texte auf, die das Vertrauen der Nutzer untergraben.
Ein weiteres jüngeres Problem wird in diesem Kontext mittlerweile auch gesehen: Verursacht durch sogenannten KI-Slop werden mit Hilfe von künstlicher Intelligenz massenhaft Texte und Bilder generiert, die das Internet „vermüllen“.
Als Beispiele für Enshittification können angesehen werden:
Dabei ist Enshittification nicht nur auf die Angebote von marktmächtigen Big-Tech-Unternehmen beschränkt.
Das Wort Enshittification wurde erstmals von Cory Doctorow in einem Blogpost auf Medium vom November 2022 verwendet, der drei Monate später in Locus veröffentlicht wurde. In einem weiteren Blogpost, der in der Januarausgabe 2023 von Wired veröffentlicht wurde, erweiterte er sein Argument.

Doctorow schreibt, dass neue Plattformen nützliche Produkte und Dienstleistungen mit Verlusten anbieten, um neue Nutzer zu gewinnen. Sobald die Nutzer gebunden sind, verschiebt die Plattform die Überschüsse der Nutzer zu den Aktionären. Wenn Nutzer an die Plattform gebunden sind und keine Alternative haben, hat die Plattform keinen Anreiz mehr, die Qualität aufrechtzuerhalten. Er bringt dies mit dem Konzept des Rent-seeking in Verbindung, die durch Monopole wie Google im Bereich der Suchmaschinen ermöglicht werden. Er schlug für das von ihm geschilderte Problem zwei Lösungsansätze vor:
Im Computerjournalismus wird der Begriff in analoger Weise auch auf vielfach zu beobachtende Veränderungen im Laufe des Produktlebenszyklus kommerzieller Anwendungssoftware verwendet, wie beispielsweise die Verschiebung von Features von gratis auf Bezahl-Versionen, der Übergang bei Lizenzmodellen von Kauf- zu Abo-Modellen oder die Anreicherung von eigentlich ausentwickelter Software mit für den ursprünglichen Zweck unnötigen Features (Bloatware).
Doctorows Konzept wurde von verschiedenen Wissenschaftlern und Journalisten als Rahmen für das Verständnis des Qualitätsverlusts von Online-Plattformen herangezogen. Diskussionen über Enshittification sind in zahlreichen Medien erschienen, darunter auch Analysen darüber, wie Tech-Giganten wie Facebook, Google und Amazon ihre Geschäftsmodelle dahingehend verändert haben, dass sie Gewinne auf Kosten des Nutzererlebens priorisieren. Der Begriff wurde dadurch zu einem Modewort in der Anglosphäre und kam auch im deutschsprachigen Raum an, wo Die Zeit ihn als „Verschlimmscheißerung“ übersetzte. Die American Dialect Society wählte Enshittification 2023 zum Wort des Jahres. 2024 wurde der Begriff auch vom australischen Wörterbuch Macquarie Dictionary zum Wort des Jahres gewählt.