Erich Knauf

Kurt Günther: Porträt Erich Knauf (ca. 1934), Tempera auf Leinwand, Kunstsammlung Gera
Berliner Gedenktafel am Haus, Am Feldberg 3, in Berlin-Kaulsdorf
Stolperstein am Haus, Dudenstraße 10, in Berlin-Kreuzberg

Erich Knauf (* 21. Februar 1895 in Meerane, Amtshauptmannschaft Glauchau, Königreich Sachsen; † 2. Mai 1944 in Brandenburg an der Havel) war ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Liedtexter. Wegen seiner regimekritischen Haltung unter dem Nationalsozialismus wurde er hingerichtet.

Leben

Erich Knauf wurde 1895 als Sohn des Schneiders und ehrenamtlichen Parteisekretärs der SPD Heinrich Knauf und seiner Frau in Meerane geboren und wuchs in Gera auf. Er begann mit 14 Jahren eine Lehre als Schriftsetzer. Er reiste 1914 durch Italien, Griechenland und die Türkei und leistete von 1915 bis 1918 Kriegsdienst als Soldat im Ersten Weltkrieg.

Nach seiner Heimkehr studierte Knauf an der sozialistischen Heimvolkshochschule Tinz. Während des Kapp-Putsches schloss sich das USPD-Mitglied in Gera den Arbeiterwehren an und übernahm die Führung eines Stoßtrupps. Er beteiligte sich auch an anarchistischen Aktionen im Erzgebirge. 1930 veröffentlichte er über seine Erlebnisse den „Reportage-Roman“ Ça ira!.

Nachdem er bereits Theaterkritiken für die Geraer Tribüne verfasst hatte, erhielt Knauf im Februar 1921 eine Stelle als Redakteur für Lokales und Kultur bei der Volkszeitung in Plauen. Er entdeckte den Zeichner Erich Ohser (alias e.o.plauen) und wurde auch ein enger Freund von Erich Kästner. Im August 1928 wechselte Knauf als literarischer Leiter zur Büchergilde Gutenberg nach Berlin. Unter seinem Lektorat erschienen sozial engagierte, proletarische Romane. Er förderte den Schriftsteller B. Traven, sorgte für die Veröffentlichung von Romanen Upton Sinclairs und ließ verstärkt Bücher sowjetischer Literatur und Geschichte verlegen.

Nach der Machtergreifung des NS-Regimes (30. Januar 1933) betrieb dieses die Gleichschaltung und verfolgte Andersdenkende. Knauf arbeitete als freier Schriftsteller, Feuilletonredakteur und Nachfolger von Walther Victor beim 8-Uhr-Abendblatt. Er schrieb 1934 eine Zeitungskritik über eine Opernaufführung, die von Hermann Göring protegiert worden war, wurde in „Schutzhaft“ genommen. Er wurde einige Wochen lang in den Konzentrationslagern Oranienburg und Lichtenburg inhaftiert und aus dem Reichsverband der Deutschen Presse ausgeschlossen. Er fand jedoch Aufnahme in der Reichsschrifttumskammer, was ihm auch eine Pressetätigkeit ermöglichte.

Knauf war einige Jahre freiberuflich in der Werbung tätig und wurde 1936 zunächst zweiter Pressesprecher, dann Pressechef der Filmproduktionsgesellschaft Terra Film. Hier betreute er vor allem Produktionen mit Heinz Rühmann. Er konnte sich vom Kriegsdienst zurückstellen lassen und schrieb ab 1941 Texte für Schlager von Werner Bochmann. Die bekanntesten sind Heimat, deine Sterne aus dem Film Quax, der Bruchpilot und Mit Musik geht alles besser aus Sophienlund. Knauf verfasste auch den Kanon Der Frühling liebt das Flötenspiel im Film Die Feuerzangenbowle. In den 1930er Jahren hatte er eine Biografie über den Berliner Zeichner Heinrich Zille geschrieben, die erst 2015 veröffentlicht wurde.

Nachdem Knaufs Wohnung in der Charlottenburger Fritschestraße 56 den Luftangriffen der Alliierten auf Berlin zum Opfer gefallen war, wurde er im November 1943 in Berlin-Kaulsdorf zusammen mit Erich Ohser bei einem Arzt untergebracht. Am 22. Februar 1944 wurden sie von Bruno Schultz, einem Mitbewohner, Untersturmführer der Allgemeinen SS und Hauptmann bei der Abteilung Wehrmachtpropaganda beim Oberkommando der Wehrmacht, wegen politischer Äußerungen und Witzen, die sie im Beisein von Schulz mehrfach ausgetauscht hatten, denunziert. Knauf wurde am 28. März 1944 verhaftet und am 6. April 1944 vom Richter Roland Freisler am Volksgerichtshof „wegen defätistischer Äußerungen im Luftschutzkeller“ zum Tode verurteilt. Heinz Rühmann setzte sich bei Propagandaminister Goebbels erfolglos für ihn ein. Knauf wurde am 2. Mai 1944 im Zuchthaus Brandenburg enthauptet. Seiner Witwe Erna Knauf wurden für die Verfahrenskosten und die Hinrichtung 585,74 Reichsmark in Rechnung gestellt. Erich Kästner schrieb über diese Rechnung den kurzen Prosatext Eine unbezahlte Rechnung.

Ohser nahm sich in der Nacht vor dem Prozess das Leben.

Ehrungen

Werke

Literatur

Commons: Erich Knauf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ französisch; übersetzt das wird gehen!
  2. ↑ Erich Knauf: Der unbekannte Zille. Vergangenheitsverlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-86408-188-0.
  3. ↑ Zwei kritische Köpfe (Memento vom 24. März 2019 im Internet Archive) In: Berliner Woche, Ausgabe Hellersdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf, 20. März 2019, S. 3.; abgerufen am 13. November 2025
  4. ↑ Torsten Körner: Der kleine Mann als Star. Heinz Rühmann und seine Filme der 50er Jahre. Campus, Frankfurt/M. 2001, S. 46.
  5. ↑ Erich Kästner: Eine unbezahlte Rechnung. Abgerufen am 27. Oktober 2025.
  6. ↑ Stadt Meerane: Kunsthaus Meerane. Ausstellung „Werner Bochmann“ mit Erich Knauf und Ralph Arthur Roberts. Abgerufen am 1. Juli 2023