Erich Stange

Erich Stange, um 1929

Erich Stange (* 23. März 1888 in Schwepnitz; † 12. März 1972 in Kassel) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Theologe, Reichswart der Evangelischen Jungmännerbünde und einer der Begründer der Telefonseelsorge in Deutschland.

Leben

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Zittau studierte Stange in Leipzig, Berlin und Greifswald Evangelische Theologie, womit er eine Familientradition fortführte. 1913 übernahm er die Pfarrstelle in Pulsnitz, von wo er 1917 auf eine Pfarrstelle in Leipzig wechselte. Ebenfalls in Leipzig wurde er 1914 über Die Eigenart der johanneischen Produktion: Ein Beitrag zur Kritik der neueren Quellenscheidungshypothesen und zur Charakteristik der johanneischen Psyche promoviert. Ab 1917 war er zudem Herausgeber der Zeitschrift Pastoral-Blätter für Predigt, Seelsorge und kirchliche Unterweisung.

1921 übernahm er das Amt des Reichswarts im Reichsverband der evangelischen Jungmännerbünde, dem heutigen CVJM-Gesamtverband in Deutschland; gleichzeitig wurde er Sekretär des Ökumenischen Rates für praktisches Christentum. 1927 verlieh ihm die theologische Fakultät der Universität Königsberg die Ehrendoktorwürde.

Im Mai 1933 wurde er zum Reichsführer der Evangelischen Jugend Deutschlands im Jugendführerrat beim Jugendführer des Deutschen Reiches ernannt. Diese Position verlor er bereits im Dezember 1933 wieder, als er gegen die zwangsweise Überführung der evangelischen Jugend in die Hitlerjugend protestierte. Ihm folgte Karl Friedrich Zahn nach. Seine Aufnahme in die NSDAP zum 1. Mai 1933 wurde abgelehnt.

Während und nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Stange seine Tätigkeit für den Reichsverband der evangelischen Jungmännerbünde fort; 1950 übernahm er zusätzlich eine Pfarrstelle in Kassel, wo sich seit 1921 die Zentrale des Reichsverbands befand. 1954 schied er aus dem Dienst für den Reichsverband der evangelischen Jungmännerbünde aus.

Am 11. Februar 1957 gründete Stange nach englischem Vorbild die erste evangelische Telefonseelsorgeeinrichtung in Deutschland, nachdem ein Jahr zuvor in Berlin durch den Arzt, Psychotherapeuten und Pfarrer Klaus Thomas eine erste telefonische Beratungsstelle auf deutschem Boden entstanden war.

Nach Stange wurde 1996 das Dr.-Erich-Stange-Haus des Christlichen Vereins Oberlichtenau in Pulsnitz benannt.

Der Theologe Carl Stange war sein Bruder.

Werke (Auswahl)

Als Herausgeber

  • Vom Bruder Mensch. Eine Wegleitung für werdende junge Männer (Halle (Saale) 1924)
  • Die Religionswissenschaft der Gegenwart in Selbstdarstellungen (5 Bände, Leipzig 1925–1929)
  • Handbuch für das evangelische Jungmännerwerk Deutschlands (3 Bände, Wuppertal-Barmen 1927–1931)
  • Homiletisch-katechetisches Archiv (Leipzig/Dresden 1939–1940)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Birgit Siekmann: Stange, Erich. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 20, Bautz, Nordhausen 2002, ISBN 3-88309-091-3, Sp. 1355–1367.
  2. 1 2 3 4 Rainer Bookhagen: Die evangelische Kinderpflege und die Innere Mission in der Zeit des Nationalsozialismus. Band 2. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen und Zürich 2002, ISBN 3-525-55730-2, S. 1071.
  3. ↑ Die Gleichschaltung der Jugendverbände (PDF-Datei) auf ns-in-ka.de
  4. ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/42410167
  5. ↑ Martina Patenge: Mitunter schwer – aber unverzichtbar! Telefonseelsorge, ein Dienst für Menschen in Krisen. In: Bernhard Nacke (Hrsg.): Orientierung und Innovation. Beiträge der Kirche für Staat und Gesellschaft. Herder, Freiburg im Breisgau 2009, ISBN 978-3-451-32251-8, S. 640 (online [PDF]). online (Memento des Originals vom 3. Februar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. ↑ Jugendzentrum Westlausitz. In: Christlicher Verein Oberlichtenau e.V. Auf CV-Oberlichtenau.de, abgerufen am 12. August 2019.