Ansicht um 1830Bulleritz, Herrenhaus des ehem. Ritterguts
Der Ortsname leitet sich vom altsorbischenSvepeťnica (von altsorbisch: svepet „Bienenstock“) für einen Bach ab, der durch einen Wald mit Bienenstöcken fließt, und stammt vermutlich aus der zweiten Besiedlungsperiode durch die Slawen. Der erste schriftliche Nachweis stammt jedoch erst von 1343.
Das abgeschiedene Heidedorf gehörte zunächst zur HerrschaftKamenz und seit der Mitte des 16. Jahrhunderts zur Standesherrschaft Königsbrück. Bis ins 17. Jahrhundert wurde in Schwepnitz Sorbisch gesprochen und in der dortigen Kirche auch gepredigt, bis Ende des Jahrhunderts war die Sprache jedoch aus dem dortigen Alltag verschwunden.
Seit der Gründung einer Glashütte durch die Bernsdorfer Glasmacherfamilie Klahn im Jahre 1865 entwickelte sich der Ort zu einer Industriegemeinde; mit Zugehörigkeit zur Amtshauptmannschaft Kamenz. Das örtliche Rittergut besaß damals die freiherrliche sächsische Nebenlinie der eigentlich brandenburgischen Uradelsfamilie von Rochow; mit Sitz an der sächsisch-preußischen Grenze, bei Strauch-Merzdorf. Ein Vertreter dieses Adelsgeschlecht vor Ort war Adolf Freiherr von Rochow (1851–1899), zugleich Besitzer eines Geld-Fideikommiss. Er war auch beim Jubiläum der Wettiner 1889 in Dresden zugegen. Sein Gut erbte später seine Schwester Amélie von Rochow, die mit Emil Alexander von Wolffersdorff verheiratet war. verheiratet war. Amélie von Wolffersdorff geb. von Rochow-Strauch starb 1914 in Dresden, als Gutsherrin auf Schwepnitz. Erbe der 153 ha wurde im Minorat ihr jüngster 1877 geborener Sohn Arndt von Wolffersdorff (1877–1965). Der kgl. sächs. Rittmeister d. R. des Garde-Reiter-Regiments hatte seine Frau Lucia von Studnitz, geschiedene von Campe, in Mecklenburg auf Schloss Hülseberg geheiratet.
Mitte der 1920er Jahre bestanden neben dem Rittergut der Familie von Wolffersdorf weiterhin noch mehrere größere Forst- und Landwirtschaftsbetriebe. Dem Sächsischen Staatsfiskus gehörten 1106 ha Forstfläche auf der Gemarkung von Schwepnitz. Des Weiteren waren neun Höfe vorhanden und das 20,5 ha große Pfarrlehn.
Mit der Klosterhütte entstand 1932 eine zweite Glasfabrik. Im Zweiten Weltkrieg erlitt Schwepnitz starke Zerstörungen. Die Besitzer des Rittergutes wurde 1945/1946 enteignet. Die letzte direkte Nachfahrin, Vera von Wolffersdorff, starb 2011 hundertjährig als Altabtissin des Klosters Walsrode.
Die Glasfabriken wurden in der DDR enteignet und 1972 im VEB Sachsenglas Schwepnitz zusammengeführt. Hier wurden ab 1980 bis 1990 die durch ein patentiertes Ionenaustauschverfahren verfestigten „Superfest“-Trinkgläser für die Gastronomie hergestellt. Der Betrieb war Teil des Kombinats Lausitzer Glas. Im Jahr 2000 endete die Glasproduktion in Schwepnitz.
seit 2025: Marco Schmidt (Erste Freie Wählervereinigung Schwepnitz)
Marco Schmidt wurde bei der Bürgermeisterwahl am 17. August 2025 mit 71,9% der gültigen Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt. Er ist seit dem 1. November 2025 im Amt. Seine Vorgängerin Elke Röthing war vor dem regulären Ablauf ihrer Amtszeit in den Ruhestand gegangen.
KircheRhododendren aus Grüngräbchen (1903)Schloss (1915)Herrenhaus Schwepnitz (Zustand 2016)
Im Ortsteil Grüngräbchen gibt es eine öffentlich zugängliche mehrere Hektar große Rhododendron-Gärtnerei, die von den Nachkommen der sächsischen Gärtnerdynastie Seidel betrieben wird. Zur Blütezeit ist sie wegen ihrer Größe (mehrere tausend Rhododendronsträucher verschiedensten Alters) und Vielfalt der Blütenfarben ein Besuchermagnet.
Schwepnitz hält einen für die Region nordöstlich von Dresden bedeutenden Weihnachtsmarkt ab.
Im westlichen Bereich der Gemeinde ist ein Industriegebiet mit einer Fläche von 35ha ausgewiesen, in dem verschiedene Firmen der Bau-Chemieprodukten- und Kartonherstellung einen Produktionsstandort betreiben, darunter die Firma Paul Bauder.
Zwischen 1899 und 1998 bestand eine Bahnstrecke als Normalspur, diese wurde 2001 stillgelegt und zwischen 2004 und 2005 zurückgebaut.
Bildung
Die Gemeinde Schwepnitz verfügt über eine Grundschule und seit 2007 über eine FreieMittel- bzw. Oberschule, nachdem die staatliche Mittelschule Schwepnitz geschlossen wurde. Im Jahr 2017 kam ein berufliches Gymnasium im Profil Gesundheit und Sozialwesen als Erweiterung hinzu.
Eduard Leonhardi (1828–1905), Kunstmaler, ab 1875 als Besitzer der Glashütte Schwepnitz auch Fabrikant
Emil Weber (1859–1928), Landesgeologe, Chemiker, Ziegeleibesitzer, entwickelte Patente für die Glas- und Tonindustrie
T. J. Rudolf Seidel (1861–1918), Gärtner u. Pflanzenzüchter, Begründer des weltweit angesehenen Gartenbaubetriebs T. J. Rud. Seidel in Grüngräbchen
Richard Tischer (1870–1940), Schulleiter und Oberlehrer der Elementarschule mit Fortbildungsschule sowie Kantor und Organist der Kirchengemeinde in Schwepnitz, Heimatkundler
Erich Stange (1888–1972), evangelischer Theologe, Reichswart der Evangelischen Jungmännerbünde und einer der Begründer der Telefonseelsorge in Deutschland
Schwepnitz., In: C. Leuch’s Adressbuch aller Länder der Erde der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer, etc. etc. Band 5: Königreich Sachsen. 9. Ausgabe 1887/1890, Selbstverlag C. Leuch’s & Co., Nürnberg 1887, S. 358.
Heinrich Jakobus Karl Fröhlich Die Parochie Schwepnitz. In: Neue Sächsische Kirchengalerie: Diöcesen Bautzen und Kamenz. In: [Teil II: Die Diöcese Kamenz], Arwed Strauch, Leipzig ca. 1905, Sp. 329-348.
Cornelius Gurlitt: Schwepnitz. In:Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 35. Heft: Amtshauptmannschaft Kamenz (Land). C.C.Meinhold, Dresden 1912, S. 321.
Richard Tischer: Aus der Geschichte von Schwepnitz. In: 1877 - 1927 Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Turnvereins von 1877 Schwepnitz e.V. D.T., Hrsg. Presseausschuß, 1927, S. 6–15.
Richard Tischer, Aus der alten Geschichte von Schwepnitz. In: Unsere Heimat: Beiträge zu ihrer Geschichte und Forschung (Kamenz). Band 7 (1930), S. 36–39.
650-Jahrfeier der Gemeinde Schwepnitz i. Sa. 1343 - 1993, (Anlässlich der Festwoche 27. Mai – 1. Juni 1993), Hrsg. Gemeindeverwaltung Schwepnitz, Schwepnitz 1993.
↑Stand: 15. Dezember 2012; Angaben des Einwohnermeldeamtes Königsbrück
↑Ernst Eichler (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band II: M–Z. Akademie-Verlag, Berlin 2001, S. 396.
↑Vgl. Friedrich Pollack: Kirche – Sprache – Nation. Domowina-Verlag, Bautzen 2018, S. 190.
↑Franz Schroeder: Bad Neuenahr seine Wirkungen, Orts- und Curverhältnisse. 13. Auflage, Bad Neuenahr 1895, S. 43.
↑Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. 1900. Fünfzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1899, S. 613.
↑Dr. Blochwitz: Nachtrag zur amtlichen Festschrift. Die Wettin-Feier in Dresden. Juni 1889. Ein Blatt der Erinnerung für jeden Festteilnehmer. Albanus, Dresden 1889, S. 10.
↑Ad. M. Hildebrandt: Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde . Jahrgang XXXI, Nr. 3, Hrsg. Herold (Verein), Selbstverlag-Carl Heymanns Verlag im Auftrag, Berlin März 1900, S. 58.
↑Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. 1918. Der in Deutschland eingeborene Adel. Neunzehnter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha Anfang November 1917, S. 949 f.
↑Vgl. Ernst Ullrich, Ernst Seyfert: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Güter und Wirtschaften im Freistaat Sachsen. [1925]. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. (Letzte Ausgabe), Band IX, 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1925, S. 43.
↑Emil Bernhard Weber: Studien über Schwarzwälder Gneisse. Inaugural-Dissertation Universität Leipzig, 1883; als Buch veröffentlicht: A. Hölder, Wien 1883; Reprint: Forgotten Books, London 2018, ISBN 978-1-391-05981-5.
↑Rainer Frenzel: Der Landesgeologe und Chemiker Dr. Emil Weber. In: Beiträge zur Heimatkunde der Westlausitz, Heft 4/1992, S. 35–41.
↑Verfahren aus plastischen Tonen durch Zusatz von Soda, Natronlauge, Ammoniak, Pottasche, Wasserglas, Melasse, Seife u. dgl. gußfähige Masse herzustellen, Deutsches Patent Nr. DE159193, Zusatz zum Patente Nr. DE158496, Kaiserliches Patentamt Berlin, angemeldet 12. Juli 1903, ausgegeben 10. März 1905.
↑Handbuch der Schul-Statistik für das Königreich Sachsen. Band N. F. 19 (1903), S. 581.
↑Sowie Band N.F. 22 (1913) S. 537. Rammingsche Buchdruckerei und Verlag, Dresden.
↑Siehe auch: 650 Jahre Schwepnitz i. Sa., Festwoche 1993, Gemeindeverwaltung Schwepnitz, Schwepnitz 1993, S. 19.
↑R. Tischer (Berichterstatter): Umfrage des NSLB Sachsen zu Einstellungen, Sitten und Gebräuchen in der Bevölkerung bezüglich Heirat, Geburt, Tod, Aberglauben/Geister, Wahrsagen, Besprechen u.ä. Schwepnitz ca. 1933.
↑Handschriftlich ausgefüllter Original-Fragebogen, In: Archiv Dr. R. Frenzel, Pulsnitz; R. Tischer u.a., Brauchtum um Geburt und Taufe Kreis Kamenz 1934, Frühlings-Brauchtum Kreis Kamenz 1935, Weihnachtsbrauchtum Kreis Kamenz 1936.
↑ Unveröffentlichte Erhebungen im Rahmen der Volkskundlichen Landesaufnahme, z.T. mit späteren Nachträgen, Landesstelle für Volksforschung und Volkstumspflege in Sachsen, vorhanden und ausleihbar, In: Sorbische Zentralbibliothek, Bautzen.
↑Siehe auch: Rainer Frenzel: ...damit der Tod nicht ins Dorf komme. In: Oberlausitzer Hausbuch 2001. Lusatia Verlag, Bautzen 2000, S. 165–166.
↑Dietmar Hommel, Schwepnitz: Aquarelle, Pastelle; Ausstellung im Kreiskulturhaus Bischofswerda vom 15.1. - 28.2.1978, Ausstellungskatalog, Bischofswerda 1978. Anne Kaiser/Gert Claussnitzer Dietmar Hommel, Jahreszeiten: Wachspastelle und Zeichnungen 1980-1982; Ausstellung im Stadt- und Kreismuseum Zittau, April-Mai 1983, Ausstellungskatalog, Stadtmuseum Zittau 1983
↑Martin Schmidt Der Maler Dietmar Hommel, Ernst-Rietschel-Kulturring, Pulsnitz 2008.
↑Sören Fischer: Dietmar Hommel - Kulturkreise: Ausstellungskatalog, zugleich Bestandsverzeichnis der Arbeiten Dietmar Hommels in den Städtischen Sammlungen Kamenz. In: Kleine Schriften der Städtischen Sammlungen Kamenz. Band 5, Kamenz 2016.