Radibor

Wappen Deutschlandkarte
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Radibor
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Radibor hervorgehoben
Basisdaten
Koordinaten: 51° 15′ N, 14° 24′ OKoordinaten: 51° 15′ N, 14° 24′ O
Bundesland:Sachsen
Landkreis: Bautzen
Höhe: 165 m ü. NHN
Fläche: 61,99 km²
Einwohner: 3060 (31. Dez. 2025)
Bevölkerungsdichte: 49 Einwohner je km²
Postleitzahl: 02627
Vorwahlen: 035935, 035934 (Droben, Lippitsch, Lomske, Luppa, Luppedubrau, Milkel, Teicha, Wessel)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: BZ, BIW, HY, KM
Gemeindeschlüssel: 14 6 25 490
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Alois-Andritzki-Straße 2
02627 Radibor
Website: radibor.de
Bürgermeisterin: Madeleine Rentsch (HFM)
Lage der Gemeinde Radibor im Landkreis Bautzen
KarteTschechienDresdenLandkreis GörlitzLandkreis MeißenLandkreis Sächsische Schweiz-OsterzgebirgeArnsdorfBautzenBernsdorfBischofswerdaBurkauCrostwitzCunewaldeDemitz-ThumitzDoberschau-GaußigElsterheideElstraFrankenthal (Sachsen)GödaGroßdubrauGroßharthauGroßnaundorfGroßpostwitzGroßröhrsdorfMalschwitzHaselbachtalHochkirchHoyerswerdaKamenzKönigsbrückKönigswarthaKubschützLaußnitzLautaLichtenberg (Landkreis Bautzen)LohsaMalschwitzNebelschützNeschwitzNeukirch (bei Königsbrück)Neukirch/LausitzObergurigOhornOßlingOttendorf-OkrillaPanschwitz-KuckauPulsnitzPuschwitzRadebergRadiborRäckelwitzRalbitz-RosenthalRammenauSchirgiswalde-KirschauSchmölln-PutzkauSchwepnitzSohland an der SpreeSpreetalSteina (Sachsen)SteinigtwolmsdorfWachau (Sachsen)WeißenbergWilthenWittichenauBrandenburgPolen
Karte
Radibor, Luftaufnahme (2017)
Luftbildpanorama
Die Pfarrkirche in Radibor

Radibor, obersorbisch Radworⓘ/?, ist ein Ort und die zugehörige Gemeinde im Landkreis Bautzen in der Oberlausitz, etwa 10 km nördlich von Bautzen. Der Ort selbst hat rund 700 Einwohner, die Gemeinde etwa 3200. Ein großer Teil der Bevölkerung – vor allem im Südteil der Gemeinde – spricht Sorbisch als Muttersprache; die Gemeinde zählt zum amtlichen sorbischen Siedlungsgebiet.

Geschichte

Radibor wurde im Jahre 1221 erstmals in einer bischöflichen Urkunde erwähnt. Weitere frühe Nennungen sind 1346 in den Matrikeln des Bistums Meißen und 1359. Um 1220 bestand bereits eine Pfarrgemeinde. Die Herkunft des Ortsnamens ist nicht abschließend geklärt, in jedem Fall stammt er aus dem Sorbischen. Ausgehend von der ältesten bekannten Erwähnung als Ratibor halten Etymologen heute eine Zusammensetzung aus rat (Krieg) und boriti se (sich streiten, kämpfen) für wahrscheinlich. Für Theorien, die von dem Namen eines Helden, der „gerne kämpft“, ausgehen, finden sich in der restlichen Lausitz keine Parallelen.

Die Kirchgemeinde Radibor war die einzige in Sachsen unter weltlicher Feudalherrschaft, die nach der Reformation katholisch blieb. Der Übertritt zum Protestantismus wurde im 16. und 17. Jahrhundert mehrfach von den evangelischen Grundherren des Gutes angestrengt, scheiterte jedoch immer am massiven Widerstand der Bevölkerung.

1890 erhielt Radibor einen Bahnhof an der Bahnstrecke Bautzen–Königswartha, die später nach Hoyerswerda erweitert wurde. Ab 1906 war es über die Bahnstrecke Löbau–Radibor, dem ersten und einzigen fertiggestellten Abschnitt der Sächsischen Nordostbahn, auch mit Weißenberg und Löbau verbunden. Geplant war eine Erweiterung der Sächsischen Nordostbahn über Crostwitz nach Kamenz und weiter über Radeburg nach Riesa, die jedoch nie realisiert wurde. Der Personenverkehr in Richtung Löbau wurde 1972 eingestellt, jener zwischen Bautzen und Hoyerswerda 1999. Die beiden Strecken wurden 1998 bzw. 2001 stillgelegt und in der Folge abgebaut.

1895/96 wurde die neue Pfarrkirche Maria Rosenkranzkönigin (Cyrkej swj. Marije, kralowny swjateho róžowca) im südlichen Teil des Ortes zusätzlich zu den bereits bestehenden Gotteshäusern – Alte Pfarrkirche (13. Jh.) und Kreuzkirche (1397) – errichtet. Ihr markanter Turm ist von weither sichtbar.

Die Gemeinde Luppa ist zum 1. Januar 1994 eingegliedert und Luttowitz zum 1. Januar 1994 nach Radibor eingemeindet worden. Es folgten am 1. Oktober 1998 die drei Ortsteile Cölln, Großbrösern und Milkwitz der damaligen Gemeinde Kleinwelka. Milkel ist am 1. Januar 1999 eingegliedert worden.

2011 wurde der aus Radibor stammende Märtyrerpriester Alois Andritzki von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen.

Bevölkerung: Sprache und Konfession

Für seine Statistik über die sorbische Bevölkerung in der Oberlausitz ermittelte Arnošt Muka in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine Bevölkerungszahl von 571 Einwohnern; davon waren 548 Sorben (96 %) und 23 Deutsche. Ernst Tschernik zählte in der Gemeinde Radibor 1956 noch einen sorbischsprachigen Anteil von 73,2 % der Bevölkerung.

Laut der Volkszählung von 2011 waren zu diesem Zeitpunkt von 3.299 Einwohnern 1.137 römisch-katholisch (34,4 %), 1.081 evangelisch (32,8 %) und 1.081 Einwohner gehörten einer anderen oder keiner Religionsgemeinschaft an (32,8 %).

Geografie

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Radibor hat folgende Ortsteile (Einwohner):

Nachbargemeinden

Königswartha Lohsa Boxberg/Oberlausitz
(Landkreis Görlitz)
Neschwitz Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt Großdubrau
Göda Bautzen

Politik

Gemeinderatswahl 2024
Wahlbeteiligung: 75,3 % (2019: 72,3 %)
 %
40
30
20
10
0
35,0 %
33,2 %
20,6 %
11,2 %
n. k.
HFM b
FW c
SWV/SWZ d
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2019
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  −2
  −4
  −6
  −8
−10
−12
+7,1 %p
+9,3 %p
−10,9 %p
−2,4 %p
−3,2 %p
HFM
SWV/SWZ
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
b 
Wählervereinigung Heimatfreunde Milkel
c 
Freie Wähler
d 
Sorbische Wählervereinigung/Serbske wolerske zjednoćenstwo
Gemeinderat ab 2024
3
2
5
6
3 2 5 6 
Insgesamt 16 Sitze
  • FW: 3
  • SWV/SWZ: 2
  • HFM: 5
  • CDU: 6

Gemeinderat

Der Gemeinderat von Radibor besteht momentan aus 16 Mitgliedern. Die Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 ergab folgende Stimm- bzw. Sitzverteilung:

Parteien und Wählergemeinschaften 2024 2019 2014 2009
% Sitze % Sitze % Sitze % Sitze
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 35,0 6 27,9 5 45,9 8 57,5 10
Wählervereinigung Heimatfreunde Milkel (HFM) 33,2 5 23,9 4 22,0 4 22,5 3
Freie Wähler 20,6 3 31,5 5 15,8 2 — —
Sorbische Wählervereinigung 11,2 2 13,6 2 13,2 2 20,0 3
Linke – – 3,2 – – – – –
SPD – – – – 3,1 – – –
gesamt 100,0 16 100,0 16 100,0 16 100,0 16
Wahlbeteiligung 75,3 % 72,3 % 59,5 % 53,5 %

Im Zusammenhang mit der Sächsischen Kreisreform strebte die Gemeindeverwaltung 2008 eine Fusion mit der Nachbargemeinde Großdubrau an. Am 2. März 2008 wurde aus diesem Grund ein Bürgerentscheid zur Gemeindefusion durchgeführt. Dabei stimmte in Radibor eine knappe Mehrheit für den Schritt, während sich eine deutliche Mehrheit der Großdubrauer Wähler gegen den Zusammenschluss entschied.

Bürgermeister

Bürgermeisterin von Radibor ist Madeleine Rentsch. Sie wurde am 9. Februar 2020 mit 55,6 Prozent der Stimmen zur Nachfolgerin von Vinzenz Baberschke gewählt, der die Gemeinde seit 1992 geleitet hatte. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,7 Prozent.

letzte Bürgermeisterwahlen
Wahl Bürgermeister Vorschlag Wahlergebnis (in %)
2020 Madeleine Rentsch HFM 55,6
2013 Vinzenz Gregor Baberschke CDU 78,3
2006 98,0

Bildung

Die Gemeinde Radibor verfügt über die sorbische Grund- und Oberschule „Dr. Marja Grólmusec“. Die Oberschule sollte nach den Plänen des sächsischen Kultusministeriums aufgrund sinkender Schülerzahlen geschlossen werden. Die Gemeinde konnte sich jedoch vor dem Oberverwaltungsgericht gegen diese Entscheidung durchsetzen. Die Oberschule ist eine von vier verbliebenen sorbischen Oberschulen in Sachsen.

Persönlichkeiten

Sehenswürdigkeiten und Gedenkstätten

Die Kulturdenkmale sind in der Liste der Kulturdenkmale in Radibor aufgeführt.

Schloss Radibor

Naturschutz

Literatur

Commons: Radibor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Bevölkerung der Gemeinden Sachsens am 31. Dezember 2025 – Fortschreibung des Bevölkerungsstandes auf Basis des Zensus vom 15. Mai 2022 (Gebietsstand 01.01.2025). Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 4. Juli 2026. (Hilfe dazu).
  2. ↑ Anlage (zu § 3 Abs. 2) des Sächsischen Sorbengesetzes.
  3. ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7.
  4. ↑ StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.1999.
  5. ↑ Ernst Tschernik: Die Entwicklung der sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag, Berlin 1954, S. 59.
  6. ↑ Ludwig Elle: Sprachenpolitik in der Lausitz. Domowina-Verlag, Bautzen 1995, S. 246.
  7. ↑ Zensusdatenbank auf zensus2011.de.
  8. ↑ Stand: 31. Dezember 2022; Angaben der Gemeindeverwaltung Radibor.
  9. ↑ Referat Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Wahlergebnisse - Wahlen - sachsen.de. Abgerufen am 14. August 2024.
  10. ↑ Referat Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Wahlergebnisse - Wahlen - sachsen.de. Abgerufen am 14. August 2024.
  11. ↑ Referat Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit: Wahlergebnisse - Wahlen - sachsen.de. Abgerufen am 14. August 2024.
  12. ↑ Wahlergebnis vom 9. Februar 2020 auf wahlen.sachsen.de; abgerufen am 22. April 2020.
  13. ↑ Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Radibor.
  14. ↑ Ernst Ullrich, Ernst Seyfert: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Güter und Wirtschaften im Freistaat Sachsen. Verzeichnis. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben, 3. Auflage, In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band IX; Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1925, S. 22.
  15. ↑ Alfred Freiherr von Welck: Lebensbilder. Selbstverlag, Radibor 1943.
  16. ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil B (Briefadel). 91. Jahrgang. 1941. Justus Perthes, Gotha Oktober 1940, S. 555–556.
  17. ↑ Porträt-Büste, Hrsg. Deutsche Fotothek.