Erna Roder (* 19. Mai 1916 in Langhelwigsdorf, Schlesien; † 29. November 2007 in Letschin) war eine deutsche Naive Malerin, die in Kienitz/Oderbruch (Brandenburg) lebte und wirkte.

Erna Roder beendete im Jahr 1936 ihre Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete in den folgenden 30 Jahren in verschiedenen Krankenhäusern, Altenheimen und Kirchengemeinden, zuletzt in Hoerstgen/Niederrhein. 1965 heiratet sie ihren Ehemann und übersiedelte in die DDR nach Kienitz im Oderbruch, wo dieser eine Stelle als Pfarrer hatte und wurde dort als Pfarrfrau tätig. Die 1831 errichtete, nach Kriegszerstörung im Frühjahr 1945 später teilweise wieder aufgebaute Kirche von Kienitz besitzt einen Gottesdienstraum im Obergeschoss und im Erdgeschoss eine Wohnung, welche die Eheleute Roder bewohnten. Als ihr Ehemann im Jahr 1981 nach 16 Jahren Ehe starb, behielt Erna Roder diese Wohnung.
Ab Anfang der achtziger Jahre begann die Kirche zu verfallen. Um Geld für die von ihr persönlich initiierte Rettung der Kirche zu beschaffen, begann sie ab 1981 Bilder mit Temperafarben auf Kirchenschiefer zu malen und diese zu verkaufen. Bald kamen Arbeiten mit Pastellkreide hinzu. Der Verkauf ihrer Bilder gestaltete sich sehr erfolgreich. Sie wurde überregional bekannt und erhielt häufig Besuch in der Kienitzer Kirche. Von 1992 bis 2002 gab sie einen Oderbruch-Kalender heraus, in dem jeden Monat eines ihrer Bilder als heraustrennbare Postkarte abgedruckt war. Im Sommer 2007 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Am 29. November 2007 ist Erna Roder in einem Pflegeheim in Letschin 91-jährig verstorben.
Das Werk Erna Roders besteht aus frühen Grafiken wie einem Linolschnitt der Kienitzer Kirchglocke, vor allem aber aus Temperagemälden auf Kirchenschiefer und Pastellen. Die Motive entstammen dem unmittelbaren Lebensumfeld der Künstlerin. Neben Stillleben malte sie hauptsächlich Landschaften und darin eingebundene Gebäude, Personen und Tiere. Ein häufiges Motiv ist die Kienitzer Kirche selbst, die aus nahezu jeder Perspektive und zu jeder Jahreszeit dargestellt wurde. Weitere Motive sind Kirchen aus der Umgebung (Alttrebbin, Herzfelde, Alt Barnim, Wilhelmsaue, Wuschewier, Stetzing), der Gasthof „Alter Fritz“ in Altlewin, die Bockwindmühle in Wilhelmsaue, der Oderhafen von Kienitz, Deiche, Bauernwirtschaften, Storchennester, Sonnenblumenfelder, besondere Straßenabschnitte mit Baumgruppen (z. B. Weg nach Sophiental). Immer wieder wird die Oder dargestellt, im Winter als vereister Fluss im Herbst als Hochwasser. Auch fernere Motive sind zu finden, wie die Oder bei Lebus und die dortigen berühmten und für diese nördliche Gegend seltenen Adonisröschen. Auch stellte sie den polnischen Ort Sierkierki (deutsch Zackerick) mehrfach dar.
Als Autodidaktin malte Erna Roder ausschließlich Motive aus eigener Anschauung und berief sich insofern auch nicht auf künstlerische Vorbilder. Die von ihr geschaffenen Werke sind einzig und allein aus ihr heraus entstanden. Viele Motive kommen häufig in ihren Bildern vor, doch jedes Bild ist unverwechselbar. Die auf den Bildern dargestellten Personen und Tiere waren ihr zumeist bekannt, so dass sie über diese auch Anekdoten erzählen konnte. Veränderungen in ihrer Umgebung hielt sie auf diese Weise fest. Durch diesen konkreten Bezug und die Wahrhaftigkeit der Darstellung haben diese einzigartigen Bilder den Charakter einer Chronik.
Zwei ihrer Aussprüche zeigen die Beziehung Erna Roders zu den von ihr dargestellten Motiven:
Von 1992 bis 2002 erschien jährlich ein Postkartenkalender, herausgegeben und gestaltet von Erna Roder. Gesamtherstellung: Zumm Druck & Satz KG Berlin.
Die Kalender enthalten einschließlich Deckblatt jeweils 13 Motive, in den ersten Jahren Temperagemälde auf Kirchenschiefer, ab Mitte der neunziger Jahre zunehmend Pastellgrafiken. Zu jedem Motiv wählte Erna Roder einen passenden Bibelvers aus.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Roder, Erna |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Malerin |
| GEBURTSDATUM | 19. Mai 1916 |
| GEBURTSORT | Langhelwigsdorf, Schlesien |
| STERBEDATUM | 29. November 2007 |
| STERBEORT | Letschin |