
Ernest Lluch i Martín (* 21. Januar 1937 in Vilassar de Mar, Provinz Barcelona; † 21. November 2000 in Barcelona (Terroranschlag der ETA)) war ein spanischer Wirtschaftswissenschaftler, Historiker und Politiker des Partit dels Socialistes de Catalunya (PSC), der unter anderem Mitglied des Abgeordnetenkongresses sowie zwischen 1982 und 1986 im Kabinett González I Minister für Gesundheit und Verbraucher war.
Ernest Lluch i Martín absolvierte nach dem Schulbesuch ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Barcelona und schloss dort 1970 seine Promotion bei Fabián Estapé mit der Dissertation El pensamiento económico en Cataluña entre el renacimiento económico y la revolución industrial. La irrupción en la escuela clásica y la respuesta proteccionista ab, eine Arbeit über das ökonomische Denken in Katalonien zwischen wirtschaftlichem Wiederaufstieg und industrieller Revolution unter Berücksichtigung der klassischen Schule und des Protektionismus. Nach postgradualen Studien an der Universität von Paris übernahm er 1974 eine Professur für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Valencia sowie später eine außerordentliche Professur für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Barcelona. Für sein Buch La vía valenciana wurde er 1975 mit dem Joan-Fuster-Preis ausgezeichnet.
Lluch gehörte der Partei der Sozialisten Kataloniens PSC (Partit dels Socialistes de Catalunya) und wurde am 15. Juni 1977 Mitglied der Verfassunggebenden Versammlung (Constituyente) beziehungsweise am 2. Januar 1979 erstmals Mitglied des Abgeordnetenkongresses (Congreso de los Diputados) und vertrat in diesem bis zum 18. November 1982 den Wahlkreis „Girona“. In der Verfassunggebenden Versammlung war er zwischen dem 1. August und dem 10. November 1977 zunächst Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Finanzen sowie im Anschluss vom 10. November 1977 bis zum 2. Januar 1979 Mitglied der Ausschüsse für auswärtige Angelegenheiten, für Wirtschaft, für Finanzen sowie des Haushaltsausschusses. In der ersten Legislaturperiode war er vom 27. April 1979 bis zum 3. März 1982 Mitglied des Haushaltsausschusses, zwischen dem 11. Mai 1979 bis zum 14. Mai 1981 Mitglied des Wirtschaftsausschusses und des Ausschusses für Handel und Tourismus sowie vom 10. Mai 1979 bis zum 3. März 1982 außerdem Mitglied des Finanzausschusses. Darüber hinaus fungierte er zwischen dem 23. April 1980 und dem 3. November 1981 als Sprecher im Sprecherrat und war zuletzt noch vom 14. Mai 1981 bis zum 3. März 1982 Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Handel. Ferner fungierte er als Nachfolger von Eduardo Martín Toval zwischen 1980 und seiner Ablösung durch Josep Verde Aldea 1981 als Sprecher der Gruppe der Sozialisten Kataloniens (Grupo Socialista Catalán) innerhalb der Fraktion der Sozialistischen Arbeiterpartei PSOE (Partido Socialista Obrero Español) im Abgeordnetenkongress.


Am 18. November 1982 wurde Ernest Lluch, der ferner Mitglied des Vorstands des PSC war, abermals Mitglied des Abgeordnetenkongresses und vertrat dort nunmehr bis zu seinem Mandatsverzicht am 31. Januar 1989 den Wahlkreis „Barcelona“, woraufhin Josep Corominas i Busqueta als sein „Nachrücker“ neuer Abgeordneter wurde. Am 3. Dezember 1982 wurde er als Minister für Gesundheit und Verbraucher (Ministro de Sanidad y Consumo) in das Kabinett González I berufen und bekleidete dieses Ministeramt bis zum 25. Juli 1986. Während seiner Amtszeit trat am 19. Mai 1986 das Allgemeine Gesundheitsgesetz (Ley General de Sanidad) in Kraft. In der dritten Legislaturperiode gehörte er zwischen dem 10. September 1986 und dem 31. Januar 1989 noch dem Ausschuss für Wirtschaft, Handel und Finanzen als Mitglied an.
Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung nahm Lluch, dem für seine politischen Verdienste das Großkreuz des Ordens Karls III. verliehen wurde, im Mai 1986 seine Lehrtätigkeit als Professor für Wirtschaftsgeschichte wieder auf und war daraufhin als Nachfolger von Santiago Roldán zwischen 1989 und seiner Ablösung durch José Luis García Delgado 1995 Rektor der Universidad Internacional Menéndez Pelayo. Er kam am 21. November 2000 in Barcelona bei einem Terroranschlag der marxistisch-leninistischen, separatistischen baskisch-nationalistischen Terrororganisation Euskadi Ta Askatasuna (ETA) ums Leben. Im Anschluss wurden ihm posthum 2000 das Großkreuz des Zivilordens für das Gesundheitswesen, die Auszeichnung „Katalane des Jahres“, den Godó-Preis für Journalismus sowie 2001 die Ehrenmedaille des Parlaments von Katalonien verliehen. Ferner wurde die Station „Ernest Lluch“ der Metrolinie 5 in Barcelona, die auch einige Linien der Straßenbahn Barcelona verbindet, sowie der „Ernest Lluch“-Park in Lleida benannt. Nach seiner Ermordung wurde er auf dem Friedhof in Maià de Montcal beigesetzt. Er war von 1965 bis zur Scheidung 1984 mit der Philologin, Historikerin und Hochschullehrerin Maria Dolors Bramon Planas (* 1943) verheiratet, die auf die islamische Welt spezialisiert ist. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor, darunter die Historikerin und Politikerin der Linkspartei En Comú Podem (ECP), Rosa Lluch Bramon (* 1969).
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lluch, Ernest |
| ALTERNATIVNAMEN | Lluch i Martín, Ernest (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | spanischer Ökonom, Wirtschaftshistoriker und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 21. Januar 1937 |
| GEBURTSORT | Vilassar de Mar, Provinz Barcelona |
| STERBEDATUM | 21. November 2000 |
| STERBEORT | Barcelona |