Erni Hiir (* 16. Märzjul. / 29. März 1900greg. in Karjatnurme, Gemeinde Helme; † 27. Oktober 1989 in Tallinn, eigentlich Ernst Hiir) war ein estnischer Dichter und Übersetzer.
Erni Hiir besuchte von 1911 bis 1918 die Realschule in Tartu und 1920–1921 die Musikschule von August Nieländer. Danach war er im Studienjahr 1921/1922 Gasthörer an der Philosophischen Fakultät der Universität Tartu. Er war jedoch zunehmend literarisch tätig und wurde 1927 Mitglied des Estnischen Schriftstellerverbandes.
Nach der kommunistischen Machtübernahme in Estland beteiligte er sich aktiv an der gesellschaftlichen Umgestaltung. Seit Juli 1940 war er Redakteur bei der Zeitung Postimees. Bei Ausbruch des Deutsch-Sowjetischen Krieges 1941 ging er in die Sowjetunion und lebte in Leningrad und Tscheljabinsk, wo sich die größten estnischen Exilgemeinschaften im sowjetischen Hinterland befanden. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete er kurzzeitig wieder als Journalist und war dann von 1945 bis 1960 Sekretär der Tartuer Branche des Estnischen Schriftstellerverbandes. Seit 1962 lebte er in Tallinn.
Erni Hiir war der Schwiegervater des estnischen Politikers Riivo Sinijärv und folglich der Großvater des estnischen Schriftstellers Karl Martin Sinijärv.
Erni Hiir debütierte gemeinsam mit Albert Kivikas im März und April 1919 mit plakatierten so genannten „Tagesbefehlen“, worin sich Anklänge an den Futurismus zeigten. Im selben Jahr erschien von den beiden Autoren ihr gemeinsames Debüt Ohverdet konn ('Der geopferte Frosch'), außerdem veröffentlichte Hiir 1919 zwei Bände Gesammelte Werke, die jeweils aus nur einem einzigen Gedicht bestanden. Den Futurismus hatte Hiir vermutlich über das Russische kennengelernt.
1925 trat Hiir gemeinsam mit Juhan Sütiste (Johannes Schütz) und Mihkel Jürna mit den beiden Almanachen Sang ('Griff') und Bumerang an die Öffentlichkeit. In ihnen war aber nur eine allgemeine Protesthaltung gegen das literarische Establishment spürbar, inhaltlich gelingt es ihnen nicht, „das ziemlich schwammige Oppositionsniveau zu verlassen und zu irgendeinem fest umrissenen Programm zu kommen.“ Danach veröffentlichte Hiir zahlreiche weitere Gedichtbände, die anfangs noch futuristische Züge zeigten, mit zunehmendem Alter des Autors aber konventioneller wurden. Neben Liebeslyrik findet sich auch Sozialkritik und das Eintreten für die Schwächeren der Gesellschaft. Bald ist aber auch eine auffällige Nähe zu den jeweiligen Machthabern feststellbar, und in der Sowjetzeit propagierte er den sowjetischen Lebensstil. Am Ende war der einst „aufsehenerregende Futurist […] ein langweiliger Konformist geworden.“
In den 1970er-Jahren sind noch einige Auswahlsammlungen seiner früheren Gedichte erschienen, jedoch keine neuen Gedichte mehr.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hiir, Erni |
| ALTERNATIVNAMEN | Hiir, Ernst (wirklicher Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | estnischer Dichter und Übersetzer |
| GEBURTSDATUM | 29. März 1900 |
| GEBURTSORT | Karjatnurme, Gemeinde Helme |
| STERBEDATUM | 27. Oktober 1989 |
| STERBEORT | Tallinn |