Ernst Arnold Friedrich Turmann (* 14. September 1892 in Reval, Russisches Kaiserreich; † 29. August 1977 in Ratingen) war ein deutschbaltischer Politiker und Tennisspieler.
Turmann erhielt zunächst bis 1903 Privatunterricht, besuchte dann in Reval (estnisch Tallinn) die Privat-Knaben-Anstalt Juccum, das Nikolai-Gymnasium und zuletzt die Ritter- und Domschule, wo er 1910 das Abitur ablegte. Anschließend studierte er Volkswirtschaftslehre und Rechtswissenschaft an der Kaiserlichen Universität Dorpat und an der Universität Lausanne. Er wurde Mitglied der Baltischen Corporation Estonia Dorpat, einer schlagenden deutschbaltischen Studentenverbindung. 1914 promovierte er in Dorpat (estnisch Tartu) zum Doktor der Rechte. Danach war er von 1914 bis 1915 Rechtsreferendar an der Ritterschaftskanzlei in Reval und beim Regierenden Senat in Sankt Petersburg. 1915 wurde er in die Kaiserlich Russische Armee einberufen und durchlief zunächst eine Ausbildung an der Konstantin-Artillerieschule in Sankt Petersburg. Von 1916 bis 1918 kämpfte er als Oberleutnant der russischen Armee im Ersten Weltkrieg in Persien und Mesopotamien.
Nach der deutschen Besetzung Estlands im März 1918 wurde Turmann Referent für Finanzen und Wirtschaft bei der deutschen Militärverwaltung in Estland, dem Generalkommando 68. Von 1918 bis 1920 kämpfte er als Offizier des Baltenregiments, das im estnischen Freiheitskrieg unter estnischem Befehl gegen die Rote Armee kämpfte. Von 1920 bis 1926 war er geschäftsführender Direktor der Anglo-Estonian Import Comp. Ltd. und Inhaber der Mineralölfirma Estonafta in Reval. Im Jahr 1926 wurde Turmann vom estnischen Innenministerium auf die Insel Worms (estnisch Vormsi) verbannt, da er „die öffentliche Ruhe gefährdet und der Sicherheit sowie den Staatsinteressen geschadet“ habe. Der estnische Staatsgerichtshof hob Turmanns Verbannung jedoch wieder auf, da sich der Innenminister Kaarel Eenpalu weigerte, konkrete Beweise vorzulegen. Ab 1928 war Ernst Turmann als Rechtsanwalt in Reval tätig.
1920 wurde Turmann estnischer Tennis-Meister im Einzel und gewann bei den Meisterschaften von 1920 bis 1927 insgesamt zusätzlich vier Silber- und vier Bronzemedaillen.

Turmann war ab 1924 Eigentümer des von seinem Vater Robert (1850–1917) geerbten Ritterguts Pickwa (estnisch Pikva, heute Teil der Landgemeinde Anija). Als einer der wenigen Rittergutsbesitzer bürgerlicher Herkunft trat er dem Estländischen Gemeinnützigen Verband bei, der nach der gesetzlich verfügten Auflösung der Estländischen Ritterschaft deren Nachfolge angetreten hatte. Aufgrund dieser Mitgliedschaft sowie seines als vornehm und repräsentativ wahrgenommenen Auftretens erhielt Turmann den Beinamen „der Fürst“. Sein jüngerer Bruder Harry (1894–1971) wurde in Anlehnung daran „der Graf“ genannt.
Im Jahr 1930 war Turmann Mitglied und Mitgründer der baltendeutschen nationalsozialistischen „Bewegung“ in Estland. Zudem war er Mitglied des Hauptvorstandes der Deutsch-baltischen Partei in Estland. 1933 wurde er wegen nationalsozialistischer Betätigung in Estland verhaftet. Ab 1935 war er wirtschaftspolitischer Beauftragter der „Bewegung“. Von Juli bis Oktober 1939 war er kurzzeitig Mitarbeiter des Instituts für Ostforschung an der Albertus-Universität Königsberg. Im November 1939 erwarb er die deutsche Staatsbürgerschaft. 1940 wurde er umgesiedelt und kam ins Wartheland, wo er Betriebsleiter der Ostdeutschen Landbewirtschaftungsgesellschaft war und das Gut Eichfelde verwaltete.
Am 21. Oktober 1940 beantragte Turmann die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. November 1941 aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.656.889). Er war Kreispresseamtsleiter der NSDAP bei der Kreisleitung Altburgund. Von 1941 bis zum Kriegsende 1945 war er Referent „Estland“ und später „Baltische Völker“ in der Abteilung „Ostland“ sowie Leiter der Estnischen Leitstelle im Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete.
Im Nachkriegsdeutschland betätigte sich Turmann als Publizist. Von 1949 bis 1952 war er erster Landesvorsitzender des Bundes der Heimatvertriebenen und Entrechteten in Nordrhein-Westfalen. 1955 trat er der FDP bei. Ab 1952 war er als Referent für das Europa-Bildungswerk Düsseldorf e. V. tätig, einer antikommunistischen Organisation, die sich für die Westbindung Deutschlands einsetzte. Von 1962 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1965 war er Geschäftsführer des Bildungswerks. Anschließend wurde er erster Vorsitzender des Vereins, den er bis 1972 führte und zu dessen Ehrenvorsitzendem er dann ernannt wurde.
Darüber hinaus war Turmann Mitglied der Europa-Union Deutschland. 1973 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Im Jahr 1975 veröffentlichte er seine Lebenserinnerungen unter dem Titel Pickwa. Ein baltisches Leben – erlebte Zeitgeschichte. Er war verheiratet mit Maria-Wanda geb. Gräfin von Dienheim-Sczawinski-Brochocki (1894–?), einer Tochter des polnischen Adeligen Aleksander Dienheim-Szczawiński-Brochocki (1841–1907) und der Opernsängerin Adelajda Bolska (1863–1930). Die Ehe blieb kinderlos. Ernst Turmann starb Ende August 1977 im Alter von 84 Jahren.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Turmann, Ernst |
| ALTERNATIVNAMEN | Turmann, Ernst Arnold Friedrich (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutschbaltischer Politiker und Tennisspieler |
| GEBURTSDATUM | 14. September 1892 |
| GEBURTSORT | Reval |
| STERBEDATUM | 29. August 1977 |
| STERBEORT | Ratingen |