Erwin Jetzl (* 20. Jahrhundert; † 2006) war ein hochrangiger Offizier des Österreichischen Bundesheeres, der den Dienstgrad General der Infanterie (GdI) erreichte. Er gilt als einer der wesentlichen Vordenker des defensiven Konzepts der österreichischen Raumverteidigung und war als Sektionsleiter im Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV) sowie als Militärkommandant von Wien tätig.
Während des Zweiten Weltkriegs diente Erwin Jetzl als Offizier in der deutschen Wehrmacht. Als Hauptmann und Kommandeur des II. Bataillons im Infanterie-Regiment 268 (unterstellt der 113. Infanterie-Division) war er an der Ostfront eingesetzt. Für seine dortigen Truppenführungen wurde ihm am 7. Juli 1942 das Deutsche Kreuz in Gold verliehen. Ende 1942 und Anfang 1943 erlebte er als junger Bataillonskommandeur den Zusammenbruch der 6. Armee in der Schlacht von Stalingrad. Seine Erlebnisse und die dortige moralische Zersetzung der Truppe zeichnete er im hohen Alter kurz vor seinem Tod als einzigartiges Tondokument auf, welches später publiziert wurde.
Nach dem Krieg und der Wiederaufstellung der österreichischen Streitkräfte trat Jetzl in das neugegründete Bundesheer ein. Als Oberst des Generalstabsdienstes (Obst dG) leitete er zunächst die Ausbildungsabteilung im Verteidigungsministerium und unterstützte in dieser Funktion unter anderem den substanziellen Ausbau strategischer Ausbildungseinrichtungen wie des Truppenübungsplatzes Hochfilzen.
In den 1960er-Jahren positionierte sich Jetzl gemeinsam mit Offizieren wie Emil Spannocchi und Otto Heller als führender Militärtheoretiker. Er forderte die Abkehr von starren Grenzbefestigungen und einer rein konventionell-mechanisierten Armee hin zu Konzepten des „Kleinkriegs“ bzw. einer defensiven Guerillataktik. Während Spannocchis strategische Überlegungen eher „von oben nach unten“ ansetzten, erarbeitete Jetzl – stark beeinflusst vom Schweizer und deutschen Vorbild – eine Konzeption „von unten nach oben“, welche maßgeblich in das spätere offizielle Konzept der österreichischen Raumverteidigung einfloss.
Im weiteren Verlauf seiner Karriere stieg er zum General auf und übernahm das Amt des Militärkommandanten von Wien. Bis zu seinem Übertritt in den Ruhestand leitete er als Sektionschef die bedeutende Sektion IV im Bundesministerium für Landesverteidigung. Mit Wirksamkeit vom 31. Dezember 1979 wurde er im Dienstgrad eines Generals der Infanterie in den dauerhaften Ruhestand versetzt. Erwin Jetzl verstarb im Jahr 2006.
Jetzl war über viele Jahre hinweg in der Standesvertretung aktiv und fungierte als Vizepräsident der Österreichischen Offiziersgesellschaft (ÖOG). Zudem publizierte er regelmäßig Abhandlungen zu wehrpolitischen Themen und Ausbildungsfragen, darunter vielbeachtete Fachbeiträge wie Probleme der Ausbildung eines Reserveheeres in der militärischen Fachzeitschrift Truppendienst.
| Personendaten | |
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| NAME | Jetzl, Erwin |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Offizier, General der Infanterie des Bundesheeres |
| GEBURTSDATUM | 20. Jahrhundert |
| STERBEDATUM | 2006 |