Esperantid

Esperantid oder Esperantido heißt jede Plansprache, welche stark vom Esperanto beeinflusst ist. Als erster Esperantid wird das bereits 1888, also ein Jahr nach der Veröffentlichung des Esperanto, von J. Braakman vorgeschlagene Mundolinco angesehen.

Der einzige Esperantid, der jemals eine erwähnenswerte Bewegung von Anhängern hatte, ist Ido. Viele Esperantiden sind eher von Ido als von Esperanto beeinflusst.

Charakteristika

Den Begriff prägte Claus Killing-Günkel. Er listet die folgenden Charakteristika von Esperantiden auf:

UnitarioLingunaEsperantoDeutsch
ego farasfacymmi farasich mache
tuo farasdzi fáciasvi farasdu machst
ilo farasli/shi/id/to fáciasli/ŝi/ĝi faraser/sie/es macht
numos faramasfáciamsni faraswir machen
wätos faramasvi fáciazvi farasihr macht
loros faramasilli/illai fáciazili farassie machen

Einer der großen Kritikpunkte am Esperanto ist die Simplifizierung von Gegenteilworten. Während in fast allen natürlichen Sprachen viele Gegenteilwörter ihre Wurzeln in verschiedenen Wortstämmen haben (etwa gut–böse), so werden diese im Esperanto aus dem positiven Wort und dem Präfix mal- (bona–malbona) gebildet. Viele Esperantiden, wie etwa Linguna, nahmen dies zum Anlass, eigene Wortstämme gerade auf solchen Gegenteilpaaren aufzubauen, um eine stärkere Natürlichkeit der Sprache zu erreichen.

Klassifikationen

Es gibt mehrere mögliche Klassifikationen:

Es gibt Esperantiden, wie Ido oder die anderen Projekte von René de Saussure, welche vom Autor selbst als solche bezeichnet werden beziehungsweise weil ihre Struktur die Verwandtschaft offensichtlich werden lässt. Andere Esperantiden werden als solche deklariert, obwohl man die Verwandtschaft zum Esperanto kaum erkennen kann wie im Falle des Romanal. Viele Projekte sind keine unmittelbaren Esperantiden, sondern Reformprojekte eines oder mehrerer Esperantiden.

Die vielen Reformen fußen auf der Überzeugung ihrer Autoren, dass an dem noch nicht international erfolgten Durchbruch des Esperanto lediglich die Sprachstruktur des Esperanto Schuld hat. Die Charakteristika der Esperantiden wechseln häufig von Generation zu Generation: Während in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehr englische, französische und spanische Elemente gefordert wurden, wird seit Ende des Jahrhunderts mehr und mehr der Eurozentrismus des Esperanto kritisiert.

Zamenhof sagte, dass „man vergisst, dass die Welt eine internationale Sprache nicht wegen der einen oder anderen Details nicht annimmt, sondern nur aus Misstrauen gegenüber der Sache an sich“. Er selbst erkannte an, dass sein Esperanto nicht perfekt ist, sondern nur tauglich. Und Tauglichkeit genüge. Keine Plansprache hat eine so lange Tradition, so große Stabilität und so zahlreiche Sprecher wie Esperanto.

Einige Esperantiden

A

D

E

F

I

K

L

M

N

O

P

R

S

U

V

X

Daneben gibt es Plansprachen, die sich teilweise an Esperanto orientieren, aber nebenher auch noch viele andere Einflüsse aufweisen. Ein Beispiel hierfür ist Fasile.

Literatur