Infinitiv (lateinisch [modus] infinitivus zu lat. infinitum, wörtl. „das Unbegrenzte“, gemeint: „das Unbestimmte“) ist der Name für eine Verbform, in der (normalerweise) Personalformen des Verbs (Person und Numerus) sowie Modus nicht ausgedrückt werden, also 'unbestimmt' bleiben. Infinitive tragen meist auch keine absoluten Tempusformen, es gibt beim deutschen Infinitiv aber zusammengesetzte Formen, die Zeitverhältnisse ausdrücken („gesehen zu haben“). Die lateinischen Infinitive drücken nur das Zeitverhältnis aus, ob gleichzeitig, vorzeitig oder nachzeitig in Bezug auf das Hauptverb; die altgriechischen Infinitive drücken - wie die Partizipien - nur den Aspekt aus. Die Aktiv-Passiv-Unterscheidung (und andere Diathesen) existieren jedoch regulär genauso im Infinitiv („gesehen zu werden“).
Es gibt einige Infinite Verbformen, die nicht unter die Bezeichnung „Infinitiv“ fallen, vor allem der Inflektiv sowie teilweise auch Partizipien. Allerdings werden Partizip-Formen in deutschen Hilfsverbkonstruktionen (etwa: „ich habe geschlafen“) teilweise auch als „dritter Status des Infinitivs“ bezeichnet (Partizipien, die nicht als Infinitive gelten, sind dann die adjektivisch gebrauchten Partizipien).
Im Deutschen und in vielen anderen Sprachen wird der Infinitiv als Nennform (Zitierform) eines Verbs verwendet; dies ist jedoch nicht in allen Sprachen so. Eine Reihe von Sprachen haben beispielsweise gar keinen Infinitiv, andere Sprachen verfügen zwar über einen Infinitiv, dieser wird aber nicht als Zitierform gebraucht.
Infinitive erscheinen im Deutschen:
Der Infinitiv ist im Deutschen an der Endung -en zu erkennen (seltener: -n, -n von Verben wie ruder-n oder segel-n, die ursprünglich auf -elen oder -eren endeten; auch bei tun, von ursprünglich tuen, und sein):
Man kann den Infinitiv auch in der Zeitform des Perfekt bilden:
Für beide Zeitformen kann man auch einen Infinitiv im Passiv bilden:
Infinitive können auch mit zu gebildet werden. Wenn außer dem Infinitiv und zu noch ein weiteres Wort zur Infinitivgruppe gehört, spricht man traditionell von einem „erweiterten Infinitiv“. Ein Infinitiv mit zu, der nachgestellt auftritt, hat immer den Status eines eigenen Nebensatzes (was für andere Konstruktionstypen mit Infinitiven nicht unbedingt gilt; näheres siehe unter Kohärente Konstruktion).
Der „freie Infinitiv“ steht unabhängig von einem anderen Verb, vor allem bei Aufschriften und Anweisungen:
Infinitive werden – wie alle Verben – im Normalfall kleingeschrieben. Sie können jedoch auch substantivisch gebraucht werden und müssen dann großgeschrieben werden. Beispiele: „das Aussterben der Dinosaurier, zum Lachen sein, meines Erachtens, ohne Ansehen, viel Redens machen.“ Wenn die Substantivierung nicht eindeutig ist – eindeutig wird sie z. B. durch einen vorangestellten Artikel –, erlaubt der Duden sowohl Klein- als auch Großschreibung; seit der 25. Auflage empfiehlt er jedoch Großschreibung (Beispiel: „Irren ist menschlich“). Bei Infinitiven mit Reflexivpronomen (Beispiel: „sich regen bringt Segen“) liegt keine Substantivierung vor, sodass Kleinschreibung notwendig ist; bei der Substantivierung solcher Verben entfällt das Reflexivpronomen nämlich (sich regen → das Regen).
Übersichtliche zweiteilige Infinitivkomposita werden zusammengeschrieben (Beispiele: das Autofahren, das Anderssein). Durchkopplung, d. h. Getrenntschreibung mit Bindestrichen, wird erst bei unübersichtlichen Komposita (das Püree-Essen) sowie bei Komposita mit mehr als zwei Bestandteilen erforderlich (das In-den-Tag-hinein-Leben).
Die meisten Infinitivformen haben keine Merkmale für Person und Numerus. Eine Ausnahme bildet die portugiesische Sprache, die einen „persönlichen Infinitiv“ kennt (infinitivo pessoal).
Der Infinitiv kommt in vielen indogermanischen Sprachen vor, hat aber in den verschiedenen Sprachgruppen unterschiedliche Endungen.