




Etching Revival, im Deutschen auch als Renaissance der Radierung bezeichnet, war eine internationale Bewegung von bildenden Künstlern in der Zeitspanne von etwa 1850 bis 1930. Im Bereich des Reproduktionsstichs beruhte sie auf der Wiederentdeckung und Wiederbelebung von älteren Techniken der Radierung und führte dazu, dass die Radierung als künstlerisches Reproduktionsmedium bald etablierte Verfahren wie Kupferstich oder Lithografie übertraf. Während die Bewegung in Paris und London bereits in den 1850er und 1860er Jahre aufblühte und von Künstlern wie Charles-François Daubigny, Jean-François Millet, Charles Emile Jacque, Charles Meryon, Francis Seymour Haden und James McNeill Whistler getragen war, wurde im deutschsprachigen Raum erst in den späten 1860er und frühen 1870er Jahren eine Belebung der „Ätzkunst“ festgestellt. Maßgeblich trieben die von Carl von Lützow herausgegebene Zeitschrift für bildende Kunst und die von Ernst Forberg geleitete Gesellschaft für vervielfältigende Kunst die Entwicklung im deutschen Sprachraum voran. Dort wurde neben Forberg insbesondere William Unger, beide Schüler des Düsseldorfer Kupferstechers Joseph von Keller, als maßgebliche Kraft der Bewegung angesehen.
Merkmal des Etching Revival war eine Welle der Gründung von Künstlervereinigungen, Clubs und Vereinen, in denen die Herstellung von Original-Radierungen gepflegt wurde. Die Schöpfungen wurden ausgestellt, prämiert, in Mappenwerken publiziert, in Lotterien verlost und auf andere Weisen Sammlerkreisen zugänglich gemacht. 1862 entstand in Paris die Société des Aquafortistes. 1871 wurde in Sankt Petersburg die Gesellschaft russischer Radierer (Общество русских аквафортистов) ins Leben gerufen. Nach dem Vorbild des London Etching Club von 1838 wurde 1876 der Düsseldorfer Radirclub gegründet, 1877 der New York Etching Club. Spätere Gründungen waren 1880 die Royal Society of Painter-Printmakers, 1885 der Nederlandsche Etsclub, 1889 die Société des peintres-graveurs français, 1891 der Verein für Original-Radierung in München und der Künstlerclub St. Lucas in Düsseldorf, 1894 der Verein für Originalradierung Karlsruhe sowie 1925 die Griffelkunst-Vereinigung Hamburg.