Eugen Zerbe

Eugen Zerbe (* 12. Dezember 1895 in Mannheim; † 4. März 1970) war ein deutscher Sportlehrer. Er war Direktor des Instituts für Leibesübungen an der Universität Hamburg.

Leben

Eugen Zerbe machte im August 1914 sein Abitur an der Oberrealschule in Worms und nahm dann als Kriegsfreiwilliger bis Dezember 1918 am Ersten Weltkrieg teil, in dem er 1915 schwer verwundet worden war und zuletzt als Leutnant der Reserve diente. In Halle war er von April 1919 bis Ende Februar 1920 Mitglied eines Freikorps, mit dem er gegen die Spartakisten kämpfte; er war Sportoffizier beim I. Bataillon Sicherheitspolizei - Regiment Halle der Reichswehrbrigade 16.

Zerbe studierte an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen (DHfL) in Berlin, an der er im März 1922 die Prüfung zum Diplom-Turn- und Sportlehrer ablegte. Als Prüfungsbester des Wintersemesters 1921/22 wurde er mit der August-Bier-Plakette der DHfL ausgezeichnet. Seine Diplomarbeit schrieb er über das Thema Der moderne Verein für Leibesübungen. In den Jahren 1922 bis 1924 war er als Sportlehrer in Berlin tätig, 1924 als Heeressportlehrer in Dresden und dann bis Ende April 1928 als Universitätssportlehrer an der Universität Heidelberg, wo er im Mai 1928 zum Dr. phil. promoviert wurde. Vom Sommersemester 1924 bis zum Wintersemester 1927/28 gehörte er dem Dozentenausschuss für Leibesübungen und vom WS 1926/27 bis zum WS 1927/28 dem Akademischen Ausschuss für Leibesübungen der Universität Heidelberg als Mitglied an, vom Sommersemester 1926 bis zum Sommersemester 1928 leitete er einen Kursus zur Ausbildung von Turnlehrern und Turnlehrerinnen. Im April 1924 wurde er Stadionbetriebsleiter und Leiter der städtischen Sporthochschule in Breslau; im Mai 1933 wurde er entlassen, da er kein Mitglied der NSDAP werden wollte und nach eigener Aussage Kontakte zu Juden pflegte. Er war wieder als freier Sportlehrer tätig und wurde dann Sportlehrer an der SA-Sportschule in Wunsdorf; vom 1. November 1933 bis zum 30. September 1934 war er SA-Sturmführer und arbeitete als Lehrgangsleiter beim Chef des Ausbildungswesens der SA, von Dezember 1933 bis Ende April 1935 in der SA-Stammschule für Geländesport in Neustrelitz, dann bis Mitte November 1935 bei der Führerschule des Hochschulinstituts für Leibesübungen der Universität Berlin, Neustrelitz, unter Leitung von Herbert Edler von Daniels.

Er war seit 18. November 1935 kommissarischer Direktor des Instituts für Leibesübungen an der Universität Hamburg, bevor er dort, nach Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer 7.491.651) am 1. Februar, vom 1. April 1940 an bis 1962 als wissenschaftlicher Rat und Direktor wirkte. Am 17. April 1962 wurde er pensioniert.

Sein Lebenslauf wurde 2019 für die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg von Hans-Peter de Lorent aufgearbeitet.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Eugen Zerbe. In: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz und die Kontinuität bis in die Zeit nach 1945. Band 3, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, Hamburg 2019, S. 304.
  2. ↑ Alfred Schiff (Hrsg.): Die Deutsche Hochschule für Leibesübungen 1920–1930. Berlin 1930, S. 108.
  3. ↑ Alfred Schiff (Hrsg.): Die Deutsche Hochschule für Leibesübungen 1920–1930. Berlin 1930, S. 122.
  4. 1 2 Eugen Zerbe. In: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz und die Kontinuität bis in die Zeit nach 1945. Band 3, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, Hamburg 2019, S. 305.
  5. ↑ Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1803–1932. 2. Auflage, Wiesbaden 2019, S. 957–958.
  6. ↑ Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1803–1932. 2. Auflage, Wiesbaden 2019, S. 959.
  7. ↑ Eugen Zerbe. In: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz und die Kontinuität bis in die Zeit nach 1945. Band 3, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, Hamburg 2019, S. 305, 306.
  8. ↑ Eugen Zerbe. In: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz und die Kontinuität bis in die Zeit nach 1945. Band 3, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, Hamburg 2019, S. 306.
  9. ↑ Eugen Zerbe. In: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz und die Kontinuität bis in die Zeit nach 1945. Band 3, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, Hamburg 2019, S. 305, 309.
  10. ↑ Ina Lorenz und Jörg Berkemann: Die Hamburger Juden im NS-Staat 1933 bis 1938/39. Band V: Dokumente, Göttingen 2016, S. 124.
  11. ↑ Eugen Zerbe. In: Hans-Peter de Lorent: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz und die Kontinuität bis in die Zeit nach 1945. Band 3, Landeszentrale für politische Bildung Hamburg, Hamburg 2019, S. 311.