Euphorbioideae

Wolfsmilch-Ähnliche

Euphorbia cedrorum

Systematik
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Malpighienartige (Malpighiales)
Familie: Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae)
Unterfamilie: Wolfsmilch-Ähnliche
Wissenschaftlicher Name
Euphorbioideae
Beilschm.

Euphorbioideae sind eine Unterfamilie innerhalb der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Es gibt fast 2500 Arten. Charakteristisch für viele Arten ist die Produktion eines meist weißen Milchsafts, der häufig giftig ist.

Beschreibung und Ökologie

Erscheinungsbild

Arten von Euphorbioideae können als Bäume, Sträucher oder krautige Pflanzen vorkommen. Der häufig produzierte Naturkautschuk ist meist weißlich, das Indument (Gesamtheit aller Haare einer Pflanze) ist meist entweder einfach oder gar nicht vorhanden.

Pflanzenarten der Unterfamilie Euphorbioideae wachsen häufig als Sympodium – ein Verzweigungsmodus von Gefäßpflanzen, bei dem das weitere Wachstum der Sprossachse (Stängel) nicht von der Hauptachse, sondern von subterminalen Seitenachsen fortgesetzt wird (insbesondere bei Mabea und Senenefelderopsis). Neben Euphorbioideae weisen auch Pflanzen der Unterfamilie Crotonoideae diese Eigenschaft auf. Kletterpflanzen kommen selten vor (in der Tribus Stomatocalyceae).

Crotonoideae und Euphorbioideae machen den größten Teil der sukkulenten Pflanzen innerhalb der Wolfsmilchgewächse aus. Laut P. J. Rudall (1987) scheinen Laticifere (Produzieren von Latex oder Kautschuk) in den Unterfamilien Phyllanthoideae und Oldfieldioideae (Oldfieldioideae wurde als Familie Picrodendraceae abgespaltet) vollständig zu fehlen, sind jedoch in den Unterfamilien Crotonoideae und Euphorbioideae häufig vertreten.

Blätter

Phyllotaxis (regelhafte Anordnung der Blätter) ist bei den Wolfsmilchgewächsen überwiegend wechselständig oder zweizeilig, bei Euphorbioideae hingegen sind gegenständige oder wirtelige (qurilige) Blätter häufig anzutreffen. Sie können glatt oder gezähnt sein und sind gewöhnlich gefiedert. Blätter sind meist direkt mit der Sprossachse verbunden, Nebenblätter sind entweder klein oder nicht vorhanden. Eine Studie von James Cullen (1978; auf einer Stichprobe basiert) zeigte, dass die meisten Unterfamilien der Wolfsmilchgewächsen eine eingefaltete oder gefalzt Blattform haben, Euphorbioideae jedoch hauptsächlich übergerollt seien.

Blütenstände und Blüten

Überwiegend ist die Blüte unscheinbar bis grün mit Pleiochasium als Blütenstand. Blüten sind meist monozön (einhäusig; Vorhandensein von weiblichen und männlichen Blüten auf einer Pflanze); Blütenhüllblätter bei den Crotonoideae und insbesondere den Euphorbioideae haben häufig Drüsen, die genetisch homolog (ursprungsgleich) zu den Blattdrüsen sind, obwohl sie morphologisch divergieren (makroskopisch Unterschiede aufweisen).

Bei der Tribus Euphorbieae treten häufig Pseudanthien (Scheinblüten, die aus mehreren kleinen, stark reduzierten Blüten gebildet sind) auf, das einer zweigeschlechtigen Blüte sehr ähnlich ist und traditionell als Blütenstand mit einer einzelnen endständigen weiblichen Blüte, die von Gruppen stark reduzierter männlicher Blüten umgeben ist, interpretiert wird. Im Gegensatz zu anderen Unterfamilien der Wolfsmilchgewächse ist bei zweigeschlechtigen Blüten kein Kronblatt vorhanden (sie sind apetal). Der Blütenstand kommt endständig oder axillar vor, ist stachel-, trauben- oder rispenförmig oder kann als Cyathium bestehen. Das Tragblatt ist oft biglandular (zwei Drüsen).

„Männliche Kelchblätter“ sind in der Knospendeckung imbricat (ein Teil der Blätter überdeckt beide Nachbarn, ein Teil nur einen) oder valvat (Ränder benachbarter Blütenblätter oder Kelchblätter berühren sich ohne Überlappung), sind bei der Knospe offen und gewöhnlich klein oder nicht vorhanden. Staubfäden sind einzeln ausgeprägt oder verwachsen.

Bei Euphorbioideae wurde wie bei Phyllanthoideae kein vollständiger Pollenatlas veröffentlicht, es gibt jedoch eine Reihe von Studien zu diesem Thema. Pollen sind colporat (zusammengesetzte Keimöffnungen) und haben eine auffällige Intine, die an den Colpus grenzt. Sie haben zwei oder drei Kerne, der Colpus fällt gewöhnlich gering aus. Die Exine ist meist dachförmig und gestanzt. 2013 wurde das Ergebnis einer Untersuchung der Pollenmorphologie veröffentlicht – neben 20 Arten von Euphorbioideae wurde eine Art der Unterfamilie Crotonoideae untersucht. Man kam zum Schluss, dass Stomatocalyceae aufgrund einzigartiger Merkmale aus der Unterfamilie Euphorbioideae ausgeschlossen werden müsse – Stomatocalyceae würden eher Ähnlichkeiten zur Unterfamilie Acalyphoideae aufweisen.

Früchte und Samen

Ornithochorie (Samenausbreitung durch Vögel) scheint auf die Tropen beschränkt zu sein, insbesondere in Afrika und Asien (Grady Linder Webster, 1994). Die Frucht erscheint meist als Kapselfrucht in Form einer Steinfrucht. Die Samenschale ist trocken oder fleischig, Exotegmen sind palisadenförmig. Endosperm ist reichlich vorhanden.

Inhaltsstoffe

Der Milchsaft mehrerer Arten (unter anderem der Gattungen Wolfsmilch, Hippomane oder Ophthalmoblapton) ist giftig. Excoecaria agallocha beispielsweise wird deshalb als „Erblindungs-Mangrove“ bezeichnet. Cyanogene Glycoside, die Cyanwasserstoff (Blausäure) freisetzen, kommen in einigen Arten von Euphorbioideae vor; beinhalten Pflanzen Triterpene. Der Milchsaft mag synapomorph sein, jedoch wurde seine Verteilung außerhalb von Wolfsmilch nur systematisch untersucht.

Vorkommen

Viele Pflanzenarten von Euphorbioideae kommen in Trockenwäldern und kakteenreichen Gebieten vor, bilden einen Milchsaft und sind monozön. Blüten sind meist aktinomorph. Die genetische Vielfalt von Euphorbioideae ist in Asien am größten (Grady Linder Webster, 1994).

Verwendung

Als Kulturpflanze genutzt wird etwa der Chinesische Talgbaum zur Herstellung von Kerzen und Seife. Bekannte Zierpflanzen sind der Christusdorn (Euphorbia milii) und der Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima). Die Gattung Spirostachys wird zur Holzgewinnung genutzt, besonders die Art Spirostachys africana.

Systematik

Äußere Systematik

Die Unterfamilie Euphorbioideae gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae), die insgesamt aus 299 Gattungen, 47 Triben und etwa 8000 Arten besteht. Arten der Wolfsmilchgewächse gehören mit Ausnahme der Polargebieten zu den Kosmopoliten, häufiger sind sie jedoch in subtropischen und tropischen Regionen als in kühlgemäßigten Regionen anzutreffen. Weitere Unterfamilien der Wolfsmilchgewächse sind Acalyphoideae, Crotonoideae und Cheilosoideae. Arten der Unterfamilie Euphorbioideae (ca. 2499 Arten) machen damit ungefähr 31 Prozent zu den Wolfsmilchgewächsen gezählten Arten aus.

Euphorbioideae-Arten unterscheiden sich aus einer Kombination aus „Naturkautschuk-Produktion“, relativ homogenen dreifarbigen Pollen und stark reduzierte männliche Blüten von anderen Unterfamilien der Familie der Wolfsmilchgewächse.

Innere Systematik

Euphorbioideae werden als Klade (monophyletische Gruppe; systematische Einheit, die den letzten gemeinsamen Vorfahren und alle seine Nachfahren enthält) beschrieben. Sie beinhalten die Triben Euphorbieae, Hippomaneae, Hureae, Pachystromateae und Stomatocalyceae, die aus sieben Subtriben, 46 Gattungen und ungefähr 2499 Arten bestehen. Die artenreichste Tribus ist Euphorbieae mit ungefähr 2160 Arten (fünf Gattungen); gefolgt von Hippomaneae mit 300 (33 Gattungen).

„Molekularanalysen“ (Kenneth J. Wurdack et al. 2005; T. Tokuoka 2007) bestätigen die den Einschluss der Stomatocalyceae als Tribus, die von Grady Linder Webster (1975) vorgeschlagen und von A. Radcliffe-Smith (2001) akzeptiert wurde.

Folgend die innere Systematik (Auflistung der Gattungen und Arten) der Unterfamilie Euphorbioideae (Beilschm.):

Commons: Euphorbioideae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 Klaus Kubitzki (Hrsg.): The Families and Genera of Vascular Plants. Volume 11: Flowering Plants. Eudicots: Malpighiales. Springer, Heidelberg / New York / Dordrecht / London 2014, ISBN 978-3-642-39416-4 (englisch)., abgerufen über SpringerLink am 28. August 2020.
  2. 1 2 3 4 Molecular phylogenetic analysis of uniovulate Euphorbiaceae (Euphorbiaceae sensu stricto) using plastid RBCL and TRNL-F DNA sequences. Abgerufen am 28. August 2020.
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  4. 1 2 Anna Laurent: Botanical Art from the Golden Age of Scientific Discovery. University of Chicago Press. Hrsg.: University of Chicago. University of Chicago Press, Chicago, Illinois, USA 2016, ISBN 978-0-226-32110-3, XI. EUPHORBIACEAE / SPURGE FAMILY, S. 92–97 (englisch, 300 S., degruyter.com [abgerufen am 22. August 2020] Abgerufen über Walter de Gruyter (online)).
  5. ↑ University of Texas at Austin: FAMILY EUPHORBIACEAE (EUPHORBIOIDEAE). Herbs, shrubs, and trees, rarely vines. Hrsg.: University of Texas at Austin. University of Texas at Austin, Austin, Texas, USA (englisch, 1 S., utexas.edu [PDF; 31 kB; abgerufen am 22. August 2020]).
  6. ↑ Kenneth J. Wurdack, Petra Hoffmann, Mark W. Chase: Molecular phylogenetic analysis of uniovulate Euphorbiaceae (Euphorbiaceae sensu stricto) using plastid RBCL and TRNL-F DNA sequences. In: American Journal of Botany. Volume 92, 2005, S. 1397–1420. doi:10.3732/ajb.92.8.1397
  7. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 Rafaël Govaerts, D. G. Frodin, A. Radcliffe-Smith: World Checklist and Bibliography of Euphorbiaceae (and Pandaceae) 1–4 2000, S. 1–1622. The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. In: Euphorbiaceae. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science, abgerufen am 13. März 2020.
  8. ↑ Ki-Ryong Park, Robert K. Jansen: A Phylogeny of Euphorbieae Subtribe Euphorbiinae (Euphorbiaceae) based on Molecular Data. In: Journal of Plant Biology. Volume 50, Issue 6, 2007, S. 644–649. doi:10.1007/BF03030608
  9. ↑ M. S. Binojkumar, N. P. Balakrishnan: The genus Euphorbia L. (Euphorbiaceae) in India. A taxonomic revision. S. 1–430. Bishen Singh Mahendra Pal Singh, Dehra Dun, 7, 2010.
  10. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 Hans-Joachim Esser: The tribe Hippomaneae (Euphorbiaceae) in Brazil. In: Rodriguésia. Volume 63, Issue 1, 2012, S. 209–225. doi:10.1590/S2175-78602012000100013