Bertram verbrachte ihre Kindheit auf dem Land bei Freiburg im Breisgau, ab 1971 wuchs sie in München-Untergiesing auf. 1984 zog sie für das Studium der Philosophie und Kunstgeschichte nach Berlin, 1986 nach Essen, wo sie Kommunikationsdesign an der Folkwangschule studierte. Im Studium, das sie mit den Schwerpunkten Malerei und Freie Grafik begonnen hatte, entdeckte Eva Bertram die Fotografie als Medium, ab 1988 war sie Schülerin von Jürgen Klauke mit dem Schwerpunkt künstlerische Fotografie und experimenteller Kurzfilm. 1994 legte sie dort ihr Diplom mit Auszeichnung ab. Seit 1998 ist sie als freischaffende Künstlerin tätig.
Eva Bertram ist seit 2002 auch in der Lehre tätig, unter anderem in Lehraufträgen an der Muthesius Kunsthochschule Kiel (2005–2007), der Universität der Künste Berlin (seit 2012) sowie seit 2007 als Dozentin an der Berliner Neuen Schule für Fotografie. Eva Bertram lebt und arbeitet in Berlin, sie hat eine Tochter.
Werk
Bertram fotografiert meist Menschen, Objekte oder Ereignisse in alltäglicher Umgebung, ihr Thema ist die "Deplatziertheit, das leicht Verschobene im Gewöhnlichen". Annette Hörig attestiert ihr „Momentaufnahmen mit großer Sensibilität für scheinbar unwesentliche Details. Charakteristisch ist dabei ein ausgewogener Bildaufbau sowie die Verwendung von Unschärfe. Mit einer Reihe authentischer Aufnahmen von Vorstädten, Gärten und Innenräumen, die neben ernsten und düsteren auch kuriose Motive zeigen, versucht Bertram vorhandene Unzugänglichkeiten aufzuzeigen“.
Bekannt wurde sie durch ihre Arbeit "2 Ein Kind", einer Fotoserie, in der sie von 1998 bis 2009 das Erwachen und Bildung der Identität ihrer heranwachsenden Tochter thematisierte. Das Projekt wurde dabei zunehmend beeinflusst durch Interaktion, Selbstbestimmtheit und Selbstinszenierung durch das Kind selbst, was auch die Veränderung der Mutter mittelbar widerspiegelte.
Auszeichnungen / Stipendien
2019/2020 Kulturaustauschstipendium Bildende Kunst des Landes Berlin
2011 Arbeitsstipendium Bildende Kunst des Landes Berlin
2010 2 Ein Kind, Hatje Cantz Verlag, Texte von Ulrich Pohlmann und Andreas Steffens
2008 Inseln, Hrsg. Städtische Galerie Sonneberg, Text von Andreas Steffens
2003 Vor der Tür/Non-Local, Schaden Verlag, Köln, Texte von Christoph Schaden, Thomas Knubben und Arnold Stadler
2001 Tag ein Tag aus, Hrsg. Goldrausch Künstlerinnenprojekt und Brotfabrik Galerie, Berlin, Texte von Andrea Domesle, Benno Schlicht, Inka Schube und Kathrin Peters
Publikationen
2012 Kairo. Offene Stadt/Cairo. Open City, Spector Books, Hrsg. Florian Ebner, Constanze Wicke
2011 Selected Artists, Hrsg. RealismusStudio, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlin
2008 Querdenker – Vom Kopf an die Wand, Hrsg. Darmstädter Tage der Fotografie e.V.
2007 De l’Europe, Photographies, Essais, Histoires, Hrsg. Centre national de l‘audiovisuel, Luxembourg
2004 Wo liegt Berlin? Fotografische Annäherungen an eine Stadt, Hrsg. Brotfabrik Galerie Berlin
2003 Die ganze Stadt/La ville entière/The Entire City, Hrsg. Institut für Auslandsbeziehungen, Berlin, Texte von Matthias Flügge
↑Anhang in: Eva Bertram: Vor Der Tür - Non-Local, 2003, S. 76–78
1234Annette Hörig: "Bertram, Eva". in: Andreas Beyer, Bénédicte Savoy, Wolf Tegethoff (Hrsgg.): Allgemeines Künstlerlexikon - Internationale Künstlerdatenbank - Online, Berlin, New York: K. G. Saur, 2021
↑Thomas Knubben:Ravensburg: Zeitgenössische Blicke auf eine historische Stadt. In: Schwäbische Heimat. Band55, Nr.3, 2004, S.275–281.
↑Marek Śnieciński:THE PROBLEM OF NUDITY, IDENTITY AND GROWING UP IN WORKS OF CONTEMPORARY WOMEN ARTISTS. In: DYSKURS Pismo Naukowo-Artystyczne ASP we Wrocławiu. Nr.1 (25), 2018, ISSN1733-1528, S.68–87 (ceeol.com[abgerufen am 12.Juli 2023]).