Excelsiorhaus

Excelsiorhaus vom nahegelegenen Tempodrom aus gesehen, links im Vordergrund der Portalbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Anhalter Bahnhofs

Das Excelsiorhaus ist ein Wohn- und Geschäftshaus im Berliner Bezirk Kreuzberg, Stresemannstraße 68–78. Es wurde ab 1965 als Appartementhaus nach New Yorker Vorbild von dem Berliner Architekturbüro Sobotka und Müller geplant und 1966–1968 für die „Excelsior“ Tankstellen GmbH & Co. KG errichtet. Die Gesellschaft gehörte dem Investor Artur Pfaff. Die Baukosten beliefen sich nach anfänglichen Finanzierungsschwierigkeiten auf rund 50 Millionen DM (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung rund 116,1 Millionen Euro). Das Gebäude ist 59,7 m hoch und verfügt über 18 Stockwerke und 33.203 m² Nutzfläche, darunter 506 Wohnungen sowie 39 Gewerbeeinheiten. Eigentümer ist seit Sommer 2011 die Holdinggesellschaft des Finanzinvestors Nicolas Berggruen. Der Name bezieht sich auf das renommierte Hotel Excelsior, das bis 1945 an dieser Stelle stand.

Nutzung

Im 16. und 17. Obergeschoss des Excelsiorhauses befinden sich Räume für eine gastronomische Einrichtung; sie sind innen über eine Wendeltreppe miteinander verbunden und über einen gläsernen Außenaufzug zu erreichen, der an der nördlichen Fassade des Gebäudes ohne Zwischenhalt zwischen dem Erdgeschoss und dem 16. Obergeschoss verkehrt. Dieser Panorama-Aufzug war bei der Eröffnung des Excelsiorhauses der erste seiner Art in West-Berlin und galt als Attraktion. In den ersten Jahren nutzte das kanadische Restaurant Saskatchewan die Räume. Dessen weithin sichtbare Leuchtreklame gab dem Excelsiorhaus zunächst den Spitznamen „Saskatchewan-Hochhaus“.

Wegen der Höhe des Gebäudes und der Nähe zur damaligen Berliner Mauer betrieb der US-amerikanische Geheimdienst CIA in den Räumen Berichten zufolge zudem einen Horchposten. Später nutzte die Diskothek Turn Tower die Räume, die sich in den 1980er Jahren insbesondere in der West-Berliner Kunstszene großer Beliebtheit erfreute. Nach mehreren Jahren Leerstand eröffnete in den Räumen im Dezember 2005 die Solar Bar.

Im Erdgeschoss des Excelsiorhauses befand sich bis Anfang der 2010er Jahre eine Bundeskegelbahn sowie für kurze Zeit das Café Europa, in dem man auch Autos erwerben konnte. 2014 eröffnete im Erdgeschoss eine Filiale der Supermarkt-Kette Lidl. Seit 2019 befindet sich in den Kellerräumen das Basement Boulderstudio.

Unter dem Excelsiorhaus wurde 1976 ein Schutzraum für rund 3100 Personen eröffnet. Er verfügt über Sanitätsräume, eine Suppenküche, 40 Toiletten und Waschbecken sowie über eine eigene Brunnenanlage in 60 m Tiefe. Das Notstromaggregat wird mit Diesel betrieben und benötigt 50 Liter pro Stunde. Die Tanks fassen bis 27.000 Liter, sodass die Insassen in der Anlage bis zu 14 Tage Schutz finden.

Besonderheiten

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Einzelnachweise

  1. ↑ Franz-Heinrich Sobotka, Gustav Müller: Sobotka, Müller. Bauten, Projekte II. (mit einem Vorwort von Udo Kultermann). Wasmuth, Tübingen 1967.
  2. 1 2 3 4 Thomas Loy: Der Sonne so nah. Berliner Häuser (17). In: Der Tagesspiegel. 10. November 2011, abgerufen am 28. März 2022.
  3. ↑ Landesarchiv Berlin: B Rep. 010, Senatsverwaltung für Wirtschaft. Vorläufiges Findbuch. Öffentliche Fassung für 2006, S. 123. Pfaff als Bauherr in Berlin: Germano Celant: The European Iceberg. Creativity in Germany and Italy today. Art Gallery of Ontario, Toronto 1985, S. 354. Kleihues.com: Lewisham Türme Berlin. 1969, online, abgerufen am 23. März 2017
  4. 1 2 3 Bazon Brock: Im Gehen Preußen verstehen. Ein Kulturlehrpfad der historischen Imagination. In: bazonbrock.de. Kristin Riedemann, 1. Januar 1981, abgerufen am 28. März 2022.
  5. ↑ Nicolas Berggruen Holdings GmbH. In: berggruenholdings.de. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. Dezember 2016; abgerufen am 16. Dezember 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. 1 2 Judith Jenner: Der Sonne entgegen. In: Der Tagesspiegel. 3. Dezember 2005, abgerufen am 28. März 2022.
  7. ↑ Peter Neumann: Hans-Joachim Beuke ist für die 23 Luftschutzbunker in Berlin zuständig / Nun geht er in den Ruhestand. Handkurbeln für den Ernstfall. In: Berliner Zeitung. 5. September 2005, abgerufen am 16. Dezember 2016.
  8. ↑ Gerhard Piper: Sicherheit und Kriminalität im Spreebogen. In: Telepolis. Abgerufen am 28. März 2022.
  9. ↑ Filmkritik Berlin Excelsior
  10. ↑ Stefan Ummenhofer, Nora Steinbrecher: Wahre Verbrechen: Mord im anonymen Hochhaus. 18. Dezember 2021, abgerufen am 18. Juli 2024.
  11. ↑ Er tötete den Neuen der Ex mit 67 Messerstichen. Abgerufen am 28. März 2022.
  12. ↑ Jörn Hasselmann: Mord im Kreuzberger Excelsior-Haus aufgeklärt. In: Tagesspiegel Online. 6. Juli 2014, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 28. März 2022]).

Koordinaten: 52° 30′ 14,3″ N, 13° 23′ 2,2″ O