Fabio Vighi

Fabio Vighi (* 1969 in Reggio nell’Emilia) ist ein italienischer Kulturwissenschaftler. Er lehrt und forscht als Professor für Italienisch und Kritische Theorie an der walisischen Cardiff University. Er prägte den Begriff „Notfall-Kapitalismus“.

Vita

Vighi machte 1994 das Master-Examen an der Universität Bologna und wurde 1999 an der University of Reading zum Ph.D. promoviert. Bevor er 2000 an die Universität in Cardiff kam, war er Lecturer für italienische Studien an der University of Portsmouth. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Kritische Theorie, Ideologiekritik, kontinentale Philosophie, theoretische Psychoanalyse und Film.

„Notfall-Kapitalismus“

In seinen polit-ökonomischen Schriften verwendet Vighi den Begriff Notfall-Kapitalismus. Beispielsweise hätten die Lockdowns der COVID-19-Pandemie nicht Menschen geschützt und der Wirtschaft geschadet, sondern umgekehrt die Wirtschaft gerettet und menschlich eine Verwüstung angerichtet. Durch zur Bewältigung existentieller wirtschaftlicher Krisen habe man immense Geldmengen in Umlauf gebracht, was zur Gefahr einer Hyperinflation führte. Diese Gefahr sei dadurch kontrolliert worden, dass man die Realökonomie drosselte. Die Lockdowns hätten genau diesen Effekt gehabt. „Sie zögerten die Inflation hinaus, die man durch die monetäre Flutung der Finanzmärkte verursacht hatte. Die Folgen der Geldschwemme ließen sich so besser kontrollieren. In dieser Hinsicht kam Covid mehr als gelegen.“

Viele Menschen, vor allem auch viele Linke, hätten gemeint, der Staat stehe in dieser Krise schützend an ihrer Seite. Das impliziere aber, dass der Staat irgendwie unabhängig vom Kapital sei. Und das sei eine falsche und naive Vorstellung, „geradezu eine Fetischisierung des Staates“. In Wirklichkeit sei der Staat schon seit langer Zeit eine Art Schutzengel des Kapitals, insbesondere des Finanzkapitals. Es sei zur Kenntnis zu nehmen, dass paradoxerweise die Finanzindustrie beziehungsweise die Politik, die ihr in Krisenzeiten zu Hilfe eilt, ideologisch auf ehemals linke Slogans und Forderungen zurückgreift. „Solidarität, Schutz der Schwachen, Opfer bringen für das Gute – all diese Selbstbeschränkungen, moralischen Erpressungen und die Erzeugung von Schuldgefühlen weisen eine große Schnittmenge zur zeitgenössischen Linken auf.“ Es brauche diese humanitäre, ethische Rhetorik, um solch drastische Maßnahmen wie einen Lockdown durchzusetzen. In diesem Sinne hätten die Linken nicht einfach nur etwas falsch verstanden, sondern sie hätten das kapitalistische Spiel mitgespielt. Sie seien zu Komplizen einer neuen Form des Kapitalismus geworden, die Vighi „Notfall-Kapitalismus“ nennt. Dieser Notfall-Kapitalismus hangele sich von Katastrophe zu Katastrophe. Das gegenwärtige System bekämpfe diese allgegenwärtigen Katastrophen nicht, es brauche sie.

Schriften (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Geburtsjahr und Geburtsort gemäß Autorennotiz in Streifzüge: Vighi, Fabio
  2. 1 2 3 Cardiff University: Professor Fabio Vighi
  3. 1 2 »Der Staat ist Schutzengel des Finanzkapitals«. In: OXI, 3/23,