Faktorregel

Die Faktorregel ist eine Regel zur Ableitung einer Funktion der Form f(x)=k⋅u(x), wobei k eine reelle Zahl und u(x) eine differenzierbare Funktion ist. In Kurzschreibweise lautet sie

(k⋅u)′=k⋅u′.

Der konstante Faktor k bleibt also beim Differenzieren erhalten. Die Faktorregel folgt direkt aus der Definition der Ableitung, kann aber auch als Spezialfall der Produktregel aufgefasst werden.

Aussage

Ist eine Funktion u an der Stelle x0 differenzierbar und k eine reelle Zahl, so ist auch die Funktion f mit f(x)=k⋅u(x) an der Stelle x0 differenzierbar, und es gilt

f′(x0)=k⋅u′(x0).

Beispiel

Die Funktion f(x)=5x2 setzt sich aus u(x)=x2 und dem konstanten Faktor k=5 zusammen. Es ist u′(x)=2x und mit der Faktorregel folgt

f′(x)=5⋅2x=10x.

Herleitungen

Geometrische Herleitung der Faktorregel: Alle Steigungsdreiecke werden in vertikaler Richtung um den Faktor k gestreckt.

Algebraische Herleitung

Sei u eine von x abhängige Funktion und die Funktion f das k-fache von u, das heißt f=k⋅u. Ändert sich die unabhängige Variable um Δx, so ändert sich u um Δu und f entsprechend um das k-fache, das heißt es ist Δf=k⋅Δu. Hieraus folgt, indem man durch Δx teilt, die Gleichung

ΔfΔx=k⋅ΔuΔx.

Lässt man nun Δx→0 gehen, so erhält man die Faktorregel.

Geometrische Herleitung

Der Graph von f=k⋅u geht aus dem Graphen von u durch Streckung in y-Richtung um den Streckfaktor k hervor. Jedes Steigungsdreieck wird dabei ebenfalls in y-Richtung gestreckt, wodurch sich die Länge der y-Kathete ver-k-facht, während die x-Kathete unverändert bleibt. Da diese Ver-k-fachung für alle Steigungsdreiecke gilt, bleibt er auch erhalten, wenn man beliebig kleine Steigungsdreiecke betrachtet und schließlich den Grenzübergang bildet, also von den Sekantensteigungen zur Tangentensteigung übergeht.

Beweis

Sei u(x) bei x0 differenzierbar und f(x)=k⋅u(x). Dann konvergiert u(x)−u(x0)x−x0 für x→x0 gegen u′(x0). Nach den Grenzwertsätzen konvergiert dann aber auch k⋅u(x)−u(x0)x−x0 für x→x0, und zwar gegen k⋅u′(x0). Damit folgt

limx→x0f(x)−f(x0)x−x0=limx→x0k⋅u(x)−k⋅u(x0)x−x0=limx→x0k⋅u(x)−u(x0)x−x0=k⋅u′(x0).

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Lothar Papula: Mathematik für Ingenieure und Naturwissenschaftler Band 1. 14. Auflage. Springer Vieweg, Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-05619-3, S. 331.
  2. ↑ Ilja Nikolajewitsch Bronschtein, Konstantin Adolfowitsch Semendjajew: Taschenbuch der Mathematik. 5. Auflage. Verlag Harri Deutsch, Thun und Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-8171-2005-2, S. 394.
  3. 1 2 Greefrath et al.: Didaktik der Analysis. 2016, S. 167.
  4. ↑ G. M. Fichtenholz: Differential- und Integralrechnung 1. VEB Verlag der deutschen Wissenschaften, Berlin 1989, ISBN 3-326-00398-6, S. 185 (archive.org).
  5. ↑ Andreas Büchter, Hans-Wolfgang Henn: Elementare Analysis (= Mathematik Primarstufe und Sekundarstufe I + II). Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-8274-2091-6, S. 208.
  6. ↑ Gilbert Greefrath u. a.: Didaktik der Analysis (= Mathematik Primarstufe und Sekundarstufe I + II). 1. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg 2016, ISBN 978-3-662-48876-8, S. 167 f.