Die Quotientenregel ist eine grundlegende Ableitungsregel. Mit ihr wird die Ableitung eines Quotienten von Funktionen aus den Ableitungen der einzelnen Funktionen berechnet. In Kurzschreibweise lautet sie
.
Aussage
Sind die Funktionen und von einem Intervall in die reellen oder komplexen Zahlen an einer Stelle mit differenzierbar, dann ist auch die Funktion mit
an der Stelle differenzierbar und es gilt
.
Beispiele
Die Funktion ist Quotient der Funktionen
und ,
welche differenzierbar sind mit
und .
Für erhält man durch Anwendung der Quotientenregel
Die Ableitung des Tangens kann bestimmt werden, wenn die Ableitung von Sinus und Kosinus bekannt ist. Aus der Beziehung folgt für alle mit der Quotientenregel
Herleitung
Wenn um anwächst, ändert sich um und um . Die Änderung des Quotienten beträgt damit
,
oder, indem man den Hauptnenner bildet,
Dividiert man noch durch , so erhält man den Differenzenquotienten von als
Bildet man nun den Grenzübergang, so erhält man schließlich die Ableitung
Beweise
Anhand des Differenzenquotienten
Ist an differenzierbar, so ist dort insbesondere stetig. Unter der Voraussetzung gibt es deshalb eine Umgebung von , in der überall ist. In dieser Umgebung ist der Differenzenquotient
von wohldefiniert. Addition und Subtraktion des Terms im Zähler des rechts stehenden Bruchs und elementare Termumformungen liefern die äquivalente Darstellung
.
Beim Grenzübergang strebt der Differenzenquotient von gegen , der Differenzenquotient von gegen und gegen .
Die Quotientenregel für Funktionen wird in fast jedem Einführungsbuch zur Differentialrechnung erläutert. Einige Beispiele sind:
Otto Forster, Florian Lindemann: Analysis 1. Differential- und Integralrechnung einer Veränderlichen. 13. Auflage. Springer Spektrum, Wiesbaden 2023, ISBN 978-3-658-40129-0, S. 235–236.