Reziprokenregel

Die Reziprokenregel oder Kehrwertregel dient zur Ableitung von Funktionen der Form f(x)=1v(x), wobei v eine differenzierbare Funktion ist. In Kurzschreibweise lautet sie

(1v)′=−v′v2.

Die Reziprokenregel kann als Spezialfall der Quotientenregel mit der konstanten Funktion u(x)=1 im Zähler aufgefasst werden.

Aussage

Ist die Funktion v(x) von einem Intervall D in die reellen oder komplexen Zahlen an der Stelle x0 mit v(x0)≠0 differenzierbar, so ist auch die Funktion f mit f(x)=1/v(x) an der Stelle x0differenzierbar und es gilt

f′(x0)=−v′(x0)(v(x0))2.

Beispiel

Die Ableitung der Funktion

f(x)=1sin⁡(x)

berechnet sich an allen Stellen x mit sin⁡(x)≠0 nach der Reziprokenregel zu

f′(x)=−cos⁡(x)sin2(x).

Dabei wurde benutzt, dass die Kosinusfunktion die Ableitung der Sinusfunktion ist.

Beweis

Ist v an x0 differenzierbar, so ist v dort insbesondere stetig. Unter der Voraussetzung v(x0)≠0 gibt es deshalb eine Umgebung von x0, in der überall v(x)≠0 ist. In dieser Umgebung ist der Differenzenquotient

1/v(x)−1/v(x0)x−x0

von f(x)=1/v(x) wohldefiniert. Bildet man den Hauptnenner der Brüche im Zähler und wendet grundlegende Bruchrechengesetze an, so erhält man für den Differenzenquotienten die Darstellung

−v(x)−v(x0)x−x0⋅1v(x)v(x0).

Beim Grenzübergang x→x0 strebt der erste Faktor gegen v′(x0) und der zweite Faktor gegen 1/v(x0)2. Also ist

limx→x0f(x)−f(x0)x−x0=−v′(x0)v(x0)2.

Einzelnachweise

  1. ↑ Harro Heuser: Lehrbuch der Analysis. Teil 1. 17. Auflage. Vieweg + Teubner, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-8348-0777-9, S. 271.
  2. ↑ Andreas Büchter, Hans-Wolfgang Henn: Elementare Analysis (= Mathematik Primarstufe und Sekundarstufe I + II). Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-8274-2091-6, S. 209.