
Feindbild Islam (auch Islam-Feindbild oder Islamfeindbild) ist ein Begriff, der im deutschsprachigen Bereich verwendet wird, um ein einseitig negatives Bild des Islams und der Muslime in westlichen Diskursen zu identifizieren und zugleich als unangemessen und sogar gefährlich zu kritisieren. Bemängelt wird dabei jeweils auch, dass dieses Islam-Bild klischeehafte Züge aufweise und sich mit einer Anzahl von negativen Stereotypen verbinde. Nach Claudia Derichs besteht das Hauptproblem beim Feindbild Islam in der Pauschalisierung und darin, „Islam auf eine simple und statische Deutung zu reduzieren“.
Der Begriff „Feindbild Islam“ kam während des Zweiten Golfkriegs (1990/91) auf und sollte zum Ausdruck bringen, dass nach dem Ende des Kalten Krieges der Islam den Kommunismus als Feindbild in den westlichen Gesellschaften ersetzt habe. Die teils als polemisch und vereinfachend wahrgenommenen Beiträge zu Islam und Muslimen insbesondere von Gerhard Konzelmann und Peter Scholl-Latour in den Medien hätten bei Wissenschaftlern und Journalisten den Eindruck entstehen lassen, der Islam sei das allgegenwärtige Feindbild der bundesrepublikanischen Gesellschaft geworden. Sie stießen daraufhin einen Reflexionsprozess über die allgemeine Wahrnehmung von Islam und Muslimen an. Mitte der 1990er Jahre erreichte die Debatte über das Feinbild Islam einen ersten Höhepunkt, als auch der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und Bundesaußenminister Klaus Kinkel vor diesem Feindbild warnten und letzterer Planungen für eine internationale Konferenz zu diesem Thema vorantrieb. Auch während der Kontroverse um die Friedenspreisverleihung an Annemarie Schimmel spielten Feindbild-Islam-Vorwürfe eine große Rolle. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre mehrten sich kritische Stimmen, die die These vom Feindbild Islam in Zweifel zogen und als ein Konstrukt abtaten, das allein dazu diene, Kritik an Missständen in islamischen Ländern ins Unrecht zu setzen. Eine Veranstaltung, die sich speziell der Bekämpfung des Feindbilds Islam widmete, war die Bremer Islam-Woche von 1997.
Die Terroranschläge am 11. September 2001 lösten einen neuen Diskussionsschub zum Islam-Feindbild aus, wobei bekräftigende und kritische Stimmen sich die Waage hielten. Ein neuer Aspekt in der Diskussion über das Islam-Feindbild ab dem Jahr 2000 war, dass nun Muslimen und islamischen Verbänden vorgeworfen wurde, die These von diesem Feindbild auf Dialogveranstaltungen zu instrumentalisieren. Ab 2008 rückte das Feindbild Islam in den Fokus der Rechtsextremismus-Prävention. Ab dieser Zeit wird das „Feindbild Islam“ von denjenigen, die es postulieren, als ein wirkungsmächtiges Konstrukt betrachtet, das zwar in der Mitte der Gesellschaft Verbreitung findet und die Integrationsdebatten wesentlich bestimmt, aber vor allem von Rechtsextremisten und Rechtspopulisten instrumentalisiert und in propagandistischer Absicht zugespitzt wird.
Innerhalb des Verlaufs der Debatte über das Feindbild Islam wurden sehr viele Einzelthemen diskutiert: seine Bestandteile, die Gründe für seine Entstehung und seinen Erfolg, seine sozialpsychologische Funktion, sein Verhältnis zu anderen Feindbildern, seine Auswirkungen auf staatliches Handeln, seine Rolle bei verschiedenen geistig-politischen Strömungen, mögliche Gegenmittel und insbesondere auch die Frage, ob es ein Feindbild Islam in den Medien gibt.
Der Begriff „Feindbild Islam“ kam in den frühen 1990er Jahren auf. Parallel zu seiner Durchsetzung im deutschsprachigen Kontext etablierte sich im angloamerikanischen Raum in den 1990er Jahren der ähnlich schillernde Begriff „Islamophobia“. Er wurde in den 2000er Jahren in seiner eingedeutschten Version „Islamophobie“ auch im deutschsprachigen Raum geläufig und konkurrierte dann mit dem Begriff „Feindbild Islam“. Nach Karin Hörner besteht allerdings ein Unterschied darin, dass ein „Feindbild Islam“ im Gegensatz zu „Islamophobie“ nicht an konkrete Verfeindungen gebunden ist. Ihr zufolge ist der Begriff Feindbild auch neutraler, „insofern, als er selbst in nichtwissenschaftlichen Kontexten nicht unmittelbar mit Krankheiten assoziiert wird“. An dem Begriff „Islamophobie“ sei dagegen kritisiert worden, dass er mit einer Pathologisierung der betreffenden Haltung einhergehe. Außerdem gebe es gegen den Begriff „Islamophobie“ terminologische Bedenken, weil er unter anderem von der Organisation für islamische Zusammenarbeit (OIC) als ideologisches Schlagwort instrumentalisiert worden sei. Deshalb sei der Begriff „Feindbild“ im deutschen Kontext besser für den wissenschaftlichen Gebrauch geeignet als „Islamophobie“.
In den späten 2000er Jahren kam im deutschen Kontext außerdem der Begriff Islamfeindlichkeit auf. Teilweise werden die Begriffe Feindbild Islam und Islamfeindlichkeit als Synonym verwendet. Allerdings bezeichnet Islamfeindlichkeit eine subjektive Haltung, während Islam-Feindbild den Prozess „des Fremdmachens und Abwertens auf der Mikroebene gesellschaftlicher Diskurse“ beschreibt, der mit der Erzeugung eines gesellschaftlichen Bedrohungsszenarios einhergeht.
Wie der Begriff „Islamstereotyp“ dient der Begriff „Islamfeindbild“ dazu, „die textlichen und visuellen Diskurselemente medialer bzw. öffentlicher Debatten über den Islam konkret zu benennen.“ Im Unterschied zum Islamstereotyp, das auch positive Konnotationen tragen kann, bezeichnet Feindbild Islam aber immer ein negativ aufgeladenes Islambild.
Nach Alexander Häusler und Hans-Peter Killguss muss dann von der Inszenierung eines Feindbildes Islam gesprochen werden, „wenn der Islam pauschal als eine gewaltförmige und archaische 'Ausländerreligion' dargestellt wird, für die es in den europäischen Gesellschaften angeblich keinen Platz gibt.“ Nach Peter Heine geht es, wenn von einem „Feindbild Islam“ die Rede ist, um das westliche Bild vom Islam vor allem in seiner nahöstlichen Ausprägung.
Der aus der sozialpsychologischen Vorurteilsforschung stammende Begriff Feindbild wurde erstmals Ende 1990 auf den Islam bezogen. Am 6. November 1990 bot das Münchener Institut für Psychologie und Friedensforschung einen Vortrag zum Thema „Nicht ohne meine Tochter – Neues Feindbild Islam?“ an. Dieser bezog sich auf das Buch Nicht ohne meine Tochter der amerikanischen Autorin Betty Mahmoody, dessen 1988 erschienene deutsche Übersetzung sich in der Bundesrepublik Deutschland zu einem Bestseller entwickelt hatte und dessen Verfilmung während des Zweiten Golfkriegs in die Kinos kam. Es galt auch später noch als eines der klassischen Beispiele für das Feindbild Islam (siehe unten Beispiele).
Die Idee vom Islam als neuem Feindbild hing auch mit der Kriegsmobilisierung während des Zweiten Golfkriegs zusammen. Fünf Tage nachdem Saddam Hussein seine Truppen in Kuwait hatte einmarschieren lassen, am 7. August 1990, rief er den Dschihad, den Heiligen Krieg, aus, womit er den Islam in diesen Konflikt einbezog. Einige Veranstaltungen, die während des Zweiten Golfkriegs zum neuen Feindbild Islam stattfanden, nahmen auf diesen Sachverhalt Bezug. So bot am 7. Februar 1991 das oben genannte Münchener Institut für Psychologie und Friedensforschung einen Vortrag zum Thema Dschihad - „Heiliger Krieg“ gegen „gerechter Krieg“ - Neues Feindbild Islam? an. Das Thema wurde in dieser Zeit auch von den Kirchen aufgegriffen. Der Vorsitzende des Islam-Ausschusses der Evangelischen Landeskirche in Bayern Hermann Vorländer bot am 3. März 1991 zusammen mit einem tunesischen Politologen einen Zeitfragen-Gottesdienst zum Thema „Teufel Saddam? Feindbild Islam“ an. Auch Muslime meldeten sich zu Wort. So referierte der Leiter des Islamischen Zentrums München und Kulturreferent der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland, Ahmad al-Khalifa, am 15. März 1991 bei einem Vortrag zu der Frage, inwieweit der Islam das neue Feindbild sei, und ging dabei auch auf die Vorstellung vom Golfkrieg als Heiligen Krieg ein.

Überregional eröffnet wurde die Diskussion über das Feindbild Islam mit dem Artikel „Die Panikmacher. Wie im Westen der Islam zum neuen Feindbild aufgebaut wird“ des Islamwissenschaftlers Heinz Halm, der am 16./17. Februar 1991 in der Feuilleton-Beilage zur Süddeutschen Zeitung erschien. In diesem Artikel warnte Halm vor der „gefährlichen Wirkung“ der beiden Journalisten Gerhard Konzelmann und Peter Scholl-Latour, die in ihren zahlreichen Büchern und Fernsehauftritten den Islam zum neuen Feindbild aufgebaut, ein undifferenziertes Bild von einem höchst komplexen Sachverhalt vermittelt und verbreitete Vorurteile bedient hätten. Als Beleg dafür, dass Scholl-Latour während des Golfkriegs den Islam zum neuen Feindbild aufgebaut habe, verwies Halm unter anderem auf dessen vierteilige Fernsehserie mit dem Titel „Schwert des Islam“, die im Januar 1991, also während der Bombardierungen von Bagdad, im ZDF ausgestrahlt worden war, sowie auf Scholl-Latours gleichnamiges Buch, das im Heyne-Verlag erschien und über längere Zeit den ersten Platz der Spiegel-Bestsellerliste belegte.
Nachdem Halm seinen Artikel im Februar veröffentlicht hatte, wurde er am 13. März 1991 von Dagobert Lindlau zu einer Veranda-Talkrunde mit Scholl-Latour und Konzelmann eingeladen. Während der Sendung ließ man ihn allerdings kaum zu Wort kommen. An der Neutralität von Dagobert Lindlaus Gesprächsführung wurden später starke Zweifel geäußert. Studierende und Lehrende der Islamwissenschaft und Turkologie der Universität Hamburg riefen daraufhin ein Forschungsprojekt ins Leben, innerhalb dessen sie „das Wesen und die Geschichte des Feindbildes Islam“ ebenso untersuchen wollten wie die Geisteshaltung und die Stilmittel von „Autoren vermeintlich zuverlässiger beziehungsweise objektiver Informationen zu diesem Thema“. Aufgrund ihrer Kritik an den beiden Galionsfiguren der den Golfkrieg flankierenden Medienberichterstattung wurde die Gruppe unter dem Namen „Konzeltour“ bekannt. Der Islamwissenschaftler Gernot Rotter, der die Aktion „Konzeltour“ mitangeregt hatte, schreibt hierzu:
„Es war weniger das Sinnen auf Rache für den verbalen Meuchelmord an dem in einen Hinterhalt gelockten Stammesgefährten, das die Gruppe beseelte, als vielmehr das Bestreben, den Flurschaden, den die beiden mit ihren tendenziösen, bisweilen rassistischen Äußerungen immer weiter ausdehnten, als bewußte Verbreitung eines neuen Feindbildes 'Islam' zu entlarven.“
Wichtigstes Ergebnis des Hamburger Forschungsprojekts war das von Verena Klemm und Karin Hörner herausgegebene Buch Das Schwert des „Experten“. Peter Scholl-Latours verzerrtes Araber- und Islambild, das 1993 im Palmyra-Verlag in Heidelberg erschien. Heinz Halm, der das Vorwort schrieb, äußerte darin, dass am Feindbild Islam viele mitstrickten. Am gefährlichsten seien aber diejenigen, „die es unter dem Vorwand historischer Belehrung oder journalistischer Information“ täten. Gernot Rotter äußerte in dem Band, dass Scholl-Latour das Feindbild Islam noch subtiler fördere als Konzelmann. Der Kritik an Gerhard Konzelmann und Peter Scholl-Latour schlossen sich auch Wissenschaftler anderer Disziplinen an. So urteilte der Sozialwissenschaftler Klaus F. Geiger 1992 in einem Artikel, dass bei der „Innenausstattung“ des Feindbildes Islam in den Jahren 1990/91 Sendungen und Bücher der beiden „von besonderer Bedeutung“ gewesen seien.
Eine weitere Forschergruppe, die sich im Anschluss an Scholl-Latours Fernseh-Dokumentation bildete, war das interdisziplinär zusammengesetzte Medienprojekt Tübinger Religionswissenschaft. Dieses machte sich zur Aufgabe, einen kritischen Blick auf die den Zweiten Golfkrieg begleitende Berichterstattung zu werfen und zu untersuchen, ob diese Sendereihe das Islambild der deutschen Gesellschaft beeinflusst hatte und inwieweit Fernsehsendungen und Presseerzeugnisse dem Aufbau und der Verbreitung von Feindbildern dienten. Ein erstes Ergebnis dieser Bemühungen war die vom Medienprojekt produzierte Radiosendung „Feindbild Islam“, die am 9. Juni 1991 im Uni-Radio Tübingen gesendet wurde. Claudia Ott, die an dem Medienprojekt mitwirkte, erstellte 1993 einen Beitrag für CIBEDO, in dem sie Kriterien für die Bewertung von Beiträgen über den Islam vorlegte. Demnach ist ein Beitrag gut, wenn er sorgsam, sparsam und sinnvoll mit Suggestionsmitteln umgeht; er ist dagegen schlecht, wenn er Metaphern und Musik ständig zum Nachteil des Islams einsetzt und damit das Feindbild Islam „auf einer ganz unterschwelligen psychologischen Ebene fördert.“ Weitere schriftliche Ergebnisse legte die Arbeitsgruppe in dem Sammelband Der Islam in den Medien vor, der 1994 als Band 7 in der von Jan Assmann und Theo Sundermeier herausgegebenen Buchreihe Studien zum Verstehen fremder Religionen erschien. Ein Beitrag in diesem Band beschäftigte sich mit der Frage, „ob zur Zeit ein Feindbildwechsel vom Kommunismus zum Islam stattfindet“ und ob sich Strukturen des alten Feindbilds im neuen Feindbild wiederfinden lassen. Der Beitrag gelangte zu dem Ergebnis, dass sich das Feindbild Islam nicht nur in Bildern auf der sprachlichen Ebene manifestiere, sondern sich auch der visuellen Bildebene zeigen lasse.
Neben der Verwendung des Begriffs „Feindbild Islam“ wurde in den frühen 1990er Jahren von manchen Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen auch die Existenz anderer Feindbild-Konzepte als Ersatz für das Feindbild Kommunismus angenommen, nämlich „Feindbild Orient“, „Feindbild Süd“ und „Feindbild Dritte Welt“. Schon Mitte Dezember 1990 hielt der Hamburger Islamwissenschaftler Gernot Rotter in der Evangelischen Akademie Loccum einen Vortrag, in dem er davon sprach, dass mit dem Golfkrieg ein neues Feindbild gefunden sei: der Orient, oder genauer: die Muslime und unter ihnen besonders die Araber.
Die Begriffe „Feindbild Süd“ und „Feindbild Dritte Welt“ wurden von dem Literaturwissenschaftler Jürgen Link aufgebracht. Er vertrat in einem Artikel, den er am 16. Januar 1991 in der Frankfurter Rundschau veröffentlichte, die These, dass dieses Feindbild nicht neu sei, aber mit Saddam Husseins Überfall auf Kuwait „die Gefahr einer in dieser Form neuen und höchst brisanten Kombination“ bestehe. Seiner Analyse zufolge funktionierte das neue Feindbild Dritte Welt strukturell auf drei Stufen:
Hinsichtlich der dritten Stufe verwies Link auf Edward Saids „meisterhafte Analyse“ in dessen Buch Orientalismus. Auf allen drei Stufen empfahl Link, „Interventionsmöglichkeiten zu überlegen.“
Die Konzepte „Feindbild Dritte Welt“ und „Feindbild Süd“ hatten zunächst größere Popularität als der Begriff „Feindbild Islam“ und wurden noch im selben Jahr von den beiden Politologen Volker Matthies und Franz Nuscheler und dem Friedensforscher Lothar Brock diskutiert. Matthies brachte im Juni 1991 in einem Artikel zu Aus Politik und Zeitgeschichte zum Ausdruck, dass „hinter der berechtigten Sorge um den realen, harten Kern der Sicherheitsprobleme im Süden [...] durchaus handfeste Eigeninteressen der mit Ende des Ost-West-Konflikts nach neuen Feindbildern und neuer Legitimation suchenden Militärs, Sicherheitspolitiker und der Rüstungswirtschaft zu erkennen“ seien. Lothar Brock, der im selben Jahr zusammen mit Stephan Hessler einen Beitrag für das Jahrbuch Frieden 1992 zum Wahrnehmungswandel in den Nord-Süd-Beziehungen veröffentlichte, fragte darin: „Wird die Angst vor einer Bedrohung von Wohlstand, gesellschaftlicher Ordnung und Sicherheit der Bundesbürger durch den „Süden“ in den kommenden Jahren an die Stelle der verblassenden Feindbilder des Ost-West-Konfliktes treten?“
Franz Nuscheler hielt im September 1991 auf einer Tagung in Köln einen Vortrag zur Funktion des Feindbildes Dritte Welt, in dem er dieses ebenfalls als Ersatz für das weggefallene Feindbild Kommunismus darstellte: „Auf vielfältige, offene und subtile Weise wird in der westlichen Öffentlichkeit ein neues Feindbild aufgebaut, der Osten durch den Süden, Marx durch Mohammed [...] ersetzt.“ Die Tagung selbst hatte den Titel: „Die Neue Weltordnung in Unseren Köpfen - wie der Golfkrieg und die Berichterstattung das Politische Denken verändert haben.“ Der Islamwissenschaftler Reinhard Schulze, der auf dieser Tagung ebenfalls einen Vortrag hielt, stellte sich darin gegen Nuscheler und erklärte: „Das Feindbild Süden hat sich im Golfkrieg nicht bestätigen können; vielmehr wurde hier das alte Feindbild Osten – der Nahe und Mittlere Osten, der Orient – bekräftigt“. Gegen die These vom „neuen Feindbild Dritte Welt“ stellte sich auch der Politikwissenschaftler Bernd Guggenberger. Er meinte, dass sich der Zweite Golfkrieg nur wenig dazu eigne, diese These zu illustrieren.
Jörg Becker schließlich benutzte 1991 den Begriff „anti-muslimisches Feindbild“ für das neue islambezogene Feindbild. Der Begriff „Feindbild Islam“ setzte sich jedoch in den folgenden Jahren gegenüber allen anderen Feindbild-Begriffen, die als Alternative für das weggefallene Feindbild Kommunismus diskutiert wurden, durch. Einer der frühesten Texte, der diesen Begriff im Titel führt, war Ulrike Bechmanns Beitrag „Feindbild Islam?“ zu einem 1991 veröffentlichten Sonderheft der theologischen Zeitschrift Bibel und Kirche, das speziell der Untersuchung von Feindbildern gewidmet war. Ausgelöst von Darstellungen und Berichterstattung in den Medien, stellte sie darin die Frage, ob der Islam zum neuen Feindbild des Westens geworden sei. Sie empfahl Realismus und einen „Blick für kulturelle Unterschiede, die als Bereicherung der Welt begriffen werden sollten“ als Gegenmittel gegen den Aufbau dieses neuen Feindbildes. Allerdings äußerten 1992 die Autorinnen eines Sammelbandes über Karikaturen zum Zweiten Golfkrieg Zweifel, ob das Feindbild Islam wirklich auf „den Islam“ abziele oder nicht eher auf „die Araber“.
Die Journalistin Andrea Lueg sah eine Korrespondenz und enge Verknüpfung des Feindbildes Islam mit dem Feindbild Dritte Welt, mit dem Argument, dass die Bevölkerungsexplosion in den Staaten des Nahen Ostens, die durch Flucht- und Migrationsbewegungen auch Europa erreiche und westlichen Wohlstand und westliche Kultur bedrohen könne, ein wichtiger Aspekt der Angst vor der „islamischen Bedrohung“ sei. Das anti-islamische Feindbild betrachtete sie von daher als Teil einer umfassenderen Angst vor der „dritten Welt“.
In den frühen 1990er Jahren nahm die Debatte über das Feindbild Islam Fahrt auf. Die Algerien-Spezialistin Sabine Kebir versuchte 1992 in einem Essay die innere Widersprüchlichkeit des neuen Feindbildes zu zeigen. Dass der Islam unfähig zur Toleranz sei, könne nicht behauptet werden, weil das maurisch beherrschte Andalusien „das toleranteste Staatswesen des Mittelalters“ gewesen sei. Der Krieg gegen den Irak sei als notwendiger Feldzug gegen den Alleinherrscher Saddam Hussein gerechtfertigt worden, die vom Westen unterstützten Regime von Kuwait und Saudi-Arabien seien aber „um keinen Deut demokratischer“ als der Irak und zudem „der Hort des auf die ganze islamische Welt ausstrahlenden Fundamentalismus“. Der Islamwissenschaftler Khalid Durán vertrat Ende 1992 die Auffassung, dass sich der Islam „doch nur sehr bedingt als neues Feindbild“ eigne, weil der Islamismus auf wenige Staaten beschränkt sei, eigentlich nur auf Iran und Sudan und mit Einschränkungen Saudi-Arabien und Pakistan. In Afghanistan gebe es zwar eine islamistische Regierung, doch herrsche die nur über einen Bruchteil des allgemeinen Chaos, während der größte Teil des Landes Kriegsherren unterstehe, die mit dem Islamismus wenig im Sinn hätten. Auch das Buch Der Islam als Alternative von dem zum Islam konvertierten deutschen Diplomaten Murad Wilfried Hofmann, das im selben Jahr erschien, kann als Beitrag zu der Debatte betrachtet werden. Es wird im Klappentext mit den Worten beworben, dass der Autor darin, um Brücken zu schlagen, jedes heiße Eisen anpacke, „aus dem das alte und das neue Feindbild 'Islam' unter Europäern geschmiedet wurde.“

Der wichtigste Beitrag zur Debatte über das Feindbild Islam war die gleichnamige Aufsatzsammlung, die von dem Politikwissenschaftler Jochen Hippler und der Journalistin Andrea Lueg 1993 im Konkret Literatur Verlag veröffentlicht wurde. Darin monierten die beiden, dass das Feindbild Islam dazu beitrage, dass eine zentrale Chance vertan werde: nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Verlust des alten militärischen Gegners die Militärapparate im Westen auf einen symbolischen Rest zu reduzieren oder ganz beseitigen und über Sicherheit völlig neu nachzudenken. Mit ihrer Kritik am Feindbild Islam, so betonten sie, wollten sie nicht „sämtliche Erscheinungen im Nahen Osten“ rechtfertigen oder „unter den Teppich der kulturellen Andersartigkeit“ kehren. Vielmehr kritisierten sie, „dass die populären Feindbilder gerade verhindern, dass eine Auseinandersetzung mit Unterdrückung, Frauenverachtung, Menschenrechtsverletzungen stattfinden kann“. Um diese Missstände gehe es den Ideologen, die am Feindbild malen, nämlich nicht. Sie und ihre „Kunden“, so behaupteten Hippler und Lueg, wollten sich nur „selbst ein gutes Gefühl verschaffen, indem sie eine andere Kultur oder Religion pauschal diffamieren.“ Nicht alle Bestandteile des Feindbilds Islam seien frei erfunden. In islamisch geprägten Gesellschaften fänden sich tatsächlich Aggression, Repression, Fanatismus usw. Kritik am Feindbild Islam zu üben bedeute nicht, sämtliche Vorgänge in diesen Gesellschaften zu akzeptieren. Vielmehr sei der Abbau des Feindbildes die Voraussetzung für eine ernsthafte Kritik. Hippler behauptete, das Feindbild Islam lebe davon, Akteuren im Nahen und Mittleren Osten religiöse Gründe zu unterstellen, um dann ihre streng religiöse Orientierung zu beklagen. Viele Elemente des Feindbildes Islam, so die beiden Autoren, hätten direkt vor- oder anti-aufklärerischen Charakter, „wie scheinbar religionskritisch sie sich auch gebärden mögen“.
Im März 1994 warf die Hamburger Orientalistin Karin Hörner der Redaktion der feministischen Zeitschrift Emma vor, sich des Feindbildes Islam zu bedienen. Dieses habe „derzeit bei Sexisten und Rassisten, aber nicht nur bei ihnen Konjunktur“. Dieses Feindbild mache den Islam, den Muslim zu „unserem neuen Großfeind“. Konkret beanstandete Hörner die Emma-Ausgabe vom Juli/August 1993, in der es ein Fundamentalismus-Dossier gab. Das Feindbild Islam machte sie vor allem an Beiträgen von Ursula Ott und der Gastautorin Fay Weldon fest. Weldon hatte in ihrem Beitrag unter anderem geschrieben, dass der Islam, „der ganz wie die christlichen Religionen vor sich hinzudämmern schien, […] mit Gewalt und Terror auf die Weltbühne zurückgekehrt“ sei und dies eine Überraschung gewesen sei, weil man gedacht habe, „daß wir den Islam während der Kreuzzüge doch ein für alle Mal erledigt hatten, daß Jesus doch wohl eindeutig über Mohammed triumphiert hat.“
1994 nahmen auch viele Volkshochschulen Veranstaltungen zum Feindbild Islam in ihr Programm auf, so zum Beispiel die Münchener Volkshochschule Stadtbereich West am 20. Juni, die Volkshochschule Wiesbaden am 21. Juni, die Volkshochschule Erding im Oktober und die Volkshochschule Freising im Dezember.
Die Islamwissenschaftlerin Petra Weyland, die 1995 „Reflexionen zur diskursiven Produktion des Feindbildes Islam“ veröffentlichte, vertrat darin die These, dass es sich beim Feindbild Islam nicht um eine Repräsentation des Realen handele, sondern um eine „diskursiv erzeugte Hyperrealität“ im Sinne Jean Baudrillards, ein System von Simulacra, dessen Aufbau auf globaler Ebene betrieben werde. An der Konstruktion dieser Hyperrealität, die auf dem Weg sei, zum Ausgangspunkt für Entscheidungen und Handlungen zu werden, seien Medien, Experten, Wissenschaftler, aber auch islamische Fundamentalisten selbst beteiligt.
Im Jahre 1994 erreichte die Diskussion um das Feindbild Islam die Politik. Führende Politiker warnten in diesem Jahr diesem Feindbild. So gab der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt am 29. April 1994 in einem Meinungsartikel für Die Zeit im Zusammenhang mit dem Bosnienkrieg zu bedenken:
„Mit wenigen Ausnahmen wissen wir Europäer fast nichts vom Islam, wir verstehen ihn kaum. Wohl aber erfahren wir durch die Medien immer wieder von Auswüchsen des islamischen Fundamentalismus und schließen von diesem Phänomen, das es ähnlich in allen Religionen gibt, auf den ganzen Islam - eine völlig unzulässige Generalisierung. So wächst die Gefahr, daß - nach dem Fortfall des sowjetischen Imperialismus - der Westen sich ein neues, antiislamisches Feindbild schafft. Dies wiederum würde auf seiten islamischer Völker Gegenreaktionen auslösen.“

Und knapp eine Woche später warnten Bundesaußenminister Klaus Kinkel und sein niederländischer Kollege Pieter Kooijmans auf der ersten deutsch-niederländischen Botschafterkonferenz davor, nach dem Wegfall des Ost-West-Gegensatzes den Islam zum neuen Feindbild in Europa aufzubauen.
Klaus Kinkel wiederholte seine Warnung vor dem Feindbild Islam am 5. Februar 1995 auf der Tagung für europäische Sicherheitspolitik in München und am 21. März 1995 bei einem Treffen mit dem ägyptischen Staatspräsidenten Hosni Mubarak. Bei dem Treffen mit Mubarak bezeichnete er es als „schlimm und fatal, wenn der Islam nach Kommunismus und Leninismus als neues Feindbild aufgebaut“ werde. Bei derselben Gelegenheit teilte er mit, dass die Bundesregierung in der zweiten Jahreshälfte eine Islam-Konferenz mit Politikern und Vertretern der Religionen plane. Die Idee, dass man etwas gegen das Feindbild Islam unternehmen müsste, fand auch in der Presse Zuspruch. Thomas Hartmann vertrat im Mai 1995 in der taz die Auffassung, dass die nichtmuslimischen Westeuropäer dem „Feindbild Islam“ in Europa entgegentreten müssten, um ernsthaft einen Dialog mit der islamischen Welt führen zu können.
Ende August 1995 kündigte Kinkel in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die geplante Islam-Konferenz für November 1995 in Bonn an und erklärte, dass er mit ihr dem „Feindbild Islam“ entgegenwirken wolle. Zu der Konferenz, die Mitte November stattfinden sollte, lud Kinkel seine Amtskollegen aus Iran, Saudi-Arabien und Ägypten sowie „150 bis 200 Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Kultur“ nach Bonn ein, um – wie in Medien berichtet wurde – das neue Feindbild Islam zu diskutieren. Nachdem aber am 5. November der iranische Präsident Rafsandschani den Mord an Jitzchak Rabin als Strafe Gottes für den Mord an Fathi Schakaki bezeichnet hatte, führten die allgemeine Kritik an der Konferenz und die Ablehnung durch 50 Abgeordnete der regierenden Koalition dazu, dass diese Konferenz kurzfristig abgesagt werden musste.
Dass im Jahre 1995 viel über das Feindbild Islam gesprochen wurde, hatte auch mit der Kontroverse um die Auszeichnung von Annemarie Schimmel mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zu tun. Nachdem Schimmel kurz nach ihrer Nominierung für den Friedenspreis in einem Interview in den Tagesthemen Verständnis für die Morddrohung Chomeinis gegenüber Salman Rushdie zum Ausdruck gebrachtet hatte, rief ihr früherer Schüler Gernot Rotter in einem Artikel für Die Zeit den Börsenverein des Deutschen Buchhandels dazu auf, seine Auswahlentscheidung noch einmal zu überdenken. Zwar erkannte er an, dass der Börsenverein mit dieser Entscheidung ein politisches Zeichen „gegen die gefährlichen Tendenzen […], den Islam zum neuen Feindbild zu machen“ habe setzen wollen, da Schimmels Liebe zur islamischen Mystik, jener „stillen, verinnerlichten, toleranten und unaggressiven Religiosität […] so gar nicht zum westlichen Feindbild vom Islam“ passe. Allerdings kritisierte er, dass Schimmel mit ihrer Rechtfertigung für Chomeinis Morddrohung nicht nur ihr eigenes Lebenswerk, sondern auch die Aufklärungsarbeit von Fachkollegen in Misskredit gebracht und bis zu einem gewissen Grad unglaubwürdig gemacht habe, „die seit einigen Jahren in unzähligen Vorträgen, Interviews und Veröffentlichungen versuchen, dem gängigen pauschalen Islam-Feindbild eine differenzierte Sichtweise entgegenzusetzen“. So gefährlich das gegenwärtig gepflegte Feindbild Islam und das Gerede vom angeblich bevorstehenden Kampf der westlichen mit der islamischen Kultur sei, weil es zu einer Selffulfilling prophecy zu werden drohe, so wenig hilfreich sei eine unkritische Verklärung aller mit religiösen oder pseudoreligiösen Parolen legitimierten Vorgänge im islamischen Raum, weil sie unglaubwürdig sei.

In den Monaten nach Rotters Artikel entstand eine heftige Kontroverse um die Person der Preisträgerin, an der sich insbesondere die Zeitschrift Emma, der westdeutsche PEN-Club und der Ahriman-Verlag beteiligten. Munir D. Ahmed und Kai Hafez verteidigten in einem Artikel für die Zeitschrift Orient Annemarie Schimmel und behaupteten, dass ihr Wissen über das historische Beziehungsgeflecht zwischen europäischer und islamischer Kultur den eigentlichen Hintergrund für die seit dem Golfkrieg erkennbaren Bemühungen der deutschen Orientwissenschaft bildeten, das „Feindbild Islam“ in Medien und Öffentlichkeit zu korrigieren. Schimmel selbst brachte am 12. September einem Interview mit den beiden ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass die Diskussion über sie dafür sorgen werde, dass „man sich etwas ernsthafter mit dem Islam beschäftigt, statt in ihm immer nur ein Feindbild zu sehen“, gab aber gleichzeitig zu bedenken, dass „der Abbau solcher Bilder“ Zeit erfordere. Kai Hafez äußerte am 30. September, dass die Verleihung des Friedenspreises an Schimmel eigentlich ein Aufruf zur Reflexion über den Zusammenhang zwischen Feindbild Islam und Ausländerfeindlichkeit sei, deutete die eingetretene Polarisierung als Folge „der unterschiedlichen Funktionen und Verwertungszusammenhänge des 'Feindbildes Islam' für verschiedene politische und intellektuelle Gruppierungen“ und warf den Kritikern Schimmels indirekt vor, „das Negativbild des Islam“ zu aktivieren.
Der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier, der selbst Mitglied des Stiftungsrates für den Friedenspreis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels war, verteidigte am 14. September 1995 die Entscheidung des Stiftungsrates, und warf denjenigen, die sich gegen die Preisverleihung an Annemarie Schimmel ausgesprochen hatten, vor, den Islam aufgrund der mit ihm verbundenen negativen Erscheinungen „zum (neuen) Feindbild der westlichen Demokratien zu machen.“ Michael Lüders deutete die Kontroverse am 22. September in einem Artikel für Die Zeit insgesamt als weiteren Beleg dafür, dass „das neue Feindbild des Westens Islam heißt“. Gegen diese Interpretationen wandte sich am 19. Oktober Albrecht Metzger. Speziell auf das Plädoyer von Hans Maier Bezug nehmend, kritisierte er, dass man den Kritikern Schimmels kaum vorwerfen könne, alle „dem neuen Feindbild Islam erlegen“ zu sein. Denn zu diesen Kritikern zähle auch Gernot Rotter, „der seit vier Jahren mit fast missionarischem Eifer daran arbeitet, den Leuten die Formel ‚Islam ist gleich Fundamentalismus‘ aus den Köpfen zu hämmern.“
Die Debatte um Annemarie Schimmel verschaffte dem Schlagwort vom „Feindbild Islam“ enorme mediale Aufmerksamkeit. Sat.1 reagierte am 17. September 1995 mit einer Ausgabe von Talk im Turm von Erich Böhme, die der Frage gewidmet war: „Gibt es ein 'Feindbild Islam' und 'Angst vor Allahs Kriegern'?“. An dem Gespräch beteiligten sich neben Peter Scholl-Latour der Schriftsteller Günter Wallraff, der Leiter des Hamburger Orient-Instituts, Udo Steinbach, und der algerische Politologe Abdelkader Sahraoui. Bundespräsident Roman Herzog, der bei der Verleihung des Friedenspreises an Annemarie Schimmel in der Frankfurter Paulskirche am 15. Oktober die Laudatio auf die Preisträgerin sprach, nahm auch indirekt auf die Feindbild-Islam-Diskussion Bezug, indem er die Frage stellte, „ob in unserer Zeit als rationale Friedensstrategie eine kulturübergreifende Zusammenarbeit der Aufklärer, der Pragmatiker, der Sucher nach einer Zivilisation der Versöhnung gegen die Maler der Feindbilder denkbar ist.“
Cornelia Filter konstatierte Anfang November 1995 in einem spöttischen Meinungsartikel für die Zeitschrift Emma, dass spätestens seit der Debatte um Schimmel das Schlagwort von dem „neuen Feindbild Islam“ allen ein Begriff sei. Über dieses Feindbild, gegen das früher nur Linke im Namen von Anti-Rassismus und Ausländerfreundlichkeit zu Felde gezogen seien, würden sich neuerdings auch „Konservative zusammen mit Fortschrittlichen“ empören. Der gemeinsame Feind dieser „Heiligen Allianz“, der angeblich das „Feindbild Islam“ propagiere, seien Feminismus und Selbstbestimmung.
In den Jahren 1995 und 1996 mehrten sich kritische Stimmen gegenüber der Feindbild-Islam-These. Anfang 1995 beschwerte sich Bassam Tibi darüber, dass seine Kritik am mangelnden Verständnis islamischer Fundamentalisten für Menschenrechte, die er in seinem 1994 veröffentlichten Buch Im Schatten Allahs. Der Islam und die Menschenrechte (1994) geäußert hatte, „in der in Deutschland dominierenden Kultur der Political Correctness“ als angeblicher Beitrag zum Feindbild Islam öffentlich „Gegenstand von Rufmord“ geworden sei. Wolfgang Günter Lerch schrieb im Januar 1996 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass die Beunruhigung der westlichen Öffentlichkeit angesichts von Schreckensmeldungen über die Verfolgung von Dichtern und Wissenschaftlern, Morddrohungen, Steinigungen und andere barbarische Strafen, die von ihren Apologeten als islamisch ausgegeben werden, und das Erschrecken über die Versuche in Ägypten, den Literatur-Nobelpreisträger Nagib Mahfuz zum Ketzer zu stempeln und ihm nach dem Leben zu trachten, sowie über die Mordkommandos in Algerien nicht einem „Feindbild Islam“ entsprängen. Vielmehr seien sie auf das Entsetzen darüber zurückzuführen, dass im Namen einer Religion solche Vorfälle geschähen und sich häuften, sowie auf die Befürchtung, dass über den islamischen Fundamentalismus wieder eine Verbindung von Religion und Politik das Weltgeschehen bestimmen könnte, von der sich die Europäer nach den Religionskriegen in der Aufklärung getrennt hätten.
Der Publizist Richard Herzinger beschrieb im September 1996 in Die Zeit das Schlagwort vom „Feindbild Islam“ als Folge einer Wahrnehmungsblockade in der westlichen Öffentlichkeit: Sobald sich eine terroristische Ideologie als Ausdruck einer rebellierenden, erwachenden außereuropäischen Kultur ausweise, trete im Westen „ein kultureller Empathiediskurs auf den Plan, der vor überheblicher Mißachtung der religiösen und kulturellen Motive der Täter und vor Überreaktionen auf ihre Taten warne“. Tatsächlich gebe es aber eine wachsende Zahl islamischer Staaten, die den Westen zu ihrem offiziellen Todfeind erklärt hätten.

Der Literatur- und Kulturwissenschaftler Siegfried Kohlhammer hielt die These vom neuen Feindbild Islam, das das alte Feindbild Kommunismus abgelöst hat, für schlichtweg falsch. 1995 monierte er in einem Essay für die Debattenzeitschrift Merkur, in dem er sich besonders mit dem Sammelband von Hippler und Lueg auseinandersetzte, „die auffällige Dürftigkeit der Belege für die Existenz eines Feindbildes Islam.“ Er äußerte den Verdacht, dass die Existenz dieses Feindbildes im Wesentlichen „mit der Rede über das Feindbild Islam bewiesen wird.“ Bei denjenigen Texten, die von Lueg als Belegmaterial für die These vom Feindbild Islam herangezogen wurden, könne von einem Feindbild Islam keine Rede sein. Außerdem warf Kohlhammer den Feindbild-Islam-Kritikern vor, dieselben Fehler zu begehen, die sie beim Feindbild Islam monierten. Während sie dringend davor warnten, die Fundamentalisten/Islamisten mit dem Islam gleichzusetzen, gelte ihnen immer wieder Kritik am islamischen Fundamentalismus als Beleg für ein Feindbild Islam. In anderen Fällen diene ihnen Kritik des Islamismus in einem islamischen Land, die von einem deutschen Magazin zitiert wurde, als Beweis für ein Feindbild Islam im Westen. Die Subsumierung der Kritik an Missständen in islamischen Ländern und Kulturen unter den Feindbild-Islam-Vorwurf führe zu peinlicher Apologetik.
Mit der These vom Feindbild Islam, so Kohlhammer weiter, werde „Böses imaginiert, von dem man sich zur Vermehrung des eigenen moralischen Kapitals entrüstet distanzieren“ könne. Man bekunde öffentlich, dass man „an den bösartigen Umtrieben und Vorurteilen“ des Kollektivs nicht beteiligt sei. Indem die Feindbild-Islam-Mahner „alle Westler in welthistorische Sippenhaft“ nähmen, könnten sie die „vorteilhafte Rolle des Wachpersonals spielen.“ Kohlhammer empfahl außerdem, ein Feindbild Islam von Xenophobie und Rassismus zu unterscheiden, die durchaus „ein sehr reales Problem in den westlichen Ländern“ darstellten. Das Gerede vom Feindbild Islam lenke jedoch davon ab. Die schwierige Menschenrechtssituation in vielen muslimisch geprägten Ländern werfe jedoch „die bange Frage“ auf, „ob der real existierende Islam nicht eigentlich [doch] ein Feind des Westens ist und in diesem Sinne ein Feindbild Islam realistisch und also wünschenswert wäre“. Kohlhammer erhob in seinem Artikel auch den Vorwurf, dass sich in zahlreichen Artikeln und Büchern zum Feindbild Islam Islam-Apologetik mit anti-westlicher Haltung oder auch Indifferenz oder Unkenntnis gegenüber wesentlichen Unterschieden zwischen westlicher und islamischer Welt verbinde. 1996 baute Kohlhammer seinen Artikel zu einem Buch gleichen Titels aus. Hier schärfte er seine Einwände gegen die These, dass das Feindbild Islam das alte Feindbild Kommunismus abgelöst habe. Insgesamt warf Kohlhammer den Feindbild-Islam-Mahnern vor, mit ihrer Rede vom Feindbild vor allem eines zu bezwecken: „die westliche Kritik an den Menschenrechtsverletzungen von vornherein ins Unrecht zu setzen.“
Kohlhammers Artikel und Buch wurden 1996 sehr positiv von dem Soziologen und Journalisten Eberhard Seidel in einem Artikel für die taz rezensiert. Er resümierte es mit der Aussage, dass in Deutschland „wenig bis nichts auf ein aktuelles Feindbild Islam“ hindeute. Auch wandte er sich gegen die Interpretation, dass Vorfälle in Fürstenwalde/Spree, bei denen kurz zuvor Jugendliche muslimischen libanesischen Hausfrauen im Vorübergehen die Kopftücher heruntergerissen hatten, Ausdruck dieses Feindbildes Islam seien. Ihm zufolge handelte es sich lediglich um Xenophobie. Udo Marquardt erklärte 1996 in einer Schrift für die Deutsche Kommission Justitia et Pax mit Verweis auf Kohlhammers Artikel, dass die Existenz eines Feindbildes Islam keineswegs ausgemacht sei. Ob wirklich im Westen ein Wechsel der Feindbilder stattgefunden habe, vom Kommunismus zum Islam, sei umstritten.
Auch Eberhard Seidel, Claudia Dantschke und Ali Yıldırım, die im Jahre 2000 für Die Grünen im Europäischen Parlament eine Dokumentation über den Islamismus erstellten, bezweifelten die These vom Islam-Feindbild. In Deutschland, so brachten sie vor, deute „wenig bis nichts auf ein aktuelles Feindbild Islam hin.“ Ansonsten wäre die Aufnahme von Hunderttausenden muslimischer Flüchtlinge aus Bosnien politisch ebenso wenig durchsetzbar gewesen wie die der Flüchtlinge aus dem Libanon, Afghanistan, der Türkei, Pakistan, Indonesien, dem Irak und dem Iran. Die Autoren der Dokumentation bemängelten außerdem, dass die Vertreter der Feindbild-Islam-These „bis heute“ eine Antwort auf die Fragen schuldig geblieben seien, wer dieses Feindbild konstruiere und wie es zur ideologischen Homogenisierung und zur Mobilisierung für das eigene westliche System genutzt werde.

Eine der wichtigsten Veranstaltungen in den späten 1990er Jahren, die sich der Bekämpfung des Feindbilds Islam widmete, war die Bremer Islam-Woche von 1997, die von dem Religionswissenschaftler Tilman Hannemann organisiert wurde. Der Bremer Bürgermeister Henning Scherf (SPD), der die Veranstaltung mit einem Grußwort eröffnete, sagte darin:
„Das vor allem durch Fernsehen und Zeitungen bei uns vermittelte Bild des Islam erzeugt bei vielen Menschen eher Angst und Mißtrauen als Sympathie und Hoffnung. Die Bilder und Schlagzeilen von Massakern und Terroranschlägen, angeblich im Namen Allahs verübt, lassen den Islam als Religion der Gewalt, der Unbarmherzigkeit und Menschenfeindlichkeit erscheinen. […] Mit Islam verbindet man Terror, religiöse Intoleranz, die Unterdrückung der Frau, ein unmenschliches Strafrecht, Mißachtung der Menschenrechte. Dieses Bild ist falsch. Wir müssen es korrigieren.“
Das Feindbild Islam war bei der Bremer Islam-Woche auch spezielles Thema eines Vortrags des Göttinger Soziologen Lutz Hoffmann. Darin vertrat er die These, dass moderne Gesellschaften nicht ohne Feindbilder auskämen, und man daher den Islam erfinden müsste, wenn es ihn nicht schon gäbe. Allerdings stimmte Hoffmann den Kritikern des Konzepts darin zu, dass das Feindbild Islam „kaum mehr als ein Klischee“ sei, „ebenso grob geschnitzt und denuziatorisch wie das, was sie entlarven will.“ Er wolle versuchen zu klären, was „das Feindbild Islam“ eigentlich zum Feindbild mache und welche Bedeutung es für seinen Benutzer habe. Gegenüber dem Feindbild Judentum trage das Feindbild Islam immer noch rudimentäre Züge. Zwar habe er nicht vor, die Existenz eines Feindbildes Islam empirisch nachzuweisen, weil dafür viel ausgedehntere Studien notwendig seien, doch wolle er eine Theorie des Feindbildes im Allgemeinen und des Feindbildes Islam im Besonderen zu entwerfen, um solche empirische Studien zu ermöglichen. Sein Versuch, das Feindbild Islam zu analysieren, bedeute jedoch nicht, dass er denjenigen in den Rücken fallen wolle, die sich kritisch mit konkreten Phänomenen auseinandersetzen, die – zu Recht oder Unrecht – mit dem Islam in Verbindung gebracht würden.
In seiner Analyse versuchte Hoffmann zu zeigen, dass Feindbilder stets zum kognitiven Inventar einer modernen Gesellschaft gehören und einen Teil von deren „Gegenideologie“ bilden. Die Gegenideologie beschreibe nicht, wie der „Feind“ wirklich sei, sondern wie er erscheinen müsse, um für die Gesellschaft die Funktion eines Feindbilds wahrzunehmen. Sie bilde nicht Fakten ab, sondern konstruiere eine Wirklichkeit. Die Konstruktion des feindlichen Kollektivs und seines Umfangs sei dabei von der Realität kaum beeinflusst: Es würden diesem Kollektiv Menschen, Gruppen und Phänomene zugerechnet, „die von diesem weder als zugehörig anerkannt werden noch sich selbst als ihm zugehörig betrachten“. Als Beispiel verwies Hoffmann hier auf die laizistische Türkei. Umgekehrt, so brachte er vor, würden andere Individuen, Gruppen und Erscheinungen, die in der gesellschaftlichen Realität zweifellos denen zuzurechnen seien, auf die ansonsten Feindbild abzielt, von dem Vorwurf entlastet, mit dem Feindbild gemeint zu sein. So habe die öffentliche Meinung weder die antikommunistischen Mudschāhidīn zur Zeit der sowjetischen Invasion in Afghanistan noch die muslimischen Bosniaken dem Feindbild Islam zugeordnet. Auch der „fundamentalistische Iran“ sei während des Zweiten Golfkrieges fast völlig aus dem antiislamischen Feindbild gerückt, weil dessen Zentrum von seinem Gegner Irak eingenommen worden sei. Anhand dieser Beispiele versuchte Hoffmann nachzuweisen, dass das Feindbild Islam lediglich Ergebnis eines Konstruktivismus ist. Um die charakteristischen Merkmale des spezifisch antiislamischen Feindbilds kontrastiv herauszuarbeiten, griff Hoffmann auf den Vergleich zum Antisemitismus zurück. Für die Ergebnisse dieses Vergleichs siehe unten den Abschnitt Feindbild Judentum und Antisemitismus.
Der Vortrag von Lutz Hoffmann erschien zunächst 1997 als Sonderveröffentlichung der Ausländerbeauftragten des Landes Bremen und dann erneut drei Jahre später im Rahmen einer schriftlichen Dokumentation der Bremer Islam-Woche. Zu dieser Dokumentation verfasste die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung Marieluise Beck ein Vorwort mit dem Titel „Vom Feindbild Islam zum gegenseitigen Respekt“. Darin äußerte sie, ganz im Sinne der Thesen Hoffmanns, dass sich im deutschen Islam-Bild wie bei jedem Feindbild eher die eigene Befindlichkeit als die Realität der Abgebildeten widerspiegele.
Die Terroranschläge am 11. September 2001 führten dazu, dass die Diskussion über das Feindbild Islam neu angefacht wurde. Dabei gab es sowohl Stimmen, die die These von Feindbild Islam neu bekräftigten, als auch solche, die diese These zurückwiesen.

Nur zehn Tage nach den Anschlägen warnte die Wochenzeitung Die Woche in einem Leitartikel „Feindbild Islam“ vor ideologischer Aufrüstung gegenüber dem Islam. Die palästinensische Christin Sumaya Farhat-Naser behauptete am 18. September 2001 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass das Feindbild „Islam“ seit Jahren bewusst geschürt würde und einen Vorwand für noch mehr Kontrolle über die islamischen Staaten liefere.
Jochen Hippler und Andrea Lueg gaben 2002 eine aktualisierte und erweiterte Neuauflage ihrer Aufsatzsammlung heraus, diesmal unter dem ergänzten Titel „Feindbild Islam oder Dialog der Kulturen“. Darin konstatierten sie, dass es nach den Terroranschlägen vom 11. September die Tendenz gegeben habe, „die Warnung vor einem Feindbild Islam für den gutgemeinten, aber etwas naiven Versuch zu halten, die Augen vor den Gefahren der muslimischen Welt zu verschließen.“ Lueg teilt mit, dass einige Stimmen die Kritik am Feindbild Islam fälschlich als kritiklose Akzeptanz sämtlicher Vorgänge in islamischen Gesellschaften dargestellt hätten. Dies sei aber nicht richtig. Wer vor falschen Bildern und Klischees warne, sei deshalb noch lange nicht blind für politische Interessen, Fehler, Ungerechtigkeiten und Gefahren. Und wer vor einem Feindbild Islam warne, sei deswegen noch lange kein Freund von Islamisten, noch nicht einmal notwendigerweise ein Freund des Islam. Bei ihrer Warnung vor dem Feindbild Islam gehe es ihnen aber darum, nicht in die Falle eines eigenen kulturellen Hochmuts zu gehen, der einem die Sicht vernebele: Sobald man nämlich die Welt vor allem in den leichten Schwarz-Weiß-Schemata – wir sind die Guten, die anderen die Bösen – wahrnehme, mache man sich Illusionen über den eigenen Grad der Zivilisiertheit.
Lueg kritisierte in ihrem eigenen Beitrag, dass sich an der medialen Darstellung des Islams seit Anfang der 1990er nichts geändert habe. Auf Buchdeckeln und Zeitschriften-Covern fänden sich immer noch ähnliche Begriffe, die klischeehaft mit dem Islam verknüpft würden wie zuvor: „Fanatische Kriege im Namen Allahs“, „Jeder Muslim eine Bombe?“, „radikale Gotteskrieger rüsten auf“ in Der Spiegel vom 15. Oktober 2001, sowie „Mohammeds zornige Erben. Neue Serie: Die Wurzeln des Hasses“ im Stern vom 25. Oktober 2001. Auf dieser pragmatischen Ebene der entworfenen Bilder sei die Diskussion um das Feindbild Islam noch nicht angekommen. Die Tatsache, dass die deutsche Bundesregierung Ende 2000 in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Fraktion der CDU/CSU im Deutschen Bundestag zum „Islam in Deutschland“ darauf hingewiesen hatte, dass der Titel dieser Anfrage eine inhaltliche Verkürzung darstelle, weil es den Islam „als monolithischen Block“ nicht gebe, wertete Lueg allerdings als Beleg dafür, dass die Diskussion um das Feindbild Islam bis zur Bundesregierung vorgedrungen sei.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt das Feindbild Islam auch in der Zeitschrift Marxistische Blätter, die ihm 2005 ein Schwerpunktheft widmete. Darin wurde die These vertreten, dass das Ende des Warschauer Pakts und die Auflösung der Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre die imperialistischen Mächte vor die Notwendigkeit gestellt habe, das Feindbild Kommunismus durch ein neues zu ersetzen, um die Beibehaltung des gigantischen militärischen Droh- und Interventionsapparats der NATO-Staaten zu rechtfertigen. Der militärpolitische Diskurs habe daher die „neuen Risiken“ erfunden. Für den Massengebrauch sei dies aber zu komplex gewesen. Deswegen habe sich der Rückgriff auf das „vertraute“ Feindbild Islam angeboten. Spätestens mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sei es dann gelungen, dem Feindbild Islam einen festen Platz in den Ängsten der Bevölkerungsmehrheit der „Ersten Welt“ zu verschaffen. Die Beiträge des Heftes beruhten auf den Referaten einer Tagung der Marx-Engels-Stiftung vom April 2005. Nach Karin Rührdanz, die den Hauptbeitrag des Schwerpunktheftes schrieb, war einer der Gründe für die Wiederbelebung des Feindbildes Islam das von den Protagonisten neoliberaler Hegemonie im Islamismus vermutete Potential zum Widerstand und zur Entwicklung alternativer Gesellschaftsmodelle gewesen.
Die Anschläge vom 11. September 2001 lösten aber auch eine neue Welle der Kritik gegenüber den Feindbild-Islam-Warnungen aus. Wolfgang Günter Lerch nannte sie einen Monat später in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das „vorwurfsvolle Gerede“ vom Feindbild Islam und kritisierte, dass jeder, der „zu realistischen Urteilen riet, […] mit Panikmachern in einen Topf geworfen“ worden sei. Das „Feindbild Islam“ habe man auch jedem unterstellt, „der auf gewissenhafte Feststellung von Gemeinsamkeiten und Grenzen drang und dem unbegrenzten Relativismus der sogenannten Postmoderne mißtraute“. Die Zeitschrift Merkur reagierte noch im Oktober 2001 mit einem Neuabdruck des kritischen Aufsatzes von Kohlhammer aus dem Jahre 1995. Jens Bisky kommentierte dazu in der Süddeutschen Zeitung bissig: „Die Geste ist deutlich: Im Merkur sah man damals schon klar.“
Der Politikwissenschaftler Johannes Kandel, der eine Buchrezension zur Neuauflage des Buches von Hippler und Lueg schrieb, warf den beiden vor, dass sie darin genau dem Mechanismus erlägen, den sie selbst kritisierten, und Feindbilder produzierten. Schon der Titel des Buches unterstelle, dass es das „Feindbild Islam“ im Singular gebe. Doch gebe es das genauso wenig, wie es „den Islam“ gebe. In seinem Eifer, gegen „das“ Feindbild Islam anzutreten, denunziere Hippler alle, die ernsthaft nach der religiösen, der islamischen Komponente des gegenwärtigen Terrorismus fragen, als Handlanger der Terroristen, die eine Konfrontation zwischen „dem Islam“ und „dem Westen“ provozieren wollten. Wenn Hippler im Ergebnis konstatiere, „daß das Feindbild Islam in den Köpfen der bundesdeutschen Bevölkerung und ihrer Öffentlichkeit tief verankert ist,“ sei das in dieser Pauschalität schlichtweg falsch und seinerseits feindbildfixiert. Außerdem warf Kandel den Herausgebern vor, Verschwörungstheorien aufzustellen, wenn sie dem Westen vorwürfen, „das“ Feindbild Islam zu produzieren, um „andere Politikziele hinter dem Rücken der Öffentlichkeit zu verfolgen“. Johannes Kandel bezweifelte beim Feindbild auch die Existenz längerer geschichtlichen Kontinuitäten.
Auch Wissenschaftler stimmten in diese Kritik an der Feindbild-Islam-These ein. So führte der Freiburger Islamwissenschaftler Rainer Brunner nach einem Artikel, den Rainer Hermann im Dezember 2001 in der FAZ veröffentlichte, die Neigung in Europa und Nordamerika, vor einem „Feindbild Islam“ zu warnen und auf die Nennung kultureller Unterschiede zu verzichten, erneut auf political correctness zurück sowie auf die Diskussion, die der amerikanisch-palästinensische Literaturwissenschaftler Edward Said 1978 mit seinem Buch Orientalismus angestoßen hatte. Seit Said dem Westen vorgeworfen habe, sich den Orient nach seinen eigenen Bildern geschaffen zu haben, plage viele im Westen ein schlechtes Gewissen, das sie mit einem „Sühnestolz“ zu beruhigen versuchten. Brunner gab zu bedenken, dass die mit der Warnung vor dem Feindbild Islam verbundene Naivität eine Sackgasse sei, die auch den Erfolg des Dialogs der Kulturen gefährde. Bassam Tibi klagte nach den Terroranschlägen in Istanbul 2003 darüber, dass erfahrungsgemäß einige deutsche Medien den Vorwurf erhöben, dass man grundsätzlich ein Islam-Feindbild verbreite, wenn man nur über den Islamismus spreche. Dieser Reflex sei politisch korrekt und mit der Warnung verbunden, dass keine Generalisierung über den Islam vorgenommen werden dürfe. Eine fundierte Generalisierung, so Tibi, könne aber helfen, den Blick auf das Problem zu schärfen, wenn dabei Vorurteile vermieden würden. Diese Bemerkung sei wichtig, weil bei den deutschen Warnern vor dem Feindbild Islam häufig diese Differenzierung fehle und eine Verklärung stattfinde.
Eine vermittelnde Position innerhalb dieser Debatte nahm Sabine Schiffer ein. Sie äußerte 2004 in ihrer Dissertation zur Darstellung des Islams in der Presse, dass es sowohl bei den Anhängern der These vom Feindbild Islam als auch ihren Gegnern die Tendenz gebe, sich die jeweils nützlichen und plausiblen Argumente und Beispiele zunutze zu machen, die anderen aber nicht.

Ein neuer Aspekt in der Diskussion über das Islam-Feindbild ab dem Jahr 2000 war, dass nun vor allem Muslimen und islamischen Verbänden zugeschrieben wurde, die These von diesem Feindbild zu vertreten. So schrieben die Autoren der Islamismus-Dokumentation für die europäischen Grünen in diesem Jahr, dass die Islamisten „in ihrer These vom Feindbild“ seit einigen Jahren in Diskussionsveranstaltungen behaupteten, die in Deutschland verübte rassistische Gewalt sei „antiislamische Gewalt“. Sie übersähen absichtlich, dass die rassistische Gewalt christliche rumänische Asylsuchende, katholische Mosambikaner, buddhistische Vietnamesen ebenso treffe wie Türken. Sie verwiesen auch darauf, dass Mehmet Sabri Erbakan, der Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş im April 1997 dazu aufgerufen hatte, „sich nicht durch solche Kräfte beeinflussen zu lassen, die mit inhaltsleeren Etikettierungen wie ‚islamistisch‘ oder ‚fundamentalistisch‘ krampfhaft versuchten, ein Bedrohungsszenario zu schüren und ein Feindbild Islam aufzubauen.“
Bassam Tibi äußerte im Mai 2002 in einem Beitrag für die Wochenzeitung Die Zeit, es sei vonseiten der Muslime in höchstem Maße unaufrichtig, wenn sie im christlich-islamischen Dialog – statt an der in der islamischen Welt sehr weit verbreiteten Dschihad-Deutung des 11. September Kritik zu üben – behaupteten, dies alles habe mit dem Islam nichts zu tun, und man trage zu einem „Feindbild Islam“ bei, wenn „man Mohammed Atta und seinen Meister bin Laden mit dem Islam in Zusammenhang“ bringe.
Johannes Kandel schrieb 2003 anlässlich der Interkulturellen Woche, dass die muslimischen Verbände seit Jahren wiederholten, dass es in Deutschland ein stabiles „Feindbild Islam“ gebe. Empirisch lasse sich dieses jedoch nicht nachweisen, schon gar nicht für die Mehrheit der Bevölkerung. Die Rede vom „Feindbild“ werde den vielfältigen Initiativen und Bemühungen von Behörden, NGOs, Kirchen, Wissenschaft und Medien, Muslimen die Integration zu erleichtern, nicht gerecht. Unterstützung erhielt Kandel von Andreas Jacobs, der im selben Jahr in einem Beitrag für Die Politische Meinung beklagte, dass die These vom Feindbild Islam zum unerlässlichen Bestandteil von Dialogveranstaltungen mit Muslimen geworden sei. Problematisch sei die Feindbild-Islam-These vor allem deswegen, weil hier genau diejenigen Mechanismen bedient würden, die der Dialog mit dem Islam eigentlich kritisieren sollte, denn „auf der Suche nach der Opferrolle“ vermische sich „Zutreffendes allzu leicht mit anti-westlichen Vorurteilen und verschwörungstheoretischen Versatzstücken.“ Ärgerlich sei auch, „dass mancher deutsche Islam-Experte“ gerne der Versuchung erliege, „seinen muslimischen Dialogpartnern bei der Bekräftigung der Feindbild-These allzu eilfertig an die Seite zu treten.“ Die Betonung eines Feindbildes Islam durch die islamischen Verbandsvertreter auf Dialogveranstaltungen diene in Wirklichkeit dem Verweis auf die kulturelle Differenz, der Abgrenzung und der Schaffung von rechtlichen und politischen Freiräumen.
Eberhard Seidel, der schon 1996 Kohlhammers Buch positiv besprochen hatte und zu den Verfassern der Islamismus-Dokumentation für die europäischen Grünen gehörte, erklärte 2003, dass sich das Feindbild Islam für die demokratische Öffentlichkeit empirisch nicht nachweisen lasse. Die Behauptung, Deutschland und seine Bürger pflegten ein Feindbild Islam, sei „ein ideologisches Konstrukt, das in erster Linie den Interessen islamistischer Verbände“ zuarbeite. Es habe deswegen auch nicht der vielen wohlmeinenden Appelle bedurft, denn weder die wirtschaftlichen noch politischen oder gar politischen Interessen Deutschlands machten ein Feindbild Islam opportun. Neben den Bedürfnissen der Muslime müsse man auch das Unbehagen vieler Bürger gegenüber dem Islam ernst nehmen. Es werde nicht geringer, indem man es leugne und seine Existenz „als Ausgeburt des Feindbilds Islam“ denunziere. Sehr ähnlich hatte das Seidel auch schon in der Islamismus-Dokumentation formuliert.
Seidel stütze sich bei seinen Aussagen auf die Ergebnisse einer Erhebung aus dem Jahr 2003, die die beiden Soziologen Steffen M. Kühnel und Jürgen Leibold im Rahmen einer Erhebung des GMF-Forschungsprogramms durchgeführt hatten. Sie hatte ergeben, dass sich die Behauptung von einem besonderen ‚Feindbild Islam‘ nicht bestätigen lasse. Das Feindbild Islam, so hatten Kühnel und Leibold gefolgert, werde nur von bundesdeutschen Intellektuellen sowie von islamischen bzw. islamistischen Gruppen aus unterschiedlichen Motiven beschworen.
Ähnliche Kritik äußerte 2004 die Religionswissenschaftlerin Ursula Spuler-Stegemann in der Einführung zu einer Aufsatzsammlung, die dem „Feindbild Christentum im Islam“ gewidmet war. Sie monierte, dass in der Flut von „mehr oder weniger fachkundigen Büchern“ zum Islam und Terrorismus, die seit dem 11. September 2001 den Markt überschwemmt hätten, das „ohnehin überstrapazierte 'Feindbild Islam'“ zum vielfach instrumentalisierten Klischee geworden sei, insbesondere auch von muslimischer Seite. Die veränderte Stimmung gegenüber der Feindbild-Islam-These fasste Wolfgang Günter Lerch im Dezember 2004 folgendermaßen zusammen:
„Vor dem ‚11. September‘ warnten manche im Westen vor einem ‚Feindbild Islam‘ - manchmal nur, um eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Religion zu verhindern. Nach dem blutigen Ereignis sah man dann genauer hin, entdeckte, daß manches liebgewordene Stereotyp über die ‚abrahamitischen Religionen‘ so nicht der Wahrheit entsprach, wie man es lange für richtig gehalten hatte. Nun ist die Neigung groß, in die andere Richtung zu übertreiben: Der Verharmlosung, die nichts aufklärt, folgt die Dämonisierung, die zu nichts Positivem führt.“

Als im September 2008 die rechtsextreme Bürgerbewegung pro Köln im Verbund mit der gleichgesinnten Bürgerbewegung pro NRW zur Durchführung eines so genannten Anti-lslamisierungskongresses in Köln aufrief und damit große öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zog, war dies für das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln der Anlass zur Durchführung einer Fachtagung zum Feindbild Islam. Im Dezember 2008 lud dann das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) der Technischen Universität Berlin zu einer Konferenz über die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Feindbild Islam und Judenfeindschaft ein. Wolfgang Benz, seit 18 Jahren Leiter des Zentrums, und seine Mitarbeiter hatten in den vergangenen Jahren ihr Aufgabenspektrum ausgedehnt, um andere Feindbilder und Phobien zu erkunden, wobei Antisemitismus mit seinen Denkstrukturen als Paradigma genutzt wurde. Dass die Forscher sich nach Sinti und Roma auch den Muslimen und dem Islam als aktuellem Feindbild zuwandten, löste allerdings Internet-Angriffe islamkritischer Blogger gegen das Zentrum aus und brachte ihm Kritik von Seiten des Publizisten und Politologen Matthias Küntzel ein. Letzterer monierte, dass die Analogie zwischen den beiden Phänomenen „schräg und fatal“ sei, weil sie den Holocaust trivialisiere und islamistischen Terror ignoriere. Benz rechtfertigte sich damit, dass aktuelle Missstände, etwa die Tendenz, für das Fehlverhalten einzelner das ganze Kollektiv in Haftung zu nehmen, es notwendig machten, sich mit dem Feindbild Islam zu beschäftigen. Weitere Kritiker der Konferenz waren Kristina Schröder, die damals noch Köhler hieß und Islambeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion war, der Publizist Henryk M. Broder und Vertreter jüdischer Organisationen. Der Tenor vieler Wortmeldungen war, dass Benz als ZfA-Leiter mit diesem Vergleich die nationalsozialistische Judenverfolgung verharmlose und deren Singularität in Zweifel ziehe.
In einem Meinungsartikel für die Süddeutsche Zeitung, den er gut ein Jahr später veröffentlichte, bekräftigte Benz noch einmal, dass sich derjenige, der sich zu Recht „über die Borniertheit der Judenfeinde“ entrüste, auch das Feindbild Islam kritisch betrachten müsse. Derzeit werde der Islam gedanklich mit Extremismus und Terror verbunden, wodurch alle Angehörigen der islamischen Religion und Kultur mit einem Feindbild belegt und diskriminiert würden. In einer weiteren wissenschaftlichen Veröffentlichung, die 2012 erschien, äußerte Benz, dass sich das auf Ressentiments gegründete, verbreitete Ängste instrumentalisierende Feindbild Islam habe auf einem politisch-sozialen Aktionsfeld etabliert habe, das Impulse von Moscheebau-Projekten, aus Debatten über Kopftuch und Zwangsehe, über die von obskuren Publizisten beschworene Gefahr einer „Islamisierung Europas“ erhalte und der inzwischen uralten Projektion vom „Untergang des Abendlands“ folge.
Die in dieser Zeit stark zunehmende Rolle der Islamfeindlichkeit in den rechtsradikalen und rechtspopulistischen Gruppen brachte 2010 und 2011 auch die beiden Zeitschriften Der Rechte Rand und Inamo dazu, dem Feindbild Islam Dossiers zu widmen. Das Dossier in Der rechte Rand, an dem Alexander Häusler, Jörg Kronauer, Heribert Schiedel und Bernhard Schmid mitwirkten, gab einen Überblick über rechtsextreme Akteuren mit islamfeindlicher Ausrichtung in ganz Europa. Das Inamo-Dossier mit dem Titel „Feind Bild Islam“ enthielt mehrere Artikel zur zunehmenden Islamophobie und einen Artikel von Werner Ruf zum Feindbild Islam bei der NATO. Auch war das Feindbild Islam in dieser Zeit immer wieder Thema in den Zeitungen. So kritisierte Lamya Kaddor im August 2010, dass die Bundespressekonferenz Thilo Sarrazin eingeladen hatte, damit er und Necla Kelek „auf großer Bühne das Feindbild Islam unters Volk bringen“.
Eine der wenigen Personen, die in dieser Zeit die Islam-Feindbild-These zurückwies, war die Religionswissenschaftlerin Petra Klug. Sie kritisierte 2010, dass es „zu den gängigen, aber meist unhinterfragten und empirisch nicht ausreichend geprüften Annahmen im akademischen und öffentlichen Diskurs“ gehöre, dass der Islam zum neuen Feindbild des Westens avanciert sei. Dieses Bild vom Feindbild führe aber ein Eigenleben, „das von den tatsächlich beobachtbaren Äußerungen über den Islam relativ unabhängig ist und seine Relevanz vor allem aus seiner politischen Funktion schöpft.“ Sie äußerte sich auch zustimmend zu den Thesen, die Siegfried Kohlhammer in den 1990er Jahren vorgetragen hatte. Zwar seien sie „zugespitzt und äußerst suggestiv formuliert“, doch wenn man sie „ihres provokativen Gewandes“ entkleide, bleibe der Hinweis, „dass unter dem Vorwand, das Feindbild Islam nicht stützen zu wollen, oft eine gefährliche Relativierung und Verharmlosung betrieben“ werde.
Eine parodistische Verballhornung des Feindbild-Islam-Begriffs findet sich im Titel der von Hartmut Krauss herausgegebenen Aufsatzsammlung Feindbild Islamkritik: Wenn die Grenzen zur Verzerrung und Diffamierung überschritten werden, die 2010 im Hintergrund-Verlag in Osnabrück erschien. Sie resultierte zum Teil aus der Kritischen Islamkonferenz 2008 an der Universität Köln und enthält auch einen Aufsatz des Publizisten und Bundesgeschäftsführers der Bürgerbewegung Pax Europa Conny Axel Meier mit dem Titel „Feindbild Islam kontra Wunschbild Islam“.
Stärker außenpolitisch als innenpolitisch ausgerichtet waren die Zehn Thesen gegen das Feindbild Islam, die der CDU-Politiker Jürgen Todenhöfer 2011 auf etwas mehr als 60 Seiten veröffentlichte. In ihrer Kurzform lauten die Thesen wie folgt:
Erhard Eppler, der das Büchlein in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung rezensierte, kritisierte, dass Todenhöfer in allen zehn Thesen den Westen als Einheit behandelt, obwohl sich Deutschland und Frankreich im Gegensatz zu den USA nicht am Irak-Krieg beteiligt hatten und nie vom Krieg, sondern immer nur vom Kampf gegen den Terror gesprochen hätten. Positiver besprach die Thesen der Religionswissenschaftler Michael Blume. Ihm imponiere, „dass der Christ und Demokrat [sc. Todenhöfer] die Courage zeigt, dem islamfeindlichen Mainstream in Medien, Internet und Teilen der Gesellschaft die Stirn zu bieten“, erklärte er 2012 in einem Wissenschaftsblog.
Todenhöfer thematisierte das Islam-Feindbild 2012 noch einmal in einem Artikel für das Süddeutsche Zeitung Magazin. Hier deutete er den Arabischen Frühling als Aufstand auch „gegen die Zerrbilder des Westens und dessen sorgsam gepflegtes Feindbild Islam.“
Die meisten Beiträge zur Diskussion über das Islam-Feindbild aus der Zeit nach 2012 befassten sich mit seiner Rolle und Instrumentalisierung im Rechtspopulismus und Rechtsradikalismus. Siehe dazu unten den betreffenden Abschnitt.
Hinsichtlich der Frage, aus welchen Elementen sich das Feindbild Islam zusammensetzt, gibt es unterschiedliche Aussagen. Gernot Rotter vertrat 1992 den Standpunkt, dass Brutalität, Unzuverlässigkeit, Geilheit, Irrationalität und Hysterie zu dem Feindbildregister gehörten, das „sich das christliche Abendland über die Jahrhunderte hinweg gegenüber der islamischen Welt zurechtgelegt hat.“ Dieses Feindbildregister zeige sich auch in den Büchern Konzelmanns. Andere Autoren, die sich mit politischen Karikaturen zum Zweiten Golfkrieg beschäftigten, identifizierten Irrsinn und Grausamkeit als zentrale Elemente des Feindbildes Islam. Stefan Butter, der das Feindbild Islam im amerikanischen Spielfilm untersuchte, sieht ebenfalls Irrationalität als einen zentralen Bestandteil dieses Feindbildes.
Ein weiterer Feindbildtopos ist nach Rotter, „dass der Islam und damit die Muslime grundsätzlich gewalttätig und aggressiv seien und somit eine Bedrohung für die abendländische Kultur darstellten“. Ein Aspekt dieses Topos sei der „Feuer-und-Schwert-Mythos“, also die Vorstellung, dass „es das einzige Bestreben des Islam sei, sich ‚mit Feuer und Schwert‘ auszubreiten“. Auch das „Schwert des Dschihad“ wird den Feindbildelementen zugerechnet, die für den Islam stehen. Dies erschien besonders häufig in politischen Karikaturen zum Zweiten Golfkrieg.
Weit vorne unter den Facetten des Islam-Feindbildes in den Medien rangiert nach Rotter außerdem der Topos von der Unterdrückung der Frau in der islamischen Welt. Die Existenz dieses Aspekts des Islam-Feindbilds lasse sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Die Instrumentalisierung des Status der muslimischen Frau zum Feindbildklischee verfolge dabei meist den Zweck, von entsprechenden eigenen Defiziten abzulenken. Eine ähnliche Auffassung vertritt hier wiederum Butter.
Nach Rotter steht der Islam „in unserem Feindbild“ zwar nicht mehr in erster Linie als Hort sexueller Ausschweifung im Vordergrund, doch spielt das Stichwort Harem immer noch eine gewisse Rolle. Peter Heine meinte, dass sich hinsichtlich dieses Stereotyps des Feindbildes Islam eine Umkehrung ergeben habe. So habe der Westen während des Mittelalters und bis in die Zeit des viktorianischen Puritanismus des 19. Jahrhunderts die islamische Welt als einen Hort der ungezügelten Leidenschaft gesehen, in der Gegenwart würden dagegen sexuelle Freiheit und Freizügigkeit als westliche, säkulare Errungenschaft verstanden und die islamische Welt wegen ihrer angeblichen Prüderie, wie sie in der Verschleierung der Frau gesehen wurde, kritisiert.
Nach Silvia Kuske setzt sich das Feindbild Islam aus einer Mischung widersprüchlicher Einzelbilder zusammen, dem „Reichtum“ und der „Macht“ der Ölscheichs, von denen man sich abhängig glaube, der „Gewaltbereitschaft“ der „Terroristen“, dem „Fanatismus“ der „Fundamentalisten“ und dem „Ungebildet-/Unterentwickeltsein“ der Migranten. Susanne Lang meinte, es sei die proklamierte Geschlossenheit von Muslimen und die starke Verpflichtung gegenüber den kollektiv geteilten Werten, die vor dem Hintergrund einer Werte-Öffnung in einer sich pluralisierenden Gesellschaft als „Überlegenheit des Feindes“ empfunden werde.
Grundtenor der meisten Veröffentlichungen der frühen 1990er Jahre zum Feindbild Islam war, dass es das alte Feindbild Kommunismus ersetzt habe. Dies lässt sich mit der Nachwirkung der bipolaren Weltordnung der vorangeganenen Jahrzehnte erklären. Schon Heinz Halm versuchte in seinem Artikel vom Februar 1991, eine Erklärung dafür zu geben, warum das neue Feindbild „an die Wand gemalt“ wird: Es bestehe „dafür offenbar ein Bedarf [...], seitdem das alte des Kalten Krieges nicht mehr schreckt: Die Kosaken sind abgesessen, doch etwas weiter östlich zurren die Tataren bereits die Sattelgurte fest.“ Damit spielte er wahrscheinlich auf das geflügelte Wort an: „Was nützt die beste Sozialpolitik, wenn die Kosaken kommen.“
Gernot Rotter fasste 1992 die These vom Feindbild Islam als Ersatz-Feindbild für das Jahrbuch Frieden 1993 wie folgt zusammen:
„Mit dem Zusammenbruch des Ost-West-Gegensatzes ist uns ein, ja das Feindbild abhanden gekommen, das bislang zur Legitimierung der militärischen Rüstung diente. Um weiterhin eine Politik der Hochrüstung [...] zu rechtfertigen, vielleicht aber auch nur um einen menschlichen Hang nach einem bipolaren Freund-Feind-Denken zu befriedigen, wurde ein neues Feindbild gemalt. Insofern kam Saddam Husseins Überfall auf Kuwait wie gerufen. In den Medien mußte nur noch ,richtig‘ gezeichnet und das Bild mit arabischer Irrationalität und islamischer Rückständigkeit eingerahmt werden. Fertig!“
1994 spitzte Rotter in der Schweizer Kulturzeitschrift Du die These von der zeitlichen Koinzidenz von Saddams Überfall auf Kuwait und dem Verlust des alten Feindbilds noch einmal zu: Dieser Überfall sei exakt zur rechten Zeit gekommen, um der „zivilisierten Welt“ den Islam als neues Feindbild zu präsentieren, „so exakt, dass manche nicht so recht an einen Zufall glauben mochten.“
In den folgenden Jahren wurde diese Argumentation in vielen deutschen Zeitungs- und Büchern wiederholt. Hippler und Lueg erklärten die Konjunktur populärer Literatur über die islamische Gefahr mit einer Identitätslücke nach dem Ende des Kalten Krieges. Das Feindbild Islam sei dabei zur „Krücke für die eigene kulturelle Identität“ geworden. Gerhard Höpp vertrat die Auffassung, dass der Westen nach dem Ende der Ost-West-Konfrontation das Feindbild Islam regelrecht „erfunden“ habe.

Sowohl Lüders als auch Murad Hofmann und später Werner Ruf sahen die Tatsache, dass der damalige NATO-Generalsekretär Willy Claes in einem Interview mit der britischen Tageszeitung The Independent am 8. Februar 1995 gesagt hatte, dass der Aufstieg des islamischen Fundamentalismus in Nordafrika ein Risiko darstelle, das sich weitaus schwieriger eindeutig einordnen lasse als die Bedrohung durch die Sowjetunion, als einen Beleg dafür an, dass der Islam auf außenpolitischer Ebene das neue Feindbild abgebe. Es sei so dem Westen unmittelbar nach Ende des Ost-West-Konflikte gelungen, das neue Feindbild als kollektive Bedrohung zu etablieren.
Nach Werner Ruf ist der Islam schon während des Ost-West-Konflikts instrumentalisiert worden, damals jedoch als wichtige ideologische Gegenkraft gegen den atheistischen Kommunismus. Eine erste, „den Islam“ zum Feindbild erhebende Interpretation eines zwischenstaatlichen Konflikts sei dann auf die Iranische Revolution und die Geiselnahme von Teheran gefolgt. Wie schnell und nahtlos nach dem Zusammenbruch des Ost-West-Systems der Feindbildwechsel vom verschwundenen Kommunismus zum Islam vor sich ging, zeigte nach ihm das französische Verteidigungsweißbuch von 1994, wo festgestellt wird: „Der islamistische Extremismus stellt ohne Frage die beunruhigendste Bedrohung dar. […] Er nimmt oft den Platz ein, den Kommunismus innehatte als Widerstandsform gegen die westliche Welt.“
Die These von dem Feindbild Islam als Ersatz für das Feindbild Kommunismus wurde von einigen Autoren relativiert. Karin Hörner sah es 1993 noch nicht als ausgemacht an, dass das alte Feindbild Kommunismus durch den Islam ersetzt werde. Später vertrat sie die Auffassung, dass diese Vermutung „zu stark dem alten bipolaren Weltbild verhaftet“ gewesen sei. Nach Werner Ruf war es nicht der Islam allgemein, sondern der politisierte Islam, der nach Wegfall des kommunistischen Feindbilds an dessen Stelle rückte. Der Politikwissenschaftler Christoph Weller vertrat die Auffassung, dass sich ein zeitlicher Zusammenhang des Aufkommens des Islam-Feindbilds mit dem Zerfall des Feindbildes Sowjetunion nicht erkennen lasse.
Besonders Kohlhammer erhob Einwände gegen die These, dass der das Feindbild Islam das alte Feindbild Kommunismus abgelöst habe. Diese These implizierte seiner Meinung nach drei Annahmen:
Keine diese Annahmen stimme aber. Die wirtschaftliche Interessenlage der westlichen Länder mache ein Feindbild weder notwendig noch empfehlenswert. In vielen westlichen Ländern gebe es große und wachsende muslimische Minderheiten, die von der westlichen säkularistischen Zivilgesellschaft integriert werden müssten. Die Produktion und Propagierung eines antiislamischen Feindbildes seien dazu nicht geeignet, sondern würden möglicherweise bürgerkriegsähnliche Zustände heraufbeschwören, woran keine der relevanten gesellschaftlichen Gruppen interessiert sei. Eine ähnliche Position vertraten die Autoren der Islamis-Dokumentation für die Grünen im Europäischen Parlament: Weder die wirtschaftliche noch die politische Interessenlage der Staaten der Europäischen Union, so schrieben sie, machten ein Feindbild Islam opportun. Sie würden wenig Nutzen aus ihm ziehen.
Der schnelle Erfolg des Feindbildes Islam nach dem Wegfall des Kommunismus wird auch damit erklärt, dass es sich um ein schon vorher lange latent vorhandenes Feindbild handelte. Allgemein wird davon ausgegangen, dass dieses Feindbild nicht erst mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion, also zu Beginn der 1990er Jahre, entstanden ist, sondern es sich um die Reaktivierung eines im kulturellen Gedächtnis des Westens fest verankerten Feindbilds handelt. Till Bastian spricht von einem „niemals versiegten Traditionsstrom“, auf den sich das Feindbild Islam stützen könne. Das Bild vom Islam als „feindlicher Religion“ sei – so Claudia Ott und Hubert Mohr – innerhalb kurzer Zeit neu belebt worden. Manche Autoren sprechen in diesem Zusammenhang von einem „neuen alten Feindbild“ bzw. „alt-neuen Feindbild Islam“.
Nach Petra Weyland geht es um Stereotypen jahrhundertealten Ursprungs, die sich zu einem neuen Feindbild verdichteten. Es sei diese lange Tradition und „das meist äußerst vage Wissen über den konkreten historischen Hergang“ der damit verbundenen Ereignisse, die „die ganz besondere Plausibilität unseres heutigen Feindbildes Islam“ ermöglichten. Iman Attia vertritt die Auffassung, dass das politische Feindbild Islam aus einem antimuslimischen Kulturrassismus und Orientalismus schöpft, „der sich in kulturellen und Alltagsdiskursen über die Jahrhunderte gehalten und ausdifferenziert hat“.
Manche Autoren machen auch Angaben zum Alter des Feindbilds Islam. Nach Jochen Hippler und Andrea Lueg reichen seine historischen Wurzeln bis zu den Kreuzzügen zurück. Durch das Ende des Kalten Krieges habe dieses alte Feindbild in den 1990er Jahren nur besondere Sprengkraft erhalten. Ähnlich äußerte sich Muhammad Salim Abdullah: der Islam gelte bereits seit dem Konzil von Clermont im Jahre 1095, das mit dem Aufruf des Papstes Urban II. zum Ersten Kreuzzug gegen die „ungläubigen Mohammedaner“ endete, als Erbfeind der Christenheit. Rotter zufolge hat das Feindbild Islam es „tausend Jahre alte Wurzeln.“ Ihm zufolge lässt es sich bis ins frühe Mittelalter zurückverfolgen, „wo von Sarazenenseuche und ähnlichen Dingen die Rede war.“

Thomas Hartmann meinte, dass das Feindbild Islam auch durch die Reconquista der iberischen Halbinsel und die Wiener Türkenbelagerungen in der europäischen Kulturgeschichte tief verwurzelt sei. Nach Udo Steinbach hat sich im Rahmen dieser Konflikte „über weiteste Teile der europäischen Wahrnehmung […] ein Feindbild Islam verfestigt“. Zwar habe es Bemühungen gegeben, den Islam in einem differenzierteren Licht zu sehen, was eine positive Begegnung mit ihm möglich gemacht habe, doch seien diese ohne langfristige nachhaltige Wirkung geblieben. Mit der Abschaffung des Kalifats im März 1924 sei das Feindbild Islam gegenstandslos geworden, dann aber nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes wieder hervorgetreten. Nach Rotter wurde das Feindbild Islam zwischenzeitlich immer wieder verschüttet, wurde aber „bei jeder möglichen Gelegenheit wieder hervorgeholt.“ Dass Karl Martell in der Schlacht von Tours und Poitiers angeblich das Abendland gerettet hat, bilde „bei uns“ das scheinbar verinnerlichte Grundwissen eines jeden Schülers, sowie Prinz Eugen, der edle Ritter, der angeblich das Abendland in der Schlacht vor Wien gerettet hat, zum Lehrplan in Geschichte gehöre.
Karin Rührdanz datierte die Entstehung des Feindbildes Islam ebenfalls auf das späte 11. Jahrhundert, meinte allerdings, dass man erst seit Mitte der 1970er Jahre wieder von der Entwicklung eines Feindbildes Islam im eigentlichen Sinne sprechen könne. Nach ihrer Auffassung gibt es beim Feindbild Islam über die Jahrhunderte große Kontinuität; „die Ähnlichkeiten nicht nur in den Argumentationsmustern, sondern selbst hinsichtlich der realen Hintergründe in den ökonomischen und sozialen Umbrüchen und politischen Auseinandersetzungen“ seien oft verblüffend. Werner Ruf meinte, dass das Feindbild Islam seine Wurzeln teilweise „in den Legitimationsmustern imperialistischer Dominanz“ habe, wie sie bereits Edward Said, Aziz al-Azmeh und viele andere treffend beschrieben hätten.

Gernot Rotter erklärte 1994, dass Samuel P. Huntington, Direktor des renommierten Institute for Strategie Studies an der Harvard-Universität im Nachhinein den ideologischen Überbau für das neue Feindbild Islam geliefert habe. Diese Einschätzung wurde von vielen späteren Autoren geteilt. Nach Kai Hafez gehört die Konjunktur von Kulturkampfideologien wie Huntingtons „Kampf der Kulturen“ zu den politischen und ideologischen Konstellationen, die der Instrumentalisierung des Feindbildes Islam Vorschub leisteten. Werner Ruf wies darauf hin, dass in den USA das Feindbild Islam seine politische Aktualisierung schon durch den Aufsatz The Roots of Muslim Rage des prominenten Orientalisten Bernard Lewis erfahren hatte, der im September 1990 in der auf Sicherheitsfragen spezialisierten Zeitschrift The Atlantic erschien. In diesem Artikel sprach Lewis bereits von einem Clash of Civilizations und „der historischen Reaktion eines alten Rivalen auf unser jüdisch-christliches Erbe, unsere säkulare Gegenwart und die weltweite Ausbreitung von beidem.“ Seine Generalisierung in Medien und Politik, so Ruf, habe das Feindbild Islam dann durch Huntingtons im Sommer 1993 in Foreign Affairs erschienenen Aufsatz The clash of civilizations? erfahren. Seitdem sei dieses Feindbild gewissermaßen zum wissenschaftlichen Paradigma erhoben worden. Nur wenige Monate nach dem Erscheinen von Huntingtons Artikel brachte das Middle East Forum (MEF), das 1990 als Sektion des Foreign Policy Research Institute (FPRI) gegründet worden war, Middle East Quarterly heraus, eine Zeitschrift, die Huntingtons Nahoststrategie übernahm. Nach Einschätzung des Executive Intelligence Review trug diese Zeitschrift ebenfalls zur Förderung des Islams als Feindbild bei.
Eine ganz andere Sicht vertraten Eberhard Seidel, Claudia Dantschke und Ali Yıldırım, die 2000 für die Grünen im Europäischen Parlament eine Dokumentation über den Islamismus erstellten. Sie meinten, dass Huntingtons These vom Kampf der Kulturen nicht das Feindbild Islam selbst nähre, sondern die These von diesem Feindbild. Damit sei es jedoch nicht weit her, weil es im Westen neben Huntington auch andere Stimmen gebe wie diejenige des Ex-Präsidenten Roman Herzog, der sich die Widerlegung der These vom Kampf der Kulturen zur Herzensangelegenheit gemacht habe. Die „Abkehr von einem essentialistischen Kulturbegriff“, so heißt es in ihrer Publikation, erfordere, dass man der These vom Feindbild Islam widerspreche, weil sie im Kern die Wiederbelebung der antiquierten Vorstellung sei, es gebe eine Art „Erbkonflikt“ zwischen „Abendland“ und „Morgenland“. Diesen gebe es aber nicht. Eine ähnliche Sicht vertrat Andreas Jacobs 2003. Er warf den Vertretern der Feindbild-Islam-These vor, mit ihrer Annahme der Wiederbelebung eines angeblich historisch verwurzelten Feindbildes selbst dem simplen Interpretationsmuster Huntingtons zu folgen. Sie würfen Huntington erst durch den Vordereingang hinaus, und zwar so, dass alle Nachbarn es sähen, „um ihn anschließend verstohlen durch die Hintertür wieder hineinzubitten“. Sie würden damit zu denen, die sie eigentlich zu bekämpfen vorgeben, nämlich zu „Ideologen des kulturellen Unterschiedes“.
Schon Heinz Halm, der im Februar 1991 die Debatte über das Feindbild Islam eröffnete, machte auf die gefährliche Wirkung einer Medienberichterstattung aufmerksam, „die sich auf suggestive emotionale Mittel bis hin zur Fehlinformation stützt.“ Der Journalist Thomas Hartmann äußerte 1995, dass die westliche Medienkultur mit ihrer Lust an der Zuspitzung und dem Hang zu einfachen Erklärungen das Feindbild Islam befördere. Dies machte er daran fest, dass die Wochenzeitung Die Woche kurz vorher über einem „durchaus differenzierenden“ Dossier getitelt hatte: „Das Schwert des Islam: Terror, Bomben, Bürgerkrieg“. Der Redakteur würde diese Verkürzung möglicherweise damit entschuldigen, dass die Platzvorgabe des Layouts die Wortwahl entschieden habe: „Das Schwert der Islamisten“ sei zu lang und zu schwerfällig oder möglicherweise habe „das andere Bild sprachlich einfach besser“ gefallen. Doch wenn man das „Feindbild Islam“ bekämpfen wolle, müsse man eine größere Sensibilität für die Inhalte entwickeln. Ein Abbau dieses Feindbildes müsste vor allem an seinen subtilen Erscheinungsformen ansetzen.
Anne Hoffmann äußerte 2004, dass der hohe Stellenwert der Islamberichterstattung in den Medien und die in vielen Untersuchungen festgestellten Defizite eben dieser Berichterstattung die Vermutung nahelegten, dass „die Medien für die Entstehung des Feindbildes zumindest mitverantwortlich sind.“ Mario Peucker warnte, dass das „Feindbild Islam“ durch eine einseitige mediale Berichterstattung, die die muslimische Religion überwiegend als irrational, gewalttätig, rückständig und bedrohlich darstellt, suggeriert und weiter gefördert werde. Siegfried Jäger äußerte, dass die mediale Abdeckung des Karikaturenstreits der rigideren Konturierung des Feindbildes Islam Vorschub leiste.
Nach Jochen Hippler kommen im Zusammenhang mit dem Islam folgende Mechanismen der Feindbildproduktion zum Tragen:
Kai Hafez äußerte im Oktober 1995 die Vermutung, dass zwischen dem „Feindbild Islam“ in der allgemeinen deutschen Öffentlichkeit und der aggressiven Ausländerfeindlichkeit ein enger Zusammenhang bestehe, weil der Rechtsextremismus in starkem Maße mit antiislamischen Alltagstheorien („islamische Einwandererheere“, „islamische Überfremdung“ usw.) operiere. Claudia Polzer meint, dass das Feindbild Islam deswegen nahegelegen habe, weil „mittlerweile viele Muslime unter uns leben.“ Nach Udo Steinbach hat das Anwachsen muslimischer Migrantengemeinden in Europa Einfluss auf die Wirkung des Feindbildes Islam gehabt. Nach A. Häusler und H.-P. Killguss baut der antiislamische Populismus auf den nationalistisch hergeleiteten Dualismus eines ethnisierten „Wir“ und „Die Fremden“ auf und kulturalisiert diesen Dualismus zu dem Feindbild der „Fremdreligion Islam“.
Werner Ruf meint, dass alte Vorurteilsstrukturen und rassistische Prädispositionen für das Feindbild Islam (re)aktiviert worden seien. Karin Hörner vertrat die Auffassung, dass Gastarbeiter und Asylanten „als Muster des gefährlich Fremden“ bei der Entstehung des Feindbildes Islam eine entscheidende Rolle gespielt hätten.
Wolfgang Benz erklärte im Zusammenhang mit dem Feindbild Islam, dass Überfremdungsängste, die in der Furcht vor dem „anderen“ und „fremden“ sozialpsychologisch erklärbar seien, eine lange Tradition mit wechselnden Objekten der Abneigung und Ausgrenzung hätten. Den sensationellen Erfolg von Thilo Sarrazins Buch Deutschland schafft sich ab von 2010 sah Benz ebenfalls als Symptom dieser Überfremdungsängste. Werner Ruf meint, dass der Islam zum Feindbild erhoben wurde, um die Menschen, die Muslime, nicht nennen zu müssen.
Außerhalb der Wissenschaft war in den 1990er Jahren die Ansicht verbreitet, dass dem islamischen Fundamentalismus die Hauptschuld für die Entstehung des Feindbilds Islam zukommt. So äußerte zum Beispiel der italienische Theaterregisseur Roberto Ciulli schon im Oktober 1993, dass dieser Fundamentalismus im Westen zum irrationalen „Feindbild Islam“ geführt habe. In einem Beitrag zum Bericht aus Bonn vom 10. November 1995, der den Titel „Feindbild Islam“ trug, wurde die Entstehung dieses Feindbildes muslimischen „Fanatikern“ angelastet, „die mit blutigem Terror den Islam auf Erden verwirklichen“ wollten. Ihre „Untaten“ seien schuld daran, dass Islam und Fundamentalismus „aus westlicher Sicht“ gleichgesetzt würden. Der Medienwissenschaftler Tim Karis deutete diesen Beitrag als ein Beispiel dafür, das sich im Mediendiskurs Islam kritische Betrachtungen zu einem Feindbild Islam mit Topoi verbinden können, die gerade als Ausweis eines solchen Feindbildes gelten.
Allerdings finden sich solche Interpretationen in den 1990er Jahren auch schon innerhalb der Wissenschaft. So stellte das Medienprojekt Tübinger Religionswissenschaft 1994 fest, dass in dem „sogenannten fundamentalistischen Islam“ seit der iranischen Revolution von 1978/79 das Potential bereit liege, „den Kommunismus als Feindbild abzulösen.“ Der Golfkrieg habe die Möglichkeit geboten, dieses Potential zu nutzen. Faruk Şen, Leiter des Zentrums für Türkeistudien, brachte 1996 in einem Leserbrief vor, dass es „die wenigen islamischen Fundamentalisten mit ihren Organisationen“ seien, die innerhalb der westeuropäischen Staaten für ein Feindbild Islam sorgten, während die meisten Muslime hier friedlich nach dem historischen Modell „Nathan der Weise“ gemeinsam mit der christlichen Mehrheit leben wollten. Claudia Polzer äußerte 1999, dass neben der Islamischen Revolution des Ayatollah Chomeini der Zweite Golfkrieg, Gewaltakte verschiedener terroristischer islamischer Gruppen, die Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie und Medienberichte über die Stellung der Frau im Islam das Feindbild Islam in den westlichen Gesellschaften verstärkt hätten. Nach Kai Hafez gehört die Existenz des islamischen Fundamentalismus zu den politischen und ideologischen Konstellationen, die der Instrumentalisierung des Feindbildes Islam Vorschub leisteten.
Angelika Königseder vertritt die Meinung, dass das Feindbild Islam nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York, auf Djerba, in London und Madrid, den blutigen Bildern von Selbstmordattentaten im Irak und der Ermordung des niederländischen Filmemachers Theo van Gogh eine neue Qualität erhalten und sich stärker verbreitet habe. Nach Udo Steinbach waren es die Bilder des brennenden World Trade Center in Verbindung mit blutrünstigen Präsentationen islamistischer Organisationen und Gruppen im Internet, die das Feindbild Islam aktualisierten. Dies sei bis zu dem Punkt gegangen, dass weitgehend nicht mehr zwischen dem Islam als Religion und seinen politisch-militanten Auswüchsen unterschieden worden sei. Ähnlich äußerte sich Wolfgang Benz. Er sagte, die im Namen des Islams begangenen Terrorakte des 11. September 2001 in New York, die „verbrecherischen Taten fanatischer Aktivisten, die Religion missbrauchen“, und die Drohungen islamistischer Extremisten im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts hätten erheblichen Einfluss auf die Emotionen und den Intellekt westlicher demokratischer Gesellschaften gewonnen und damit ein neues Feindbild Islam entstehen lassen. Hans-Eberhard Schultz meinte, dass das Feindbild Islam seit 2013 mit den Salafisten, die zunehmend dämonisiert und verteufelt werden, ein neues, zusätzliches Gesicht bekommen habe.
Auch muslimische Autoren sahen eine Mitverantwortung bei islamistischen Terroristen für die Entstehung des Feindbilds. Navid Kermani schrieb nach den Madrider Zuganschlägen in einem Beitrag für die Süddeutsche Zeitung, dass sich zwar „fast alle Muslime hierzulande und die meisten Islamwissenschaftler […] über das verzerrte Bild, das die Medien vom Islam zeichnen“, ärgerten, dieses Bild aber niemals so sehr in den Vordergrund gerückt wäre, „wenn nicht genug Muslime – Terroristen, Theologen, Staatsführer – exakt jener Karikatur des Islams entsprächen, die den Gläubigen und Kennern aufstößt“. Es möge zwar ein Feindbild Islam geben, aber schlimmer sei, „dass es einen Islam gibt, der sich als Feind geriert.“ Diesen letzten Satz wiederholte Kermani wörtlich im November 2005 bei einem Vortrag in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Beide, das Feindbild Islam und der Islam, der sich als Feind geriert, so versuchte er bei dem Vortrag klarzumachen, bestärkten sich wechselseitig. Kermani äußerte bei dem Vortrag auch, dass er sich zurzeit vielmehr Sorgen um das islamische oder arabische „Feindbild Westen“ als umgekehrt über das europäische „Feindbild Islam“ mache, denn ihn selbst bedrohe der Terrorismus genauso wie sein Publikum. Das Feindbild Islam sei nichts gegen das, was im Namen des Islams an Gewalt geschehe. Die Tatsache, dass bei den Madrider Zuganschlägen Leute als Muslime aufgetreten seien und andere Menschen umbrachten, hätten ihn in eine Lage versetzt, in der es ihm schwer falle und ihm unsympathisch sei, sich „über das Feindbild Islam zu beschweren“. Lamya Kaddor äußerte 2011 in einem Interview, dass die Situation der Muslime in Deutschland bezüglich des Feindbilds Islam vor dem 11. September 2001 eindeutig besser gewesen sei.

Werner Ruf sah „die mit der Globalisierung einhergehenden Prozesse, in deren Folge nicht nur staatliche Handlungsspielräume schrumpfen, sondern auch durch die Transnationalisierung der Ökonomie und durch Prozesse der Migration multikulturelle Lebensformen entstehen“, als einen der Gründe für den schnellen Erfolg des Feindbildes Islam. Er meinte, dass dieses Feindbild Islam auch eine Antwort auf die Globalisierung mit ihrer Transnationalisierung von Migration, Lebensstilen und Kulturmustern parat habe: Der Feind stehe nicht mehr an den Grenzen, er bedrohe „uns“ nicht mehr mit klassischen Armeen, sondern sei „hier, unter uns, überall“. Das Feindbild Islam biete in der globalisierten Welt „den einzigartigen Vorteil, einen Feind zu identifizieren, der 'uns' nicht nur von außen bedroht, sondern der ins Innere unserer Gesellschaft vorgedrungen ist, uns, unsere Werte, unsere Identität gefährdet“.
Der Mediziner und Publizist Till Bastian vertrat die Meinung, dass das Islam-Feindbild ein Ablenkungsmanöver sei, das „die inneren Widersprüche unserer Lebensform“ verdecke. Hippler und Lueg erklärten 1993, die Feindbildproduktion bezüglich des Islams habe nur partiell etwas mit den Realitäten des Orients, dafür aber umso mehr mit dem westlichen Bedürfnis nach Selbstvergewisserung zu tun. Hippler zufolge dient sie „inner-westlicher Identitätsstiftung“. Es gehe um „das sich gegenseitige Bestätigen, wie rational, aufgeklärt und vernünftig wir Westler sind.“ Nach Werner Ruf gewann das Feindbild Islam seine funktionale Dimension vor allem vor dem faktischen Hintergrund der „Inter- und Transnationalisierung unserer Gesellschaften“. Diese habe bewirkt, dass eine Vielzahl von Menschen aus diesem Kulturraum als Migranten präsent seien. Das Feindbild habe so eine zugleich transnationale und innergesellschaftliche Dimension erhalten: Bedroht seien „unser“ innerer Zusammenhalt, „unsere“ Kultur und „unsere“ abendländische Werteordnung.
Karin Rührdanz vermutete 2005, dass das Feindbild Islam wie zu früheren Zeiten in starkem Maße der eigenen politischen Stabilisierung und der Disziplinierung der eigenen Bevölkerung dient. Nach Karin Hörner dient das Feindbild Islam vor allem der Stärkung der Gruppenkohäsion. Wer seine Identität bestimmen und verteidigen müsse, habe so ein Feindbild nötig. Ohne Krise und Verunsicherung gebe es keine Identitätsdebatten. Die Einheit des Feindes garantiere eine scharfe Grenze der Wir-Gruppe. Der „monolithische“ Charakter des Feindbildes Islam liefere genau das: eine starre Grenze.
Deniz Başpınar illustrierte die Funktion der Selbstvergewisserung des Islam-Feindbilds am Beispiel des belgischen Burkaverbots von 2010: Während die belgische Regierung sich in der Vergangenheit auf nichts habe einigen können, habe sie bei diesem Verbot Einigkeit demonstriert. Daraus schloss sie, dass es diesem Gesetz gar nicht darum gehe, Frauen zu helfen, sich aus patriarchalischer oder religiöser Bevormundung zu befreien. Vielmehr vergewissere sich Belgien, das um die Einheitsfrage ringe, sich mit einer solchen Abstimmung lediglich seiner eigenen Konsensfähigkeit.
Nach Sabine Schiffer sind die Funktionen des Feindbildes Islam wie auch anderer Feindbilder:
Stefan Butter zufolge erfüllt das Anprangern der Unterdrückung von Frauen im Islam die klassische Feindbildfunktion der Projektion: So wie das Feindbild des südafrikanischen Apartheidsregime es möglich mache, den Rassismus in der eigenen Gesellschaft zu verdrängen oder zumindest als marginal darzustellen, ermögliche das Feindbild Islam dasselbe für den Sexismus. Mit Hinblick auf amerikanische Filme, in denen Frauen von männlichen Helden vor Arabern oder Muslimen gerettet werden, gelangte er zu der Schlussfolgerung, dass das Feindbild Islam dazu dient, die eigene traditionelle Geschlechterordnung nicht zu hinterfragen, sondern zu zementieren.
Mehrere Autoren befassten sich mit dem Verhältnis zwischen dem Feindbild Islam und dem weggefallenen Feindbild Kommunismus. Karin Hörner sah bei beiden Feindbildern „ähnliche Bausteine“ und meinte, dass „das ältere Traditionsmuster des Feindbildes Kommunismus als Folie des Feindbildes Islam klar erkennbar“ sei. So sah sie zum Beispiel in der Tatsache, dass Scholl-Latour bei den Beschreibungen in seinem Buch Allah ist mit den Standhaften den marxistisch getönten Ausdruck „Unterproletariat“ wählte, einen eindeutigen Beleg dafür, dass er das alte Feindbild des „kommunistisch-proletarischen Bürgerschrecks“ auf den Islam übertragen hatte. Das Medienprojekt Tübinger Religionswissenschaft gelangte zu dem Ergebnis, dass auf der Ebene der Sprachbilder „die Schablone für das 'Feindbild Kommunismus' auf den Islam übertragen“ worden sei; der „alte Feind Islam“ sei dabei „stellenweise recycled“ worden. Ähnlich äußerte sich die mit diesem Projekt verbundene Silvia Kuske: Beim Feindbild Islam, das vor allem im Sprachgebrauch zum Ausdruck komme, zeigten sich ihrer Beobachtung nach „erstaunliche Parallelen“ zu den im Kalten Krieg verwendeten Metaphern. Lutz Hoffmann meinte, dass beide Feindbilder das schon dem Antisemitismus geläufige Etikett der „asiatischen Gefahr“ und die damit verbundenen Bilder von Fluten und Dämmen verbinde. Gemeinsam sei beiden auch der Vorwurf, im Gegensatz zu „uns“ nicht auf die Menschenrechte zu achten.
Kai Hafez betonte dagegen Unterschiede zwischen den beiden Feindbildern Kommunismus und Islam. Er meinte, dass die Behauptung, dass das Feindbild Islam das Feindbild Kommunismus nach dem Ende des Ost-West-Konflikts abgelöst hat, insofern zutreffend sei, „als in der deutschen Gesellschaft kontinuierlich die Existenz negativer Fremdbilder zu beobachten“ sei. Im Unterschied zum Feindbild Kommunismus sei das Feindbild Islam aber „kein weitgehend realistisches Abbild des politisches Gegners, sondern ein auf problematischen deutschen Wahrnehmungstraditionen des Orients basierendes Zerrbild einer benachbarten Kultur“. Die Verlagerung zum Kulturellen bewirke jedoch, dass sich das Feindbild Islam nicht in die alten Rechts-Links-Kategorien füge, sondern potentielle Akzeptanz in allen Gesellschaftsbereichen der deutschen oder westlichen Kultur finde. Die unterschiedlichen Gruppen- und thematischen Zusammenhänge sowie die „Öffnungs- und Verschlußmechanismen des Islambildes im Rechts-Links-Gefüge“ erschwerten es jedoch seiner Ansicht nach, von einem einheitlichen „Feindbild Islam“ in der deutschen Öffentlichkeit zu sprechen. Das Feindbild Islam sei „inkonsistent, launisch, tauch[e] auf und ab und [werde] einmal von dieser, einmal von jener Gruppe aktualisiert“. Die Ursache für dieses Verhalten sei im unterschiedlichen Charakter der Abbildungsgegenstände – Kommunismus/Realsozialismus oder Islam – zu suchen.
Anne Hoffmann sieht in den Lagerbildungen während der Debatte um die Verleihung des Friedenspreises an Annemarie Schimmel 1995 und nach dem 11. September 2001 einen Beleg für die von Hafez postulierte „Launenhaftigkeit“ des Feindbildes Islam, weil 1995 Linke als Feinde und Rechte als Freunde des Islam aufgetreten seien, während nach den Terroranschlägen 2001 Rechte eher dazu tendiert hätten, im Islam den Feind zu sehen, und Linke dazu geneigt hätten, den islamistischen Terror mit der Rücksichtslosigkeit der USA zu entschuldigen.
Um die charakteristischen Merkmale des antiislamischen Feindbilds kontrastiv herauzuarbeiten, griff der Soziologe Lutz Hoffmann auf den Vergleich zum Antisemitismus zurück. Die fünf charakteristischen Merkmale von Antisemitismus und Feindbild Islam sind ihm zufolge:
Werner Ruf mutmaßte 2012 sogar, dass das Feindbild Islam seine Wurzeln „in alten antisemitischen Klischees“ habe. Autoren, die sich ab den späten 2000er Jahren zu dem Verhältnis zwischen Feindbild Islam und Antisemitismus äußerten, beobachteten eher eine negative Korrelation zwischen den beiden. So äußerte Wolfgang Benz 2010 in einem Meinungsartikel für die Süddeutsche Zeitung und 2012 erneut in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung zur Islamfeindlichkeit, dass sich das Feindbild Islam „zuweilen eines aggressiven, aufgesetzten Philosemitismus“ bediene. Pascal Beucker wies 2009 in einem Artikel für die Jüdische Allgemeine darauf hin, dass die das Feindbild Islam fördernde rechtsextreme Partei Bürgerbewegung pro Köln mit angeblicher Israel-Freundlichkeit Politik macht. Ähnliche Beobachtungen machte Farid Hafez. Nach ihm suchen die europäischen Parteien der Neuen Rechte Europas bewusst den Schulterschluss ihrer Parteikollegen in Israel, um „sich vom Antisemitismus reinzuwaschen“. Dabei helfe das gemeinsame Feindbild Islam. Werner Ruf nahm sogar an, dass bereits nach dem Ende des Kalten Krieges der Westen und Israel mit dem Islam ein gemeinsames Feindbild erhalten hätten.
Nach Gernot Rotter steht dem Feindbild Islam im Orient bzw. in der arabischen Welt ein Feindbild „Westen“, „christliches Abendland“ u. ä. gegenüber. Dieses macht sich dort ihm zufolge mit Vorliebe an den USA fest. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass islamistische ägyptische Autoren wie Anwar al-Dschundī, der der Muslimbruderschaft zugehörige Journalist Hāmid Sulaimān und viele andere muslimische Autoren in ihren Schriften weitgehend immer wieder denselben Katalog von Feindbildelementen bieten, wobei sich zum Teil erstaunliche Parallelen zum westlichen Islam-Feindbild erkennen ließen. Dem Westen würden hier Aggressivität, Expansionsdrang und Intoleranz vorgeworfen, geistige Dekadenz, Verfall der Sitten und Degradierung von Frauen zu Lustobjekten. Das von islamistischen Autoren entworfene Zerrbild vom Westen sei oft genauso undifferenziert wie „unser Feindbild vom Islam“. Auch das westliche Vorurteil von der Unterdrückung der Frau beziehungsweise dem exzessiven, in der Institution des Harems manifestierten Sexismus habe im West-Feindbild der Islamisten eine spiegelbildliche Entsprechung, insofern als von diesen die westliche Frau als sexuell ausgebeutet dargestellt werde.
Über die Frage, welches Feindbild zuerst da war, gibt es unterschiedliche Ansichten. Nach Rotter sind im Gegensatz zum Feindbild Islam, dessen Wurzeln sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lassen, für das Feindbild „christliches Abendland“ Ansätze nicht vor dem 19. Jahrhundert feststellbar. Es handele sich im Gegensatz zum Feindbild Islam also um „ein junges Feindbild“. In einem Interview mit dem Journalisten Christoph Burgmer äußerte Rotter, es sei „eigentlich das neu eskalierende Feindbild des Westens gegenüber dem Islam, das innerhalb der islamischen Welt ein Gegenfeindbild hervorgerufen hat“. Udo Steinbach ging sogar noch weiter und äußerte die Auffassung, dass das im Westen ausgeprägte Feindbild Islam in der islamischen Welt nur bedingt seine Entsprechung in einem Feindbild Westen finde. Anhand des Buches „Unter dem Halbmond“ von Helmuth von Moltke (1800–1891) versuchte er aufzuzeigen, das die Art von emotionaler Abneigung auf islamischer Seite hinsichtlich der historischen Tiefe und der geopolitischen Tragweite mit dem im Westen gehegten Feindbild Islam kaum vergleichbar sei. Ihm zufolge ist das in Europa entstandene und gehegte Feindbild Islam in seiner Erscheinungsform und seinen Auswirkungen diffuser und wirkmächtiger als das Feindbild Westen, das „hier und da in der islamischen Welt generiert“ werde.
Dagegen ergänzten und bestätigten Gerhard Höpp zufolge die verschiedenen Varianten des Feindbildes Islam nur das bereits bestehende das Feindbild „Westen“. Ähnlich meinte Wolfgang Benz, dass das Feindbild Islam der Populisten im Westen nur eine Erwiderung auf das im arabischen und islamischen Kulturkreis von Demagogen propagierte Feindbild Westen sei. Sabine Schiffer gab zu bedenken, dass der Verweis darauf, dass die andere Seite das Feindbild Der Westen kultiviere, kein „Gegenbeweis einer Feindbildkultur des Westens gegenüber dem Islam“ sei. Dieser Auffassung schloss sich 2008 Khola Maryam Hübsch an: Die Kultivierung eines Feindbildes „Westen“ könne noch nicht als Widerlegung des Feindbildes Islam gewertet werden.
Henner Fürtig und Gerhard Höpp versuchten 1998 in einem Aufsatz die „dialogischen Beziehungen“ zwischen dem Feindbild „Islam“ nach dem Ende des Ost-West-Konflikts im „neuen Westen“ und dem Feindbild „Westen“ im islamischen Orient deutlich zu machen. Nach Höpp sind beide von derselben essentialistischen Art: Samuel P. Huntingtons These vom clash of civilizations und Ataullah Bogdan Kopanskis „clash between Blind Reason and Living Faith“, die Neue Weltordnung der USA und das das gleichbedeutende arabische Konzept an-niẓām al-ʿālamī al-ǧadīd der Islamisten, der westliche Orientalismus und der islamische Okzidentalismus (istiġrāb).
Eine reziproke Beziehung zwischen Feindbild Islam und islamischem Fundamentalismus auf der Mikroebene beobachtete der Soziologe Wilhelm Heitmeyer bei muslimischen Jugendlichen in Deutschland. Die islamischen Fundamentalisten seien „von einem Feindbild Islam geradezu abhängig“, äußerte er 1997 auf einer Diskussionsveranstaltung in Mainz. Die Religionspädagogin Lamya Kaddor postulierte 2017 sogar eine Interessenübereinstimmung zwischen islamistischen Terroristen und Islamhassern: Beiden gehe es darum, „einen Keil zwischen Muslime und Nichtmuslime“ zu treiben und ein „Feindbild Islam“ aufzubauen. Mouhanad Khorchide gab 2022 zu bedenken, dass die „Identitätsfalle, in der der Islam und Europa als Feindbilder gegeneinander ausgespielt werden, […] immer mehr von den Rändern in Richtung Mitte der Gesellschaft“ rücke.

Da den Medien eine wichtige Rolle für Entstehung und Erfolg des Feindbildes Islam zugeschrieben wurde (siehe oben), wurde auch immer wieder diskutiert, ob und in welchem Umfang es ein solches Feindbild in den Medien überhaupt gibt. Claudia Ott, die an dem Tübinger Medienprojekt mitgewirkt hatte, äußerte sich 1993 ziemlich optimistisch und gab die Einschätzung ab, dass man aus dem Golfkrieg gelernt habe. Im Bereich der BILD-Zeitung und der Boulevardpresse habe sich zwar so gut nichts geändert, aber vom Stern an aufwärts sei die Berichterstattung über den Islam vorsichtiger und differenzierter geworden. Zwar gebe es auch hier noch „Berichte, die den Islam als Feindbild propagieren“, doch hätten sich neue Stimmen zu Wort gemeldet, „die diesen Meinungsmachern eine eigene Interpretation entgegensetzen“ würden.
Demgegenüber waren die Einschätzungen der meisten späteren Beiträge zu diesem Thema wesentlich negativer. Der Bildungsforscher Thomas Kliche gelangte 1998 zu der Einschätzung, dass „auf der Ebene der Akteursbeschreibungen [...] das Islambild der Printmedien unverkennbar die Merkmale eines Feindbildes“ aufweise. „Feindbild“ heißt dabei für ihn die Vorstellung eines sozialen Akteurs von einem anderen, die (1) das Gegenüber zu einem geschlossenen Gebilde homogenisiert, (2) es auf wenige Merkmale vereinfacht, (3) ihm Angriffslust unterstellt, (4) ihm negative Kognitionen, Emotionen und Konnotationen zuschreibt, (5) bereit ist, diese zu erwidern oder ihnen zuvorzukommen, wobei (6) der Akteur sich selbst als defensiv und positiv wahrnimmt.
Der Kommunikationswissenschaftler Kai Hafez, der sich in seiner Habilitationsschrift mit dem Nahost- und Islambild der deutschen überregionalen Presse zwischen 1955 und 1994 befasste, kam darin zum Ergebnis, dass sich die These eines medialen „Feindbildes Islam“ quantitativ erhärten lasse. Gegenstand seiner Untersuchung waren die Pressemedien Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Der Spiegel und Stern. Er machte die Existenz eines Feindbildes in den untersuchten Pressemedien an einer „Konzentration auf Negativereignisse“ ab der Aktivierung der Islamberichterstattung durch die Iranische Revolution von 1978/79 fest: An die Stelle einer Berichterstattung über neutrale Ereignisse im Zusammenhang mit den verschiedenen Erscheinungsformen des Islams sei „ein selektiver Aufmerksamkeitszuwachs nahezu allein für die (extremistisch)-fundamentalistische Spielart des Islam erfolgt.“ Diese Ereignisselektivität sei ein zentraler Bestandteil eines Feindbildes.
2006 bekräftigte Hafez in einem Vortrag für die Deutsche Islam-Konferenz, dass die These vom „Feindbild Islam“ mit den Methoden der empirischen Sozialforschung hinreichend belegt worden sei. Es gebe eine permanente und seit Jahrzehnten bestehenden Fixierung großer seriöser Medien auf dieses Feindbild. Zwar kämen in Artikeln und einzelnen Radio- und Fernsehsendungen auch viele Kritiker des Feindbildes Islam zu Wort, aber an der thematischen Grundstruktur und der nachhaltigen Ausrichtung der Medienbeachtung auf den Gewaltkomplex habe sich wenig geändert. Journalisten und Korrespondenten der großen Medien hätten zwar an deutsch-arabischen Mediendialogen teilgenommen und seien lernbereit gewesen, doch zurück in ihren Medien seien sie strukturellen Pressionen und Routinevorgängen ausgesetzt gewesen, die einem Feindbild Islam in die Hände spielten. Allerdings meinte er 2009, dass das Feindbild nicht vollständig ausgeprägt sei, weil der deutsche Mediendiskurs keine propagandistische Einheitlichkeit aufweise und auch eine aggressive Handlungsdimension fehle. Deutsche Eliten und Meinungsführer würden aber häufig zu Stichwortgebern bei der medialen Reproduktion des „Feindbildes Islam“.

Khola Maryam Hübsch, die sich in einer Studie speziell mit der Darstellung der muslimischen Frau in den Medien befasste, kam darin zum Ergebnis, dass die These von dem „Feindbild Islam“ und der stereotypen Darstellung der Muslimin korrekturbedürftig sei, weil „durchaus auch emanzipierte muslimische Frauen porträtiert werden und der Islam in dem Zusammenhang als ungefährliche Religion erscheint.“ Ihre Studie stützte sich auf eine Analyse der Wochenmagazine Der Spiegel und Stern in den Jahren 2003 bis 2005.
Auch der Kommunikationswissenschaftler Tim Karis, der sich in seiner Dissertation mit der Berichterstattung der ARD-Tagesthemen von 1979 bis 2010 befasste, hielt die These, die Medien zeichneten ein homogenes ‚Feindbild Islam‘, für revisionsbedürftig. Schon der Umstand, dass problematische Islambilder in den Medien selbst zum Thema würden, gibt ihm zufolge einen deutlichen Hinweis darauf, dass die Feindbild-These eine ähnliche Vereinfachung darstellt, wie die Vorstellung eines zwischen Islamabad und Mekka homogenen Islams. Der Begriff „Feindbild Islam“ sei als Analyseraster zu grob eingestellt, wodurch es den erzielten Forschungsergebnissen häufig an Trennschärfe fehle, und suggeriere eine homogene und durchgängig negative Medienberichterstattung über den Islam. In Wirklichkeit würden die These vom Feindbild Islam und die Sorge um die Diskriminierung von Muslimen in den Medien regelmäßig selbst zum Thema. Einer der Gründe für die Persistenz des Begriffs in der Forschung liege in seiner hohen Anschlussfähigkeit an massenmediale Aufmerksamkeitskriterien, denn die Zuspitzung auf einen Begriff wie Feindbild Islam ermögliche es der Forschung, die aufgedeckten Missstände in der Medienberichterstattung wiederum massenmedial bekannt zu machen. Die Islambildforschung habe durch die Konzentration auf die Begriffe Feindbild Islam und Islamophobie ihr Verständnis des Phänomens kaum erhöhen können und auch die Details und Nuancen im Mediendiskurs dadurch nicht besser erfasst. „Feindbild Islam“ sei ein eindimensionales Erklärungsmuster, mit dem man brechen und das man zugunsten einer ganzheitlichen Betrachtung des Mediendiskurses Islam aufgeben müsse.
Der Unabhängige Expertenkreis Muslimfeindlichkeit, zu dem auch Kai Hafez gehörte, drückte sich vielleicht aufgrund dieser Kritik in seinem Bericht für das Jahr 2023 etwas differenzierter aus: Auch wenn nicht durchgehend von einem geschlossenen „Feindbild Islam“ der Massenmedien gesprochen werden könne, weil deutsche Medien gewisse Nuancen in der Berichterstattung zeigten, weise der Islamdiskurs deutscher Leitmedien in Presse und Fernsehen bei allen Unterschieden eine deutlich negative thematische Grundstruktur auf. Repräsentative Studien in den 1990er- und 2000er-Jahren hätten eine ausgeprägte Negativ- bzw. Feindbildagenda in führenden deutschen Medien ergeben, auch wenn sie gezeigt hätten, dass einige Medien das Problem des Feindbilds Islam selbst erkannt hätten. An einer anderen Stelle in dem Bericht wird allerdings von einem „virulenten Feindbild Islam der Mainstream-Medien“ gesprochen und konstatiert, dass sich dieses Feindbild „in der breiten öffentlichen Meinung“ aktualisiert habe. Einer der Befunde des Berichtes war, dass nach Wahrnehmung befragter Redakteure und Journalisten bei der Kolportierung des Feindbilds Islam ökonomische Motive eine große Rolle spielen.
Die Auswirkungen des Islam-Feindbilds auf die deutsche und westliche Außenpolitik wurde vor allem in den 1990er Jahren diskutiert. Jochen Hippler, der 1993 zum von ihm mitherausgegebenen Band zum Feindbild Islam einen Aufsatz „Islam und westliche Außenpolitik“ beisteuerte, kam darin zum Ergebnis, dass es solche Auswirkungen nicht gebe. Seine dortigen Ausführungen fasste er mit der Aussage zusammen, dass „der Kern westlicher Außenpolitik sich vom Feindbild Islam nicht sonderlich beeindrucken“ lasse. Für die Außenpolitik tauge es nur mit Einschränkungen, da manche Verbündete des Westens selbst fundamentalistisch seien. Aus diesem Grund gebe es bezüglich des außenpolitischen Feindbildes eine Art Schwebezustand. Das Auseinanderklaffen der holzschnittartigen Feindbildproduktion in Publizistik und Medien und der widersprüchlichen Verwendung des Feindbildes Islam in der konkreten Politik fand er „bemerkenswert“. Allerdings verlieh er seiner Befürchtung Ausdruck, dass Militärs und Politiker „problemlos auf das Feindbild Islam zurückgreifen könnten, wenn die Bundeswehr erst einmal außerhalb des NATO-Gebietes eingesetzt werden dürfe.

Michael Lüders deutete hingegen im September 1995 eine Aussage von Eckart Werthebach, dem damaligen Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, als Beleg dafür, dass „der Islam zunehmend die Rolle eines neuen Feindbildes“ im Staat übernehme. Werthebach hatte zur Sicherheitslage nach dem Ende des Kommunismus gesagt, „daß an die Stelle der früheren Ost-West-Konfrontation ein verschärfter Gegensatz zwischen dem christlich-abendländischen Kulturkreis und einem aggressiven Islamismus treten“ könne. Munir D. Ahmed und Kai Hafez vertraten um dieselbe Zeit die Auffassung, dass konservative Politiker in Deutschland das Islam-Feindbild zur Sicherung ihrer politischen Optionen nach dem Ende des Ost-West-Konflikts nutzten. Die NATO nutze dieses Feindbild Islam „wider besseren Wissens und unter dem Deckmantel der Verteidigungsbereitschaft für die Sicherung ihres Fortbestehens.“ Kai Hafez behauptete 1997 in einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung erneut, dass das Feindbild Islam in Deutschland „heute in der Innen- wie in der Außenpolitik wirksam“ sei. Die Auswirkungen auf die Außenpolitik exemplifizierte er am Beispiel des abgebrochenen „kritischen Dialogs“ mit Iran nach dem Mykonos-Attentat durch den iranischen Geheimdienst.
Naika Foroutan war sich 2004 sicher, dass das Feindbild Islam seit Ende des Ost-West Konfliktes die Sicherheitsstrategie des Westens bestimme. Und Werner Ruf sah 2010 einen Einfluss dieses Feindbildes beim Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan: Die Bundesrepublik Deutschland werde gegen (islamische) „Terroristen“ am Hindukusch verteidigt; deutsche Soldaten schützten afghanische Frauen vor den Taliban und „was noch an abstrusen Gründen für die Rechtfertigung geopolitischer Ziele angeführt werde“. Demgegenüber urteilte Alexander Konrad 2022, dass das mediale Feindbild Islam sich „ungleich schwächer auf politische Handlungen“ ausgewirkt habe, als dies beim Antikommunismus im Kalten Krieg der Fall gewesen sei. Er wies auch darauf hin, dass in den 1990er Jahren Bundespolitiker wie Außenminister Kinkel und Bundespräsident Herzog eher vor einem Feindbild Islam gewarnt hatten, als es zu schüren.

Der Rechtsanwalt Hans-Eberhard Schultz beklagte 2007 und erneut 2018, dass seit der Übernahme des Feindbildes Islam bei der Terrorismusbekämpfung ein verstärkter Abbau von Grund- und Freiheitsrechten von Muslimen und Menschen, denen die Religion Islam zugeschrieben werde, stattfinde. Sie würden zunehmend vom Staat unter Generalverdacht gestellt und ausgegrenzt. Der Fall Murat Kurnaz zeige, was bei der „Beobachtung“ gewaltloser islamischer Gruppen herauskomme: Folterungen und jahrelange Inhaftierung ohne Prozess, die im Rahmen des unerklärten Krieges gegen den „islamistischen Terrorismus“ als alternativlos hingestellt würden. Selbst anonyme Anzeigen könnten aufgrund der Wirksamkeit des Feindbildes Islam anders als in anderen vergleichbaren Fällen ohne einen solchen Hintergrund zu schwerwiegenden rechtswidrigen Eingriffen gegen mutmaßliche „islamistische Feinde“ führen, ohne dass die Justiz bereit und in der Lage sei, in derartigen Fällen konsequent zum Schutze der Betroffenen einzugreifen.
Als Beispiele für den Abbau demokratischer Rechte im Zusammenhang mit der Verschärfung des Ausländerrechts und dem Feindbild Islam führte Schultz an:
Befeuert wird nach Schultz das Feindbild auch durch die mit dem Terrorismusbekämpfungsgesetz eingeführte Sicherheitsbefragung, die gezielt gegen „Terrorismus-Verdächtige“ und „böse Moslems“ eingesetzt werde. Hierbei würden die betroffenen Personen in die Einbürgerungsbehörde geladen und zu ihrem Glauben befragt. Die Versuche des Innenministeriums, das im institutionellen Rassismus etablierte „Feindbild Islam“ mithilfe der Deutschen Islamkonferenz aus dem Dunkel der Geheimdienste an das Licht der „Werte unserer Verfassung“ zu zerren, seien gescheitert. Die Islamkonferenz sei selbst ein Musterbeispiel für die Projekte, mit denen eine zentrale Funktion des Feindbildes vorangetrieben werde: Die Trennung zwischen den guten und den bösen Muslimen.
Zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie Hans-Eberhard Schulz kam Werner Ruf. Er meint, dass das Feindbild Islam Auswirkungen auf den „Gesprächsleitfaden“ habe, der in Baden-Württemberg als „Hilfestellung“ für Gespräche mit Einwanderungsbewerbern erstellt wurde. Er sei von Misstrauen und Angst, teilweise auch Verachtung geprägt und zeige, dass dieses Feindbild in die Poren der Gesellschaft gedrungen sei.
Klagen über innenpolitische Auswirkungen des Feindbildes Islam gibt es auch in Österreich. Als 2018 die rechtskonservative Regierung von Sebastian Kurz Pläne für ein Kopftuchverbot für Kinder ausarbeitete, sprach sich die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) „mit aller Entschiedenheit“ gegen dieses Verbot aus, mit dem Argument, dass damit „ein Feindbild Islam“ gezeichnet werde. Farid Hafez äußerte 2019, dass sich Sebastian Kurz auf das Themenfeld ›Feindbild Islam‹ fokussiert habe, um die FPÖ rechts abzuhängen. Die österreichische Politikwissenschaftlerin Birgit Sauer äußerte 2023, die FPÖ habe trotz ihres eigenen konservativen Frauenbildes angefangen, das Kopftuch zu kritisieren, weil sie ihr Feindbild Islam damit aufbauen könne. Die Partei habe nämlich begriffen, dass sich über die Forderung eines Kopftuchverbots und das Anprangern eines vermeintlich mittelalterlichen Frauenbilds von Muslimen Wählerstimmen gewinnen lassen.
Über die Verbreitung des Feindbildes Islam in der Bevölkerung gibt es keine Erhebungen, sondern nur persönliche Schätzungen. Jochen Hippler meinte schon 1993 feststellen zu können, dass das Feindbild Islam „in den Köpfen der bundesdeutschen Bevölkerung und ihrer öffentlichen Meinung tief verankert“ sei. Ähnlich äußerte sich Petra Weyland 2004: das Feindbild Islam existiere „in weiten Teilen der westlichen Öffentlichkeit, in den Köpfen sehr vieler Menschen“. Der Politikwissenschaftler Ozan Zakariya Keskinkılıç klagte im Februar 2020 im Zusammenhang mit der Enthüllung der Anschlagspläne der rechtsterroristischen Gruppe S. auf Moscheen und Muslime, dass die deutsche Gesellschaft vom Feindbild Islam so tief durchdrungen sei, dass sie Muslime als Opfer gar nicht wahrnehmen könne oder wolle.
Die folgenden Abschnitte geben eine Übersicht über Aussagen zur Entwicklung des Islam-Feindbilds bei verschiedenen geistig-politischen Strömungen.
Die beiden Religionswissenschaftler Tilman Hannemann und Peter Meier-Hüsing konstatierten 2000, dass das Feindbild Islam „Linke und Rechte, Aufklärer, Wertkonservative und nationale Chauvinisten“ eine. Lutz Hoffmann beobachtete 1997 besonders bei Linken eine Anfälligkeit für das Feindbild Islam. Diese erklärte er damit, dass „das Ende des Kalten Krieges sie gründlicher als die Konservativen um ihre bisherige Orientierung gebracht habe“. Silvia Kuske sah gerade darin die integrative Wirkung des Feindbilds Islam im Gegensatz zum Feindbild Kommunismus, dass sich hier auch ein Teil der Linken gegen den Islam habe vereinnahmen lassen, „da sich der Westen als Repräsentant von Zivilisation, Aufklärung und Toleranz von einer angeblich religiös bestimmten Gesellschaft, Moral und Politik abheben“ könne.
Demgegenüber hat bei vielen Rechtsextremen, so Anselm Neft, der nach einem eigenen Bekunden früher ein Rechter war, in den frühen 1990er Jahren das Feindbild Islam noch gar nicht existiert. Seine Einschätzung stimmt mit Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung überein. Phillip Becher, der das Islambild in den neurechten Periodika „Europa vorn“ und „Signal“ zwischen 1989 bis 1999 untersuchte, kam zu dem Ergebnis, dass islamischer religiöser Extremismus auf den Seiten der beiden Zeitschriften zunächst als potentieller globaler Bündnispartner gegen die USA, „den Westen“ und „die Moderne“ betrachtet wurde und erst ab Mitte der 1990er Jahre der Islam mit Nachdruck als neues Feindbild konstruiert wurde. Während Wolfgang Strauß Ende 1994 noch von der „Explosivkraft der nationaldemokratischen Ideen im Dschihad gegen Imperialismus und Kolonialismus“ schwärmte, kündigte sich im Februar 1995 mit einem Leitartikel von Manfred Rouhs, in dem er vor der Islamisierung Deutschlands warnte, die Wende zur Islamfeindlichkeit an. 1996 äußerte der damalige NPD-Aktivist Andreas Molau in einem Beitrag für Europa vorn, dass der Vorwurf, man erkläre den Islam zum Feindbild, keineswegs schrecke, sondern vielmehr zutreffe. Becher zufolge trugen die beiden Zeitschriften Europa vorn und Signal dazu bei, dass das Feindbild Islam später zu einem von der extremen Rechten viel genutzten Vehikel für Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wurde.
Nach Kai Hafez gab es in den 1990er Jahren bei der Aktivierung des Negativbildes des Islams unterschiedliche Verwertungszusammenhänge bei linken und rechten Gruppen: Die Linke, vor allem die alternative Linke, sei besonders geneigt gewesen, Feindbilder zu zeichnen, wenn es um die Frage der Menschenrechte im Islam gehe (Meinungsfreiheit, Frauenrechte usw.), Konservative nutzten dagegen ihr Islambild häufig zur Sicherung nationaler Interessen im In- und Ausland. Die unterschiedlichen Gruppen- und thematischen Zusammenhänge im Rechts-Links-Gefüge würden es erschweren, von einem einheitlichen „Feindbild Islam“ in der deutschen Öffentlichkeit zu sprechen. Wenngleich das Feindbild Islam ein allgemeines gesellschaftliches Phänomen sei, so seien seine Funktionen zum Teil auch an das bestehende Rechts-Links-Schema gebunden. Ähnlich äußerte sich später der Islamwissenschaftler Stefan Weidner. Er gab zu bedenken, dass sich hinter dem gemeinsamen Feindbild Islam der Islamkritiker viele, oft sehr gegensätzliche gesellschaftliche Visionen verbärgen.

Thomas Schirrmacher veröffentlichte 2003 eine Studie über das Feindbild Islam bei der Partei Christliche Mitte und ihrer Vorsitzenden Adelgunde Mertensacker. Die Argumente, die Mertensacker vorbrachte, waren ihm zufolge weitgehend dieselben, die bei evangelikalen Vertretern dieses Feindbildes vorherrschen. Nach Ulrich Dehn folgt auch die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA dem Islam-Feindbild, und zwar zum einen durch Selektion von Nachrichten, die zu bestimmten Pauschalurteilen über Muslime passen (Gewaltbereitschaft, aggressive Mission, die Absicht, Westeuropa zu majorisieren, Unterdrückung der Frauen, Demokratiefeindlichkeit und das Anliegen, ein theokratisches Schariaregime zu errichten) und zum anderen durch unzensierte Wiedergabe von Leserbriefen, die islamfeindliche Argumente aus dem Repertoire der Kleinparteien Christliche Mitte oder Partei Bibeltreuer Christen rezipieren. Lucius Teidelbaum stellte fest, dass bei der christlichen Rechten mit dem Feindbild Islam häufig eine Form von christlicher Menschenrechtsarbeit verbunden ist, womit er Engagement für „verfolgte Christen“ meint. Nach Einschätzung von Farha Khaled, die für die Zeit nach dem 11. September 2001 in den USA eine Islamophobia Industry postuliert, fand die Propagierung eines islamisch-arabischen Feindbilds besonders „unter den Millionen christlicher Zionisten“ ein dankbares Publikum.

Einer kollektiv verfassten Studie von 2025 zufolge hat der Rechtspopulismus spätestens seit den 2000er-Jahren in westeuropäischen Demokratien den Islam als Bedrohung der westlichen Zivilisation zu einem neuen Feindbild aufgebaut. Nach Christoph Busch übernahm dabei die Pro-Bewegung mit der Ablösung des Feindbildes Ausländer durch das Feindbild Islam im rechtsradikalen Parteienspektrum eine Vorreiterrolle.
Alexander Häusler und Hans-Peter Killguss konstatierten 2008, dass das Feindbild Islam „als ideologisches Bindeglied zwischen der extremen Rechten in Europa“ fungiert, und stellten die Vermutung an, dass sich pro Köln mit ihrer propagandistischen Fokussierung auf dieses Feindbild als neue Kraft für andere europäische Parteien attraktiv zu machen versuchte. Häusler beschrieb das Feindbild Islam 2011 als „Erfolgsschlager in der europäischen Rechten“.
Die Einschätzung, dass das Feindbild Islam vor allem bei rechten Gruppen verbreitet ist, verstärkte sich um die Mitte der 2010er Jahre. Dies hatte auch damit zu tun, dass die AfD im April 2016 ihre anti-islamische Rhetorik verschärfte und in ihr Grundsatzprogramm die Aussage aufnahm, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre. Heribert Prantl mutmaßte daraufhin auf der Titelseite der Süddeutschen Zeitung, dass die AfD „angesichts der stark zurückgegangenen Flüchtlingszahlen das Feindbild Flüchtlinge durch ein Feindbild Islam ergänzen“ wolle. Der katholische Theologe Werner Höbsch, Referatsleiter für den interreligiösen Dialog beim Erzbistum Köln, stellte schon Mitte April 2016 die Vermutung an, dass die AfD den Aufbau des Islam-Feindbilds als Mittel zum Stimmenfang betreibe und mit der Behauptung, der Islam wolle die Demokratie zerstören und sei nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, dieses Feindbild bewusst schüre. Für die weitaus größte Mehrheit der Muslime in Deutschland treffe diese Behauptung jedoch nicht zu.

Außerdem spitzte in diesem Jahr die rechtsextreme Zeitschrift Compact, die als Sprachrohr der Neuen Rechten gilt, in einem Spezialheft „Islam. Gefahr für Europa“ das in den Medien verbreitete Feindbild Islam noch einmal zu, indem sie zum „Widerstand“ und zur Bildung einer „Abwehrfront“ gegen die angebliche Islamisierung der deutschen Gesellschaft aufrief. Als am 26. Oktober 2016 in Köln die mit exzessiver Gewalt verbundene Kundgebung der Gruppe Hooligans gegen Salafisten stattfand, interpretierte die Berliner Zeitung diese als schlagartig sichtbar gewordene Annäherung zwischen Neonazis und Neuen Rechten, die ideologisch und im Internet schon seit einigen Jahren stattfinde. „Verbunden durch das gemeinsame Feindbild des Islam“ würden sich „neonazistische Kameradschaften seit einigen Jahren an Online-Projekten der Neuen Rechten“ beteiligen, „etwa in sozialen Netzwerken oder am Online-Pranger ‚Nürnberg 2.0‘, der angebliche Islamfreunde als Angeklagte für einen neuen Kriegsverbrecherprozess auflistet“.
Der Journalist Daniel Bax konstatierte im selben Jahr, dass das Feindbild Islam „heute Rechtspopulisten in ganz Europa“ verbinde und es „ihr kleinster gemeinsamer Nenner“ sei, neben ihrer Ablehnung der Europäischen Union und der von Flüchtlingen. Ähnlich äußerte Filiz Polat in der Bundestagsdebatte über den AfD-Antrag zu Islam und Scharia am 11. Oktober 2018, dass das Feindbild „Islam und Muslime“ seit geraumer Zeit zur Bindekraft rechtsradikaler und rechtspopulistischer Kräfte in ganz Europa geworden sei.
Nicht nur für AfD, sondern auch für den französischen Front National und Donald Trump war 2017 das Feindbild Islam „ein zentrales Element“. Der Rechtspopulismus, so Kai Hafez 2020, habe das Feindbild Islam „als politische Ressource erkannt und abgeholt“. Dieses Feindbild sei virulent vorhanden gewesen und sei nun absolut zentral auch für soziale Bewegungen wie Pegida. Über die Bedeutung des Feindbildes Islams bei Pegida gibt es allerdings unterschiedliche Auffassungen. So meinte Naime Çakır-Mattner, dass ein nicht unerheblicher Teil derjenigen, die bei Pegida mitlaufen, Menschen seien, die Ängsten und Vorurteilen aufsäßen, aber „wohl mehrheitlich (noch) nicht […] von einem geschlossenen Feindbild gegenüber dem Islam durchdrungen“ seien. Christian Bangel beobachtete sogar bei der zweiten Legida-Demonstration in Leipzig am 21. Januar 2015 eine fast vollständige „Abwesenheit des Feindbildes Islam“.
Die in den frühen 1990er Jahren bei Rechtsextremen beobachtete Auffassung, dass der Islam potentieller Bündnispartner für sie sein könnte, ist in ihren Kreisen nie völlig verschwunden. Susanne Schröter wies 2025 in einem Zeitungsartikel darauf hin, dass das Feindbild des AfD-Politikers Maximilian Krah „nicht der islamische Extremismus, sondern der Liberalismus“ ist und diese Haltung von Vordenkern der Neuen Rechten geteilt wird, zu denen Philip Stein, der Initiator des Jungeuropa-Verlags gehört. In diesem Medienunternehmen erschien im Jahre 2023 das Buch Feindbild Islam als Sackgasse. Plädoyer für einen rechten Kurswechsel des rechtsextremen Bodybuilder Frederic Höfer, das, wie Schröter schrieb, „die Schönheit des koranischen Wertekanons und die Standhaftigkeit konservativer Muslime gegen die Versuchungen westlicher Freiheiten besingt.“ Höfer wirbt in seinem Buch für eine Allianz zwischen Rechten und gläubigen Muslimen gegen die vermeintliche Dekadenz des Westens, gegen Feminismus und „Gender-Ideologie“. Hauptthese seines Essays ist, dass das Islam-Feindbild „die außersystemische Oppostion – somit auch die AfD – in eine politische und strategische Sackgasse“ führe, nämlich in diejenige einer „latenten Bürgerkriegsposition“. Das „außersystemisch-oppositionelle Islamfeindbild“, so versuchte er zu zeigen, habe seine Ursprünge in einer speziellen Negativrezeption des Islams, die mit dem 11. September 2001 an Prägnanz gewonnen und sich „für Teile der außersystemischen Opposition zum Negativfixpunkt mit Schlüsselcharakter“ entwickelt habe. Für die marginalisierte „außersystemische Opposition der Vor-AfD-Ära“ sei das Feindbild des „bösartigen Islam“ ein Vehikel gewesen, „um Kritik an Masseneinwanderung und Widersprüchen der Multikultirealität im Rahmen der systemimmanenten Diskursregeln zu artikulieren.“
Höfers Kritik am Islam-Feindbild der Rechten gleicht zum Teil der allgemeinen Kritik an diesem Feindbild. Wenngleich, so schreibt er, es bei den Rechten auch ernstzunehmende kritische Auseinandersetzungen mit dem Islam geben möge, habe „das vulgäre und gehässige Islamfeindbild doch den größeren Fußabdruck hinterlassen“. Entsprechend der im Westen verbreiteten Neigung, dem Hässlichen mehr Realität als dem Schönen zuzugestehen, essentialisiere ihr Islam-Feindbild die Schattenseiten des Islams (Intoleranz, Fanatismus und politischen Missbrauch) zum „wahren Islam“. Die „Islamkritik der Nullerjahre“ samt ihren „diskurslogischen Implikationen“ sei über den Themenkomplex Migration in die AfD eingeflossen und habe in ihr programmatische Gestalt angenommen. Während andere Grundsatzfragen wie Rentenkonzept, Sozialpolititik, EU, NATO usw. manchmal zu Zerreißproben zwischen den Parteiströmungen führten, habe das Islam-Feindbild eine zunehmend konsensstiftende Funktion gewonnen. Aus dem Feindbild Islam lasse sich aber nur kurzfristig Kapital schlagen, und dies nur um den Preis sachlicher Richtigkeit und der theoretisch-strategischen Konsistenz des eigenen Ansatzes. Deswegen solle die Rechte das Feindbild Islam hinter sich lassen.
Einige Autoren, die sich mit dem Feindbild Islam auseinandersetzten, haben auch über Gegenmittel gesprochen. Ulrike Bechmann empfahl 1991 „Realismus und einen Blick für kulturelle Unterschiede, die als Bereicherung der Welt begriffen werden sollten“ als Gegenmittel gegen den Aufbau des Feindbildes Islam. Muhammad Salim Abdullah mutmaßte 1993, dass sich das Feindbild Islam sehr schnell verflüchtigen würde, wenn es einmal vor der Geschichte der eigenen „christlichen Unchristlichkeit“, der europäischen Eroberungszüge, ausgelotet würde, und wenn man die Gemeinsamkeiten der beiden Systeme Islam und Christentum betrachten würde, die Trennendes zwar nicht beseitigen könnten, aber „durchsichtiger und damit berechenbarer machen“ würden. Nach Auffassung von Thomas Hartmann ist eine differenzierende Wahrnehmung der verschiedenen Strömungen des Islam das beste Gegengift gegen die Konstruktion eines Feindbildes Islam. Udo Marquardt gab 1996 zu bedenken, dass derjenige, der der Vorstellung von einer Bedrohung durch den Islam und dem Aufbau neuer Feindbilder entgegentreten wolle, sich auch mit sozialen Strukturproblemen auseinandersetzen müsse; rechtliche und theologische Bemühungen würden dafür kaum ausreichen.
Petra Weyland empfahl 2004 die Dekonstruktion des Feindbildes Islam als eine Maßnahme der Konfliktprävention. Zentral dafür sei es, den Fokus der Aufmerksamkeit vom Islam abzuziehen und Pauschalisierungen zu vermeiden. Zwar hätten al-Qaida, Hisbollah, die Kaplan-Gemeinde und das irakische Regime von Saddam Hussein ohne Zweifel im Namen des Islams terroristische Aktionen ausgeführt, doch sei es ihnen dabei jeweils um sehr unterschiedliche Ziele gegangen. Saddam Hussein zum Beispiel sei es um Machterhalt gegangen und Hamas um nationale Befreiung. Eine präzise Analyse des Einzelfalls und eine Abkehr von der Obsession mit dem Islam seien ein wichtiger Beitrag zum Abbau des Feindbildes Islam und damit zur Konfliktprävention. Dies stimmt mit der Einschätzung des Islamwissenschaftlers Ludwig Ammann überein. Ihm zufolge ist das zentrale Dogma des Feindbilds Islam „die irrige Annahme, es müsse schlechterdings alles, was Muslime tun und lassen, von ihrer Religion, also vom Islam bestimmt oder doch dominant geprägt sein“. Als Beispiel nennt er die Begründung des schlechten Abschneidens von Deutschtürken im deutschen Schulsystem mit dem Islam und nicht ihrer Herkunft aus bildungsfernen Bauerndörfern durch Thilo Sarrazin und Necla Kelek. Als Gegenmaßnahme empfiehlt auch er, das Handeln muslimischer Akteure nicht grundsätzlich über die Religionszugehörigkeit zu erklären.
Die Hamburger Orientalistin Karin Hörner äußerte sich 2009 skeptisch gegenüber Informationsveranstaltungen über „den“ Islam oder über „die Frau im Islam“. Sie seien zwar begrüßenswert, hülfen aber definitiv nicht beim Abschwächen von Feindbildern, weil diejenigen, die ein Feindbild hegten, die Informationsangebote entsprechend filterten und zu solchen Veranstaltungen erst gar nicht hingingen. Hörner empfahl gute Geschichten über Muslime in Form von Filmen und Rollenspielen. Allerdings dürfe man sich nicht zu viel davon erhoffen, weil Feindbilder nur abgeschwächt, nicht aber völlig beseitigt werden könnten.
Der Rechtsanwalt Hans-Eberhard Schultz forderte 2018 die kritische Aufarbeitung des Feindbildes Islam zusammen mit den Feindbild-Mechanismen und -konstrukten; dazu bedürfe es einer Dokumentationsstelle für antimuslimischen Rassismus, die unabhängig, kritisch und nach wissenschaftlichen Maßstäben arbeite. Sabine Schiffer äußerte, dass ein Ziel für die Aufarbeitung des Feindbildes Islam „die Entkoppelung des diskriminierenden Mehrheitsdiskurses von den Quellen des Islam sein“ müsse, „deren Auslegungspraxis oft gar nicht ernsthaft zur Debatte steh[e] und die in den Jahrhunderten zuvor auch kaum eine Rolle spielten, obwohl ebenso existent“. Sie begründete diesen Vorschlag damit, dass der Antisemitismus im 19. Jahrhundert seine Berechtigung mit Stellen aus Torah und Halacha zu belegen versucht habe, man heute aber erfreulicherweise nicht mehr darüber diskutiere, obwohl diese Stellen alle noch da seien. Eine analoge Entwicklung müsse man beim Islam vorantreiben.