

Eine Petroglyphe (von griechisch πέτρος petros „Stein“ und γλύφειν glýphein „schnitzen“, dt. Felsritzung) ist ein in Stein gearbeitetes Felsbild (englisch Rock art – Felskunst) aus prähistorischer Zeit. Anders als bei der Felsmalerei ist eine Petroglyphe graviert, geschabt oder gepickt und damit in den Untergrund eingetieft.
Petroglyphen sind außer in der Antarktis weltweit verbreitet. In Europa gibt es sie seit dem Aurignacien. Damit gehören sie zu den frühesten künstlerischen Äußerungen des anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens).
Oft haben die Darstellungen für die Gemeinschaften, von denen sie stammen, eine hohe kulturelle und religiöse Bedeutung. Das Erkennen der Bedeutung von Petroglyphen ist, wenn überhaupt, nur durch sehr gute Kenntnisse der jeweiligen Kultur möglich. Die Erforschung der Bedeutung von Petroglyphen ist Gegenstand der Archäologie und der Ethnologie.
Es gibt drei Grundtechniken zur Herstellung von Petroglyphen, die häufig auch am gleichen Motiv angewandt sein können:
Die ältesten als Kulturäußerung anerkannten Ritzungen befinden sich auf zwei Hämatitstücken, die in der Blombos-Höhle (Südafrika) gefunden wurden und durch ihren Schichtzusammenhang auf 77.000 Jahre datiert werden. Es handelt sich hier jedoch nicht um Petroglyphen, da die Hämatitstücke nicht Bestandteil der Höhlenwand waren, sondern Objekte der mobilen jungpaläolithischen Kleinkunst.
Als älteste bekannte Petroglyphen im anstehenden Gestein können seit 2014 Ritzungen in einer Höhle in Gibraltar angesehen werden. Die einfachen Formen aus sich kreuzenden Linien werden dem Moustérien und damit dem Neandertaler zugeordnet. Ablagerungen über den Linien konnten auf ein Alter von mindestens 39.000 Jahren datiert werden, die Ritzungen müssen also älter sein. Wesentlich komplexere Ritzungen des modernen Menschen sind seit dem Aurignacien bekannt. In Höhlen der Départements Dordogne und der Charente, darunter La Ferrassie oder die Höhle von Pair-non-Pair, wurden Wandreliefs gefunden, die die natürlichen Formen der Höhlenwände („Höhlentopographie“) in das Bild einbeziehen.
Die umfangreichste Fundstellenlandschaft mit Petroglyphen in Europa liegt im nordportugiesischen Côa-Tal, das als archäologischer Park erschlossen wurde (Parque Arqueológico do Vale do Côa). Die Abbildungen im Côa-Tal werden aus stilistischen Erwägungen überwiegend in das Solutréen datiert.
In Deutschland ist bislang keine Parietalkunst mit Felsritzungen aus dem Paläolithikum bekannt. 2014 präsentierte die GDKE Rheinland-Pfalz Gravuren nahe Gondershausen als „bislang einzige Fundstätte altsteinzeitlicher Felskunst in Deutschland“, angeblich 20.000–25.000 Jahre alt. Dargestellt seien drei Pferde und ein unbestimmtes Tier auf einer ca. 1,2 m² großen Schieferfläche. Robert G. Bednarik kam 2016 nach Untersuchung der Petroglyphen zu dem Schluss, die Rillen wirkten kaum verwittert, zeigten Merkmale eines Flachmeißels und seien wahrscheinlich mit einem Metall-/eher Stahlwerkzeug hergestellt. Sie könnten kaum älter als 1000 Jahre sein, daher sei auch eine Herstellung in der Römerzeit auszuschließen. Es zeigte sich im weiteren, dass es sich um eine moderne Fälschung handelt.
In den 1930er Jahren entdeckte der Kelheimer Präparator Oskar Rieger in der Kastlhänghöhle bei Pillhausen (Unteres Altmühltal) Linien in der Felswand, die er für die Gravur eines Steinbockes hielt. Wie der Paläontologe Karl Dietrich Adam ausführt, handelt es sich dabei stattdessen um natürliche Klüfte im Fels, die eine scheinbare Gravur vorspiegeln. Dahingegen ist die ebenfalls von Oskar Rieger im Jahre 1937 entdeckte Figur eines Cerviden (Rothirsch) an der Wand des Kleinen Schulerlochs (Abri unterhalb des Großen Schulerlochs) als authentisch anzusehen. Die nebenstehenden Runen des älteren Futharks stehen damit offenbar im Zusammenhang und lassen für die gesamten Gravuren auf eine Datierung ins Frühmittelalter (6. bis 7. Jahrhundert) schließen.
Aus Gönnersdorf (Neuwied) sind vor etwa 15.000 Jahren entstandene Schieferplattenritzungen aus der Zeit des Magdalénien bekannt. Diese Schieferplatten gehören zum Genre der mobilen jungpaläolithischen Kleinkunst, sind also keine Felsbildkunst. Die Darstellungen haben folgende Inhalte: Tiere, Tänzer oder Tänzerinnen sowie symbolhafte Ritzungen, die sich der Auslegung entziehen.
Sehr alte Gravuren auf bearbeiteten Monolithen sind vom Göbekli Tepe in der Türkei bekannt. Viele Felsritzungen in Europa sind auf Megalithen (Grabkammern, Stelen, Menhire) überliefert. Als abstrakte Zeichen sind Petroglyphen in bretonischen (zum Beispiel Gavrinis, Les Pierres-Plates), irischen (Dowth, Knowth, Fourknocks, Newgrange) und walisischen (Barclodiad y Gawres) bekannt. Konzentrische Kreise und Spiralen sind neben Zickzack-Mustern (Wellen) sehr verbreitet. Eine besonders feine Form der Ritzung stellen die maltesischen Altarritzungen der Tarxienphase dar. In den jüngeren Felskammern der Domus de Janas Sardiniens gibt es sie anthropomorph, zumeist aber als Stiergehörne ausgebildet.

In Schottland gibt es (zum Beispiel im Kilmartin-Valley) eine neolithische oder bronzezeitliche Form von Felsritzungen, die als Cup-and-Ring-Markierung bezeichnet wird. Napfförmige Vertiefungen als Schälchen oder Schalen finden sich auf sogenannten Schalensteinen und auf Megalithanlagen (Ganggrab von Bunsoh, Steinkiste von Horne). Die bronzezeitlichen Felsritzungen wurden meist auf durch Gletscherschliff geglätteten Felsen angebracht. Man findet Ritzungen in Schweden (Felsritzungen von Tanum, Brandskog, Kivik, Litsleby, Nämforsen und Sagaholm), in Norwegen (helleristninger genannt, zum Beispiel in Alta, Hornesfeltet und Solbergfeltet), in Dänemark (zum Beispiel Madsebakke (Allinge-Sandvig) auf Bornholm), in Spanien (Andalusien, Extremadura, Galicien), in Portugal (Parque Arqueológico do Vale do Côa), in Italien (Felsritzungen des Valcamonica), in Frankreich (am Mont Bégo) und in der Schweiz (Carschenna).
Die Themen der Darstellungen entsprechen der gesellschaftlichen Praxis ihrer Schöpfer. So sind zum Beispiel in Norwegen (Trøndelag, Tykamvatn) und Nordschweden jägerische Darstellungen zu finden (Tierstil). Während der Spätbronzezeit und älteren Eisenzeit werden in Skandinavien Schiffsdarstellungen häufig. Aber auch Kultwagen kommen vor. Wegen der großen Ähnlichkeit mit Abbildungen auf Rasiermessern wurden diese Petroglyphen schon von J.J.A. Worsaae als zeitgleich angesehen und korrekt der jüngeren Bronzezeit zugewiesen.
Felsbilder mit Jagdmotiven sind im Unterschied zu Afrika und Westeuropa in Regionen des südlichen Alpenbogen nur selten anzutreffen (Valcamonica). Im nördlichen Alpenbogen wurden bisher gar keine Ritzungen von Jagdszenen gefunden. Gleichwohl sind hier Abbildungen von Elch, Bär, Steinbock und Hirsch aus unterschiedlichsten Zeitstellungen häufig (Salzburger Land und Salzkammergut), jedoch mit anderem Kontext, wie dem Wunsch nach Bestandserholung oder in kosmischen Zusammenhängen.
Die Übermalung oder Überzeichnung bestehender Bilder, die Superimposition (auch Superposition genannt) kommt in der Felsbildkunst auch vor, wobei der Ausdruck Superimposition vorwiegend gebraucht wird, wenn feststeht, welche Elemente älter und welche jünger sind. Platzmangel kann für die Existenz von Superimposition nicht ausschlaggebend gewesen sein, da vielfach in unmittelbarer Nachbarschaft von Überzeichnungen genügend freier Raum war.







Wissenschaftler des MPI für Chemie in Mainz entwickelten 2019 eine Methode, mit der Petroglyphen genauer datiert werden können. Die Forscher untersuchten den Wüstenlack in und rund um die Abbildungen in Saudi-Arabien. Die hauchdünne, manganreiche Kruste kommt auf fast allen Gesteinsarten vor. Den Erschaffern der Petroglyphen bot die dunkle Oberfläche den Hintergrund, denn die eingeschnittenen Bilder stachen im Vergleich zu der schwarzen Schicht deutlich heraus.