Ferdinand Goi

Ferdinand Ukelo Goi (geb. 1935; † 8. November 1970 in Gulu, Uganda war ein Pastor und Militärkommandant (Leutnant) der Rebellengruppe Anyanya im südlichen Sudan.

Goi auf dem Schießstand in Cordonnia, Provinz Maccerata.

Leben

Jugend und Ausbildung

Goi, der dem Clan Balanda Bviri angehörte, wurde 1935 in Baggari bei Wau geboren, Er hatte eine jüngere Schwester und studierte zwei Jahre lang (1956–1958) am Knabenseminar in Bussere Theologie. Anschließend trat er in ein Priesterseminar in Mailand ein. Während seines Aufenthalts in Mailand knüpfte er Kontakte zur Führung der Sudan African National Union (SANU) im Kongo und beschloss, sich der Rebellengruppe anzuschließen.

Rebellion

Goi verließ Mailand und schloss sich im Mai 1963 den Rebellen in Wau an. Anschließend errichtete er ein Lager in der Zentralafrikanischen Republik. Im November wurde er zum Kommandanten von Anyanya ernannt. Im selben Monat lockte er zwei Polizisten in Bussere unter dem Vorwand, zwei Kilometer entfernt habe sich eine Schlägerei ereignet, bei der zwei Menschen ums Leben gekommen seien. Auf dem Weg zum Tatort tötete er die Polizisten und nahm ihre Gewehre und Uniformen an sich.

Im Juli 1964 errichtete Goi von der Zentralafrikanischen Republik aus ein Camp bei Bakiri, einem Gebiet zwischen Tumbura und der Grenze. Von dort aus führte er aus dem Hinterhalt Angriffe auf Polizei- und Militärposten durch. Am 9. November 1964 veröffentlichte er einen Brief, in dem er die Südsudanesen dringend aufforderte, im Kampf gegen die Regierung nicht auf fremde Hilfe zu setzen, und Zivilisten, die Waffen besaßen, bat, diese den Rebellen zu übergeben.

Goi erhielt 1965 eine beträchtliche Geldsumme aus Wau. Mit dieser Spende konnte er moderne Waffen aus dem Kongo kaufen und Angriffe in Tumbura und Source Yubu durchführen. Bei den Angriffen auf beide Orte soll er im Alleingang 18 Polizisten mit einem Maschinengewehr getötet haben. Sein Angriff in Tumbura war so heftig, dass die Stadt belagert wurde und beinahe an die Rebellen fiel. Ende 1965 wurde er nach der Entmachtung von Filbert Ucini Vomongo zum Hauptkommandanten von Anyanya im westlichen Bahr el Ghazal. Aufgrund seiner Aktivitäten wurde er von der Regierung gesucht. Während der Schlacht von Kpaile 1966 erlitt er eine Verletzung, die seine rechte Hand lähmte, sodass er fortan nur noch mit der linken Hand kämpfen konnte.

Anyanya geriet bald in politische Spaltungen, was Goi das Vertrauen in die Führung der Organisation verlieren ließ. Kurz darauf verließ er das Lager und ging in die Zentralafrikanische Republik, nach Ostafrika und anschließend nach Angudri. In Angudri führte er am 20. Februar 1967 den Putschversuch gegen die Führung der Azania Liberation Front (ALF) an. Der Putschversuch scheiterte jedoch, und er erkrankte und kehrte im März 1967 nach Bahr el Ghazal zurück. Später wurde er von seinen Soldaten wegen des Versuchs, einen Putsch gegen die ALF-Führung zu inszenieren, verhaftet. Drei Monate später wurde er von Frederick Fodul freigelassen.

Nach Gois Entlassung schwand sein Einfluss innerhalb der Streitkräfte, was ihn Ende 1968 zum Verlassen von Bahr-el-Ghazal veranlasste. Anschließend bot ihm Aggrey Jaden den Posten des stellvertretenden Verteidigungsministers an, den er jedoch ablehnte. 1969 wurde er unter der Revolutionsregierung von Anyidi (Anyidi Revolutionary Government) zum stellvertretenden Verteidigungsminister ernannt.

Krankheit und Tod

Goi erkrankte bald an einer Herzkrankheit und begab sich 1969 zur Behandlung nach Italien. Im März 1970 hielt er sich drei Monate in Italien auf, wo er um Unterstützung für Anyanya warb. Dank seines Engagements erhielt Anyanya Militäruniformen, Geld und medizinische Hilfsgüter aus Italien. Er starb am 8. November 1970 im St. Mary’s Hospital in Gulu, Uganda, an den Folgen einer Herzkrankheit, Malaria und ]Schlafkrankheit. Seine Frau Anna Kadimela war an seiner Seite. Goi hinterließ Nichten, Neffen, Großnichten und Großneffen in den Vereinigten Staaten, Kanada und Italien.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Dominic Ukelo: The War of Destiny: Triggers of Insurgent Evolution. Bloomington 2019.
  2. 1 2 Storrs McCall: Unpublished manuscript on the history of the first civil war in South Sudan (Anya-Nya). In: Sudan Open Archive. 1972, S. 89 (englisch).
    1. ↑ S. 77.
    2. ↑ S. 76.
    3. ↑ S. 76–77.
    4. 1 2 S. 91.
    5. ↑ S. 126–127.
    6. ↑ S. 127.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 Kuyok Abol Kuyok: South Sudan: The Notable Firsts. Bloomington 2015.
  4. ↑ Scopas S. Poggo: The First Sudanese Civil War: Africans, Arabs, and Israelis in the Southern Sudan, 1955–1972. Palgrave Macmillan, New York 2009: S. 147. ISBN 978-0-230-60796-5
Personendaten
NAME Goi, Ferdinand
ALTERNATIVNAMEN Goi, Ferdinand Ukelo
KURZBESCHREIBUNG Pastor und Militär im Südsudan
GEBURTSDATUM 1935
STERBEDATUM 8. November 1970
STERBEORT Gulu (Uganda), Uganda