Fernseea

Fernseea

Fernseea itatiaiae, Illustration aus Wawra: Oesterreichische Botanische Zeitschrift, Band 30, 1880, Tafel 19

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Bromeliengewächse (Bromeliaceae)
Unterfamilie: Bromelioideae
Gattung: Fernseea
Wissenschaftlicher Name
Fernseea
Baker

Fernseea ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Die beiden Arten sind Endemiten im Grenzgebiet der brasilianischen Bundesstaaten Rio de Janeiro und São Paulo.

Beschreibung

Die Fernseea-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen, die zu mehreren horstartig zusammenstehen. Beide Arten sind xerophytisch. Fernseea bocainensis wächst meist epiphytisch und Fernseea itatiaiae terrestrisch. Die Sprossachse ist gestaucht. Die wechselständig in einer grundständigen Rosette angeordneten Laubblätter bilden einen Trichter, der sich nach oben hin verengt und fast flaschenförmig wirkt; es ist aber keinesfalls, wie selten behauptet eine Pseudobulbe, denn die Sprossachse ist daran nicht beteiligt. Die Blattscheide ist kurz und kahl. Die parallelnervige Blattspreite sind schmal-linealisch, 15 bis 40 Zentimeter lang und endet in einer stachligen Spitze. Die Blattunterseite ist schwach beschuppt. Der Blattrand ist dornig gesägt.

Der Blütenstandsschaft besitzt bis oben hin, meist rote, Hochblätter. Es wird ein endständiger, einfacher, traubiger Blütenstand mit vielen Blüten gebildet. Die höchstens kurz gestielten Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig mit doppelter Blütenhülle. Die drei freien, schmal elliptischen Kelchblätter sind 7 Millimeter lang. Die drei freien Kronblätter sind trüb-purpur- bis rosafarben. Die Staubblätter sind während der Blühphase umschlossen, sonst freistehend. Der Pollen ist gefurcht. Drei Fruchtblätter sind zu einem relativ großen, unterständigen Fruchtknoten verwachsen. Es gibt zahlreiche Samenanlagen ohne Anhängsel.

Es werden fleischige, etwa erbsengroße Beeren gebildet. Die relativ großen Samen besitzen wie alle Bromelioideae keine Anhängsel.

Systematik und Verbreitung

Die Stellung der Gattung Fernseea innerhalb der Unterfamilie Bromelioideae wird diskutiert. Es könnte sein, dass die Revision der Gattung Bromelia dazu führt, dass die beiden Fernseea-Arten in die Gattung Bromelia eingegliedert werden.

Die Gattung Fernseea wurde 1889 durch den englischen Botaniker John Gilbert Baker in Handbook of the Bromeliaceae, 19 aufgestellt. Benannt wurde sie zu Ehren des österreichischen Botanikers Heinrich Wawra von Fernsee. Die Typusexemplare der Typusart wurde von Heinrich Wawra von Fernsee auf dem brasilianischen Berg Itatiaia gesammelt, von dem sich das Artepitheton itatiaiae ableitet, und er beschrieb sie 1880 als Bromelia itatiaiae Wawra in Oesterreichische Botanische Zeitschrift, 30, S. 114; dies ist heute ein Synonym für Fernseea itatiaiae (Wawra) Baker, ein weiteres Synonym ist Aechmea stenophylla Baker. Das Holotypusmaterial ist zerstört, aber es ist gut durch eine Illustration dokumentiert.

Erst 1983 wurde von Edmundo Pereira und José Luiz de Araújo Moutinho Neto in Bradea (Boletim do Herbarium Bradeanum, Rio de Janeiro), Band 3, 38, S. 344 eine zweite Art Fernseea bocainensis beschreiben.

Die nur zwei Arten kommen in der Serra da Mantiqueira im nordwestlichen Bundesstaat Rio de Janeiro und im benachbarten Bundesstaat São Paulo vor:

Quellen

Einzelnachweise

  1. ↑ Klaus Kubitzki, Herbert Huber: Flowering plants, Monocotyledons: Alismatanae and Commelinanae (except Gramineae). S. 93. Springer, 1998, ISBN 9783540640615.
  2. ↑ Raquel Fernandes Monteiro: Estudos anatômicos e filogenéticos em Bromelia L. (Bromeliaceae, Bromelioideae), Dissertação (mestrado) - Instituto de Pesquisas Jardim Botânico do Rio de Janeiro / Escola Nacional de Botânica Tropical, 2009: Online. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Dezember 2023. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
  3. ↑ Katharina Schulte, Michael H. J. Barfuss, Georg Zizka: Phylogeny of Bromelioideae (Bromeliaceae) inferred from nuclear and plastid DNA loci reveals the evolution of the tank habit within the subfamily. In: Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 51, Issue 2, Mai 2009, S. 327–339.
  4. ↑ Baker 1889 eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  5. ↑ Jason R. Grant An Annotated Catalogue of the Generic Names of the Bromeliaceae. In: The Marie Selby Botanical Gardens, 1998. (Herkunft der Gattungsnamen in der Familie der Bromeliaceae in englischer Sprache)
  6. 1 2 In „Species Index“ auf Fernseea klicken bei Eric J. Gouda, Derek Butcher, Kees Gouda: Encyclopaedia of Bromeliads, Version 4 (2020). zuletzt eingesehen am 13. September 2020