Bromelioideae

Bromelioideae

Ananas (Ananas 'Comosus'), Ananaspflanze mit fast reifer Frucht

Systematik
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Bromeliengewächse (Bromeliaceae)
Unterfamilie: Bromelioideae
Wissenschaftlicher Name
Bromelioideae
Burnett

Die Bromelioideae sind eine Unterfamilie aus der Pflanzenfamilie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Die etwa 44 Gattungen (Stand 2024) mit etwa (600 bis) 800 Arten sind in der Neotropis weit verbreitet.

Nutzung

Bromelia karatas
Bewehrtes Laubblatt von Bromelia karatas

Bekanntester Vertreter ist wohl die Ananas (Ananas ‘Comosus’) mit ihrer wohlschmeckenden Frucht. Eine weitere Nutzpflanze aus der Familie Bromeliaceae ist die faserliefernde Curauá (Ananas ‘Lucidus’). Arten der Gattung Bromelia werden als lebende Zäune verwendet.

Beschreibung und Ökologie

Habitus und Laubblätter

Verzweigter Blütenstand von Aechmea leptantha
Hängender Blütenstand von Billbergia ×windii mit roten Hochblättern und bläulichen Blüten
Habitus der Trichterbromelie Hohenbergia stellata mit aufrechten, langem Blütenstandsschaft und zusammengesetztem Blütenstand
Habitus und Laubblätter von Hoplocryptanthus glaziovii
Blütenstand von Karawata multiflora
Neoregelia concentrica, mit stark gestauchter Blütenstandsachse
Nidularium innocentii var. innocentii, mit gestauchter Blütenstandsachse
Sincoraea burle-marxii – Habitus mit stark gestauchter Blütenstandsachse und bewehrten Laubblättern
×Neophytum ‘Burgundy Hill’, eine gärtnerisch erzeugte Gattungshybride (intergenerisch) aus Orthophytum × Neoregelia

Es sind mesophytische bis xerophytische, immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen. Viele Arten der Bromelioideae wachsen als Epiphyten. Es gibt aber auch einige Arten, beispielsweise aus den Gattungen Ananas, Bromelia und Ochagavia, die auf dem Erdboden, also terrestrisch oder auf Felsen, also lithophytisch, wachsen. Oft ist das Wurzelsystem gut ausgebildet, allerdings bei den epiphytischen Arten etwas weniger. Viele der Arten sind Trichterbromelien, sie sammeln Wasser in ihren Blattrosetten. Die Sprossachsen sind meist gestaucht. Sie bilden aus Erneuerungsknospen Kindel zur vegetativen Vermehrung.

Die wechselständig und in grundständigen Rosetten angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide und Blattspreite gegliedert, ohne Blattstiel. Typisch ist der bewehrte, gezähnte oder gesägte Blattrand.

Blütenstände und Blüten

Die Blütenstandsachsen können lange Blütenstandsschäfte bilden oder gestaucht (am deutlichsten bei allen Neoregelia-Arten) sein. Die endständigen, unterschiedlich aufgebauten Blütenstände sind oft auffällig mit häufig intensiv gefärbten Hochblättern.

Die dreizähligen Blüten sind mehr oder weniger radiärsymmetrisch und fast immer zwittrig, außer bei Androlepis. Es ist eine doppelte Blütenhülle (Perianth) vorhanden. Von den drei Kelchblättern ist oft eines anders geformt, man spricht von asymmetrischen Kelchblättern. Die drei Kronblätter sind oft frei, außer bei den Gattungen Cryptanthus, Greigia, Neoregelia und Nidularium. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden. Die drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen.

Die Blütenformel lautet:

Früchte und Samen

Bromelioideae unterscheiden sich von allen anderen Taxa der Familie durch die Beerenfrüchte und die immer ungeflügelten Samen.

Die Ausbreitung der Diasporen, in diesem Fall die Beeren, erfolgt über Vögel – seltener über andere Tiere. Die Beeren weisen bei Reife oft sehr auffällige Farben (oft bläuliche Töne) auf. Die Beeren werden von den Vögeln gefressen und die feuchten Samen werden dann unverdaut ausgeschieden. Bei der Gattung Ananas und Acanthostachys ist eine aus vielen Beeren zusammengesetzte Frucht (Sammelfruchtstand = Synkarpium).

Stoffwechsel

Es wurde je nach Gattung C3- oder CAM-Photosynthesewege nachgewiesen. Die Saugschuppen (Trichome) auf den Blattflächen begünstigen eine Wasser- und Nährstoffaufnahme über die Blätter.

Systematik, Phylogenetik, Evolution und Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Bromelioideae ist die subtropische bis tropische Neue Welt von nördlichen Zentralamerika und den Karibischen Inseln bis hinunter nach Argentinien. Mit einem Zentrum der Artenvielfalt im südöstlichen Brasilien, besonders im Atlantischen Regenwald.

Die Typusgattung ist Bromelia L. Der botanische Gattungsname Bromelia ehrt den schwedischen Arzt und Botaniker Olaf Bromel (1639–1705).

Die Verwandtschaftsverhältnisse der Gattungen innerhalb der Unterfamilie der Bromelioideae sind Gegenstand aktueller wissenschaftlicher Untersuchungen. Es zeigte sich, dass Bromelia, eine Schwestergruppe zu allen anderen Gattungen ist. Die Gattungen Deinacanthon, Greigia, Ochagavia, Fascicularia und Fernseea bilden eine Klade. Die Gattungen Aechmea und Quesnelia sind polyphyletisch und werden in zukünftigen Arbeiten vermutlich in mehrere Gattungen aufgeteilt. Die Entwicklung von Blatttrichtern zum Sammeln von Wasser und Nährstoffen aus den einfachen Blattrosetten erfolgte innerhalb der Bromelioideae nur einmal. Sekundär ging dieses Merkmal in wenigen Verwandtschaftsgruppen wieder verloren. Die sicher polyphyletische Gattung Aechmea wird in mehrere Untergattungen gegliedert, denen in manchen wissenschaftlichen Arbeiten der Rang von Gattungen zugewiesen werden; mehrfach wurden einzelne Gattungen ausgegliedert und eingegliedert, aber eine Revision dieser gesamten Verwandtschaftsgruppe erfolgte in den letzten Jahrzehnten nicht. Auch Ende 2014 enthält die artenreiche Gattung Aechmea s. l. die Arten von vorgeschlagenen Gattungen wie Chevaliera und Streptocalyx. Lange Zeit wurde die monotypische Gattung Pseudananas Hassl. ex Harms (Syn.: Ananas Hassl. non Mill.) mit der einzigen Art Pseudananas sagenarius (Arruda da Camara) Camargo kontrovers diskutiert; seit Butcher & Gouda 2014 ist sie ein Synonym von Ananas sagenaria (Arruda) Schult. & Schult. f.

Die Gattungen Cryptanthus, Forzzaea, Hoplocryptanthus, Krenakanthus, Lapanthus, Orthocryptanthus, Orthophytum, Rokautskyia und Sincoraea gehören zum Cryptanthoid-Komplex in der Unterfamilie Bromelioideae.

Die folgende Liste gibt die Gattungen der Bromelioideae mit jeweils der Anzahl der Arten innerhalb der Gattung mit ihren Verbreitungsgebieten an; 2025 sind es etwa 44 Gattungen mit etwa (600 bis) 800 Arten (Stand nach Gouda et al. 2014):

Es gibt auch Gattungshybriden, Beispiele: ×Hohenmea itaipuana B.R.Silva & L.F.Sousa aus Hohenbergia und Aechmea; xNidunelia Leme aus Nidularium und Quesnelia; mehrere ×Niduregelia aus Nidularium und Neoregelia.

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Katharina Schulte, Michael H. J. Barfuss, Georg Zizka: Phylogeny of Bromelioideae (Bromeliaceae) inferred from nuclear and plastid DNA loci reveals the evolution of the tank habit within the subfamily. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. In: Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 51, 2009, S. 327–339: doi:10.1016/j.ympev.2009.02.003 Online. (PDF; 820 kB)
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 Eric J. Gouda, Derek Butcher, Kees Gouda: Encyclopaedia of Bromeliads, Version 5, Januar 2023. Encyclopaedia of Bromeliads Taxon dort in der Auswahl heraussuchen. zuletzt eingesehen am 13. Dezember 2023
  3. 1 2 3 4 5 Elton M. C. Leme, S. Heller, Georg Zizka, H. Halbritter: New circumscription of Cryptanthus and new Cryptanthoid genera and subgenera (Bromeliaceae: Bromelioideae) based on neglected morphological traits and molecular phylogeny. In: Phytotaxa, Volume 318, Issue 1, 2017, S. 1–88. doi:10.11646/phytotaxa.318.1.1
  4. 1 2 Elton M. C. Leme, Georg Zizka, E. H. De Souza, Juraj Paule, J. D. T. De Carvalho, J. E. A. Mariath, Heidemarie Halbritter, O. B. C. Ribeiro: New genera and a new species in the “Cryptanthoid complex” (Bromeliaceae: Bromelioideae) based on the morphology of recently discovered species, seed anatomy, and improvements in molecular phylogeny. In: Phytotaxa, Volume 544, 2022, S. 128–170. doi:10.11646/phytotaxa.544.2.2
  5. 1 2 3 Julian Aguirre-Santoro: Taxonomy of the Ronnbergia Alliance (Bromeliaceae: Bromelioideae): new combinations, synopsis, and new circumscriptions of Ronnbergia and the resurrected genus. In: Plant Systematics and Evolution, Volume 303, März 2017, S. 615–640. doi:10.1007/s00606-017-1394-y
  6. 1 2 Jefferson R. Maciel, G. M. Sousa, M. G. L. Wanderley, Georg Zizka, Marccus Alves: A new genus of Bromeliaceae endemic to Brazilian Atlantic Forest. In: Systematic Botany, Volume 44, Issue 3, August 2019, S. 519–535. doi:10.1600/036364419X15620113920572
  7. 1 2 3 Elton M. C. Leme, Otávio B. C. Ribeiro, Fernanda Vidigal D. Souza, Everton Hilo de Souza, Ludovic J.C. Kollmann, André P. Fontana: Miscellaneous new species in the Cryptanthoid complex (Bromeliaceae: Bromelioideae) from Eastern Brazil. In: Phytotaxa, Volume 430, Issue 3, 2020, S. 157–202. doi:10.11646/phytotaxa.430.3.2
  8. ↑ Elton M. C. Leme, Georg Zizka, Juraj Paule, J. Aguirre Santoro, Sascha Heller, Ivón Ramírez Morillo, Heidemarie Halbritter, J. E. A. Mariath, J. D. T. D. Carvalho, R. C. Forzza: Re-evaluation of the Amazonian Hylaeaicum (Bromeliaceae: Bromelioideae) based on neglected morphological traits and molecular evidence. In: Phytotaxa, Volume 499, Issue 1, Mai 2021, S. 1–60. doi:10.11646/phytotaxa.499.1.1
  9. ↑ Elton M. C. Leme, P. M. Gonella, D. R. Couto, E. P. Fernandez, J. D. T. Carvalho, P. S. Almeida, J. E. A. Mariath: A hairy situation in Minas Gerais, Brazil: a striking new species of Krenakanthus (Bromeliaceae: Bromelioideae) covered with uniseriate trichomes. In: Phytotaxa, Volume 619, Issue 1, 2023, S. 39–62. doi:10.11646/phytotaxa.619.1.2
  10. ↑ Rafael Batista Louzada, Leonardo M. Versieux: Lapanthus (Bromeliaceae, Bromelioideae): A New Genus from the Southern Espinhaço Range, Brazil. In: Systematic Botany, Volume 35, Issue 3, 2010, S. 497–503. doi:10.1600/036364410792495908
  11. ↑ Rafael Batista Louzada, Maria das Graças Lapa Wanderley: A new combination in Lapanthus (Bromeliaceae). In: PhytoKeys, Volume 17, 2012, S. 63–68. doi:10.3897/phytokeys.17.3642
  12. ↑ Rafael Batista Louzada, Clarisse Palma-Silva, Andrea Macêdo Corrêa, Eliane Kaltchuk-Santos, Maria das Graças Lapa Wanderley: Chromosome number of Orthophytum species (Bromeliaceae). In: Kew Bulletin, Volume 65, Issue 1, 2010, S. 53–58.
  13. ↑ Rafael Batista Louzada, Katharina Schulte, Maria das Graças Lapa Wanderley, D. Silvestro, Georg Zizka, Michael H. J. Barfuss, Clarisse Palma-Silva: Molecular phylogeny of the Brazilian endemic genus Orthophytum (Bromelioideae, Bromeliaceae) and its implications on morphological character evolution. In: Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 77, August 2014, S. 54–64. doi:10.1016/j.ympev.2014.03.007
  14. ↑ R.B. Louzada, M. das Graças Lapa Wanderley: Re-establishment of Sincoraea (Bromeliaceae). In: Journal of the Bromeliad Society, Volume 66, Issue 1, 2017, S. 6–19.

Weiterführende Literatur

Commons: Bromelioideae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien