

Die Fibonacci-Folge ist die unendliche Folge natürlicher Zahlen, die mit zweimal der Zahl 1 beginnt und bei der jede weitere Zahl die Summe der beiden ihr vorangehenden Zahlen ist. In moderner Schreibweise wird diese Folge zusätzlich mit einer führenden Zahl 0 versehen:
Die darin enthaltenen Zahlen heißen Fibonacci-Zahlen. Benannt ist die Folge nach Leonardo Fibonacci, der damit im Jahr 1202 das Wachstum einer Kaninchenpopulation beschrieb. Die Folge war aber schon in der Antike sowohl den Griechen als auch den Indern bekannt.
Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Fibonacci-Folge auch noch zahlreiche andere Wachstumsvorgänge in der Natur beschreibt. Es scheint, als sei sie eine Art Wachstumsmuster in der Natur.
Die Fibonacci-Zahlen weisen einige bemerkenswerte mathematische Besonderheiten auf:

Die Fibonacci-Folge ist durch das rekursive Bildungsgesetz
mit den Anfangswerten
definiert. Das bedeutet in Worten:
Daraus ergibt sich:
| n | fn | n | fn | n | fn | n | fn | n | fn | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 1 | 11 | 89 | 21 | 10 946 | 31 | 1 346 269 | 41 | 165 580 141 | |||||
| 2 | 1 | 12 | 144 | 22 | 17 711 | 32 | 2 178 309 | 42 | 267 914 296 | |||||
| 3 | 2 | 13 | 233 | 23 | 28 657 | 33 | 3 524 578 | 43 | 433 494 437 | |||||
| 4 | 3 | 14 | 377 | 24 | 46 368 | 34 | 5 702 887 | 44 | 701 408 733 | |||||
| 5 | 5 | 15 | 610 | 25 | 75 025 | 35 | 9 227 465 | 45 | 1 134 903 170 | |||||
| 6 | 8 | 16 | 987 | 26 | 121 393 | 36 | 14 930 352 | 46 | 1 836 311 903 | |||||
| 7 | 13 | 17 | 1 597 | 27 | 196 418 | 37 | 24 157 817 | 47 | 2 971 215 073 | |||||
| 8 | 21 | 18 | 2 584 | 28 | 317 811 | 38 | 39 088 169 | 48 | 4 807 526 976 | |||||
| 9 | 34 | 19 | 4 181 | 29 | 514 229 | 39 | 63 245 986 | 49 | 7 778 742 049 | |||||
| 10 | 55 | 20 | 6 765 | 30 | 832 040 | 40 | 102 334 155 | 50 | 12 586 269 025 | |||||
Stellt man die Definition um, so erhält man
was als (rückwärts-)rekursive Bildungsvorschrift die eindeutige Fortsetzung auf den Index 0 und negative Indizes erlaubt.
Man erhält:
bzw. allgemeiner
Setzt man diese allgemeine Formel in (rückwärts-)rekursive Bildungsvorschrift ein, erhält man
Teilt man die Gleichung durch , erhält man
Die so erweiterte Fibonacci-Folge lautet dann
| +34 | −21 | +13 | −8 | +5 | −3 | +2 | −1 | +1 | 0 | 1 | 1 | 2 | 3 | 5 | 8 | 13 | 21 | 34 |
und heißt Folge der negaFibonacci-Zahlen.
Darüber hinaus ist eine Verallgemeinerung der Fibonacci-Zahlen auf komplexe Zahlen, proendliche Zahlen und auf Vektorräume möglich.
Zu den zahlreichen bemerkenswerten Eigenschaften der Fibonacci-Zahlen gehört, dass sie dem Benfordschen Gesetz genügen.
Wie von Johannes Kepler festgestellt wurde, kommen die Quotienten zweier aufeinanderfolgender Fibonacci-Zahlen dem Goldenen Schnitt
beliebig nahe. Dies folgt unmittelbar aus der Näherungsformel für große Zahlen :
Diese Quotienten zweier aufeinanderfolgender Fibonacci-Zahlen haben eine bemerkenswerte Kettenbruchdarstellung:
mit der -Notation aus dem Artikel Kettenbruch.
Da diese Quotienten gegen den Goldenen Schnitt konvergieren, lässt sich dieser als der unendliche periodische Kettenbruch darstellen:
Die Zahl ist irrational. Das bedeutet, dass sie sich nicht durch ein Verhältnis zweier ganzer Zahlen darstellen lässt. Am besten lässt sich durch Quotienten zweier aufeinanderfolgender Fibonacci-Zahlen approximieren. Dies gilt auch für verallgemeinerte Fibonacci-Folgen, bei denen und beliebige natürliche Zahlen annehmen.
Summenformel für negative Indizes:
Es gibt noch zahlreiche weitere derartige Formeln.
Das nach Edouard Zeckendorf benannte Zeckendorf-Theorem besagt, dass jede natürliche Zahl eindeutig als Summe voneinander verschiedener, nicht direkt aufeinanderfolgender Fibonacci-Zahlen geschrieben werden kann. Das heißt, es gibt für jedes eine eindeutige Darstellung der Form
Die entstehende Folge von Nullen und Einsen wird Zeckendorf-Sequenz genannt. Sehr eng hängt damit der Fibonacci-Kode zusammen.
Das explizite Bildungsgesetz für die Glieder der Fibonacci-Folge wurde unabhängig voneinander von den französischen Mathematikern Abraham de Moivre im Jahr 1718 und Jacques Philippe Marie Binet im Jahr 1843 entdeckt. Dazwischen war es aber auch den Mathematikern Leonhard Euler und Daniel Bernoulli bekannt, Letzterer lieferte 1728 auch den vermutlich ersten Beweis.
Die Fibonacci-Zahlen lassen sich direkt mittels
berechnen, wobei die beiden Lösungen der charakteristischen Gleichung sind. Mit
gilt explizit:
Bemerkenswert ist das Zusammenspiel zweier irrationaler Zahlen und , das zu einem ganzzahligen Ergebnis führt.
Der Einfluss von geht rasch gegen Null, bspw. ist . Das kann man verwenden, um die Berechnung abzukürzen, indem man die kleine Zahl einfach weglässt und das noch verbleibende kaufmännisch zur nächstgelegenen ganzen Zahl rundet. Mit Hilfe der Gaußschen Abrundungsfunktion lässt sich das so formalisieren:
Einer der einfachsten Beweise gelingt induktiv. Wegen und ist der Induktionsanfang erfüllt. Angenommen, die Formel gelte für alle Werte von bis (starke Induktionsvoraussetzung). Dann gilt sie notwendigerweise auch für :
Dabei wird benutzt, dass und der charakteristischen Gleichung genügen.
Nach dem Prinzip der vollständigen Induktion muss nun die Formel für alle gelten.
Die Formel von Binet kann mit Matrizenrechnung und dem Eigenwertproblem in der linearen Algebra hergeleitet werden mittels folgendem Ansatz:
Nun transformiert man die Matrix in eine Diagonalmatrix durch Betrachtung als Eigenwertproblem.
Es gilt , wobei die Matrix der Eigenvektoren und die Diagonalmatrix mit den Eigenwerten ist. Damit folgt:
Eine andere Herleitungsmöglichkeit folgt aus der Theorie der linearen Differenzengleichungen:
Sei eine geometrische Folge, so ergibt sich:
Wenn also so gewählt wird, dass die charakteristische Gleichung erfüllt ist (also oder ), wird , d. h., erfüllt die Fibonacci-Rekursion mit dem Rekursionsanfang und .
Die durch , , rekursiv definierte Folge hat die explizite Darstellung . Ebenso , , .
Mit und genügt wegen der Superpositionseigenschaft auch jede Linearkombination der Fibonacci-Rekursion . Mit Hilfe eines linearen Gleichungssystems ergibt sich und , damit und . Folglich ergibt sich explizit .
Für ergibt sich und , d. h. die klassische Lucas-Folge mit explizit .
Da Differenzengleichungen sehr elegant mittels z-Transformation beschrieben werden können, kann man die z-Transformation auch zur Herleitung der expliziten Formel für Fibonacci-Zahlen einsetzen. Im Artikel Einsatz der z-Transformation zur Bestimmung expliziter Formeln von Rekursionsvorschriften wird die allgemeine Vorgehensweise beschrieben und dann am Beispiel der Fibonacci-Zahlenfolge erläutert.
Die Quotienten aufeinanderfolgender Glieder der Fibonacci-Folge sind abwechselnd kleiner und größer als der Goldene Schnitt:
| Herleitung |
|
Mithilfe der Formel von Moivre-Binet lässt sich eine einfach Herleitung angeben. Denn für die Zahlen der genannten Formel und natürliche gilt:
Die Ungleichungen (1) und (2) ergeben zusammen die Behauptung. |
Die Differenz dieser oberen und unteren Schranke von konvergiert für wachsende rasch gegen Null wegen
Bei der Vereinfachung des Zählers wurde die Identität von Cassini nebst verwendet.
Eine erzeugende Funktion der Fibonacci-Zahlen ist
Die auf der linken Seite stehende Potenzreihe konvergiert für . Über die angegebene Partialbruchzerlegung erhält man wieder die Formel von Moivre-Binet.
| Herleitung der erzeugenden Funktion |
|
Für ist
Die Rekursionsbedingung induziert daher
Nach Division durch das Polynom das nicht das Nullpolynom ist, folgt die angegebene Form. |
Mit einer geeigneten erzeugenden Funktion lässt sich ein Zusammenhang zwischen den Fibonacci-Zahlen und den Binomialkoeffizienten darstellen:
Wegen für und kann auch ohne Gaußklammern geschrieben werden:
| Herleitung |
|
Die erzeugende Funktion kann auch geschrieben werden:
für dem Betrage nach hinreichend kleine gilt:
Gleichsetzen ergibt:
Bei der Umformung wurden der binomische Lehrsatz und die Umsummierung mit verwendet. Koeffizientenvergleich ergibt den angegebenen Zusammenhang. |
Die Schreibweise für die erzeugende Funktion erlaubt auch die Darstellung
| Herleitung |
|
In der Darstellung von als unendliche Summe ist der Summand mit verzichtbar, siehe vorherige Herleitung. Die -te Ableitung der erzeugenden Funktion ist mit der Potenzregel: Für verschwindet die Summe der letzten Zeile. Für dieses entsteht mit Division durch die Behauptung. |
Wertet man die erzeugende Funktion an der Stelle aus, so erhält man , folglich lässt sich in eine unendliche Summe von Fibonacci-Zahlen zur Basis zerlegen.
Allerdings gilt , was unendlich viele Lösungen dieser Art im Dezimalsystem wie
und in jeder anderen Basis erlaubt.
Die Fibonacci-Zahlen tauchen auch als Einträge der Potenzen der Matrix auf:
Aus der Relation ergibt sich beispielsweise die erste oben angegebene Formel für . beschreibt zugleich die Summationsvorschrift der Fibonacci-Folge, denn ihr Produkt mit einem Paar aufeinanderfolgender Fibonacci-Zahlen (als Spaltenmatrix geschrieben) ergibt das nächste Paar; entsprechend erzeugt das -te Paar aus dem Startpaar . Dies und die Tatsache, dass die Eigenwerte von gerade der Goldene Schnitt und dessen Kehrwert (Letzterer mit negativem Vorzeichen) sind, führen wieder auf die oben genannte Formel von Binet.
Die Fibonacci-Zahlen können mithilfe des Pascalschen Dreiecks beschrieben werden. Um die -te Fibonacci-Zahl zu bestimmen, nimmt man aus der -ten Zeile des Pascalschen Dreiecks jede zweite Zahl und gewichtet sie mit der entsprechenden Fünfer-Potenz – anfangend mit 0 in aufsteigender Reihenfolge, d. h. , , usw. Anschließend addiert man diese gewichteten Elemente zusammen und dividiert durch .
Das Bild unten veranschaulicht die Berechnung der ersten sieben Fibonacci-Zahlen aus dem Pascalschen Dreieck. Zum leichteren Verständnis sind die nicht benutzten Elemente des Pascalschen Dreiecks im Bild ausgegraut, die Gewichtung mit den aufsteigenden Fünfer-Potenzen rot und die Exponenten cyan hervorgehoben.
| n | Pascalsches Dreieck gewichtet mit Potenzen von 5 | 2n−1 | Fibonacci-Zahlen | |||||||||||||||||||
| 0 | 1 | → F(0) = 0 (optional) | ||||||||||||||||||||
| 1 | 1 | 1·50 | 1 | → F(1) = (1·50) / 1 = 1 | ||||||||||||||||||
| 2 | 1 | 2·50 | 1 | 2 | → F(2) = (2·50) / 2 = 1 | |||||||||||||||||
| 3 | 1 | 3·50 | 3 | 1·51 | 4 | → F(3) = (3·50 + 1·51) / 4 = 2 | ||||||||||||||||
| 4 | 1 | 4·50 | 6 | 4·51 | 1 | 8 | → F(4) = (4·50 + 4·51) / 8 = 3 | |||||||||||||||
| 5 | 1 | 5·50 | 10 | 10·51 | 5 | 1·52 | 16 | → F(5) = (5·50 + 10·51 +1·52) / 16 = 5 | ||||||||||||||
| 6 | 1 | 6·50 | 10 | 20·51 | 5 | 6·52 | 1 | 32 | → F(6) = (6·50 + 20·51 +6·52) / 32 = 8 | |||||||||||||
| 7 | 1 | 7·50 | 21 | 35·51 | 35 | 21·52 | 7 | 1·53 | 64 | → F(7) = (7·50 + 35·51 +21·52 + 1·53) / 64 = 13 | ||||||||||||
| 8 | 1 | 8·50 | 28 | 56·51 | 70 | 56·52 | 28 | 8·53 | 1 | 128 | → F(8) = (8·50 + 56·51 +56·52 + 8·53) / 128 = 21 | |||||||||||
| 9 | 1 | 9·50 | 36 | 84·51 | 126 | 126·52 | 84 | 36·53 | 9 | 1·54 | 256 | → F(9) = (9·50 + 84·51 +126·52 + 36·53 + 1·54) / 256 = 34 | ||||||||||
| Herleitung |
|
Ausgehend von der expliziten Formel für die Fibonacci-Zahlen (s. Formel von Moivre-Binet weiter oben in diesem Artikel) kann man zunächst den Term im Nenner ausklammern und die verbliebene Differenz mittels Binomialkoeffizienten ausschreiben und anschließend zusammenfassen: Für die Differenz unter dem Summenzeichen gilt sodass man die Summe auf ungerade reduzieren kann: Der -Term kürzt sich also raus und unter dem Summenzeichen bleiben nur Fünfer-Potenzen. Das erklärt das scheinbare Paradoxon, dass die explizite Formel für Fibonacci-Zahlen mit ihren -Termen überhaupt ganze Zahlen liefert. Die Abrundung in der Summen-Obergrenze ist übrigens notwendig, damit die Indizierung nicht über den Wert hinausgeht und die ursprüngliche Summenbegrenzung eingehalten wird. Vergleicht man die unter dem Summenzeichen verbliebenen Binomialkoeffizienten mit denen im Pascalschen Dreieck, erkennt man, dass es sich dabei um jeden zweiten Koeffizienten in der entsprechenden Zeile des Dreiecks handelt (wie es im Bild oben visualisiert ist). Man kann die Formel also auch als schreiben mit der Bezeichnung für einen Binomialkoeffizienten an der -ten Stelle in der -ten Zeile des Pascalschen Dreiecks (beide ab Null gezählt!). Als Beispiel erhält man für die 7-te Fibonacci-Zahl etwa den Wert |
| 1 | ||||||||||||||||||||
| 1 | 1 | |||||||||||||||||||
| 1 | 2 | 1 | ||||||||||||||||||
| 1 | 3 | 3 | 1 | |||||||||||||||||
| 1 | 4 | 6 | 4 | 1 | ||||||||||||||||
| 1 | 5 | 10 | 10 | 5 | 1 | |||||||||||||||
| 1 | 6 | 15 | 20 | 15 | 6 | 1 | ||||||||||||||
| 1 | 7 | 21 | 35 | 35 | 21 | 7 | 1 | |||||||||||||
| 1 | 8 | 28 | 56 | 70 | 56 | 28 | 8 | 1 | ||||||||||||
| 1 | 9 | 36 | 84 | 126 | 126 | 84 | 36 | 9 | 1 | |||||||||||
| 1 | 10 | 45 | 120 | 210 | 252 | 210 | 120 | 45 | 10 | 1 | ||||||||||

Die Summen der hier grün, rot und blau markierten flachen „Diagonalen“ im Pascalschen Dreieck ergeben jeweils eine Fibonacci-Zahl. In diesem Beispiel ist die Summe der grünen Diagonale gleich 13, die Summe der roten Diagonale gleich 21, die Summe der blauen Diagonale gleich 34. Dass sich die „Diagonale“ manchmal nicht von einem zum anderen Ende durchziehen lässt, wie im Fall der roten Diagonale, ist unerheblich. Allgemein gilt für :
Da die Fibonacci-Zahlen exponentiell mit dem Index wachsen, konvergieren die reziproken Reihen absolut.
| ≈ 1,535370508836252985029852896651599 |
| ≈ 1,824515157406924568142158406267328 |
| ≈ 3,359885666243177553172011302918927 |
| ≈ 2,426320751167241187741569412926620 |
Die klassische („kanonische“) Fibonacci-Folge ist durch drei Kriterien charakterisiert:
Jedes dieser Kriterien erlaubt eine Verallgemeinerung:


Die Blätter (Phyllotaxis) oder Fruchtstände vieler Pflanzen sind in Spiralen angeordnet, wobei die Anzahl dieser Spiralen den Fibonacci-Zahlen entsprechen. In diesem Fall ist der Winkel zwischen architektonisch benachbarten Blättern oder Früchten bezüglich der Pflanzenachse der Goldene Winkel. Das liegt daran, dass Brüche von aufeinanderfolgenden Fibonacci-Zahlen den zugrunde liegenden Goldenen Schnitt am besten approximieren. Die Spiralen werden daher von Pflanzenelementen gebildet, deren Platznummern sich durch die Fibonacci-Zahl im Nenner unterscheiden und damit fast in die gleiche Richtung weisen. Durch diese spiralförmige Anordnung der Blätter um die Sprossachse erzielt die Pflanze die beste Lichtausbeute. Der Versatz der Blätter um das irrationale Verhältnis des Goldenen Winkels sorgt dafür, dass nie Perioden auftauchen, wie es bei 1/4 der Fall wäre (0° 90° 180° 270° | 0° 90° …). Dadurch wird der denkbar ungünstigste Fall vermieden, dass ein Blatt genau senkrecht über dem anderen steht und so die Blätter maximalen Schatten auf darunterliegenden Blättern erzeugen oder maximale „Lichtlücken“ entstehen.
Beispielsweise tragen die Körbe der Silberdistel (Carlina acaulis) hunderte gleichgestaltiger Blüten, die in kleineren Körben in einer 21-zu-55-Stellung, in größeren Körben in 34-zu-89- und 55-zu-144-Stellung in den Korbboden eingefügt sind. Auch die Schuppen von Fichtenzapfen wie von Ananasfrüchten bilden im und gegen den Uhrzeigersinn Spiralen, deren Schuppenanzahl durch zwei aufeinanderfolgende Fibonaccizahlen gegeben ist.
Wissenschaftshistorisch sei hier auf das Buch On Growth and Form von D’Arcy Wentworth Thompson (1917) verwiesen.
Männchen der Honigbiene (Apis mellifera) werden als Drohnen bezeichnet. Interessanterweise beschreibt die Fibonacci-Folge die Anzahl der Ahnen einer Drohne. Das erklärt sich dadurch, dass eine Drohne (Generation n = 1) sich aus einem unbefruchteten Ei entwickelt, das ausschließlich Erbgut ihrer Mutter, der Bienenkönigin (Generation n = 2), enthält; eine Drohne hat keinen Vater. Eine Königin jedoch hat zwei Eltern, nämlich als Mutter eine andere Königin und als Vater eine Drohne (Generation n = 3) usw. Die Anzahl aller Ahnen einer Drohne in je einer so definierten n-ten Generation ist die n-te Fibonacci-Zahl .
Um das einzusehen, lässt sich die Zeichnung zur Anzahl der Kaninchen in Fibonaccis Modell im Abschnitt Antike und Mittelalter in Europa verwenden. Jedes Paar nicht geschlechtsreifer Kaninchen entspricht einer Drohne, jedes Paar geschlechtsreifer Kaninchen einer Königin. In den Gleichungen der Modellierung ist dann die Anzahl der Drohnen, die Anzahl der Königinnen (jeweils in der n-ten Generation) und die Anzahl der Ahnen einer Drohne in der betrachteten Generation.
Unverzweigte aliphatische Monocarbonsäuren (hier: uaM), zu denen im Regelfall die Fettsäuren gehören, können verschieden viele Doppelbindungen an verschiedenen Positionen aufweisen. Die Anzahl der uaM gehorcht als Funktion der Kettenlänge der Fibonacci-Folge. Das folgt daraus, dass Doppelbindungen bei uaM nicht benachbart sind; die seltenen Ausnahmen sind hier vernachlässigt. Speziell gibt es nur eine aliphatische Monocarbonsäure mit einem C-Atom: Ameisensäure, eine mit zwei C-Atomen: Essigsäure, zwei mit dreien: Propionsäure und Acrylsäure usw. Bei 18 C-Atomen ergeben sich 2.584 Varianten (wovon Stearinsäure, Ölsäure, Linolsäure und Linolensäure vier Beispiele sind).
Auch hier lässt sich, um das einzusehen, die Zeichnung zur Anzahl der Kaninchen in Fibonaccis Modell im Abschnitt Antike und Mittelalter in Europa verwenden. Ein Kaninchenpaar der -ten Generation entspricht dem -ten Kohlenstoffatom einer uaM, wobei die Zählung bei der Carboxygruppe beginnt. Jedes Paar nicht geschlechtsreifer Kaninchen entspricht einem Kohlenstoffatom , auf das keine Doppelbindung folgen kann, jedes Paar geschlechtsreifer Kaninchen einem Kohlenstoffatom , auf das eine Doppelbindung folgen kann (oder nicht). Die Verbindungsstrecken von nach oder von nach entsprechen Einfachbindungen, die Verbindungsstrecken von nach Doppelbindungen. In den Gleichungen der Modellierung ist dann (bzw. ) die Anzahl der Kohlenstoffatome (bzw. ). – Jeder Pfad von zu einem Kohlenstoffatom der -ten Generation entspricht genau einer uaM mit Kohlenstoffatomen; die Zuordnung ist bijektiv. Also ist die Anzahl der in der -ten Generation betrachteten Kohlenstoffatome gleich der Anzahl der uaM mit Kohlenstoffatomen.

Ihre früheste bekannte Erwähnung findet sich unter dem Namen mātrāmeru („Berg der Kadenz“) in der Chhandah-shāstra („Kunst der Prosodie“) des Sanskrit-Grammatikers Pingala (um 450 v. Chr. oder nach anderer Datierung um 200 v. Chr.). In ausführlicherer Form behandelten später auch Virahanka (6. Jh.) und besonders dann Acharya Hemachandra (1089–1172) diese Zahlenfolge, um die rechnerische Möglichkeit der Bildung von Metren durch regelmäßige Verteilung kurzer und langer Silben zu beschreiben.
In der westlichen Welt war diese Folge ebenfalls schon in der Antike Nikomachos von Gerasa (um 100 n. Chr.) bekannt. Sie ist aber mit dem Namen des italienischen Mathematikers Fibonacci verbunden, der in seinem Liber abbaci („Buch der Rechenkunst“, Erstfassung von 1202 nicht erhalten, zweite Fassung von ca. 1227) diese Zahlenfolge mit dem Beispiel eines Kaninchenzüchters beschrieb, der herausfinden will, wie viele Kaninchenpaare innerhalb eines Jahres aus einem einzigen Paar entstehen, wenn jedes Paar ab dem zweiten Lebensmonat ein weiteres Paar pro Monat zur Welt bringt:


Fibonacci illustrierte diese Folge durch die einfache mathematische Modellierung des Wachstums einer Population von Kaninchen nach folgenden Regeln:
Fibonacci begann die Folge, nicht ganz konsequent, nicht mit einem neugeborenen, sondern mit einem trächtigen Paar, das seinen Nachwuchs bereits im ersten Monat wirft, sodass im ersten Monat bereits 2 Paare zu zählen sind. In jedem Folgemonat kommt dann zu der Anzahl der Paare, die im Vormonat gelebt haben, eine Anzahl von neugeborenen Paaren hinzu, die gleich der Anzahl derjenigen Paare ist, die bereits im vorvergangenen Monat gelebt hatten, da der Nachwuchs des Vormonats noch zu jung ist, um jetzt schon seinerseits Nachwuchs zu werfen. Fibonacci führte den Sachverhalt für die zwölf Monate eines Jahres vor (2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144, 233, 377) und wies auf das Bildungsgesetz der Folge durch Summierung jeweils zweier aufeinanderfolgender Folgenglieder (2+3 = 5, 3+5 = 8, 5+8 = 13 usw.) hin. Er merkte außerdem an, dass die Folge sich nach diesem Prinzip für eine unendliche Zahl von Monaten fortsetzen lässt, was dann allerdings unsterbliche Kaninchen voraussetzt: „et sic posses facere per ordinem de infinitis numeris mensibus.“ Weitere Beachtung hatte er dem Prinzip in seinen erhaltenen Werken nicht geschenkt.
Eine 2014 erschienene, mathematisch-historische Analyse zum Leben des Fibonacci, insbesondere zu seinem Aufenthalt in der nordafrikanischen Hafenstadt Bejaia (im heutigen Algerien), kam zu dem Schluss, dass der Hintergrund der Fibonacci-Folge gar nicht bei einem Modell der Vermehrung von Kaninchen zu suchen ist (was schon länger vermutet wurde), sondern vielmehr bei den Bienenzüchtern von Bejaia und ihrer Kenntnis des Bienenstammbaums zu finden ist. Zu Leonardos Zeit war Bejaia ein wichtiger Exporteur von Bienenwachs, worauf noch heute der französische Name der Stadt (Bougie, wie das frz. Wort für Kerze) hinweist.
Nachdem spätere Mathematiker wie Gabriel Lamé (1795–1870) die Entdeckung dieser Zahlenfolge für sich beansprucht hatten, brachten Édouard Lucas (1842–1891) und andere wieder in Erinnerung, dass der zu dieser Zeit älteste bekannte Beleg von Fibonacci stammte, und unter dem Namen „Fibonacci-Folge“ („suite de Fibonacci“, „Fibonacci sequence“, „successione di Fibonacci“) ist sie seither in den meisten westlichen Sprachen geläufig.
| Mathematische Modellierung des Wachstums von Fibonaccis Kaninchen-Population
Sei die Anzahl der geschlechtsreifen bzw. die Anzahl der nicht geschlechtsreifen Kaninchen der -ten Generation, entsprechend für die Generationen und . Nach den oben angegebenen Regeln ist mit diesen Bezeichnungen:
Einsetzen von (1’) in (1) und anschließende Addition von (2) ergibt
für die Gesamtzahl , , von Kaninchen der jeweiligen Generation also
was dem angegebenen rekursiven Bildungsgesetz der Fibonacci-Folge äquivalent ist. Mit beschreibt dieses Modell die in der Zeichnung angegebene Generationenfolge. |
Die Zahlentheoretiker Édouard Lucas und J. Wasteels (1865–1909) zeigten Jahrhunderte später, dass aufeinanderfolgende Fibonacci-Zahlen der Gleichung
genügen, und damit deren Bedeutung für die Zahlentheorie.
Bei der Fibonacci-Hyperbel
sind
sowie bei der (nach geeigneter Transformation daraus erhaltenen) Gleichung
sind
die (einzigen) ganzzahligen Lösungen im 1. Quadranten.

In Kunst und Unterhaltung wird die Fibonacci-Folge als etwas Besonderes, im Medium noch nicht Dagewesenes aufgegriffen. Ihre mathematische Bedeutung bleibt dabei im Hintergrund.

Die Fibonacci-Folge ist namensgebend für folgende Datenstrukturen, bei deren mathematischer Analyse sie auftritt.
Die Prinzipien der Fibonacci-Folge können auch auf ähnliche Zahlenfolgen angewendet werden. So besteht die Tribonacci-Folge gleichfalls aus aufeinanderaddierten Zahlen. Hierbei werden aber die drei vorangegangenen Zahlen addiert, um die jeweils nächste zu bilden:
Die ersten Glieder lauten:
Die Tribonaccizahlen tauchen bei einigen geometrischen Figuren auf.
Genau so, wie die Fibonaccizahlen aus 2 und die Tribonaccizahlen aus 3 Gliedern errechenbar sind, lassen sich die n-Bonaccizahlen (so auch Tetra- und Pentanaccizahlen) aus Gliedern bilden.
Die Stern-Brocot-Folge hat ein ähnliches Bildungsgesetz und weist ähnlich vielfältige mathematische Besonderheiten auf wie die Fibonacci-Folge.