Nymphomaniac

Film
Titel Nymphomaniac
Transkription NYMPH()MANIAC
Produktionsland Dänemark, Deutschland, Frankreich, Belgien, UK
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2013
Länge Kinofassung:
I: 117 Minuten
II: 124 Minuten
Director’s Cut:
I: 148 Minuten
II: 178 Minuten
Altersfreigabe
  • FSK 16
    FSK 18 (Director’s Cut Teil II)
Stab
Regie Lars von Trier
Drehbuch Lars von Trier
Produktion Louise Vesth
Kamera Manuel Alberto Claro
Schnitt Morten Højbjerg
Molly Malene Stensgaard
Besetzung

Nymphomaniac (Eigenschreibweise: NYMPH()MANIAC) ist ein europäisches Filmdrama in zwei Teilen von Lars von Trier aus dem Jahr 2013. Charlotte Gainsbourg und Stacy Martin spielen die Hauptfigur der „Joe“ in verschiedenen Altersstufen.

Handlung

Die 50-jährige Nymphomanin Joe wird nach einer Schlägerei von dem alternden Junggesellen Seligman gerettet. In einem Gästebett in dessen Wohnung liegend erzählt sie diesem ihre sexuelle Lebensgeschichte in acht Kapiteln.

Seligman, ein schüchterner Gelehrter, der nie Sex hatte außer mit sich selbst und sich als asexuell versteht, hat Joes Lebensgeschichte bis zum Ende angehört. Sie ist inzwischen sehr müde geworden und er lässt sie schlafen. Zuvor gibt sie ihm zu verstehen, dass sie ihre Nymphomanie nun doch bekämpfen möchte, und sieht Seligman als ersten neuen Freund im Leben danach. Später geht er in das Zimmer und schlägt die Decke auf, unter der Joe halbnackt liegt. Er fängt an, auf sie zu masturbieren. Joe erwacht und protestiert. Als Seligman nach Argumenten für sein Handeln sucht, greift sie nach ihrer Pistole. Das Bild blendet aus, und man hört, wie sie durchlädt, ihn erschießt und anschließend die Wohnung verlässt.

Hintergrund

Rezeption

Der erste Teil des Films Nymphomaniac wurde bei Rotten Tomatoes überwiegend positiv bewertet und erreichte ein „Rating“ von 76 Prozent, basierend auf 203 Rezensionen. Der zweite Teil fiel dagegen mit 59 % bei 127 Rezensionen etwas ab.

„Von Trier […] ist nur leider zu sehr in seinem doch ziemlich privaten Kreativenirrsinn verstrickt, als dass aus seiner Versuchsanordnung wirklich tolles Kino werden könnte. Kann sein, dass der Mann ein Depressiver ist; kann sein, dass er sich als Leidensaugust selbstvermarktet; kann sein, dass er sehr doofe oder sehr gescheite Gedanken denkt. Egal. Dem Zuschauer kann das, entgegen vieler biografistischer Herumdeuteleien, völlig wurscht sein. […] Im Kinosaal aber ist ‚Nymphomaniac‘ lärmend unterhaltsam und erschütternd spannungsfrei. In dieser Story, die angeblich von Geilheit und Glücksstreben berichtet, herrscht die Dramaturgie des Leierkastens.“

– Wolfgang Höbel: Spiegel Online

„Wer sich in diese triste Seelenschau vorwagt, wird zwar ein krankes Schicksal entdecken, aber durch eine von Genialität, Bildgewalt und Vieldeutigkeit getragene Filmkunst belohnt. Jenseits des ungeschönten Blicks in den Orkus beherrscht es der dänische Grossmeister des Psychokinos wie kaum ein anderer, die Gebirge unserer Sehnsüchte und Hoffnungen aufzuzeigen. Im Angesicht eines leuchtenden Firmaments vernimmt das Publikum zu Beginn und zum Schluss Joes Traum […] – ein Moment voller poetischer Intensität.“

– Björn Hayer: Neue Zürcher Zeitung

„Während all die expliziten Szenen, die im Vorfeld den Ruf des Films bestimmten, durchintellektualisiert und steril daherkommen, erweist sich NYMPHOMANIAC als »schlüpfrig« in ganz anderem Sinne. Man kriegt diesen Film interpretatorisch nicht zu fassen. Wo der Ernst aufhört und die Farce beginnt, wo es um weibliche Sexualität und wo um männliche Projektion geht, darüber gibt zumindest der erste Teil, egal ob in der kürzeren oder der Director’s-Cut-Fassung, noch keine echte Auskunft.“

– Barbara Schweizerhof: epd Film

Der Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt bezeichnet Nymphomaniac als ein ungewöhnliches und anspruchsvolles Werk, das weniger einem klassischen Spielfilm als vielmehr einem filmischen Essay gleiche. Der Film sei nicht auf eine spannungsgeladene Handlung ausgerichtet, sondern ziele darauf ab, zum Nachdenken anzuregen.

Schmitt kritisiert die Zweiteilung des Films, da dadurch der inhaltliche Zusammenhang und die dramaturgische Wirkung geschwächt würden. Besonders hebt er hervor, dass der Film bewusst mit den Erwartungen des Publikums spiele. Obwohl Nymphomaniac aufgrund seiner expliziten Darstellungen häufig auf seine Sexszenen reduziert werde, gehe es inhaltlich um wesentlich tiefere Themen wie Begehren, Einsamkeit und die Komplexität menschlicher Beziehungen.

Im Zentrum der Handlung steht die Figur Joe, die einem älteren Mann namens Seligman ihr von Sexualität geprägtes Leben erzählt. Dabei werde Sex nicht im Sinne von Lust oder Liebe dargestellt, sondern als zunehmend sinnentleert und mechanisch erfahren. In einigen Szenen werde Sexualität sogar mathematisch oder musikalisch abstrahiert, was laut Schmitt auf eine Entfremdung und Rationalisierung emotionaler Erfahrung hinweise.

Besondere Bedeutung misst Schmitt Joes selbstbewusster Abgrenzung von gesellschaftlichen Normen bei. So betont die Protagonistin: „Ich bin nicht sexsüchtig, ich bin nymphomanisch“, womit sie sich gegen eine pathologisierende Sichtweise und gegen therapeutische Vereinnahmung wendet. Joe lehnt gesellschaftliche Anpassung bewusst ab und beansprucht für sich ein autonomes, wenn auch konflikthaftes Leben außerhalb normativer Vorstellungen.

Nach Schmitt verfolgt von Trier mit dem Film das Ziel, die Zuschauer mit ihren eigenen Vorstellungen von Sexualität, Moral und Kunst zu konfrontieren. Nymphomaniac verweigere einfache Antworten und fordere dazu auf, das Vertraute zu hinterfragen.

Auszeichnungen

Charlotte Gainsbourg gewann 2014 für beide Teile die dänische Bodil als beste Hauptdarstellerin. Im selben Jahr folgten mehrere Nominierungen für den Europäischen Filmpreis (Bester Film, Beste Darstellerin – Charlotte Gainsbourg, Bester Darsteller – Stellan Skarsgård, Publikumspreis). Die Director’s-Cut-Fassung wurde 2015 bei der Verleihung des dänischen Filmpreises Robert in acht Kategorien ausgezeichnet, darunter Bester dänischer Film, Beste Regie und Bestes Originaldrehbuch.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 Freigabebescheinigung für Nymphomaniac: Volume I. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK-Nummer: 142878/V; abgerufen am 17. April 2026).
  2. 1 2 Freigabebescheinigung für Nymphomaniac: Volume II. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK-Nummer: 143436/V; abgerufen am 17. April 2026).
  3. 1 2 Freigabebescheinigung für Nymphomaniac: Volume I – Director’s Cut. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK-Nummer: 142878-a/V; abgerufen am 17. April 2026).
  4. 1 2 3 Freigabebescheinigung für Nymphomaniac: Volume II – Director’s Cut. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK-Nummer: 143436-a/V; abgerufen am 17. April 2026).
  5. ↑ Company Credits. Nymphomaniac: Vol. I (2013). Internet Movie Database, abgerufen am 7. Januar 2014.
  6. ↑ IMDb Filming Locations Nymphomaniac. Abgerufen am 7. Januar 2014.
  7. ↑ Wettbewerb, außer Konkurrenz, Nymphomaniac Volume I (Long Version) In: Berlinale-Katalog 2014, S. 37
  8. ↑ Nymphomaniac Volume I (long version) (Berlinale-Programm)
  9. ↑ Nymphomaniac kommt im Director’s Cut nach Berlin – schnittberichte.com
  10. ↑ Nymphomaniac: Volume I. Internet Movie Database, abgerufen am 10. Juni 2015.
  11. ↑ Nymphomaniac: Volume II. Internet Movie Database, abgerufen am 10. Juni 2015.
  12. ↑ NYMPHOMANIAC VOL. 1 + 2 (DIRECTOR’S CUT). Stockholms filmfestival, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 18. November 2014; abgerufen am 28. März 2016 (englisch).
  13. ↑ Pascal Rudolph: Präexistente Musik im Film. edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, 2022, ISBN 978-3-96707-757-5, S. 68, doi:10.5771/9783967077582.
  14. ↑ Pascal Rudolph: Präexistente Musik im Film. edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, 2022, ISBN 978-3-96707-757-5, S. 131–145, doi:10.5771/9783967077582.
  15. ↑ Pornodarsteller Conny Dachs: Der letzte seiner Art von Sebastian Dalkowski auf www.faz.net, Seite 3 (Frankfurter Allgemeine Zeitung), 6. Mai 2013
  16. ↑ Pascal Rudolph: Präexistente Musik im Film. edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, 2022, ISBN 978-3-96707-757-5, S. 68, doi:10.5771/9783967077582.
  17. ↑ Pascal Rudolph: Präexistente Musik im Film. edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag, 2022, ISBN 978-3-96707-757-5, S. 42–43, doi:10.5771/9783967077582.
  18. ↑ Nymphomaniac: Volume I. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 8. März 2022 (englisch).
  19. ↑ Nymphomaniac: Volume II. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 8. März 2022 (englisch).
  20. ↑ Wolfgang Höbel: Lars von Triers „Nymphomaniac 1“. Sex und Sinnsprüche. In: Spiegel Online, abgerufen am 26. Februar 2014
  21. ↑ Björn Hayer: Eine Feier des Tabubruchs. In: Neue Zürcher Zeitung, abgerufen am 8. April 2014
  22. ↑ Barbara Schweizerhof: Nymphomaniac. In: epd Film, abgerufen am 10. April 2015
  23. ↑ Filmanalyse: NYMPHOMANIAC 1 & 2 - Kritik & Analyse zu Lars von Triers Meisterwerk. 21. Februar 2014, abgerufen am 17. Mai 2025.
  24. ↑ Robert-Vindere 2015 dfi.dk, abgerufen am 9. August 2015.