Filialkirche Kreith

Die Herz-Jesu-Kirche von Süden
Blick zum Chor
Blick zur Empore
Glasmalereifenster Therese von Lisieux

Die Filialkirche zum heiligsten Herzen Jesu steht zentral in der Streusiedlung Kreith in der Pfarre und Gemeinde Mutters in Tirol. Sie wurde von 1924 bis 1928 errichtet und steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag). Es handelt sich um einen der wenigen Kirchenbauten der Zwischenkriegszeit in Tirol.

Geschichte

Von 1803 bis 1804 wurde unterhalb des heutigen Standortes eine Kapelle erbaut. 1912 bewilligte das bischöfliche Ordinariat in Brixen die Aufbewahrung des Allerheiligsten und die Feier von Gottesdiensten in der Kapelle. Da diese vermutlich zu klein geworden war, wurde am 3. Dezember 1913 ein Baukomitee für einen Neubau gegründet, der am 9. Dezember vom Brixner Ordinariat bewilligt wurde. Die Umsetzung der nicht erhaltenen Pläne wurde insbesondere durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhindert. Der Wunsch nach einer eigenen Kirche blieb bestehen und 1924 wurde neuerlich ein Baukomitee gebildet. Ingenieur Max Thaler, ein Mitarbeiter Clemens Holzmeisters, und Baumeister Alois Flür entwarfen die Pläne. Am 18. Juni 1924 genehmigte die Gemeindevorstehung der damals noch eigenständigen Gemeinde Kreith den Bau auf dem der Gemeinde gehörenden Grund. Am 29. Juni 1924 bewilligte die Apostolische Administratur Innsbruck-Feldkirch den Bau, für den 30 Millionen Kronen veranschlagt wurden.

Am 28. Juli 1924 begannen die Arbeiten unter reger Mithilfe der Bevölkerung. Am 2. August segnete der Wiltener Abt Heinrich Schuler den Grundstein und schon acht Wochen später, am 29. September, konnte die Firstfeier begangen werden. Finanzielle Engpässe verzögerten allerdings die Innengestaltung, die erst 1928 abgeschlossen werden konnte. Für die Ausmalung wurde unter drei Bewerbern Ernst Nepo ausgewählt. Am 21. Dezember 1927 benedizierte Abt Schuler die Kirche, am 28. Oktober 1928 weihte sie Bischof Sigismund Waitz zu Ehren des Heiligsten Herzens Jesu. Im Zweiten Weltkrieg mussten zwei der drei Glocken abgegeben werden, aber die Kirche blieb bei Luftangriffen unbeschädigt.

1978 wurde die Kirche restauriert und das 50-jährige Jubiläum mit einem Pontifikalamt begangen.

Beschreibung

Äußeres

Die Kirche ähnelt in Anlage und Form der Fenster der von Clemens Holzmeister entworfenen Pfarrkirche Batschuns, wobei Thaler die Anlage vereinfacht und auf den hohen Turm verzichtet hat. Das mit einem Walmdach gedeckte, rechteckige Langhaus hat zwei querschiffartige Anbauten, die im Norden eine Seitenkapelle und im Süden die Sakristei beherbergen. Im Westen schließt der dreiseitig geschlossene Chor an, im Osten eine gemauerte, offene Vorhalle. Darüber erhebt sich ein gedrungener, turmartiger Giebelreiter mit Zeltdach. Im Giebelfeld befindet sich ein Wandbild des hl. Josef von Ernst Nepo von 1928.

Inneres

Im Inneren wird das Kirchenschiff von einer Holzbalkendecke abgeschlossen. Die Empore mit je drei Spitzbogenöffnungen trennt einen kleinen Vorraum ab. Die Spitzbogenform findet sich auch beim Chorbogen, der Altarnische und den Fenstern wieder.

Die Wandbilder und Glasmalereifenster entwarf Ernst Nepo im Stil der Neuen Sachlichkeit. Am Chorbogen ist die Verkündigung an Maria dargestellt, an der Rückwand der Erzengel Michael und ein Todesengel. Die Fenster wurden nach den Kartons Nepos 1928 von der Tiroler Glasmalerei und Mosaik Anstalt ausgeführt. Sie zeigen im Chor links und rechts des Altars je einen Engel, in der Seitenkapelle die hl. Therese von Lisieux und in der Sakristei den hl. Johannes Nepomuk.

Das Herz-Jesu-Bild am Altar wurde von Anna Maria von Oer gemalt. Der Fußboden, die Kommunionbank und die Bänke wurden nach Entwürfen von Max Thaler ausgeführt.

Glocken

Von den ursprünglich drei Glocken wurden zwei im Gewicht von 133 und 77 kg 1942 beschlagnahmt und eingeschmolzen. Bereits 1946 wurden von der Firma Graßmayr zwei neue Glocken gegossen und am 2. Juni geweiht: die 140 kg schwere Herz-Jesu-Glocke und die Christusglocke mit 75,5 kg.

Literatur

Commons: Filialkirche Kreith – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 12′ 15,1″ N, 11° 22′ 45,2″ O