Filz-Brandlattich

Filz-Brandlattich

Filz-Brandlattich (Homogyne discolor)

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Senecioneae
Gattung: Brandlattich (Homogyne)
Art: Filz-Brandlattich
Wissenschaftlicher Name
Homogyne discolor
(Jacq.) Cass.

Der Filz-Brandlattich (Homogyne discolor), auch Zweifarbiger Brandlattich genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Brandlattich (Homogyne) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Beschreibung

Illustration aus Atlas der Alpenflora
Blütenkörbe

Vegetative Merkmale

Der Filz-Brandlattich wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 15 Zentimetern. Der unverzweigte Stängel ist wollig behaart und besitzt meist zwei bis drei schuppenförmige Stängelblätter.

Die grundständigen Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die ledrige Blattspreite ist rundlich-nierenförmig mit einem Durchmesser von 1 bis 3 Zentimetern und rundum gekerbt. Die glänzende Blattoberseite ist fast kahl und dunkelgrün, mit eingesenkten Nerven, wodurch die Blattspreite runzelig erscheint. Die Blattunterseite ist dicht grau- bis weißfilzig. Auch der Blattstiel ist wollfilzig.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Der Stängel ist unter dem Blütenkopf verdickt.

Das endständigen Blütenkörbchen ist bei einer Länge von bis 15 Millimetern breit-eiförmig. Die einreihigen Hüllblätter sind breit-lanzettlich mit zugespitztem oberen Ende, kahl oder nur am Grund wollig und braun-rot. In einem Blütenkörbchen befinden sich 30 bis 40 hell-purpurfarbene bis blass-rötliche Röhrenblüten: Sie sind etwas länger als die Korbhülle. Die Scheibenblüten sind 7 bis 8 Millimeter lang. Die Narbenlappen sind keulenförmig.

Die Achänen sind 3 bis 5 Millimeter lang mit einem 5 bis 7 Millimeter langen schmutzigweißen Pappus.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 60.

Blütenbiologie

Die stark reduzierten Randblüten haben einen stark herausragenden Narbenlappen, haben einen verkümmerten Kronsaum, sind rein weiblich und enthalten keinen Nektar. Die zwittrigen Scheibenblüten sind vormännlich. Da die Blütenbesucher – vor allem Falter und Fliegen, nur selten Hummeln – zuerst auf die Randblüten stoßen, ist die Fremdbestäubung weitgehend gesichert.

Vorkommen

Der Filz-Brandlattich ist nur von den Ostalpen von Bayern über Österreich, Italien, Slowenien bis Bosnien und Herzegowina verbreitet.

In Deutschland kommt der Filz-Brandlattich nur in den Berchtesgadener Alpen vor.

In Österreich ist der Filz-Brandlattich in den Kalkalpen häufig, in den Zentralalpen sehr selten von der subalpinen bis alpinen Höhenstufe; er fehlt im Westen (Vorarlberg und Tirol) sowie im Burgenland und Wien.

Standorte dieser Kalkzeiger sind meist steinige Rasen, Zwergstrauchheiden und Schneeböden. Der Filz-Brandlattich gedeiht in Höhenlagen von 1400 bis 2400 Metern. Der Filz-Brandlattich ist eine Charakterart des Verbandes Arabidion caeruleae, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften des Poion alpinae vor.

Systematik

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1775 unter dem Namen (Basionym) Tussilago discolor durch Nikolaus Joseph von Jacquin in Florae Austriacae, sive plantarum selectarum in Austriae archiducatu sponte crescentium, icones, Band 3, Seite 27. Die Neukombination zu Homogyne discolor (Jacq.) Cass. wurde 1821 durch Alexandre Henri Gabriel de Cassini in F. Cuvier: Dictionnaire des Sciences Naturelles, 2. Auflage, Band 21, Seite 413 veröffentlicht. Ein weiteres Synonym für Homogyne discolor (Jacq.) Cass. ist Tussilago alpina Scop. non L. Das Artepitheton discolor leitet sich aus dem Lateinischen ab für „verschiedenfarbig, bunt“ und verweist auf die verschiedenfarbigen Laubblätter.

Nahe verwandt ist der Alpen-Brandlattich (Homogyne alpina), der sich aber durch unterseits grüne Laubblätter auszeichnet. Homogyne alpina ist vermutlich eine Hybride aus Homogyne discolor und Homogyne sylvestris.

Trivialnamen

Weitere Trivialnamen sind Verschiedenfarbiger oder Zweifarbiger Brandlattich. Die Gattung Homogyne wird auch als Alpenlattich bezeichnet und diese Art als Filziger Alpenlattich.

Sonstiges

Früher wurde angenommen, dass der Filz-Brandlattich die Milchleistung des Vieh steigere und die Milchqualität erhöhe. Darauf bezieht sich etwa auch der volkstümliche Name „Rahmplätschen“. Der Filz-Brandlattich wird jedoch als „Unkraut“ betrachtet, das durch seine kleinen ledrigen Blätter nur einen geringen Futterwert bietet.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 242.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 Gerhard Wagenitz et al.: Familie Compositae II. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band VI, Teil 3, S. 700–701. Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1987, ISBN 3-489-86020-9.
  3. 1 2 Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 948.
  4. 1 2 3 4 Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). In: W. Greuter, E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Datenblatt Homogyne discolor In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
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