Senecioneae

Senecioneae

Euryops virgineus

Systematik
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Senecioneae
Wissenschaftlicher Name
Senecioneae
Cass.

Die Tribus Senecioneae gehört zur Unterfamilie Asteroideae innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie enthält etwa 150 Pflanzengattungen mit etwa 3200 Arten und gehört damit zu den artenreichsten Tribus der Asteraceae. Etwa ein Drittel der Arten gehören zur Gattung Greiskräuter (Senecio), die eine der artenreichsten Gattungen (heute mit etwa 1000 Arten, vor der Ausgliederung von Gattungen waren es bis zu 3000 Arten, gegliedert in etwa 125 Sektionen) der Bedecktsamigen Pflanzen ist.

Beschreibung

Illustration des Grauen Alpendosts (Adenostyles alliariae)
Details des Blütenkörbchens von Farfugium japonicum: A Blütenkorb Längsschnitt, B Röhrenblüte C Zungenblüte, D Korbboden mit einem Hüllblatt
Gesamtblütenstände mit Blütenkörben des Ligularia alatipes
Fruchtstände des Gewöhnlichen Greiskrauts (Senecio vulgaris)

Vegetative Merkmale

Es sind meist ein-, zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, selten sind es verholzende Pflanzen: Halbsträucher, Sträucher oder Bäume. Einige Arten sind Xerophyten, wenige Arten sind Kletterpflanzen und eine Besonderheit sind die Schopfbaum-Arten. Die meist wechselständig, manchmal in Rosetten, selten gegenständig angeordneten Laubblätter sind gestielt oder ungestielt mit meist einfacher bis gelappter bis tief-geteilter Blattspreite.

Generative Merkmale

Oft in verzweigten, doldentraubigen, traubigen Gesamtblütenständen stehen die körbchenförmigen Teilblütenstände zusammen, bei einigen Arten stehen sie einzeln. Die ungestielten oder gestielten Blütenkörbchen sind kugelig bis scheibenförmig. Wenige bis viele gleichgestaltige Hüllblätter stehen in ein oder zwei, selten mehreren Reihen; sie können frei oder verwachsen sein und umschließen das Blütenkörbchen. Häufig sind wenige sehr viel kleinere und meist randlich an der Basis der Hüllblätter angeordnete Hochblätter vorhanden; sie besitzen meist eine nekrotische Spitze. Der flache bis erhabene, selten kegelförmige Blütenstandsboden ist meist nackt oder wabenförmig. Im körbchenförmigen Blütenstand befinden sich radiärsymmetrische Röhrenblüten, sogenannte Scheibenblüten, und am Rand zygomorphe Zungenblüten, sogenannte Strahlenblüten.

Die Zungenblüten sind weiblich mit zwei Griffelästen. Die vier- oder fünfzähligen Röhrenblüten sind zwittrig oder funktional männlich. Ihre Kronblätter sind röhrig, trichter- bis glockenförmig verwachsen mit vier oder fünf Kronlappen. Es sind vier oder fünf Staubblätter mit gerader Staubfadenröhre. Es sind zwei Griffeläste vorhanden und manchmal behaarte Anhängsel.

Die zylindrischen, dreikantigen bis ellipsoid-länglichen oder manchmal abgeflachten Achänen sind gerippt oder glatt, unbehaart oder behaart. In dieser Tribus ist meist ein Pappus vorhanden; er besteht aus wenigen bis vielen weißen oder farbigen Pappusborsten in einer oder mehreren Reihen, oft aus feinen, weichen Haaren; er kann weiß oder andersfarbig und haltbar oder schnell vergänglich sein.

Vorkommen

Die Tribus Senecioneae besitzt eine fast weltweite Verbreitung. Man vermutet ihren Ursprung in sommertrockenen Habitaten des späten Tertiärs. Dies begründet wohl, dass die Verbreitungsschwerpunkte der Senecioneae heute in mediterranen Klimagebieten liegt. Sie ist eine der wenigen Pflanzengruppen, von der man Arten in allen fünf Gebieten der Welt mit mediterranem Klima findet: im Mittelmeerraum, in der Kalifornischen Floren-Provinz, in Zentral-Chile, in der Capensis und im südwestlichen Australien. Die Subtribus Othonninae und Senecioninae haben ihren Ursprung beide im Subsahara-Afrika. Senecio ist die einzige Gattung der Tribus, die in allen fünf Gebieten mit mediterranem Klima vorkommt. Aber die Taxa der Tribus Senecioneae haben sich auch in den borealen, kühl-gemäßigten oder tropischen Klimazonen ausgebreitet. Die Besiedlung so vieler unterschiedlicher Lebensräume führte zu vielfältigen morphologischen Anpassungen.

Hier einige Beispiele von Gebieten der Erde mit den Anzahlen der vorkommenden Gattungen und Arten: In Nordamerika kommen etwa 29 Gattungen mit etwa 167 Arten vor. In China kommen etwa 22 Gattungen mit etwa 261 Arten vor. In Brasilien kommen acht Gattung mit 97 Arten vor, beispielsweise im brasilianischen Bundesstaat Bahia sind fünf Gattungen und nur zwölf Arten beheimatet: Hoehneophytum (drei Arten), Emilia (drei Arten), Erechtites (drei Arten), Pseudogynoxys (eine Art) und Senecio (drei Arten). Auf der Insel Hispaniola gibt es insgesamt sieben Gattungen mit 27 Arten: Senecio (16 Arten), Erechtites (zwei Arten), Emilia (drei Arten), Pseudogynoxys (eine Art) und die dort endemischen Gattungen Herodotia (drei Arten), Mattfeldia (eine Art) und Ignurbia (eine Art).

Acrisione denticulata
Laubblätter und Gesamtblütenstand mit vielen Blütenkörben des Weißfilzigen Alpendost (Adenostyles leucophylla)
Blütenkörbchen von Blennosperma nanum mit Zungen- und Röhrenblüten
Strauchförmig wachsende Brachyglottis repanda
Die rankende Delairea odorata
Der Schopfbaum Dendrosenecio kilimanjari
Elekmania barahonensis
Emilia sonchifolia
Eriotrix lycopodioides
Euryops pectinatus
Habitus und Laubblätter von Gynura aurantiaca, sie wird als Zierpflanze verwendet
Alpen-Brandlattich (Homogyne alpina)
Pericallis webbii
Duftende Pestwurz (Petasites pyrenaicus)
Sukkulenter Senecio rowleyanus
Habitus und Blütenstände des Tangutienkrautes (Sinacalia tangutica)
Habitus und Blütenkörbe von Tephroseris takedana
Habitus und Blütenkörbe von Tetradymia canescens im Habitat
Beim Huflattich (Tussilago farfara) stehen die Blütenkörbchen einzeln
Polsterbildendes Xenophyllum humile
Habitus und Blütenstände von Yermo xanthocephalus am einzigen Naturstandort in Wyoming

Systematik

Als Erstveröffentlichung des Tribusnamens Senecioneae gilt Alexandre Henri Gabriel de Cassini: Journal de Physique, de Chimie, d'Histoire Naturelle et des Arts, 88, 1819, S. 196. Die Tribus Senecioneae Cass. enthält etwa 150 Gattungen mit 3200 Arten. Sie wird in früher sieben bis heute zehn (Pieter B. Pelser et al. 2007) Subtribus gegliedert: Adenostylinae Benth. & Hook.f., Blennospermatinae, Tephroseridinae C.Jeffrey & Y.L.Chen, Abrotanellinae H.Rob., G.D.Carr, R.M.King & A.M.Powell, Othonninae, Senecioninae (Cass.) Dum., Tussilagininae (Cass.) Dum., und neu ausgegliedert aus Tussilagininae: Brachyglottidinae, Chersodominae und Doronicinae Y.R.Ling.

Alphabetische, vollständige Gattungsliste und Verbreitung (Stand 2013)

Die Garten-Zinerarie (Pericallis hybrida) ist eine Zierpflanze für kühle Räume.

Nutzung

Es gibt einige Arten, deren Sorten als Zierpflanzen verwendet werden. Beispiele sind Doronicum, Euryops, Farfugium, Kleinia, Ligularia, Parasenecio, Pericallis, Senecio, Sinacalia, Steirodiscus. Von einigen Arten wurden die medizinischen Wirkungen untersucht, Beispiele: Huflattich (Tussilago farfara), Pestwurzen (Petasites), Parasenecio, Ligularia und Gynura.

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Yilin Chen, Shangwu Liu, Ying Liu, Qiner Yang, Bertil Nordenstam, Irina D. Illarionova, Charles Jeffrey, Hiroshige Koyama, Leszek Vincent: In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 20: Asteraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2011, ISBN 978-1-935641-07-0. Tribe Senecioneae. S. 371–496 – textgleich online wie gedrucktes Werk.
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  3. 1 2 Bertil Nordenstam: Ignurbia, a new genus of the Asteraceae-Senecioneae from Hispaniola, In: Willdenowia, Volume 36, 2006, s. 463-468. (PDF; 184 kB)
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 David John Mabberley: Mabberley’s Plant-Book. A portable dictionary of plants, their classification and uses. 3. Auflage. Cambridge University Press, 2008, ISBN 978-0-521-82071-4 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
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  7. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 Theodore M. Barkley, Luc Brouillet, John L. Strother: Asteraceae in der Flora of North America, Volume 20, 2006: Tribe Senecioneae. – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 20 – Magnoliophyta: Asteridae, part 7: Asteraceae, part 2 (Astereae, Senecioneae). Oxford University Press, New York und Oxford, 2006. ISBN 0-19-530564-7
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  12. ↑ J. C. Manning, G. V. Cron: The genus Bolandia (Asteraceae: Senecioneae) expanded to include three discoid taxa previously treated as Senecio scapiflorus, and a note on the typification of Brachyrrhynchos. In: South African Journal of Botany, Volume 77, Issue 1, Januar 2011, S. 203–215. doi:10.1016/j.sajb.2010.07.019
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  20. ↑ Bertil Nordenstam, Pieter B. Pelser, L. E. Watson: Lomanthus, a new genus of the Compositae-Senecioneae from Ecuador, Peru, Bolivia, and Argentina. In: Compositae Newsletter, Volume 47, 2009, S. 33–41.
  21. 1 2 Alexander N. Schmidt-Lebuhn, Isabel Zeil-Rolfe, Brendan Lepschi, Ben Gooden: Expansion of Lordhowea, and a new genus for scapose, alpine Australian species of Senecioneae (Asteraceae). In: Taxon, Volume 69, Issue 4, September 2020, S. 756–777. doi:10.1002/tax.12321
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  24. ↑ Alejandra Correa: Revision of the genus Paragynoxys (Asteraceae, Senecioneae–Tussilagininae). In: Brittonia Volume 55, Issue 2, 2003, S. 157–168. doi:10.1663/0007-196X(2003)055[0157:ROTGPA]2.0.CO;2
  25. ↑ A. Michele Funston: Taxonomic Revision of Roldana (Asteraceae: Senecioneae), a Genus of the Southwestern U.S.A., Mexico, and Central America. In: Annals of the Missouri Botanical Garden, Volume 95, Issue 2, 2008, S. 282–337. doi:10.3417/2003151
  26. 1 2 Victoria Ann Funk: Xenophyllum, a New Andean Genus Extracted from Werneria s.l. In: Novon Volume 7, Issue 3, 1997, S. 235 eingescannt bei biodiversitylibrary.org
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