Firgoune (auch: Firgoun, Firgoune Goungou) ist ein Dorf in der Landgemeinde Ayérou in Niger.
Geographie
Das von einem traditionellen Ortsvorsteher (chef traditionnel) geleitete Dorf liegt auf einer Höhe von 225m auf einer Insel im Fluss Niger. Es befindet sich etwa acht Kilometer nordwestlich des Hauptorts der Landgemeinde Ayérou, die zum gleichnamigen Departement Ayérou in der Region Tillabéri gehört. Dem Dorf am Flussufer vorgelagert ist der Weiler Firgoune Haoussa. Zu weiteren Siedlungen in der Umgebung von Firgoune zählen die Weiler Baramé im Nordwesten, Tchourkoundi im Südosten und Kassey im Südwesten.
Ausschnitt einer Karte von 1903 mit Firgoune (Ile Firkou) im ZentrumLokale Bevölkerung in Firgoune (1910)
Bei einer Untersuchung im April 1982 wurde beim Befall mit der Saugwürmer-Art Schistosoma haematobium unter den 4- bis 17-Jährigen im Ort eine Prävalenz von 73 Prozent festgestellt. Infolge des 2012 beginnenden Konflikts in Nordmali kam es auch im Westen Nigers zu einer Verschlechterung der Sicherheitslage. Laut einem UNHCR-Bericht vom Sommer 2018 war die Bevölkerung von Firgoune einem hohen Risiko ausgesetzt vertrieben zu werden. Bei einem mutmaßlich von Dschihadisten verübten Anschlag wurde in Firgoune am 1. November 2019 ein Mann getötet. Gemäß einer Erhebung vom September 2022 lebten im Dorf 1050 Vertriebene aus 150 Haushalten. In der Nacht vom 14. auf den 15. Januar 2023 wurde der Ortsvorsteher von Firgoune von einer nichtstaatlichen bewaffneten Gruppe entführt und ermordet. Das Armed Conflict Location and Event Data Project erfasste für das erste Quartal 2024 in der Region Tillabéri insgesamt 122 gewaltsame Konfliktfälle mit 394 Toten und nannte Firgoune unter den betroffenen Orten. Eine 2025 durchgeführte Untersuchung der nigrischen Regierung mit Unterstützung des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen stufte Firgoune als einen der 1285 Orte in Niger ein, die in Hinblick auf die Ernährungssicherheit äußerst verwundbar waren. In diesem Jahr kam es zu Viehdiebstählen im Ort.
Bevölkerung
Bei der Volkszählung 2012 hatte Firgoune 715 Einwohner, die in 105 Haushalten lebten. Bei der Volkszählung 2001 betrug die Einwohnerzahl 895 in 136 Haushalten und bei der Volkszählung 1988 belief sich die Einwohnerzahl auf 1684 in 262 Haushalten.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Zu den Sehenswürdigkeiten in Firgoune zählen eine alte Moschee und ein heiliger Hügel im Zentrum des Dorfs.
Der französische Filmemacher Jean Rouch drehte 1947 seinen ersten Film in Firgoune: Die Kurzdokumentation Au pays des mages noirs zeigt das Geschehen um eine Flusspferd-Jagd und kam als Vorfilm zu Roberto RossellinisStromboli in die Kinos. Rouch kehrte später wiederholt ins Dorf zurück. So dokumentierte er hier 1948 in Initiation à la danse des possédés die Initiation einer jungen Songhai-Frau in einen Besessenheitstanz und 1952 in Bataille sur le grand fleuve erneut eine Flusspferd-Jagd.
Wirtschaft und Infrastruktur
Die United States Agency for International Development und der Conseil de l’Entente finanzierten die Anlage von zwei bewässerungsfeldwirtschaftlichen Arealen am Fluss Niger: Das 100 Hektar große Areal Firgoune Nord wurde 1980, das 86 Hektar große Areal Firgoune Sud 1988 realisiert. In Firgoune wird Reis angebaut. Im Jahr 2002 wurden hier 2,2% der landesweiten Reisproduktion erwirtschaftet. Die Niederschlagsmessstation in Firgoune wurde 1957 in Betrieb genommen. Es gibt einen für den grenzüberschreitenden Handel mit Mali genutzten Viehmarkt und ein einfaches Gesundheitszentrum ohne eigenes Labor und Entbindungsstation im Dorf. Außerdem ist eine Grundschule vorhanden.
Literatur
Marthe Fatima Doka:Aménagement hydro-agricole de Firgoun. Etude sociologique. Ministère de l’agriculture et de l’environnement, République du Niger, Niamey Februar 1988.
↑Julien Rechenmann:Catalogue des stations gravimétriques réoccupables en Afrique Occidentale. Mesures effectuées de 1953 à 1965. ORSTOM, Bondy 1966, S.97 (core.ac.uk[PDF; abgerufen am 9.Oktober 2022]).
↑Ibrahim Oumarou Sadou, Souleymane Amadou:Monographie de la région de Tillabéri.(PDF)Institut National de la Statistique, République du Niger,Oktober 2016,S.19,archiviertvomOriginalam28.Dezember 2021;abgerufen am 17.Januar 2022(französisch,Figure 2: Carte de zonage agro-écologique de la région de Tillabéri).
↑Charles Vera:Polymorphisme de la compatibilité entre diverses populations de Schistosoma haematobium, S. bovis et S. curassoni et les bulins hôtes potentiels en Afrique de l’Ouest. Thèse présentée à l’Université Montpellier II – Sciences et Techniques du Languedoc pour obtenir le diplôme de doctorat. Soutenue le 15 novembre 1991 devant le Jury (=Traveau et Documents Microédités. Nr.92). ORSTOM, Paris 1992, ISBN 2-7099-1122-1, S.287 (horizon.documentation.ird.fr[PDF; abgerufen am 17.September 2023]).
↑Recensement Général de la Population 1988: Répertoire National des Villages du Niger. Bureau Central de Recensement, Ministère du Plan, République du Niger, Niamey März 1991, S.273 (web.archive.org[PDF; abgerufen am 4.Mai 2019]).
↑Evaluation Hydrologique de l’Afrique Sub-Saharienne. Pays de l’Afrique de l'Ouest. Rapport de Pays: Niger. Mott MacDonald International / BCEOM / SOGREAH / ORSTOM, Cambridge / Montpellier / Grenoble August 1992, Annexe E: Liste des postes pluviométriques, S.7 (horizon.documentation.ird.fr[PDF; abgerufen am 18.März 2022]).
↑Niger DSS.In:Systeme Nationale d’Information Sanitaire (SNIS).Ministère de la Santé Publique, République du Niger,archiviertvomOriginalam8.Januar 2023;abgerufen am 15.Januar 2025(französisch).