Fisher-Information

Die Fisher-Information (benannt nach dem Statistiker Ronald Fisher) ist eine Kenngröße aus der mathematischen Statistik, die für eine Familie von Wahrscheinlichkeitsdichten definiert werden kann und Aussagen über die bestmögliche Qualität von Parameterschätzungen in diesem Modell liefert. Die Fisher-Information spielt in der asymptotischen Theorie der Maximum-Likelihood-Schätzung eine wichtige Rolle und wird auch in der Bayes-Statistik bei der Berechnung von Priorverteilungen verwendet. Sie kann auch bei der Formulierung von Teststatistiken, wie beim Wald-Test verwendet werden.

Definition

Gegeben sei ein einparametriges statistisches Standardmodell (X,𝒜,(Pϑ)ϑ∈Θ), das heißt,

Des Weiteren sei Θ eine offene Menge und es existiere die Score-Funktion

Sϑ(x):=∂∂ϑln⁡f(x,ϑ)=∂∂ϑf(x,ϑ)f(x,ϑ)

und sei endlich. Dann wird die Fisher-Information des Modells entweder definiert als

I(ϑ):=Varϑ(Sϑ)

oder als

I(ϑ):=Eϑ(Sϑ2).

Dabei bezeichnet Eϑ den Erwartungswert und Varϑ bezeichnet die Varianz bezüglich der Wahrscheinlichkeitsverteilung Pϑ. Unter der Regularitätsbedingung

∫∂∂ϑf(x,ϑ)dμ(x)=∂∂ϑ∫f(x,ϑ)dμ(x)

fallen die beiden Definitionen zusammen. Gilt zusätzlich die Regularitätsbedingung

∫∂2∂ϑ2f(x,ϑ)dμ(x)=∂2∂ϑ2∫f(x,ϑ)dμ(x),

so ist die Fisher-Information gegeben durch

I(ϑ)=−Eϑ(∂∂ϑSϑ).

Bemerkungen zur Definition

Folgende Dinge sind bei der Definition zu beachten:

Beispiele

Diskreter Grundraum: Poisson-Verteilung

Als statistisches Modell sei der Grundraum X={0,1,2,…} gegeben, versehen mit der σ-Algebra 𝒜=𝒫(X), der Potenzmenge. Für λ∈(0,∞) sei Pλ die Poisson-Verteilung. Demnach ist die Dichtefunktion, hier bezüglich des Zählmaßes, gegeben durch

f(x,λ)=λxx!e−λ.

Damit ergibt sich die Score-Funktion zu

Sλ(x)=∂∂λln⁡f(x,λ)=∂∂λ(xln⁡(λ)−ln⁡(x!)−λ)=xλ−1

Damit ist die Fisher-Information nach den Rechenregeln für die Varianz unter linearen Transformationen

I(λ)=Varλ(Sλ)=1λ.

Stetiger Grundraum: Exponentialverteilung

Als statistisches Modell sei diesmal X=(0,∞) und 𝒜=ℬ((0,∞)) gewählt. Die Pλ seien Exponentialverteilt zum Parameter λ∈(0,∞). Somit besitzen sie die Dichtefunktion (bezüglich des Lebesgue-Maßes)

f(x,λ)=λexp⁡(−λx).

Demnach ist die Score-Funktion

Sλ(x)=∂∂λln⁡f(x,λ)=∂∂λ(ln⁡(λ)−λx)=1λ−x,

folglich ist die Fisher-Information

I(λ)=Varλ(Sλ)=1λ2

Fisher-Information einer Exponentialfamilie

Ist Pϑ durch eine einparametrige Exponentialfamilie gegeben, besitzt also die Dichtefunktion

f(x,ϑ)=h(x)A(ϑ)exp⁡(η(ϑ)T(x)),

so ist die Score-Funktion gegeben durch

Sϑ(x)=η′(ϑ)T(x)+A′(ϑ)A(ϑ).

Daraus folgt für die Fisher-Information

I(ϑ)=[η′(ϑ)]2⋅Varϑ(T(x)).

Ist die Exponentialfamilie in der natürlichen Parametrisierung gegeben, als η(ϑ)=ϑ, so vereinfacht sich dies zu

Sϑ(x)=T(x)+A′(ϑ)A(ϑ) und I(ϑ)=Varϑ(T(x))

In diesem Fall ist also die Varianz der kanonischen Statistik T die Fisher-Information.

Eigenschaften und Anwendungen

Additivität

Die Fisher-Information ist im Fall unabhängig und identisch verteilter Zufallsvariablen unter der ersten Regularitätsbedingung additiv, das heißt, für die Fisher-Information ℐ(n) einer Stichprobe X1,…,Xn unabhängiger und identisch verteilter Zufallsvariabler mit Fisher-Information ℐ gilt

ℐ(n)(ϑ)=n⋅ℐ(ϑ).

Diese Eigenschaft folgt direkt aus der Gleichung von Bienaymé. Die Fisher-Information nimmt also proportional zur Anzahl n der Beobachtungen zu.

Suffizienz

Ferner gilt für suffiziente Statistiken T, dass die Fisher-Information bezüglich fϑ(X) dieselbe wie für gϑ(T(X)) ist, wobei fϑ(x)=h(x)gϑ(T(x)) gilt.

Verwendung

Benutzt wird die Fisher-Information speziell in der Cramér-Rao-Ungleichung, wo ihr Kehrwert bei Gültigkeit der angesprochenen Regularitätsbedingung eine untere Schranke für die Varianz eines Schätzers für ϑ liefert: Ist T(X) ein erwartungstreuer Schätzer für den unbekannten Parameter ϑ, dann gilt Varϑ(T(X))≥ℐ(ϑ)−1.

Erweiterungen auf höhere Dimensionen

Falls das Modell von mehreren Parametern ϑi mit 1≤i≤k abhängt, lässt sich die Fisher-Information als symmetrische Matrix ℐ(ϑ)=(ℐij(ϑ))i,j=1,…,k definieren, wobei

ℐij(ϑ)=Eϑ[∂∂ϑilog⁡fϑ(X)⋅∂∂ϑjlog⁡fϑ(X)]

gilt. Sie wird die Fisher-Informationsmatrix genannt. Die Eigenschaften bleiben im Wesentlichen erhalten. Unter der Regularitätsbedingung ist ℐ(ϑ) die Kovarianzmatrix der Score-Funktion.

Beispiel: Normalverteilung

Ist X normalverteilt mit Erwartungswert ϑ als Parameter und bekannter Varianz v>0, dann ist fϑ(x)=12πve−(x−ϑ)22v. Es folgt

∂∂ϑlog⁡fϑ(x)=x−ϑv,

also

ℐ(ϑ)=Var⁡(X−ϑv)=1v.

Betrachtet man dagegen sowohl den Erwartungswert ϑ als auch die Varianz v als unbekannte Parameter, so ergibt sich

ℐ(ϑ,v)=(1v0012v2)

als Fisher-Informationsmatrix.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Georgii: Stochastik. 2009, S. 210.
  2. ↑ Czado Schmidt: Mathematische Statistik. 2011, S. 116.