Eine fixe Idee (lateinischidea fixa‚unveränderliche Idee‘) ist als „geflügeltes Wort“ Bestandteil der (gehobenen) Umgangssprache. Das Deutsche Wörterbuch definiert fixe Idee als „eine Vorstellung, die die Seele unaufhörlich und alle andere Vorstellungen beherrschend, einnimmt“.
Begriffsgeschichte
Der deutsche Begriff erscheint in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts z.B. bei Jean Paul,
Novalis (1798/99) und Johann Adam Bergk (1799; die Vermutung des 1998er Büchmann zum Ursprung des Ausdrucks ist falsch).
Bei einer fixen Idee konzentrieren sich alle Gedanken auf ein Kernthema. Abgesehen davon denken die Betroffenen ansonsten logisch, so dass sie für vernünftig gehalten werden, wenn das kritische Gebiet nicht berührt wird.
Rainer Tölle bezeichnete fixe Idee und überwertige Idee 2008 als überholte Termini und verwendete stattdessen emotional überwertete Vorstellungen.
Begriffliche Abgrenzung
Monomanie: Die Bezeichnung wird aktuell nicht mehr benutzt, auch nicht laienhaft und hat nur historische Bedeutung, dort wesentlich als Krankheitsbegriff. Das Monomanie-Konzept wird in der modernen Psychiatrie abgelehnt.
Fixe Idee: Es handelt sich um einen Laien-Begriff, der auch literarisch verwendet wurde (z.B. Kapitän Ahab in Moby-Dick). Er hat eine abfällige Konnotation (Bedeutung). Eine Abgrenzung zu Wahn und Zwang wird kaum wahrgenommen. In der Musik gibt es den Begriff der Idee fixe (Kernthema, Leitmotiv).
Das Merkmal „überwertige Idee“ als psychopathologischer Begriff wird aktuell in der Psychiatrie benutzt. Es bezeichnet keine Krankheit an sich (die jedoch zu einer Folge der [inhaltlichen] Denkstörung werden kann). Es wird strikt von Zwang (Ich-dyston) und Wahn (Ich-synton; bei voller Ausprägung unkorrigierbar) abgegrenzt.
Trivia
In der belgisch-französischen Comic-Serie Asterix gibt es das Hündchen Idefix, das (nach der Erscheinungsfolge des französischen Originals) erstmals in dem Heft Tour de France auftritt. Wie eine fixe Idee begleitet Idefix die Helden der Erzählung, wird aber erst ganz am Ende von Obelix wahrgenommen.
Rudolf Zacharias Becker:Vorlesungen über die Pflichten und Rechte des Menschen. Band1. Expedition der Deutschen Zeitung, Gotha 1791, OCLC633538957, S.388, Fußnote (Volltextin der Google-Buchsuche): „Eine fixe Idee nennt man einen Gedanken, der in der Seele mit so vielen andern Gedanken vereinigt ist, daß er uns beständig im Gemüthe schwebt, und uns wider unsern Willen immer vorkommt. […]“
Leonard Meister:Über die Einbildungskraft in ihrem Einfluß auf Geist und Herz. Orell, Gessner, Füssli und Comp., Zürich 1795, OCLC967208704, Kapitel V. Fixe Ideen, S.31–35 (Volltextin der Google-Buchsuche).
Friedrich Wilhelm Hagen junior:Fixe Ideen. In: Studien auf dem Gebiete der aerztlichen Seelenkunde. Gemeinfassliche Vortraege von Dr. Friedrich Wilhelm Hagen, kgl. Oberarzt und Vorstand der Kreis-Irrenanstalt, Professor an der Universität zu Erlangen. Eduard Besold, Erlangen 1870, S.39–85 (Volltextin der Google-Buchsuche, HTML-Fassung– 2016 nachgedruckt als ISBN 978-3-7436-0735-4).
Peter Haffner: Die fixe Idee. 13 Versuche, die Welt zu erklären; Einstein, Scheerbart, Schliemann, Pauling, Fort, von Däniken, Doyle, Oken, Reich, Linné, Poe, Miller, Svev.NZZ, Zürich 1999, ISBN 3-85823-621-7 (als Taschenbuch: Die fixe Idee, 13 Genies und ihre Spleens. dtv 20208, München 2002, ISBN 3-423-20208-4).
Theo R. Payk: Psychopathologie: Vom Symptom zur Diagnose. 4., vollständig überarbeitete Auflage. Springer-Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-662-45531-9, S. 222 (Volltextin der Google-Buchsuche).
↑fixe Idee. In: Lexikonredaktion des Bibliographischen Instituts (Hrsg.): Meyers Großes Taschenlexikon. Band7: Feh – Gars. Mannheim/Wien/Zürich 1981, ISBN 3-411-01927-1, S.109: „fixe Idee (überwertige Idee), Vorstellung oder Meinung, die das Bewußtsein und Verhalten einer Person beherrscht; […]“
↑Rainer Tölle:Wahn. Seelische Krankheiten – Geschichtliche Vorkommnisse – Literarische Themen. Schattauer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-7945-2389-4, S.132 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche): „Emotional überwertete Vorstellungen – Diese Störungen wurden früher überwertige oder auch fixe Ideen genannt (englisch: overcharged idea, supervalent idea). Die Termini sind überholt.“
↑Eine fixe Idee. In: Redensarten-Index. Abgerufen am 7. Februar 2020 (ein Tooltip zählt Vorkommnisse bei Jean Paul auf).
↑Wahnsinn. In: Jean-Paul-Portal.Julius-Maximilians-Universität Würzburg, abgerufen am 7. Februar 2020 (Register-Eintrag mit mehreren Vorkommnissen von „fixe Idee“ und flektierten Formen davon, auch „fixer Iden“).
↑Bernd Kast:Max Stirners Destruktion der spekulativen Philosophie. Das Radikal des Eigners und die Auflösung der Abstrakta Mensch und Menschheit. Herder, Freiburg 2017, ISBN 978-3-495-81839-8, S.145, Fußnote 89 (eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).